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Montag, 06. Februar 2012
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Herzrhythmusstörungen

Auch harmlose Herzrhythmusstörungen können große Angst auslösen

Strahlend blauer Himmel, Temperaturen unter null Grad, Rauhreif auf Bäumen und Sträuchern, ein Tag so recht gemacht für einen flotten Spaziergang durch die schöne Natur. Doch der Hörsaal in der Domagkstraße füllt sich mehr und mehr, unerwartet viele Interessenten möchten an diesem sonnigen Wintertag offensichtlich lieber Vorträge über Herzrhythmusstörungen hören. Eingeladen zu dem Arzt-Patienten-Seminar hat die Medizinische Klinik und Poliklinik - Kardiologie und Angiologie der Universität Münster in Zusammenarbeit mit der Deutschen Herzstiftung, Frankfurt.

 

 

Ob eine Herzrhythmusstörung gefährlich oder harmlos ist, klärt eine genaue kardiologische Untersuchung.

Daß das Herz mal mehr mal weniger schnell schlägt, kann jeder bei sich selbst beobachten. Nimmt man aufgeregt neue Aufgaben und Anforderungen in Angriff, so schüttet der Körper Streßhormone aus, die das Herz aktivieren. Das Blut kreist schneller durch den Körper, liefert mehr Sauerstoff und Nährstoffe an Muskel und Organe, und wir können effektiver agieren und reagieren. Seelische wie auch körperliche Belastung erhöhen die Zahl der Herzschläge. 160 bis 180 Schläge pro Minute sind dann nicht ungewöhnlich.

"80 000 bis 100 000 Schläge macht unser Herz Tag für Tag. Daß dabei der eine oder andere Schlag ein bißchen vorzeitig oder nicht ganz im richtigen Rhythmus eintritt, ist kein Grund zur Besorgnis und ganz normal", meint Professor Dr. Günter Breithardt, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik - Kardiologie und Angiologie der Universität Münster, der sich seit mehr als 25 Jahren mit den verschiedensten Formen der Herzrhythmusstörungen und ihrer Therapie beschäftigt.

Jede einzelne Herzmuskelzelle kann elektrische Energie erzeugen, die dazu führt, daß sich die winzige Zelle von o,oo7 Millimeter Breite und o,o4 Millimeter Länge zusammenzieht, verkürzt und anschließend wieder entspannt, erschlafft. Unser Herz verfügt über Millionen dieser kleinen Zellen, die innerhalb von o,1 Sekunde allesamt gleichzeitig aktiviert werden müssen, um im gleichen Takt zu arbeiten. Im Herzen gibt es dafür ein kompliziertes Netzwerk von Spezialzellen, die diese Synchronschaltung durchführen, ferner einen elektrischen Impulsgeber, den sogenannten Sinusknoten. Er sitzt im rechten Vorhof des Herzens. Dieser Taktgeber arbeitet Tag und Nacht - ob wir schlafen, träumen oder aktiv handeln. Ohne unser Zutun, unabhängig von unserem Willen, steuert er den Rhythmus unseres Herzens. In der Nacht, wenn der Körper sich ausruht, verlangsamt sich der Puls. 45 bis 50 Schläge pro Minute reichen dann aus, um den schlafenden Organismus mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Am Tag hingegen schlägt das Herz in Ruhe 60 bis 80 mal pro Minute. Geben nun einige Zellen etwas voreilig einen zu frühen oder ein bißchen langsam einen zu späten elektrischen Impuls ab, so gerät das Herz vorübergehend aus dem gleichmäßigen Takt.

Zu Beginn der Veranstaltung blicken viele Patienten fragend, zweifelnd, verunsichert in die Expertenrunde. Man fühlt, daß ihr Leben durch ihre Erkrankung und die damit verbundenen Ängste beeinträchtigt ist, und daß nicht wenige von ihnen unter den zahlreichen Einschränkungen, die sie sich aus Angst vor einem Herzjagen auferlegen, leiden. Professor Breithardt ist sehr daran gelegen, seinen Zuhörern verständlich zu machen, daß die meisten Rhythmusstörungen kein Grund zur Besorgnis sind. "Eigentlich haben wir alle manchmal Herzrhythmusstörungen. Doch es gibt verschiedene Ursachen für diese Störung. Deshalb ist es wichtig, die Art der Herzrhythmusstörung einmal ganz genau diagnostizieren zu lassen. Erst nach einer gründlichen Untersuchung kann der Kardiologe Ihnen sagen, ob Ihre Rhythmusstörung durch eine Herzerkrankung, eine Herzmuskelschwäche, einen Herzklappenfehler, Herzkranzgefäßverengungen, durch veränderte oder zusätzliche Erregungsleitungsbahnen im Herzen, durch eine Schilddrüsenüberfunktion oder ein Ungleichgewicht der Blutsalze, Natrium, Kalium oder Magnesium ausgelöst wird. Erst dann kann der Kardiologe entscheiden, ob Sie ein Medikament benötigen, Schilddrüsenhormone, Blutsalze, einen Betablocker, der die Erregbarkeit des Herzens dämpft und die Zahl der Fehlzündungen reduziert oder ob Antiarrhythmika für Sie in Frage kommen. Bei manchen Rhythmusstörungen hilft Ihnen ein Herzschrittmacher. Gefährliches Herzrasen hingegen kann mit einem Defibrillator beendet werden. Aber ganz oft kann der Kardiologe auch auf jegliche Behandlung Ihrer Herzrhythmusstörungen verzichten. Da Antiarrhythmika auch Rhythmusstörungen auslösen können, verordnen Kardiologen bei harmlosen Extrasystolen oder ungefährlichem, sporadisch auftretendem Herzrasen nur ungern Antiarrhythmika."

Vertrauen Sie einem erfahrenen Kardiologen bei der Behandlung Ihrer Rhythmusstörungen und verlieren Sie nicht die Geduld, wenn die ersten Behandlungsversuche nicht gleich erfolgreich sind, denn viele Medikamente für Herzpatienten müssen sehr individuell dosiert und kombiniert werden.

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