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Autor Thema: Psychologe oder Neurologe???  (Gelesen 1477 mal)
Wanda70
Juniormember
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Beiträge: 8


« am: 23. Februar 2005, 21:43:11 »

Hallo,
ich hätte gerne von anderen Betroffenen einmal gewusst, bei wem sie eine bessere Behandlung wegen Angstzuständen oder Panikattacken erfahren haben, beim Psychologen/Arzt für Psychologie oder beim Neurologen???
Ich selber war noch nie beim Neurologen und überlege, ob ich wegen meiner diversen Ängste einmal einen solchen aufsuchen sollte oder nicht. Ich habe schon einmal eine Psychotherapie gemacht, davon war ich nicht sehr angetan, hatte nicht das Gefühl, dass sie mir sehr hilft und ich wollte immer gerne ein Medikament, was mir hilft und beim Psychologen bekam ich ab und zu mal eine Spritze, wenn ich mich noch hinschleppen konnte und es es erfolgten Gespräche.
Wie sind Eure Erfahrungen???
Danke und Gruß, Wanda
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Alue
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Beiträge: 313



WWW
« Antworten #1 am: 24. Februar 2005, 20:56:52 »

Hallo Wanda,

an dieser Stelle einmal die begriffliche Erklärung zum Unterschied Psychiater/Psychologe etc.
Es gibt einmal den Studiengang Medizin, so dass man Arzt wird. Man kann sich dann zum Facharzt weiterbilden lassen, z. B. zum Facharzt für Psychiatrie.
Ein völlig anderer Studiengang hingegen ist Psychologie, den man als Diplom-Psychologe abschließt.
Sowohl ein Psychologe als auch ein Facharzt für Psychiatrie (=Psychiater) können eine Zusatzausbildung zum Psychotherapeuten machen. Nur ein Psychotherapeut ist befugt, eine Psychotherapie durchzuführen.

Ein Neurologe ist auch ein Facharzt, hat grundsätzlich mit psychischen Krankheiten aber erstmal gar nichts zu tun. Er ist für organische Nervenleiden zuständig.
Die meisten Psychiater sind oft aber gleichzeitig auch Fachärzte für Neurologie und umgekehrt.

Nur ein Arzt darf jemanden z.B. krankschreiben oder Medikamente verordnen. Ein Psychologe darf so etwas nicht.
Wenn Du also Medikamente einnehmen möchtest, musst Du zwangsläufig einen Psychiater aufsuchen. Das bedeutet nicht unbedingt, dass Du bei diesem Arzt auch gleichzeitig eine Psychotherapie machst.

Es ist sicher sinnvoll, wegen Deiner Ängste einen Arzt aufzusuchen. Ich will aber betonen, dass Medikamente zwar helfen können, bei psychischen Problemen aber niemals die Ursachen beseitigen. Um völlig gesund zu werden, musst Du wohl auch eine Psychotherapie machen. Ich weiß nicht, was beim letzten Mal schief gegangen ist, aber nicht jeder Therapeut und nicht jede Methode passt zu jedem. Ein neuer Versuch bei einem anderen Therapeuten könnte also völlig anders verlaufen. Ich weiß auch nicht, was für eine Therapie Du gemacht hast, bei Ängsten ist aber am ehesten eine Verhaltenstherapie angebracht.
Und eine Therapie braucht auch ihre Zeit, bis sie anschlägt. Oft ist es sogar so, dass sich zu Beginn einer Therapie der Zustand erstmal verschlechtert, da auch unangenehme und vielleicht verdrängte Dinge angesprochen werden.

Gruß
Alue
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Gandalf: "Das tun alle, die solche Zeiten erleben, aber es liegt nicht in ihrer Macht, das zu entscheiden. _Wir_ müssen nur entscheiden, was wir mit der Zeit anfangen wollen, die uns gegeben ist."
Holger_1
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Beiträge: 44


« Antworten #2 am: 09. März 2005, 02:22:18 »

Hallo Alue,

kann ich so stehen lassen außer dem Satz mit den "völlig gesund werden "

Halte unseren Mist für nicht heilbar in dem Sinne wie wir es bei anderen Krankheiten gewohnt sind...

Gruß

Holger
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wolfgang  
Gast
« Antworten #3 am: 09. März 2005, 08:06:48 »

Hallo Wanda,
ein Medikament ersetzt keine Therapie, sonden ist lediglich eine Ergänzung. Was war denn an der Therapie nicht in Ordnung?
Für mich heißt Therapie, Veränderungen suchen, die mein Seelenleben wieder ins Gleichgewicht mit Geist und Körper bringen. Dazu sind viele nicht bereit. Sie möchten nichts verändern, manches kann man auch nicht verändern, und trotzdem wieder stabil werden.

Eine seelische Krankheit ist kein Fluch, der vom Himmel fällt, sondern sehr soft die Folge seines Lebens, nicht in allen Fällen.
Es fängt schon damit an, dass viele nicht zum Psychiater gehen, sondern zum Neurologen. Damit fängt der Selbstbetrug schon an.
Wer Angst hat, der Nachbar könnte herausbekommen, das man zu Psychiater
geht hat kein Selbstwertgefühl.
In meinen Augen ist aber ein gesundes Selbstwertgefühl der Weg in die Stabilität.

Herzliche Grüße
Wolfgang
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Wanda70
Juniormember
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Beiträge: 8


« Antworten #4 am: 10. März 2005, 22:04:53 »

Hallo Alue, Holger und Wolfgang!
Zuerst danke für die Zeilen und die detaillierte Erläuterung zum Thema Psychiater/Psychologe/Nervenarzt.
Ich war seinerzeit bei einem Psychotherapeuten, welcher aber auch noch Arzt für Allgemeinmedizin ist.
Dass der Neurologe mit Nervenleiden zu tun hat, wusste ich, daraus resultierte auch meine Frage, ob dieser auch wegen Ängsten etc. aufgesucht werden kann. Das kommt daher, dass ich jemanden kenne, der deswegen bzw. Depressionen beim Neurologen in Behandlung ist und ich daher auch schon mal daran gedacht habe. Es geht mir eigentlich auch nicht darum, dass ich permanent Medikamente nehme, aber ich musste mich sehr oft quälen und habe mir daher oft gewünscht, dass ich mal etwas verschrieben bekomme, was Erleichterung bringt. Ich hatte den Eindruck, der Psychotherapeut will das Übel lediglich mit Gesprächen beseitigen, zu denen ich ebenfalls nur mit Angstgefühlen gegangen bin.
Ich weiß auch bis heute nicht, ob mir die Psychotherapie geholfen hat; sicher irgend etwas muss sie gebracht haben, denn es ist ja doch besser geworden.
Ich denke allerdings auch, dass man das Angstproblem nicht völlig heilen kann, wie wir es bei anderen Krankheiten gewohnt sind, ich glaube man muss immer damit rechnen, dass es wiederkommt. Ich habe seit über 10 Jahren immer wieder Angstzustände, sie kommen und gehen, aber sie verschwinden nie völlig. Es ist wohl auch die Angst vor der Angst.
Auf die Frage, was an der Therapie genau nicht in Ordnung war, kann ich gar nicht genau antworten. Sicher, es wurde die Vergangenheit aufgearbeitet, ich musste Bilder malen, von Träumen erzählen, aber ich konnte wirklich nicht herausfinden, was die Ängste auslöst. Auch hat mir der Psychotherapeut nicht gesagt, was er denkt, was der Grund wäre. Während und nach Ende der Behandlung ging es mir gleich bleibend gut/schlecht und schlussendlich bin ich nicht mehr hingegangen. Mir war allerdings der Therapeut auch nicht so sonderlich sympathisch, vielleicht hätte ich da auch mehr drauf achten müssen und ehrlich diesbezüglich sein müssen, denn das war ich nicht.
Ich hatte übrigens auch nie Angst zu ihm zu gehen, mir war es auch nicht irgendwie peinlich, denn in der Hinsicht waren mir alle anderen völlig egal, ich wollte nur, dass mir geholfen wird. Außerdem war der Terminkalender/das Wartezimmer gut besucht/belegt, ein Indiz dafür, dass ich nicht die Einzige bin, sondern viele viele meiner Mitmenschen Ängste etc. mit sich herumschleppen müssen. Das hat mich getröstet.
Ich stimme 100%ig der Aussage zu, dass ein gesundes Selbstwertgefühl der Weg in die Stabilität ist; ich bin nämlich auch zu diesem Ergebnis gekommen, dass dies mein Schlüssel zur Bewältigung der Probleme ist, denn daran fehlt es mir tatsächlich etwas und daran arbeite ich!!
Nochmals vielen Dank für die Tipps und Meinungen,
viele Grüße, Wanda
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Per Somnium
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Beiträge: 329


« Antworten #5 am: 11. März 2005, 21:08:02 »

Hallo Wanda, ja Du hast es zumindest erkannt und das ist schon verdammt viel. Man kann seine Angst nicht einfach loswerden, abgeben oder was auch immer, aber in einer Psychotherapie kann man erkennen das man seinen Standpunkt zu seiner Angst ändern kann, das wir die Angst annehmen. Ich habe all den Dingen, also meiner Depression, welche ja oft Schwester der Angst ist  zum Beispiel ein Personifizierung gegeben. Meine Depression ist für mich eine in schwarz gekleidete verschleiert Frau mit der ich sprechen kann und wir haben gelernt mit einander zu sprechen und uns zu verstehen, auch wenn da mal die Türen fliegen, oder Tränen fließen und ich glaube das könnte auch mit Deiner Angst so geschehen.
Nur zu diesem Weg brauchst Du einen Psychotherapeuten, für die Medikamente einen Facharzt für Neurologie und Psychiatrie.
Aber bei mir war es so das ich in den ersten Monaten keine Medies erhielt sondern so durch musste und das war so glaube ich richtig, weil diese nur den ?Normalzustand? verschleiern. Jetzt wo ich meinen vielleicht wirklichen Normalzustand erreicht habe bekomme ich auch Medikamente und kann damit umgehen.
Ja und das von Dir angesprochene Selbstwertgefühl, ach Wanda dies ist ein unerschöpflicher Gesprächstoff mit meiner Therapeutin und hier, ja hier bist Du vielleicht schon weiter als ich
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Querdenker passen oft nicht durch genormte Türen
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