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Autor Thema: Kontrast  (Gelesen 1299 mal)
Tarnkappe
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Beiträge: 5


« am: 05. April 2005, 05:44:58 »

Hallo!

Bin neu hier. Ich würde mich gerne ein wenig vorstellen und fragen, ob es jemandem ähnlich geht wie mir.

Ich bin seit ich ein sehr kleines Kind bin, sozialphobisch. Bin nie gerne in die Stadt, in die Schule oder auf Partys und Veranstaltungen. Später kam dann noch Erythrophobie dazu, die mich vollkommen lahmgelegt hat.
Trotz allem ist niemals jemandem aufgefallen, daß ich sozialphobisch bin. Heute kann ich auch auf Partys gehen und in Discos und meistens bin ich dann übertrieben gut drauf und KEIN MENSCH würde denken, daß ich soziale Probleme habe. Dennoch hatte ich bis zum heutigen Tag keine Beziehung und keine Ausbildung. Ich bin jetzt Mitte zwanzig.

Durch mein Versagen werde ich zunehmend depressiv. Ich habe eine lange Therapie hinter mir und weiß heute sehr viel. Bin der Meinung zu wissen, wie ich gesund werden kann, aber die Schritte, die dazu notwendig sind, sind für mich kaum zu bewältigen, zumal ich dazu Jahre brauche. Ich will auch nicht leugnen, daß ich praktisch jeden Tag sehr starke Selbstmordgedanken habe, die meistens nur deshalb nicht zu Ausführung kommen, weil ich keine Waffe habe, sondern das Haus verlassen müßte, um Selbstmord zu begehen.

An meiner Lage empfinde ich es als besonders belastend, daß ich nach außen sehr selbstbewußt wirke, manchmal sogar "cool" und charmant, wohingegen die Realität in mir anders aussieht und meine berufliche und partnerschaftliche Lage ja etwas ganz anderes aussagt. Ich bin also ständig in der Angst ertappt zu werden. Diese Spannung zwischen dem, was andere in mir sehen und dem, was ich bin ist unerträglich. In letzter Zeit versuche ich deshalb mich unattraktiv zu kleiden und absichtlich Fehler in mein Erscheinungsbild einzubauen.

Trotzdem ist es aber stets so, daß egal wie schlecht es mir geht, ich jegliche negative Gefühlsregung unterdrücke und oft ins Gegenteil verwandle, sobald irgendein Mensch mich sehen kann. Bei Freunden ist es besonders schlimm. Sie wissen mittlerweile von meiner Therapie, aber warum ich das mache, verstehen sie nicht. Ich kann richtig unterhaltsam sein, witzig und gut gelaunt. Oft habe ich gleichzeitig Selbstmordgedanken im Kopf, aber muß trotzdem lächeln und bringe andere zum lachen.

Ich kann mittlerweile auch Grenzen ziehen und "nein" sagen. Aber das macht einen nur noch einsamer. Es führt zu Verbitterung. Stattdessen würde ich lieber "ja" zu mir sagen und meine Ziele verfolgen. Ich würde gerne eine Frau ansprechen oder studieren oder arbeiten. Aber davor habe ich Angst. Mittlerweile auch deshalb, weil ich merke, daß ich mich in jeder sozialen Situation (partnerschaft, Uni, Arbeit) in eine bestimmte Rolle zwänge, um es allen recht zu machen und aus dieser Rolle dann nicht mehr herauskomme.

Während viele Sozialphobiker Perfektion im Beruf anstreben, strebe ich sie in sozialen Beziehungen an. Ich bin der "perfekte" Tänzer in der Disco, der perfekte Partner zum Reden und der beste Freund, der immer zu einem hält. Mit ein wenig Alkohol werde ich sogar zum Frauenverführer und alle denken "boah, der kann ja jede kriegen", aber ich verlasse die Disco/Bar dann trotzdem alleine. Es ist wirklich bizarr, daß ich genau das Gegenteil von dem vermittle, was ich bin. Ich erscheine wirklich wie jemand, der absolut keinerlei soziale Probleme hat. Ich traue mich in sozialen Dingen oft sogar mehr als andere. Aber das ist dann nie mein Wille sondern nur um allen zu demonstrieren: "Schaut her, wie sozial kompetent ich bin". Leider kann ich das nur kurz aufrecht erhalten. Mit Freunden über eine Woche irgendwo sein ist sehr schwer. Ich bin danach total erschöpft und muß auch innerhalb dieser Woche dann immer wieder meine Ruhe haben und weinen.

Naja, ich habe nun schon genug geschrieben. Es geht mir hauptsächlich darum, ob sich hier Leute im Forum befinden, die diesen Kontrast kennen. Die in allem notwendigen versagen (Partnerschaft, Beruf) und stattdessen alle Energie darauf verwenden, sozial normal zu erscheinen. Die also nach außen  ÜBERHAUPT NICHT schüchtern wirken.

Gruß

Tarnkappe
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Alue
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« Antworten #1 am: 07. April 2005, 16:19:01 »

Hallo Tarnkappe,

was für ein passender Nick...
Mir geht es ähnlich wie Dir und teilweise doch total anders. Aber auch bei mir ist es so, dass mein Inneres Gefühlsleben total anders aussieht als das, was ich nach außen hin ausstrahle.

Mein Hauptproblem sind Depressionen. Obwohl ich mir nicht mehr so sicher bin, dass das mein Hauptproblem ist und nicht nur die Folge einer Persönlichkeitsstörung. Auch bei mir wurde mal eine soziale Phobie diagnostiziert. Aber mittlerweile denke ich, dass es keine Phobie ist, sondern eben genau diese Persönlichkeitsstörung - die sich in sozialen Situationen aber manchmal auch als Angst zeigen kann.

Ich bin angepasst. Und zwar total. Ich verhalte mich immer so, wie ich glaube, dass man es von mir erwartet. Ich äußere keine eigene Meinung. Ich habe fast noch nie vor anderen Menschen geweint. Auch wenn es mir schlecht geht und ich es trotzdem zur Arbeit schaffe, merkt mir niemand an, dass es mir schlecht geht. Ich äußere keine Kritik an anderen Menschen. Ich bin immer lustig und gut drauf in Gesellschaft anderer. Ich falle niemals auf. Bzw. denke ich das, andere Leute sagen sogar, dass ich eine ganz tolle Ausstrahlung habe. Das einzige, was mich wirklich total von allen anderen unterscheidet, ist mein Übergewicht. Weil ich alles runterschlucke. Ich habe keinen Streit und ärgere mich nicht. Ich spüre solche Emotionen nicht mal.
Je schlechter es mir geht, desto mehr reiße ich mich zusammen. Ich bin immer beherrscht. Andere Leute würden weinend zusammenbrechen, ich stehe aufrecht da und lächle. Das geht so weit, dass es mir sogar an Glaubwürdigkeit fehlt. Ich war bei meinem Arzt, um mich krankschreiben zu lassen, weil es mir so schlecht ging. Der hat mir das jedoch schlichtweg nicht geglaubt, weil ich mich so zusammengerissen habe. Ich hatte das Gefühl, dass ich das tun muss, weil ich sonst völlig zusammenbreche. Und das wollte ich auf gar keinen Fall. Also habe ich nach außen hin einen ganz starken und gefassten und 'gesunden' Eindruck hinterlassen. Tja, der Arzt hat sich geweigert, mich krank zu schreiben...

Wenn ich das so lese, denke ich auch, das muss man mir doch anmerken... Nein. Jeder, dem ich erzähle, dass ich depressiv bin, ist total überrascht, kann es nicht glauben.
Das macht mir wirklich zu schaffen. Manchmal wünsche ich mir, dass man gedankenlesen könnte... Dann bräuchte ich mich auch nicht so umständlich mitzuteilen. Meiner Therapeutin gegenüber habe ich manchmal gar nicht die richtigen Worte, um auszudrücken, wie ich mich fühle.

Immerhin, ich habe eine Ausbildung. Mein Studium habe ich allerdings abgebrochen nach acht Semestern. Ich habe eine Arbeit. Ich hatte auch schonmal eine Beziehung. Die ist allerdings fast fünf Jahre her. Und ich fühle mich furchtbar einsam.

Tja, was soll ich noch sagen... Perfektionist, ja, das bin ich auch. Wenn ich etwas kann, dann zeige ich es gern. Wenn ich etwas aber nicht 100%ig kann, dann lasse ich es lieber. Dafür bin ich zu sehr von der wohlwollenden Meinung anderer abhängig.

Mehr fällt mir im Moment dazu nicht ein.

Gruß
Alue
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brady
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« Antworten #2 am: 11. April 2005, 00:37:22 »

Hallo Tarnkappe,

irgendwie hört sich das alles bekannt an. Nur ist es bei mir nicht so extrem bzw nicht die einzige Angst, ich glaube ich habe von allem ein bisschen aber im Gesamten nicht ganz so schlimm, wie bei manch anderen hier. Ich bin genauso, gehe überhaupt nicht gerne dort hin, wo viele Menschen sind (aber erst seid der ersten PA), bin genau wie Du eigentlich im besten Alter (23) aber Diskos sind für mich bis heute noch tabu, da komm ich einfach nicht rein. Besser gesagt rein schon aber nach fünf Minuten bekomm ich sofort wie die Anzeichen für eine PA und dann verschwinde ich sofort wieder. Und da ich das weiß, dass es so läuft, geh ich schon garnicht mehr dorthin. Genauso wie alle anderen Sachen, wo viele Leute auf einem Haufen sind. Trotzdem bin ich genau wie Du, kein Typ Mädchen von dem man denken würde, das ich so eine Sch... habe. Ich würde zwar von mir nicht behaupten, dass ich es überspiele und alles daran setzte das die anderen von mir nur gutes denken. Ich bin halt so, bin ein offener Mensch, geh gerne auf andere zu, lerne schnell neue Leute kennen usw usw. Aber trotzdessen kann ich gewisse Sachen einfach nicht machen. Mich nervt das ab, nicht in die Disco zu gehen aber ich habe für mich gelernt anders Spass zu haben, wo es mir auch gut geht bei, deswegen finde ich es mittlerweile nicht mehr allzu schlimm. Mit Beziehungen habe ich Gott sei Dank keine Probleme, ich fühle mich sogar noch sicherer, wenn ich einen Partner habe. Auch wenn mein letzter es leider nicht verstehen konnte, was in gewissen Situationen mit mir los ist und mich dann leider auch meistens hängen gelassen hat. War aber vielleicht mehr das Problem, das ich damals noch nicht über diese Dinge reden konnte. Ich habe mich dafür echt geschämt und wollte nicht, dass jemand von mir denkt ich sei bekloppt, verrückt irgendwie, dass ich es nicht mal meinem eigenen Freund sagen konnte. Bis jetzt wissen nur zwei Leute aus meinem engeren Freundeskreis darüber bescheid. Ob ich es meinem nächsten Freund erklären kann, weiß ich noch nicht, ich hoffe es. Ja und das mit der Arbeit...blöd irgendwie, würd ich sagen. War das erste Lehrjahr fast garnicht da gewesen, weil ich nicht dorthin fahren konnte (zwischendurch war bei mir ja mal alles gut gewesen, kannst ja mal meine Posts durchlesen) und auf Arbeit dann, überkam es mich dann zb auf der Hinfahrt, so dass ich oft nicht angekommen bin, sondern gleich wieder umgedreht habe und ab nach Hause, weil ich mich damals dort am sichersten Gefühlt habe. Ich bin momentan auch Arbeitslos und habe schon ein wenig Angst davor, wieder Arbeiten zu gehen, weil ich denke, was ist, wenn es wieder bei mir los geht. Ich habe nicht den Mut dazu, es meinem künftigen Arbeitgeber zu erklären was ich habe, zumal ich davon ausgehe, das ein AG auf sowas auch keine Rücksicht nimmt beim heutigen Arbeitsmarkt. Andererseits will ich ja wieder Arbeiten gehn aber was ist, wenn ich dort wieder so oft fehle? Das macht doch keiner lange mit... Ulkigerweisse gehts bei mir immer, wenn ich mich sicher fühle, dh wenn ich meine Arbeitskollegen kenne, weiß wo der Ausgang ist usw, dann fühle ich mich relativ wohl und gut auf Arbeit. Traurig finde ich es, dass Du dir schon so derartige Selbstmordgedanken machst. Ich habe damals zwar auch gedacht, man wie soll mein Leben nur weiter gehen, so wie es damals war, hatte ich auch keinen Bock mehr gehabt. Aber es gibts soviele kleine Dinge im Leben, die es Lebenswert machen und ich hoffe Du erkennst diese Dinge auch sehr bald bzw lernst die kleinen Dinge zu schätzen. Ich weiß, dass es sich blöd anhört, mir ging es ja früher auch nicht anders, aber mittlerweile habe ich gelernt diese Sachen zu schätzen und wenn es noch so kleine Dinge sind und ich hoffe ganz doll, dass Du es auch schaffst.
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yon
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« Antworten #3 am: 12. April 2005, 00:08:14 »

Hallo Tarnkappe,

für mich klingt das so, als hast Du wahnsinnig große Angst davor Deine Freunde zu verlieren. Sie haben Dich als einen bestimmten Menschen kennengelernt, von dem Du meinst daß Du das nicht wirklich bist. Glaubst Du, sie wollen mit Dir nichts mehr zu tun zu haben, wenn Du dann anders bist?
Klar kann man jetzt sagen, wenn sie Dich nicht auch so akzeptieren, dann sind es keine richtigen Freunde - aber was hilft das?
Kommt hinzu daß die meisten "normalen" (nichtsozialphobischen) Menschen, sie verstehen es nicht was man da durchmacht.
Du fängst wohl an zu begreifen, daß Du nicht so weitermachen kannst wie Du es bisher getan hast, weil der Widerspruch zwischen dem Innen und dem Außen zu groß wird. Fang an Dich so zu zeigen wie Du bist, zu Dir selbst zu stehen. Kann ja in kleinen Schritten geschehen, so wie Du Deinen Freunden von der Therapie erzählt hast.


Schöne Grüße
Yon
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Tarnkappe
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« Antworten #4 am: 12. April 2005, 13:40:33 »

Hallo zusammen!

Danke für eure Antworten. Ich hatte nicht damit gerechnet, daß so schnell jemand antwortet, deshalb meine verspätete Rückmeldung.

@Alue
Deine Beschreibung klang für mich meinem eigenen Problem sehr ähnlich. Natürlich weiß man aus so einer Beschreibung nie wirklich, wie jemand ist. Ich kenne auch Leute, die für mich nicht danach aussehen, als wären sie immer gut drauf und witzig. Trotzdem sind diese Leute der Meinung, daß sie so wirken. Wie es ist, fettleibig zu sein, kann ich mir wahrscheinlich nicht gut vorstellen. Ich denke aber tatsächlich - wie du auch selbst sagst, daß es ein Symptom deiner psychischen Störung ist. Ich kenne es von meiner Erythrophobie. Man redet sich irgendwann ein, daß man da und da nicht mehr hingehen kann, weil man ja rot wird. Also kann man sich "beruhigt" zurücklehnen und seine Probleme verdrängen. Manchmal denke ich, daß das bei fettleibigen Menschen auch so ist. Es ist ja dann viel einfacher sich zu sagen "naja, ich bin dick, deshalb krieg ich keine ab". Es ist ja nichts neues, daß solche Krankheiten etwas mit Selbstwertmangel zu tun haben. Ich glaube manchmal, daß man sich it einem geringen Selbstwert einen Körper oder eine Situation schafft, in dem man dann möglichst seinen geringen Selbstwert bestätigt bekommt. Ja, mehr kann ich auch nicht sagen. Es hat mir mal wieder gut getan, in einem Forum zu posten und zu lesen. Manchmal hilft es eben doch, wenn man sich nicht als einziger mit solchen Problemen sieht. Allerdings habe ich oft auch Angst, daß man sich gemeinsam nur noch mehr runterzieht.


@brady
Ich muß ganz ehrlich sein, daß ich mich in deiner Situation eher wenig wiederfinde. Vielleicht auch weil du eine Frau bist und ich glaube das viele meiner Probleme mit meinem Gefühl für meine Männlichkeit zu tun haben. Ich fühle mich Frauen meistens unterlegen bzw. spüre ich bei ihnen meine UNterlegenheit mehr als bei Männern. Ein Mann, der mich blöd anmacht, dem werfe ich ein "**uuups**" entgegen und gut ist. Aber eine Frau, die man vielleicht noch mag, was soll man der entgegenbringen, wenn sie einen verletzt. Vor allem, wenn einen so vieles verletzt. Es gibt ja Männer, die auch schnell verletzbar sind und dann ebenso schnell aggressiv werden oder wütend. Ich hingegen schäme mich für meine Kleinheit, werde knallrot und erstarre. Das paßt natürlich nicht zu meinem sonst so "coolen" Auftreten. Und wenn ich dann knallrot dastehe, dann kommen all diejenigen aus ihren Löchern gekrochen, die schon immer etwas gegen meine gespielte "coolness" hatten und hauen auf mir rum, weil dann bin ich ja schwach. Und sie haben ja recht. Ich bin ein aufgeblasenes Etwas und dahinter ist nichts. Ich habe eine riesen Klugscheisserklappe aber nichts dahinter.
Deine Angst vor der Arbeit oder den damit verbundenen Situationen ist bei mir heute kaum noch vorhanden. In der Schule war es die letzten zwei Jahre so, daß ich morgens am liebsten umgedreht hätte und wieder nach hause gegangen wäre. Aber ich wollte nicht noch auffälliger sein und bin deshalb hingegangen. Manchmal habe ich geschwänzt und das natürlich wieder so hingestellt, daß ich "kein Bock auf Schule" habe. In wirklichkeit wurden in diesen Stunden meistens mündlich abgefragt und ich konnte einfach nicht vor der Klasse stehen.

@yon
Ja, du hast sehr recht. So sehe ich es auch schon lange. Es hat auch viel Überwindung gekostet zu sagen, daß man Ängste hat udn Therapien macht. Aber das schlimmste ist wohl, daß ich mir eingestehen muß, daß ich aufgeblasen bin. Ein Angeber sozusagen. Etwas, das niemand mag. Die einzige Möglichkeit, die ich sehe, besteht darin, meine Klappe ganz zu halten. Es ist tatsächlich so, daß ich mich sonst immer tiefer in die Scheiße grabe. Es gibt ja viele Menschen, die nach außen erfolgreich und groß sind und zu hause weinen sie bei ihrer Frau wie ein kleines Kind. Soeiner bin ich wahrscheinlich, aber ich vertraue keiner Frau so udn welche Frau würde einen nicht irgendwann anfangen zu hassen, wenn man immer einen auf dicke Hose macht und zu hause ein Winzling ist.
Im übrigen hat mich das reine Erzählen über meine Ängste und über die Therapie kaum weitergebracht. Heute kann ich zwar mit fast jedem darüber reden, welche Ängste ich habe, aber ich ertrage es trotzdem nicht, wenn mich jemand in einer solchen Angst sehen würde. Und durch mein Vermeidungsverhalten fragt sich eben auch langsam jeder "welche Ängste meint er denn, er hat doch nie Panikattacken". Und meine Nichtstun wird dann schnell als Faulheit bewertet, weil Partys machen kann ich ja. Vielleicht bin ich auch faul, ich weiß es manchmal selbst nicht.
Naja, danke trotzdem für deine Meinung, die ich genauso sehe und versuche umzusetzen. Es ist also nichts Neues für mich gewesen, aber eine Bestätigung und Bekräftigung dieses Vorhabens.

Gruß an euch alle

Tarnkappe
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« Antworten #5 am: 12. April 2005, 15:06:25 »

Hallo Tarnkappe,

Zitat
@brady
Ich muß ganz ehrlich sein, daß ich mich in deiner Situation eher wenig wiederfinde. Vielleicht auch weil du eine Frau bist und ich glaube das viele meiner Probleme mit meinem Gefühl für meine Männlichkeit zu tun haben.


öhhmm... ich bin auch eine Frau ;-)

Aber ich kann das schon verstehen. Ich hab auch ganz enorme Schwierigkeiten im Umgang mit Männern. Mein Psychiater z.B. ist auch noch jung und gutaussehend, da krieg ich meistens den Mund überhaupt nicht mehr auf und kann noch viel weniger rüberbringen, wie es mir geht.

Gruß
Alue
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Gandalf: "Das tun alle, die solche Zeiten erleben, aber es liegt nicht in ihrer Macht, das zu entscheiden. _Wir_ müssen nur entscheiden, was wir mit der Zeit anfangen wollen, die uns gegeben ist."
yon
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« Antworten #6 am: 12. April 2005, 21:38:22 »

Hallo Tarnkappe,

naja, vieles von dem was Du "draußen" machst ist vielleicht nicht so ganz echt, aber es sagt ja auch umgekehrt niemand, daß diese Seiten nicht auch irgendwie zu Dir gehören. Weißt Du, was ich meine?
Ich meine damit, weil Du schreibst "meien Klappe ganz zu halten", nein, daß mußt Du ja gar nicht. Aber bring auch was von dem anderen nach außen.

Und es gibt bestimmt auhc Frauen, die für Deine Lage Verständnis mitbringen, auch wenn das sicherlich nicht ganz einfach ist.


Grüße
Yon
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Tarnkappe
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« Antworten #7 am: 15. April 2005, 11:42:50 »

Hallo!

@Alue
Ja, ich habe nachdem ich meine Antwort geschrieben habe auch gemerkt, daß du eine Frau bist (steht ja in deinem Profil). Du hast irgendwann mal von dir gesagt, daß du "Perfektionist" bist. Das klang dann einfach "männlich", auch wenn wahrscheinlich niemand "Perfektionistin" schreiben würde :-). Wo ist die Gleichberechtigung? :-).
Außerdem war bradys Beitrag meiner Meinung nach viel mehr aus Sicht einer Frau geschrieben als deiner.
Ich wollte am Anfang auch immer bei einer Therapeutin behandelt werden. Ich dachte, dadurch etwas über meine Angst vor Frauen zu erfahren. Aber mittlerweile denke ich anders. Es ist sinnvoller für mich einen männlichen Therapeuten zu haben, da er definitiv besser verstehen kann, wie ein Mann denkt ud fühlt und wie man als Mann mit seinen Problemen umgehen kann und muß.

@yon
Ja, es geht genau darum, "von dem anderen" etwas nach außen zu bringen.
Verständnis haben die meisten Frauen für meine Lage, aber dieses Verständnis macht mir Angst. Außerdem führt es dazu, daß ich zwar relativ viele Frauen kenne, mit denen ich mich treffe und rede, aber zu einer Beziehung kommt es nicht. Dazu müßte ich lernen meine Zuneigung rüberzubringen. Meistens tue ich das jedoch nur dadurch, daß ich sehr freundlich zu Frauen bin. Gleichzeitig vermittle ich aber wohl unbewußt, daß ich die Frauen als Frau nicht "brauche". Man fühlt sich als Frau sicher nicht besonders attraktiv, wenn ein Mann einem das vermittelt. Ich bin also nicht gerade ein Verführer-Typ. Meistens interessieren sich relativ "starke" Frauen für mich. Die sehen in meinem abweisenden Verhalten vielleicht eine Herausforderung. Aber diese starken Frauen machen mir dann auch wieder Angst. Ich habe Angst, daß sie mich irgendwann als Versager oder Weichei beschimpfen. Das ist mir in meiner Familie und oft im Leben passiert. Ich würde manchmal dann am liebsten auf die Frau einschlagen, aber das kann ich mit meiner inneren Einstellung nicht vereinbaren. Ich bin kein Gewaltmensch, aber es macht sehr wütend, von einer Frau so gedemütigt zu werden und keine entsprechenden "Waffen" zu besitzen, um sich zu wehren.

Gruß

Tarnkappe

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