Tarnkappe
Beginner

Beiträge: 5
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« Antworten #1 am: 03. Mai 2005, 17:13:19 » |
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Hallo Eowyn!
Die soziale Phobie ist das Symptom einer ängstlich vermeidenden Persönlichkeitsstörung. Soziale Phobie heißt übersetzt "soziale Angst". Kein Mensch hat UNUNTERBROCHEN Angst, die Persönlichkeitstörung bleibt aber dennoch.
Es ist also vergleichbar mit Schmerzen bei einem Beinbruch. Die Schmerzen sind das Symptom, der Bruch ist die Diagnose.
Bei der sozialen Phobie kommt hinzu, daß sich Symptom und Diagnose gegenseitig beeinflussen. Während Schmerzen einen Bruch selten im Nachhinein verschlechtern können, kann die sozialen Phobie (also eine erlebte Angst) zu einer verstärkung der ängstlich, vermeidenden Persönlichkeitstörung führen (und damit zu weiteren Symptomen wie Depression).
Zu vergleichen wäre das ganze also besser vielleicht mit einer Bänderzerrung. Es gibt einen Punkt der Heilung, an dem muß man die Bänder wieder belasten und dehnen. Das erzeugt Schmerzen (vergleichbar einer sozialen Phobie). Wenn man nun nicht gegen die Schmerzen angeht und trotzdem dehnt, dann werden die Bänder immer unelastischer und die Bewegung wird immer stärker eingeschränkt.
Sowohl bei einer Bänderzerrung wie auch bei einer ängstlich, vermeidenden Persönlichkeitsstörung wird also die einzige Möglichkeit der Therapie darin bestehen, sich dem Symptom auszuliefern und es zu durchleben, bis dieses (unter Garantie) mit der Zeit zurückgeht.
Nach meinen Erfahrungen können die Symptome aber so stark sein, daß es unmöglich erscheint oder ist, sich ihnen auszusetzen. Es kommt dann zu einer Kompensation entweder durch absoluten Rückzug, Isolation und Depression oder durch inneren Rückzug. Der innere Rückzug besteht meistens darin, daß man sich selbst verleugnet und eine Rolle nach außen spielt. Das führt nach meinen Erfahrungen entweder zu einer sehr gutmütigen Person, die nicht mehr in der Lage ist sich durchzusetzen oder zu einer sehr aggressiven, scheinbaren Power-Person, die nicht mehr in der Lage ist, sich schwach zu zeigen.
Beides ist ein absolut grausames (selbst auferlegtes) Spiel, wird aber häufig von der Gesellschaft wesentlich weniger bemitleidet als Depressionen.
Ich hoffe deine Frage beantwortet zu haben
Gruß
Tarnkappe
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