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Autor Thema: Muß der Therapeut alles wissen?  (Gelesen 1791 mal)
Schmetterling
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Beiträge: 83


« am: 13. Juni 2005, 22:40:28 »

Hallo,

ich habe ein Problem:

Schon einige Jahre bin ich in Therapie und obwohl ich meinem Theraeuten wirklich vertraue, habe ich ihm immernoch nicht alles gesagt.
Es gibt da eine Sache, die ich mich einfach nicht traue anzusprechen, obwohl wir schon soviele schwierige Themen besprochen haben.
Ich habe so oft das dringende Verlangen nach Schokolade und dann esse ich oft eine ganze Tafel aufeinmal. Leider häufen sich diese "Attacken" in der letzten Zeit immer mehr und ich werde leider nicht schlanker davon. Ein Blick auf die Waage schockiert mich meist so, dass ich wieder was Süßes brauche...
Es wäre wohl durchaus notwendig, dieses Thema mit meinem Therapeuten zu besprechen, aber ich schaffe irgendwie den Anfang nicht. Immerwieder hoffe ich, dass er von selbst daraufkommt, wenn er sieht, wie ich immer weiter zunehme. Aber bis jetzt macht er keine Anstalten dazu. Im Gegenteil, wenn ich mal meinen ganzen Mut zusammennehme und etwas in dieser Richtung andeute, lenkt er das Thema immer in eine andere Richtng. Irgendwie hab ich so das Gefühl, dass er nicht so richtig an die Sache heran will. Auf der anderen Seite wirft er mir manchmal vor, dass ich ihm nicht alles sage. Ein bißchen Hilfestellung von seiner Seite wäre mir sehr willkommen.
Soll ich ihm einfach mal sagen, dass es da etwas gibt, was er wissen sollte, das ich aber nicht erzählen kann, oder ist es einfach noch nicht an der Zeit? Vielleicht muß er es ja auch nicht wissen und das Problem erledigt sich von alleine, wenn ich wieder seelisch stabiler bin?
Gibt es hier jemand, der diese Sache nachempfinden kann und vielleicht einen Rat weiß?

Schmetterling  
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Psst
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Beiträge: 12


« Antworten #1 am: 13. Juni 2005, 23:25:50 »

Hallo Schmetterling!

Mir fällt dazu ein Tipp ein, vielleicht schreibst du es auf und gibst dem Thera dann den Brief? Oder du wirfst ihn schon vorher bei ihm in den Briefkasten, damit er es schon vorher bekommt. Vielleicht kann dir das ja helfen, wenn du es nicht ansprechen kannst, mit dem Aufgeschriebenem einen Anfang zu schaffen?

Psst
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Trolli
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« Antworten #2 am: 14. Juni 2005, 07:58:11 »

Hallo Schmetterling,

genau den Tip hätte ich dir auch gegeben. Ich habe auch ein Thema gehabt und ich habe viel Mut gebraucht um das anzusprechen.

Für deine weitere Entwicklung und auch Heilung ist es wichtig, dass deine Therapeutin das weißt. Meine sagte damals, dass wir zwar viel Zeit "verschenkt" haben aber ich war halt noch nicht bereit an dem Thema zu arbeiten. Alles passiert zu einem richtigen Zeitpunkt.

Es tut aber verdammt gut, wenn es raus ist. Also schreib es auf und gib den Zettel deinem Therapeuten. Der Therapeut darf dich auf das Thema nicht einfach so ansprechen. Jetzt stell dir vor, er fragt dich ob du damit ein Probelm hast und du rastest aus, weil dir das peinlich ist oder du das selber nicht eingesehen hast. Viele Menschen die Eßstörungen haben sehen die ja nicht selbst. Vertraue auf den Zeitpunkt und dann kannst du es anpacken.

Viel Glück dabei.

Trolli
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Schmetterling
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« Antworten #3 am: 14. Juni 2005, 09:33:19 »

Hi ihr beiden,

danke für euere Antworten.

Ich habe auch schon mal ans Aufschreiben gedacht. Mein Therapeut hat sogar mal durchblicken lassen, das das eine gute Methode ist, für Dinge, die man nicht ansprechen möchte. Leider habe ich auch davor ziemliche "Schiss"!
Es ist ja nicht so sehr die Eßstörung, die mir zu schaffen macht, als die psychologischen Hintergründe derselben.
Ich habe mal gelesen, dass starkes Verlangen nach Süßem, symbolisch für Verlangen nach Zärtlichkeit steht.
Es macht mir ein bißchen Schwierigkeiten meinem Therapeuten einzugestehen, dass ich offensichtlich ein ungestilltes Bedürfnis nach Zärtlichkeit habe. Die Mitteilung schriftlich zu machen, vereinfacht die Sache doch auch nicht so sehr. Irgendwie muß er doch darauf eingehen. Soll er das dann auch schriftlich machen?
Wie ist das bei euch gelaufen? Hat der Therapeut mündlich oder schriftlich reagiert?
Ich wäre dankbar für eine Information.

Viele liebe Grüße
Schmetterling
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Trolli
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« Antworten #4 am: 14. Juni 2005, 10:45:23 »

Hallo Schmetterling,

jeder hat das Bedürfnis nach Zärtlichkeiten und wenn man davon in der Kindheit kaum hatte, dann sucht man jetzt danach.

Ich denke den wirklichen Hintergrund wirst du mit deinem Therapeuten besser herausfinden als hier. Ich habe zwar das starke Bedürfnis nach Zärtlichkeit, Nähe usw. aber ich habe keine Eßstörungen das äußert sich bei mir anders.

Meine Therapeutin hat dann gleich mit mir gesprochen und es war gut. Warum soll ich mich schämen, dass mir jemand anderes was angetan hat als ich noch ein Kind war ?!? Mich hat es sehr viel weiter gebracht als das Thema endlich zur Sprache kam.

Hab nur Mut, es wird besser dadurch.

Alles Liebe, Karina
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Schmetterling
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« Antworten #5 am: 14. Juni 2005, 13:10:03 »

Hallo Karina,

Du hast natürlich völlig recht mit dem was Du sagst (schreibst).
Ich habe nun halt auch das Problem, dass ich diese Zärtlichkeiten nicht nur in der Kindheit entbehren musste, sondern dass ich das auch jetzt muß. Ich lebe schon seit einigen Jahren alleine.
Irgendwie habe ich das Gefühl, wenn ich das Problem bei meinem Therapeuten anspreche, dass ich dann gleichzeitig eine Aufforderung an seine Person übermitteln könnte, hier Abhilfe zu leisten. Ich glaube, bei einer Frau hätte ich dieses Gefühl weniger, aber er ist halt ein Mann.
Was meinst Du, könnte ein Therapeut die Dinge so (falsch?) verstehen?
Und schon taucht wieder ein nächstes Problem auf: Ich weiß garnicht, ob es wirklich so falsch verstanden wäre, denn er gefällt mir irgendwie...
Falls jemand hier im Forum dafür einen Rat weiß, dann bitte schnell, schnell übermitteln!

Schmetterling
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Trolli
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« Antworten #6 am: 14. Juni 2005, 13:39:38 »

Ich denke nicht, dass ein Therapeut das als Aufforderung sehen würde. Ich würde sogar sagen, auf gar keinen Fall.

Ich nehme meine Mutter zum Beispiel oft in den Arm weil mir einfach danach ist. Oder meine Schwester oder eine Freundin. Das muß nicht unbedingt der Partner sein. Ich habe auch eine Möglichkeit für mich entwickelt wie ich mir selbst das gebe was mir fehlt. Zum Beispiel mit einem Verwöhntag. Da entspanne ich mit Musik, ich lese, ich gehe baden, ich mache körperliche Pflege einfach das was mir gut tut.

Ich bin der Meinung, dass Unterdrückung der Gefühle nicht gut ist. Du verdrängst das nach innen und der Körper reagiert dann nehme ich an. Also sei traurig, wenn du traurig bist.

Gruß, Karina
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hexekathrin  
Gast
« Antworten #7 am: 14. Juni 2005, 13:41:51 »

Also Mädels, wenn ihr mich fragt: Das mit der Schokolade und den Zärtlichkeiten, hört sich schon irgendwie logisch an, aber das ist bestimmt nicht in Lehrbüchern für Therapeuten zu finden.
Ich würde wahrscheinlich hingehen und entgegen der üblichen Vorgehensweise mich einfach hinhocken und bevor er an die letzte STunde anknüpfen kann, einfach sagen: Herr Sowieso ich habe ein Problem! Und zwar ....... und ich denke mir, sie haben bestimmt eine Lösung dafür.

Und ich denke, das ist besser als Briefchen und so. Dann kannst du nämlich gleich sehen, wie er drauf reagiert.
Ich habe meinen Therapeuten letztens geschockt. Ganz offensichtlich :-(
Naja der hat so eine komische Frisur, oben wenig Haare aber recht lang und leicht gewellt. Hmmm naja. Und als ich das letzte Mal dort war hat er die Haare richtig kurz gehabt, das sah richtig gut aus. Habe mir nichts weiter dabei gedacht und habe so beiläufig gesagt, dass er richtig chic aussieht mit der neuen Frisur .... hmmm. Von wegen Therapeuten verstehen das falsch mit der Schokolade und der Zärtlichkeit. Also keine Panik, einfach frei raus damit. Scheint die beste und schnellste Lösung zu sein. Bis dein Therapeut das von selber merkt, hast du wahrscheinlich noch endlose Tafeln "vernichtet".

VielGlück Kathrin
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Schmetterling
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« Antworten #8 am: 14. Juni 2005, 16:19:12 »

Hallo,

ja, dann werde ich das halt mal angehen...
Am Donnerstag habe ich wieder eine Stunde mit ihm. So wie Kathrin es empfohlen hat, könnte der Anfang klappen...
Ich weiß nur nicht, ob ich mir nichts dabei denke, wenn ich sage, um was es geht. Du meinst wirklich, Kathrin, dass er nicht weiß, dass Verlangen nach Schokolade für Zärtlichkeitsbedürfnisse steht?
Ich persönlich habe übrigens kein bißchen das Verlangen in mir, meine Mutter zu umarmen,  wie Du, Karina. Was meinen Therapeuten angeht, bin ich mir diesbezüglich leider nicht so sicher. Er gefällt mir halt doch sehr gut.
Manchmal denke ich, es wäre einfacher, wenn er weniger attraktiv wäre und ich nur den Therapeuten in ihm sehen könnte. Auf der anderen Seite wäre das vielleicht auch langweiliger.
Ich denke, ich rede mit ihm darüber, auch wenn er anziehend auf mich wirkt.

Es grüßt euch vielmals
Schmetterling
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hexekathrin  
Gast
« Antworten #9 am: 14. Juni 2005, 18:08:28 »

Naja, ob er die beiden Dinge miteinander in Verbindung bringt oder nicht, weiß ich nicht. Aber du kannst ihn ja mal fragen ...
Das mit der Anziehungskraft bei Therapeuten hängt vielleicht auch damit zusammen, dass sie versuchen einen zu verstehen. Aber da mach dir mal nicht so viele Gedanken drüber. Jeder Mann hat irgendwo seine Schokoladenseite. Auf alle Fälle kannst du dich nicht in den Fettpölsterchen verstecken. Außerdem tust du dir nichts Gutes. Klar ich habe auch manche Tage so einen Heißhunger auf Schokolade, dass ich keine Grenzen kenne, aber meist ist mir dann schlecht, so dass die Freude auf die nächste Tafel getrübt ist. Oder man hat am hellerlichten Tag plötzlich so einen endlosen Appetit auf ein Bier, besonders wenn es warm draußen ist. Dann mache ich gluck gluck und die Flasche ist leer und ich habe einen Affen. Auch nicht die beste Erscheinung. Aber dafür bin ich eben ein menschliches Wesen :-)
Naja und wenn dein Therapeut zu attraktiv auf dich wirkt, dann such doch mal die unschönen Seiten an ihm. Aber lass die Schokolade am besten im Supermarktregal.
Na denn mal viel Glück und  rede mit ihm drüber. Er wird bestimmt eine Zweideutigkeit rein interpretieren.
LG Kathrin
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Per Somnium
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« Antworten #10 am: 15. Juni 2005, 19:42:25 »

Also Schmetterling, ich würde sagen wenn Du an einer Lösung Deiner Problme arbeiten willst solltest du diese Dinge auf den Tisch bringen, aber ich denke mal das nicht die Schokolade Dein Problem ist, sondern das Hauptproblem ist wohl das Dir "WER" verbietet das Anzusprechen ........ , ich denke da mal an meine eigenen Probleme zurück, deshalb kommt es mir wohl bekannt vor
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Querdenker passen oft nicht durch genormte Türen
Per Somnium
Schmetterling
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« Antworten #11 am: 15. Juni 2005, 23:30:49 »

Hallo,

morgen ist es nun soweit:
Ich werde mit meinem Therapeuten über dieses Problem reden!
...zumindest über das Schokoladen-Problem. Was und ob er was da hineininterpretiert ist seine Sache..
Nicht darüber reden werde ich wohl darüber, dass ich ihn recht attraktiv finde. Das geht ja wohl nicht. Das wird wohl eher mein Problem sein.
Nun ja, wir werden sehen, was wird.

Schmetterling  
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