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Autor Thema: Hat mein Therapeut aufgegeben?  (Gelesen 1716 mal)
Chakora  
Gast
« am: 13. Dezember 2005, 13:27:43 »

Vor 2 Jahren hatte ich einen Therapeutenwechsel. Dieser neue Therapeut, ich nenne ihn immer noch ?neu?, nach all der Zeit, sagt von Anfang an, und immer wieder das ich akzeptieren soll wie es ist, und davon ausgehen soll das es so bleibt wie es ist.

Dieses sagt er mit der Begründung, das, wenn ich es so sehen würde, dann könnte ich mich entspannen und müßte nicht immer dagegen ankämpfen. Und durch die Entspannung würde Druck genommen und dadurch Bewegungsspielraum für Veränderung geschaffen.

Nun, das hört sich schön logisch an. Doch ich kann das nicht so sehen. Ich kann es nicht akzeptieren. Für mich fühlt es sich so an, das, wenn ich mich im Status Quo einrichte, dann ist alle Hoffnung dahin. Und man sagt ja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Und das wäre auch so. Es käme sterben gleich.

Please comment.
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Phoenixchen  
Gast
« Antworten #1 am: 13. Dezember 2005, 14:00:09 »

Hallo Chakora,

den Ansatz deines Therapeuten finde ich im Grunde gut. Ich habe z.B. früher immer mit meinem Gewicht gekämpft (ohne wirklich dick gewesen zu sein) und meinen Körper und meine Psyche mit immer neuen Diäten drangsaliert. Als ich angefangen habe, mich so zu akzeptieren, wie ich bin, ist diese Fixierung auf Essen weggefallen und ich habe praktisch von alleine meine Wunschgewicht erreicht.

Vielleicht ist es ja noch etwas anderes, was dich an diesem Therapeuten stört? Was antwortet er dir denn, wenn du ihm sagst, du kannst das nicht umsetzen?

Viele Grüße
Phoenix
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Chakora  
Gast
« Antworten #2 am: 13. Dezember 2005, 14:06:34 »

Zitat
Was antwortet er dir denn, wenn du ihm sagst, du kannst das nicht umsetzen?


Er sagt das ist nur ein Vorschlag zum Nachdenken. Und er sagt es sei GANZ bei mir ob es so bleibt oder ich mich irgendwann mal wieder bewege, denn ich mache das alles ja selber, das macht ja keiner von außen.
Hm, aber leider hat er in den 2 Jahren keine weiteren Vorschläge zum Nachdenken gemacht. Das find ich etwas lau. Und stur. (lol)
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Phoenixchen  
Gast
« Antworten #3 am: 13. Dezember 2005, 19:49:55 »

Hallo,

wichtiger als die Frage, ob dich dein Therapeut aufgegeben hat, finde ich die Frage, ob du aufgegeben hast - und das hört sich ja nicht so an. Vielleicht solltest du diesen Therapeuten aufgeben? ;-) Hast du eine Vorstellung, wie er dir helfen könnte? Möglicherweise will er nicht zuviel Druck ausüben, aber vielleicht bräuchtest du jemanden, der dich etwas mehr fordert? Er hat zwar nicht unrecht mit seinen Aussagen, aber ich kan mir schon vorstellen, dass du dich da alleine gelassen fühlst.
Hast du mal an eine Verhaltenstherapie gedacht?

Gruß
Phoenix
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Muett
Gast
« Antworten #4 am: 14. Dezember 2005, 07:54:03 »

Hi Chakora und Phoenixchen,

 
Zitat
Und er sagt es sei GANZ bei mir ob es so bleibt oder ich mich irgendwann mal wieder bewege, denn ich mache das alles ja selber, das macht ja keiner von außen.
Solche und ähnlich komischen Aussagen, hörte ich auch häufiger von meinem Therapeuten und war darüber immer heftig erbost oder habe überhaupt nicht kapiert, was er mir sagen wollte. (z.B. "ich habe Angst, aber ich bin nicht die Angst")

Erst im Laufe der Zeit (und teilweise lange nach Therapieende) kamen seine komischen Aussagen wieder und erklärten sich mir auf ganz unterschiedliche Arten.

Damals jedenfalls fand ich die Aussage, dass ich meine Angst selber produziere ziemlich lächerlich und unfair. Heute hingegen gelingt es mir immer öfter, mich selber zu hinterfragen, warum ich jetzt die Angst brauche, um mich z.B. zu drücken (vor einer Auseinandersetzung, vor einer Handlung, vor einer Entscheidung) oder wo etwas aus dem Lot geraten ist (überfordert, unterfordert, zu wenig Vertrauen, zu wenig positive Akzente....) Und so finde ich heute, diese Aussagen sehr wahr und nicht mehr lächerlich :-)

Ansonsten hat Dein Therapeut völlig Recht, dass Du Deine Energien verschwendest, wenn Du einen Zustand wie vor der Angst erreichen möchtest. Die Angst hat Dich verändert (und das ist gut so), Dir aber auch einiges genommen (z.B. Unbekümmertheit, Naivität gegenüber dem Leben). Wenn Du nun gegen die Angst ankämpfst, so als wäre sie Dein Feind, laugst Du Dich nur aus. Akzeptierst Du aber Deine Angst und betrachtest sie einmal aus einem anderem Blickwinkel, kann sie Dir zur Freundin werden.
Meine "gehaßte Freundin" Angst zeigt mir oft, wo ich auf dem falschen Dampfer bin, wo es bei mir hakt und höre ich ihr zu, dann komme ich "wieder" oder eher auf den "richtigen" Weg (oder aus einem Tief).

Phoenixchens Beispiel ist sehr treffend. Wenn Du Deinen eigenen inneren Frieden findest (und dabei ist es egal ob es die Angst oder das Gewicht ist), kannst Du Deinen Blick auf die wirklich wichtigen Dinge richten. Das Akzeptieren der Angst bedeutet nicht, dass man sich zum Sklaven seiner Ängste macht oder sich einsperren lässt (dies wäre wohl das Sterben der Hoffnung?).

Wenn Dein Therapeut Dich mit so "komischen" Aussagen konfrontiert, diskutiere mit ihm, sag ihm, wie es auf Dich wirkt, hinterfragen, was er Dir damit sagen will oder was er damit bezweckt, wie er sich das denkt, wie Du das umsetzen kannst. Auch wenn Du heute vielleicht noch nicht alles vestehst, wird es Dir irgendwann wieder begegnen und spätestens dann erklären. Vielleicht kannst Du dann auch häufiger schmunzeln und feststellen, dass Du heute verstehst, was Dir damals ein Buch mit sieben Siegeln war :-)

Viele Grüße
Muett
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hexekathrin  
Gast
« Antworten #5 am: 14. Dezember 2005, 09:59:26 »

Hallo, ich möchte an dieser Stelle auch fix etwas dazu sagen ... Nun ich habe jetzt schon über 10 Jahre mit Panikattacken und Ängsten gelebt. Habe vor Kurzem eine Reha gemacht und habe selbst nie daran geglaubt, dass ich jemals wieder allein vor die Tür gehen werde.
Es ist richtig, dass jede Angst und jede Panik einen Grund hat. Man kann sicher auch ewig in Therapie bleiben und feststellen, dass sich kaum etwas ändert. Nun ich habe die Ursachen für meine Ängste eingegrenzt. Wie von selbst bin ich zur Reha Schritt für Schritt ein Stück weiter gegangen.
Was ich damit sagen will, der Therapeut kann nur helfen, die eigene Sichtweise zu verändern, in dem er sich mit dir über das eine oder andere Thema unterhält, Ding hinterfragt und man ganz von allein auf die Lösung kommt. Und wenn sich die Spannung löst und man die Sichtweise geändert hat und zu Veränderungen bereit ist, dann kann man auch die ersten Schritte in die neue Richtung gehen.
Ich fahre nun schon wieder Auto, gehe in die Sauna und ins Kino, gehe in die Stadt bummeln und vor allem tue ich mir ganz viel Gutes.
Zur Reha habe ich mir beispielsweise jeden Tag einen von den guten nicht gerade preiswerten Kaffeesorten geleistet. Das hat gut getan.
Ich weiß zwar nicht, wie es weiter gehen wird, da momentan meine finanzielle Situation mehr als bescheiden ist, aber ich habe meinen Job gekündigt und bin nun offen und frei für neue Dinge. Die Angst lässt nach und irgendeinen Weg findet man immer.
Man sollte nicht an Dingen festhalten, die einem nicht gut tun. Dadurch wird man Sklave seiner Angst. Aber die Angst hat mich vor Schlimmeren bewahrt. Aber das weiß ich erst jetzt.
Oft habe ich mir die Frage gestellt, warum ich die Reha nicht schon eher gemacht habe und ich kann nur sagen, wer es sich leisten kann, sollte nicht Woche für Woche zum Therapeuten flitzen, sondern einfach mal eine Reha in dieser Richtung machen. Am besten, wenn es ein ganzes Stück von zu Hause weg ist. Das tut gut! Und Luftveränderung macht es leichter die eigenen Sichtweisen zu verändern. Außerdem kommt man dort mit vielen Menschen in Kontakt und vielen geht es noch schlechter, weil sie nicht nur seelisch krank sind. Das allein relativiert schon einmal.
Allerdings muss man dafür auch im Kopf bereit dafür sein und darf nicht verlangen, dass man dort hin kommt und die Therapeuten dort machen alles wieder gut. Leitsatz in einer solchen Klinik ist: Therapie findet zwischen den Therapien statt. Und ich kann nur sagen: Wie wahr!!!!
Nicht die Therapeuten allein haben mich in die richtige Richtung geschoben, sondern meine Mitpatienten, weil man nach einem Therapietermin, der nicht so gut war, nicht allein da steht. Man fällt nicht ins Leere, weil irgendwer ist immer da.
Auch nach vielen Jahren auf eingefahrenen Gleisen ist es noch möglich etwas zu verändern, aber wie gesagt, man muss es auch wollen und darf sich nicht selbst im Weg stehen und muss zu Veränderungen bereit sein.
In diesem Sinne ... viel Erfolg!
Gespeichert
Alexander75
Stammposter
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Beiträge: 127


« Antworten #6 am: 17. Dezember 2005, 10:52:19 »

hallo

ich muss mich immer wieder an die worte meiner freundin denken, die eben sagte das die Ängst erkrankung das beste ist was ihr passiert ist.
sie wieß jetzt das der körper ihr  was sagen will, das man  was falsch machst.
ich denke es bringt nichts mit aller inergie gegen die angst vor zu gehn.
ich habe am anfang meiner erkrankung mit einer VT behandelt, in der ich gelernt habe die angst aus zu halten.
wo ich jetzt aber hinterher sagen muss das es für mich der falsche weg war.
jetzt gehe ich auf die angst zu, versuche raus zu finden warum ich angst habe, was kann ich ändern an der situation.
und ich muss hexekathrin recht geben, als ich in der tagesklink war hatte ich zwar nur 1 mal in der woche eine einzel therapie stunde, aber das drum  herrum  mit den mit patzenten und die gruppen therapie war für mich viel wichtiger.
das tägliche früstuck mit den leuten tat mir so gut, endlich mal wieder ins normale leben zu kommen.
mal wieder einem rutmuss zu finden ist bei mir auf jeden fall sehr wichtig.
heute versuch ich nun mit der angst zu leben und nicht sie zu verdrängen das ging bei mir nämlich nicht.
ich weiß jetzt nicht wie es bei dir ist,was du probiert hast, aber ich denke dein therapeut will auch darauf hinaus das du die ängste nicht verdrängen sollst, sonder sie auf dich zu kommen lassen, und lernen mit ihr zu leben.
versuch es doch einfach mal wenn du es noch nicht gemacht hast.

ALexander75
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