Seoul
Stammposter
   
Beiträge: 2364
J. Dean
|
 |
« Antworten #5 am: 25. März 2006, 14:12:23 » |
|
Hallo Uli,
ja, die Eytrasystolen spüre ich, teilweise viel zu genau und dann bekomme ich regelrechte PA.
Die Linksherzkatheter Untersuchung ist nicht unbedingt schlimm, wird aber von jedem anders empfunden. Gerade *wir* sind etwas ander gestrickt und da kann man das nicht genau festmachen.
Ich bin bei dieser Linksherz katheter Untersuchung beinahe Ohnmächtig geworden, da ich sehr heftig mit Schüttelfrost und massivem Kreislaufabbau reagiert habe. Ich lag da, als käme ich gerade unter der Dusche hervor und habe extrem gefroren und gezittert, das man 20 Minuten benötigt hat, bis ich einigermassen ruhig war. Es war heftig.
Der Zugang für diese Untersuchung wurde über die Leisten gelegt. Man spricht daher auch oft von einem s.g. großen Herzkatheter.
Die Dauer war - zumindest bei mir - etwa 1 1/2 Stunde mit Vorbereitung.
Eine EPU (Elektrophysiologische Untersuchung) ist zunächst einmal vom Grudsatz her nichts anderes als ein ganz normales Herz EKG, nur das bei einer EPU die Daten über Sonden direkt vom Herzen nach aussen abgeleitet werden.
In der Tat muss man für eine EPU ca. 3-4 Stunden, bei mir waren es sogar mehr als 4 Stunden, rechnen.
Du liegst auf einem OP Tisch, der sehr schmal ist und wirst auch daran festgeschnallt, weil Du Dich während der ganzen Zeit nicht bewegen sollst bzw. darfst, da sonst die Sonden verrutschen etc. Du wirst auch für eine evtl.OP vorbereitet mit allen dafür nötigen Zugängen, da man bei dieser Untersuchung nie weiss, ob eine Notfallmässige OP nötig wird.
Es wird Dir an jeder Leiste ein Zugang gelegt, an der rechten und auch an der linken Leiste. Das ist teilweise recht scherzhaft, obwohl es mit einer Spritze örtlich betäubt wird. Diese Zugänge werden zunächst noch mit einem Stöpsel verschlossen.
Dann wirst Du weiter so vorbereitet, als würde man Dich am Herzen operieren wollen. Das ist unbedingt erforderlich, weil während der EPU könnte es zu einem Problem kommen, dass eine sofortige OP unumgänglich macht. Es könnte zu einem KHK Verschluss kommen etc. pp.
Du bekommst dann noch an beiden Armen Zugange gelegt, da man Dir hierüber Medikamente während der EPU einleiten wird.
Dann werden Dir über die Leisten jeweils 2 Sonden zum Herzen geführt. Du kannst alles am Bildschirm verfolgen, denn davon hängen bestimmt 5 Stück um Dich herum. Es sieht sowieso dort aus wie in einem OP / Computerraum.
Wenn die Sonden liegen und Du Dich nicht mehr bewegst, fangen sie damit an, Messdaten zu sammeln. Es werden verschiedene Simulationen gefahren, die Aufschluss über deine Erkrankung bringen sollen.
Es werden Medikamente eingeleitet, die Dein Herz künstlich nach oben jagen - bis an die Belstungsgrenze, was extrem beängstigend sein kann, weil man denkt...Nun ist es aus. Es kommt aber danach wieder ein Mittel hinein, was diesen Effekt minimiert. Es wird dein Puls verändert, es werden bestimmte Regionen deines Herzens belastet, andere entlastet, um zusehen, was passiert und wie Dein Herz darauf reagiert.
Es werde Rythmusstörungen ausgelöst, Tachykardien und Bradykardien. Das volle Programm.
Man kann Proben vom Herzen nehmen, die Sonden werden ständig verändert, man kann auch, wenn nötig, direkt etwas abladieren.
Es werden zwei oder drei Ärzte dabei sein und einige OP Pfleger - Und sei ganz sicher, diese Ärzte verstehen etwas davon.
Du bist bei vollem Bewusstsein, Du bekommst nichts zur Beruhigung nichts gegen Schmerzen, nichts zur Betäubung, da dies alles die Ergebniss verfälschen würden.
Es kann sein, dass Du während der Untersuchung die *Lampen* ausmachst, aber das merken sie sofort und holen Dich mit einer kleinen Spritze schnell wieder zurück. War bei mir auch mehrfach so.
Ich hatte das große Glück, dass der Arzt der es bei mir gemacht hat, einer derer war, den man wohl in Deutschland als den Erfinder der EPU bezeichnet. Ich war und bin dort in den allerbesten Händen.
Wenn Du dann alles überstanden hast, werden die Zugange geschlossen und die Wunden jeweils vernäht, da der Schnitt an den beiden Leisten doch schon einige Zentimeter ist.
Du bekommst dann einen Druckverband und darfst mind. 12 Stunden nicht mehr aufstehen. In machen Kliniken sogar 24 Stunden nicht.
Nach 1-2 Tagen danach, wirst Du meist entlassen.
Das Ergebnis war, dass bei mir eine Reizleitungsstörung festgestellt wurde. Diese Reizleitungsstörung kann nur durch abladieren eines dieser Reizleiter behandelt werden, was aber unter Umständen den *Einbau* eines Schrittmachers erforderlich macht. Das kann man aber leider erst nach dem abladieren feststellen. Daher hat man es auch noch nicht gamacht, obwohl um ein Haar diese Ablation direkt bei der EPU durchgeführt worden wäre. Zwei der Chefärzte, die diese EPU gemacht haben, hatten während der Untersuchung gegenteilige Meinungen vertreten, diskutierten darüber, aber Kreuz Bube sticht Herz Bube.....und so wurde die Ablation und der Schrittmacher noch herausgehscoben.
Nun muss ich alle 6-8 Wichen ein 24 Stunden EKG machen lassen und warte darauf, dass ich in der nächsten Zeit wieder zur EPU bestellt werde, die auf jeden Fall kommen wird.
Ich werde also nicht darum herum kommen, in absehbarer Zeit dieses iventrikulären Schrittmachersystems zur cardialen Resynchronisationstherapie (CRT) eingepflanzt zu bekommen.
Bei der Operation wird zusätzlich zu einer Elektrode in der rechten Herzkammer und im Vorhof eine Elektrode in die Herzvenen zur linken Herzkammer hin verlegt. Der Schrittmacher steuert also über 3 Elektroden die Reizbildung im Herzen.
Leider ist bei mir ber noch nicht klar, ob es evtl. nicht evtl. ein Defibrillator zur Cardialen Resynchronisationstherapie (CRT-D) wird. Ein CRT-D-System behandelt eine Herzinsuffizienz, indem es die Ventrikel (untere Herzkammern) zum gemeinsamen, synchronen Pumpen veranlasst. Außerdem kann ein CRT-D-System einen gefährlich schnellen Herzschlag erkennen und behandeln, der zu einem plötzlichen Herztod führen kann.
Es handelt sich also um eine, wenn man so will, Zusatzfunktion, die aber doch ganz entscheidend sein kann.
So sieht es aus bei mir.
Ich hoffe, ich habe Dich damit nicht verängstigt, aber ich habe es so geschrieben wie es ist, ohne Umschweife.
Wie es in Deinem Fall aussieht kann ich natürlich nicht beurteilen. Kann Dir nur raten, dass zu tun, wozu Dein Herz Dich auffordert.
Alles Gute....von Herzen.
[Editiert am 25/3/2006 von Seoul]
|