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Autor Thema: Die verlorene Zeit  (Gelesen 608 mal)
thalia
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Beiträge: 44


« am: 26. April 2006, 19:02:01 »

Letzte Nacht erschien mir im Traum
Ein Wesen, gar merkwürdig anzuschauen.
Es schaute mich an; direkt ins Gesicht
Und sprach: "Hör mir zu, unterbrich mich nicht!"

Und als ich schon zweifelte an meinem Verstand,
da sah ich den Becher in seiner Hand.
Ich frage: "Wer bist du? Was machst du da?"

Es sprach, und klang für mich sonderbar:
"Der Becher deines Lebens ist zur Hälfte schon leer!"

Da erschrak ich zutiefst und wunderte mich sehr.
Es packte mich die Angst und ich lief rasch von dannen,
zu suchen die Zeit, die zu rasch vergangen.

Und ich stieg auf die Berge in schwindelnde Höhn.
Und ich konnte ins Tal hinunter sehn.
Und es blies der Wind, und ich habe geflucht.
Denn meine Zeit hab ich vergeblich gesucht.

Und ich legte mich ins Gras unter einem Strauch.
Da krabbelte ein Käfer über meinen Bauch.
Und fragte das Tier, ob es meine Zeit gefunden.
Es verneinte und ich war entmutigt für Stunden.

Dann ging ich an den Strand und blickte aufs Meer.
War hier meine Zeit? Ich wünschte es mir so sehr.
Doch nur die Flut kam, trieb die Wellen ans Land.
Was ich fand, waren nur Muscheln im Sand.

Und ich lief nach Hause und weinte so sehr.
Siehe da! Das Wesen, ich fand es nicht mehr.
Doch seine Botschaft verstand ich nun.
Und ich wußte, ich konnte noch sehr viel tun.

Zum Glück verblieb mir ein Rest noch an Zeit.
Zum Aufgeben war ich noch lange nicht bereit.
Nun wollte ich die Zeit sinnvoll verwenden.
Ich würde geben aus Herz und mit Händen.

Ich war wirklich nicht der Nabel der Welt.
Ich habe endlich begriffen, was wirklich zählt.
Ich wollte dem Wesen danken, in die Augen schaun.
Da wurde ich wach - es war nur ein Traum.


 
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