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Abendstern
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« Antworten #4 am: 26. Juli 2006, 21:37:04 » |
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Hallo Fluflu!
Ich finde Deine Entscheidung richtig. Ich denke, Du hast wirklich versucht ihr zu helfen, aber vielleicht, ist sie für diese Art von Hilfe(Klinik) einfach noch nicht so weit. Dies muss auch von ihr selbst kommen, dafür muss der Leidensdruck aber auch entsprechend hoch sein. Ich habe es oftmals erlebt, dass Menschen versuchen, ihren eigenen Druck auf andere abzuladen, ihnen ihre Probleme aufzuladen, in der Hoffnung, jetzt selbst ein bißchen weniger davon zu haben. Oftmals ist es auch ein Ausprobieren: Wie weit kann ich gehen, bevor der andere mich fallen lässt, allein lässt. Sie haben dies wohl vielfach erlebt.
Aber: Du hast es selbst gerade erst geschafft. Du musst für Dich selbst sorgen und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Du durch die Freundin wieder durcheinander geraten bist.
Von daher finde ich es gut, dass Du ihr klar gesagt hast, dass Du ihr nicht helfen kannst, wenn sie sich denn keine professionelle Hilfe holen will. Du kannst ihr ja versichern, dass Du in dem Fall für sie da sein willst, denn ich denke, die Gedanken an sie lassen Dich sicher nicht in Ruhe. Wenn ich mir überlege, was sie so gesagt hat, war das ja ziemlich eindeutig. Aber wenn sie es wirklich tut, dann ist es alleine ihre Sache. Du hast getan was Du konntest, um ihr Hilfe zukommen zu lassen. Du hast wohl noch mehr getan, als jeder andere getan hätte, aber ich denke, wir haben auch feine Antennen, ein Grund, warum die anderen uns immer aussuchen.
Aber ich denke, es ist nicht einfach sich abzugrenzen. Vor einigen Tagen hat sich ein 20jähriger Nachbar vor den Zug geworfen. Er war noch den Abend vorher mit Freunden, auch mit meiner Tochter, in der Kneipe nebenan. Plötzlich war er nicht mehr da- am nächsten Morgen - tot. Hier konnte auch niemand helfen, er kam mit seinen Depressionen nicht mehr zurecht, die Freundin hatte gerade Schluß gemacht. Ich denke, man ist ein großes Stück hilflos, man kann dem anderen versuchen, einen Weg aufzuzeigen, aber wenn er ihn dann nicht sehen kann...
Ich hatte mal eine Kollegin, mit der ich mich wirklich gut verstand: aber sie war manisch-depressiv und sah eine zeitlang einfach nicht ein, ihre Medikamente regelmäßig zu nehmen. Immer wenn sie in einer normalen oder manischen Phase war, dachte sie, prima- mir gehts gut, ich brauche die Medis nicht. Ein ganz fataler Trugschluß. Nun kannten wir sie gut und bemerkten die Anzeichen. Und irgendwann, eines Morgens war es dann soweit: Nichts ging mehr. Nach Rücksprache mit den Eltern haben wir damals den Krankenwagen gerufen. Sie wurde in die Psyschiatrie gebracht, ich höre ihre Schreie noch heute im Ohr. Ganz wichtig für sie war aber wohl, dass wir/ich nicht den Kontakt zu ihr abgebrochen hatten. Sie wußte, ich bin nicht allein, ich bin den anderen trotzdem noch wichtig. Ich hab´mit ihr telefoniert und ihr geschrieben. Sie war einige Wochen weg, aber als sie wieder kam, haben wir sie herzlich willkommen geheißen, Gott sei Dank, war der auslösende Streßfaktor, dann auch nicht mehr da. Aber wir haben uns auch als Kolleginnen die Freiheit genommen, sie immer wieder zu fragen, ob sie ihre Medikamente auch regelmäßig nimmt, wir haben offen mit ihr reden können und das auch getan. Bei mamisch-depressiven ist es einfach so: sie brauchen die Hilfe von Ärzten und wohl auch von Medis. Dann können sie aber oftmals ein ganz normales Leben führen. Bei deiner Bekannten braucht es vielleicht einfach noch etwas Zeit, bis sie dies erkennen kann. Aber ich denke, man muss ihr immer wieder sagen, dass es Hilfe gibt, und dass das Leben schön sein kann, und es sich lohnt, dafür zu kämpfen. Oftmals sieht man dies in einer depressiven Phase nicht mehr. Mann braucht dann die eindeutige Bestätigung von anderen, dass es sich lohnt, weiter zu kämpfen.
Es ist schwierig, aber denke auch an Dich, Du selbst bist Dir gegenüber auch verantwortlich
viel Kraft und Mut und liebe Grüße vom Abendstern
[Editiert am 26/7/2006 von Abendstern]
[Editiert am 26/7/2006 von Abendstern]
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