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Autor Thema: Angst? Was ist das?  (Gelesen 557 mal)
camel
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Beiträge: 73



« am: 12. August 2006, 15:45:34 »

Die Angst kenne ich.
Panik auch.

Die richtige Angst habe ich aber etwas verloren. Einzig erkenne ich die Gefahr. Zu mir und den anderen.
Heute kann ich Zivilcourage zeigen - mit dieser Angst, dass ich eines Tages an jemanden gerate, der mir vielleicht ein Messer in den Bauch steckt. Trotzdem trette ich hin, wenn ich Ungerechtigkeiten sehe zu Tieren und wehrlos scheinende Menschen.
Auch wenn nur Unandstand im Spiel ist, reagiere ich darauf.
Früher hatte ich Angst, ich würde nicht geliebt, wenn ich etwas zur Kritik bringen würde, dass mir gegen den Strich ging. Ich war sozusagen in der Angst gefangen, die mich zur Handlungsunfähigkeit und zur Machtlosigkeit zwang.

Da ging ich viele Stufen durch im Leben. Plötzlich erhaschte mich auch die Angst, unter Menschen zu sein. Im Bus hätte ich bei der nächsten Station aussteigen sollen, aber die Sitzplätze waren voll - und in den Gängen standen so viele noch.

Ich hatte einen Sitzplatz in einer Ecke irgendwo im Bus. Aber ich konnte nicht aufstehen, nicht durch diese Leute meinen Weg zum Ausgang des Busses. Ich erstickte fasst. Schwitze wie verrückt und atmete kaum noch. Ist das Angst? Ist das Panik?

Ich fuhr also bis zur Endstation im Bus mit, bis der Bus leer war. Dann stieg ich schweissnass aus und verfluchte mich. Nun hatte ich durch meine Angst den Thermin verpasst. Die Angst des Zuspätzukommens habe ich schon lange. Bin immer eine halbe Stunde zu früh am Ort. Egal um welchen Thermin es geht.
Nun kam da eine neue Angst dazu, nicht aussteigen zu können und dadurch zu spät zu kommen.

Seit sechs Jahren bin ich in einer Therapie bei einem "Büsiater". Nenne den Arzt liebevoll in meinen Gedanken so. Weil Büsi, Katzen mir einiges voraus haben. Sie sind sanft, frech und Egoistisch. Schlafen, schnurren, essen und kümmern sich nicht um die Welt. Machen einfach, was sie möchten. Ihre Krallen setzen sie ein, wenn es ihnen nicht passt.

Mein Arzt gibt mir keine Ratschläge, was ich unbedingt tun und ändern müsste. Er ist einfach da und hört mir zu. Lässt mich erzählen von meinen Ängsten und Erfahrungen. Ab und zu fragt er nach, vertieft sozusagen meine Geschichte. Und wenn ich dann, nach einer Therapiestunde alleine bin, denke ich scharf nach, was ich erzählte, was da passiert ist mit mir mit meinem Leben, meinen Gefühlen.

Mit jedem Jahr werde ich stärker, Selbstbewusster und auch mutiger zu Ängsten, die mich wehrlos machten.
Werde mir langsam bewusst, dass es nicht um mich selber geht. Sondern um das ganze Umfeld meines Lebens.

Heute habe ich ein gutes Gleichgewicht zu mir und zu meinem Leben. Sicher gibt es noch Momente, wo ich falsch reagiere zu anderen und zu mir. Aber Angst, nicht aus einem Bus steigen zu können, weil da zuviele Menschen stehen, habe ich nicht mehr.

An meinem Gerechtigkeitsinn muss ich noch arbeiten. Muss noch feinfühliger werden, wann ich auf bestimmte Situationen reagieren sollte, auf welche besser nicht.

In mir schlummert immer noch diese Angst, die zu einer gewalttätigen Reaktion ausarten könnte, die von wem auch immer provoziert wurde.

Den ich versuche Sachlich zu sein. Wenn mich dann aber jemand primitiv reizt, bin ich mir heute noch nicht sicher, das ich die Angst vergessend ausrasten könnte.

Deshalb möchte ich noch weiter meinen "Büsiater" besuchen, obwohl das ganze Gesundheitswesen durch mich Kosten aufgetragen bekommt.

Dabei wäre ich gerne ein Vogel, der lieber am Himmel fliegt und sich als ganz unwichtig nimmt. Und nur so ab und zu auf die Erde kommt um kurz Wasser zu trinken oder eine Kirsche vom Baum pflückt.

Hat ein Vogel auch Ängste? Vor Katzen oder vor Flugzeugen, die "seine" Flugbahn queren? Wer weis das schon?

Wir Menschen sind doch auch, wie Vögel. Leben frei und erst, wenn wir uns in einen Zwang zwingen, fühlen wir Ängste?

Liebe Grüsse

mr.camel
Gespeichert

Als der Falke sich erhob, trugen ihn die Schwingen weg vom Staub der Erde in die Höhe. Von weit oben sieht er vieles etwas näher.
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