RuaSalvia
Juniormember
 
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« am: 16. September 2006, 19:24:21 » |
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Hallo !
Ich schätze mal, ich bin hier bei weitem nicht die Einzige, die sich mit dem Reizdarm-Syndron und somit mit Anfällen von Bauchkrämpfen und Durchfall herum schlägt, aber ich weiß, daß das für viele ein peinliches und deshalb verschwiegenes Thema ist. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, daß es unheimlich Druck wegnimmt, wenn man offen damit umgeht - zumindest im Familien- und Freundeskreis, vielleicht auch unter Kollegen, also dort, wo man instressige Situationen und Erklärungsnot geraten könnte.
Zu meinem "Selbsthilfeprogramm" (auch bezüglich meiner Panikattacken) gehörte es in den letzten Jahre, im Sommer in Urlaub zu fliegen, und zwar nur Hin- und Rückflug zu buchen und den Rest als "Backpacker" in verschiedenen Herbergen zu bestreiten.
2003 hat es mich so auf die "Äußeren Hebriden" (Western Isles) vor der Westküste Schottlands verschlagen - an den buchstäblichen Ar*** der Welt. Dort stehen KEINE BÄUME und nur wenige Sträucher, öffentliche Toiletten sind Mangelware und ich mußte teilweise recht lange Busstrecken, Fährfahrten u.ä. auf mich nehmen. Wegen der Bauchwehattacken habe ich diverse Busse verpasst und stundenlang Toiletten blockiert - und festgestellt, daß trotzdem die Welt nicht unter geht.
Am drittletzten Abend mußte ich unbedingt die Fähre auf's Festland bekommen und vorher über 3 Stunden mit dem einzigen Bus dieses Tages fahren. Es kam, wie es kommen mußte: Nach ca. 2 Std. meldete sich mein bauch und ich wußte: Ich muß JETZT SOFORT aussteigen und zu einer Toilette, sonst ist alles aus ;o) Der Busfahrer wollte mich kaum gehen lassen, weil ich doch dann die Fähre verpassen würde, aber ich stieg dennoch aus, schaffte es irgendwie zu einer Tanke an der Strasse und fragte dort nach einem WC. Der Tankwart war super freundlich und meinte, er wolle mir seine Toilette nicht zumuten, die sei so dreckig, und er wisse auch gar nicht, wo der Schlüssel sei... aber ich sah anscheinend so elend aus, daß er die Tankstelle zusperrte und mich ganz selbstverständlich mit seinem Privatauto zur nächsten Herberge um die Ecke fuhr, weil er merkte, daß ich nicht mal mehr 10min Fußweg schaffen würde ! Dort angekommen traf ich alte Bekannte wieder und sagte, ich habe wohl etwas falsches gegessen und müsse deshlab zur Toilette - war kein Problem, und ich hätte auch dort übernachten können, aber ich mußte ja die Fähre kriegen. Nach einiger Zeit machte ich mich zu Fuß wieder zur Hauptstrasse auf, wild entschlossen, zu trampen. Da kam mir einer der Engländer aus der Herberge nachgerannt und fuhr mich zur Hauptstrasse, noch dazu mit dem Vorschlag, wenn Niemand anhalten würde, solle ich zurück kommen und er würde mich dann zur Fähre bringen !
Das war aber nicht nötig, weil ich schon vom 2. Auto mitgenommen wurde - eine englisch-schottische Familie, die mir den Beifahrersitz überließ, während sich die mama zwischen ihre drei kleinen Kinder auf die Rückbank quetschte. Alle waren super freundlich und haben mir angeboten, die Wartezeit auf die Fähre bei ihnen mit Tee & Keksen zu verbringen, aber das war mir mit meinem Bauch dann doch zu heikel.
Jedenfalls lief der Rest dieses abenteuerlichen Tages wie am Schnürchen; mein Bauch war wieder okay und auf der Fähre habe ich eine (ziemlich verrückte) englische Krankenschwester getroffen, die mich sogar morgens rechtzeitig geweckt hat, bevor wir auf dem Festland ankamen.
Okay, wer es geschafft hat, bis hierher zu lesen (*Respekt!*), dem will ich einfach sagen:
Man kann auch MIT PAs und Reizdarm, etc. ein schönes Leben haben und immer mal wieder über sich hinaus wachsen. Genießt, was immer ihr genießen könnt !!!!!
Alles Liebe, Rua
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