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Angstnetz Forum
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Autor Thema: Bin neu hier, möchte mich vorstellen  (Gelesen 1480 mal)
Sappho  
Gast
« am: 08. Juli 2004, 14:54:44 »

Hallo, ich lese zwar schon einige Zeit hier mit, aber erst heute habe ich es gewagt, mich auch zu registrieren. Ich mache zwar schon seit über 4 Jahren Therapie und hatte lange Zeit die Diagnose Panikstörung mit Agoraphobie, Herzneurose und neurotische Depression (+eventuell eine Persönlichkeitsstörung), aber erst in den letzten Wochen hat sich herausgestellt, dass sich hinter all diesen Problemen, die auf den ersten Blick zutage treten, als Hauptursache eine soziale Angstproblematik verbirgt. Das habe ich zunächst auch nicht so ganz glauben können, denn ich habe auf den ersten Blick eigentlich wenig Probleme, Leute anzuquatschen und wirke oft eher robust denn schüchtern. Aber im Laufe der Therapie wurde immer klarer, dass ich mich in der Umgebung von vertrauten Menschen und Menschen, die mir was bedeuten ziemlich unwohl fühle und das, obwohl ich eigentlich gerne mehr Bekannte und Freunde hätte. Ich werde dann unsicher und versuche das dann zu verbergen, weil ich denke, dass ich albern wirke. Die Folge ist dann regelmäßig, dass ich dann richtiggehend verkrampfe und jede Einladung oder auch nur ein Stadtbummel mit Bekannten zum Stress wird. Ich rede dann, weil ich sehr unsicher bin entweder zuviel oder mir fällt überhaupt nichts ein. Ich werde rot und ich bin innerlich so angespannt, dass ich anfange, meine Umgebung ganz anders wahrzunehmen wie durch ein Tunnel und ich mir ganz merkwürdig vorkomme. Vor Aufregung bekomme ich dann mit schöner Regelmäßigkeit Magen-Darmprobleme, so dass ich auf diversen Einladungen schon nichts essen konnte vor lauter Bauchschmerzen. Anfangs dachte ich, ist halt eine Magen-Darmgrippe, aber kann ja nicht immer sein, oder? Ich habe überhaupt leider nur wenige Bekannte und Freundinnen, denn nach einem guten Start lässt das Interesse der anderen an mir oft rasch nach, vielleicht, weil ich manchmal so komisch bin und nicht immer mitgehen kann, ich weiß es nicht. Das macht mich sehr traurig und schmälert mein Selbstbewusstsein sehr. Ich bemühe mich dann immer sehr um diese Freundschaften, aber es klappt regelmäßig nicht. Schade. Es tut dann ziemlich weh und zieht mich seelisch immer noch weiter runter. Daher habe ich inzwischen regelrecht Angst Kontakte zu knüpfen außerhalb des Nets. Wie ich es geschafft habe, einen Mann zu finden, weiß ich bis heute nicht. Leider ist unsere Ehe inzwischen alles andere als gut. Ich habe hier ein merkwürdiges Problem. Immer wenn er Nähe sucht, will ich Distanz und es gibt Streit oder umgekehrt. Kommt wohl daher, dass ich keine NÄhe ertragen kann, ja oft nichtmal Berührungen, obwohl ich mir das sehr wünsche. Woher das kommt, weiß ich nicht. Ich habe keine schlechten Erfahrungen oder so in der Kindheit gemacht. Ansonsten habe ich oft Probleme mit meiner Einsamkeit, weil ich mich dann innerlich so leer fühle, dass ich mich, obwohl ich eigentlich viel zu tun hätte, gar nicht zu beschäftigen weiß und nur herumhänge.
Momentan stecke ich wieder mal in einem ganz tiefen Loch. Ich habe längere Zeit eine ehrenamtliche Arbeit geleistet und diese dann, weil ich eigentlich mehr für mich tun wollte, aufgegeben. Auch dachte ich, dass ich inzwischen ziemlich stabil geworden sei. Jetzt wo ich sie aufgegeben habe, merke ich erst, wie sehr sie mir fehlt und wieviel sie für mein Selbstbewusstsein beigetragen hat. Zurück kann ich nicht mehr, denn die Entscheidung war eine endgültige. So habe ich zur Zeit ziemlich mit einer depressiven Phase zu kämpfen, die schon seit mehr als drei Wochen anhält, was länger ist, als ich von früher kenne, da mir Stimmungsschwankungen nichts Unbekanntes sind.
Was ich mir von diesem Forum erhoffe, sind viele Informationen zur Sozialphobie (wovon ich keine Ahnung habe, denn die Diagnose ist für mich noch neu, aber trifft es voll), ein Austausch bei anderen Angst-und Depressionsproblemen, sowie vielleicht ein paar nette Kontakte.

eure
Sappho
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wolfgang  
Gast
« Antworten #1 am: 08. Juli 2004, 15:09:52 »

Hallo Sappho,
ist Dein Mann in irgendeiner Form mit in Deine Therapie eingebunden oder besucht er eine Selbsthilfegruppe für Angehörige?

Herzliche Grüße
Wolfgang
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Sappho  
Gast
« Antworten #2 am: 08. Juli 2004, 15:25:43 »

Hallo Wolfgang, nein weder noch. Mein Mann versucht meine Probleme weitgehend zu ignorieren. Er akkzeptiert zwar, dass ich bin, wie ich bin, aber ansonsten versteht er nicht so ganz, worunter ich leide. Er sagt, ich soll mich einfach mehr anstrengen und zusammenreißen.
Ach ja noch eine Frage, die hier nicht hingehört: Was sind Benutzerpunkte, die werden in meinem Account geführt und ich weiß nicht, was sie bedeuten. Danke!
Sappho
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wolfgang  
Gast
« Antworten #3 am: 08. Juli 2004, 15:41:28 »

Hallo Sappho,
was mit den Punkten ist weiß ich ehrlich gesagt auch nicht so ganz genau.

Auf Dauer wird Dein Mann schlechte Karten haben. Wenn er nicht begreift, dass du nicht Launen hast, sondern eine seeliche Störung oder Krankheit kann er die Beziehung aufs Spiel setzen.

Allerdings begreife ich auch Deine Therapeutin nicht ganz, dass sie Euch nicht einige Paargespräche angeboten hat. In diesen Gesprächen versucht der Therapeut dem Partner etwas von der Krankheit zu vermitteln.

Wahrscheinlich bist du wirtschaftlich total von Deinem Mann abhängig. In meinen Augen warst du ja schon auf einem guten Weg. Eine ehrenamtliche Arbeit ist auch eine Arbeit. Für mein Selbstwertgefühl ist es sehr wichtig eine Beschäftigung zu haben.

Allerdings steht an erster Stelle meine Beziehung. Meine Partnerin war bei jedem Klinikaufenthalt zu Gesprächen mit dem Chefarzt dabei.
Andererseits war ich bei ihrer Therapeutin zu einigen Gesprächen mit.

Wenn das mit Deiner Ehe nicht hin haut, kannst du 20 Freunde haben, dann habt Ihr ein ernstes Problem. Alleine das muss Dich doch schon ziemlich belasten.

Herzliche Grüße
Wolfgang
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Sappho  
Gast
« Antworten #4 am: 08. Juli 2004, 18:20:18 »

Naja, an meiner Therapeutin lag es nicht. Die hat ihm schon ein Gespräch angeboten, aber er wollte dann nicht so recht. Er hat gemeint: Was soll ich denn da, du hast doch das Problem? Naja, und zwingen kann ich ihn ja nicht.
Dabei würde ihm sowas sicher guttun, aber das muss er selber wissen. Ich habe jedenfalls für mich eingesehen, dass ich nicht ihn, sondern nur mich selber verändern kann und aktiv werden muss.
Bin deshalb ganz froh, dass wir in der Therapie endlich den Kern meiner Probleme gefunden haben. Hoffe, dass es dann irgendwann besser wird.
Neben der ehrenamtlichen Tätigkeit hatte ich oder habe ich noch einen kleinen dreistündigen Job und hoffe, dass der auch dieses Jahr wieder verlängert wird. Ist zwar nichts Wichtiges und was ganz anderes, als ich gelernt habe, aber zeigt mir, dass ich gebraucht werde und es zwingt mich, meinen Tag zu organisieren und nicht zuhause zu versumpfen.
Und ein wenig eigenes Geld ist ja auch nicht schlecht.
Gruß
Sappho
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wolfgang  
Gast
« Antworten #5 am: 09. Juli 2004, 07:41:03 »

 
Zitat
Er sagt, ich soll mich einfach mehr anstrengen und zusammenreißen.


Hallo Sappho,
Angst und Depressionen sind Krankheiten, bei denen es kein zusammen reißen gibt.
Natürlich solltest du in Deinem Leben was verändern, damit du die Angst los wirst. Es ist wahrscheinlich, dass je selbstbewußter du wirst, je weniger Angst hast du auch. Natürlich kann ich da wieder nur von mir sprechen.

Immer wieder treffe ich auf Menschen mit folgender Aussage; Mir geht es gut, ich habe alles, meine Kindheit war blendend, wenn nur die Angst, die Essstörung, die Depression usw. nicht wäre.

Ein Mensch, der ein gesundes Selbstwertgefühl hat und innerlich mit sich und der Welt zufrieden ist, wird nicht psychisch krank. Immer vorausgesetzt es ist nichts organisches wie z.B. sehr oft bei Frauen eine Hormonstörung im Spiel.

Ich finde es toll, dass du in der Therapie Deine Probleme erkannt hast. Hoffentlich bringt Dich auch dieses Portal ein Stück weiter.

Herzliche Grüße
Wolfgang
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Sappho  
Gast
« Antworten #6 am: 09. Juli 2004, 14:15:17 »

Hi Wolfgang, bei mir spielen zwar auch oft die weiblichen Hormone verrückt, wenn ich mich mal wieder in einer schlechten Phase befinde, wie überhaupt mein ganzer Körper mit reagiert, mit Bauchweh, Durchfall, Kopfweh, Bluthochdruck, Herzrasen usw. Mein Arzt sagt aber, dass das von den Ängsten und Depris käme und nicht umgekehrt diese von den Hormonen. Da scheint schon was dran zu sein, denn geht es mir psychisch gut, geht es mir auch körperlich viel besser.

Du sag mal, kennst du ein gutes Buch über Sozialphobie? Möchte mich mal ein bißchen genauer informieren drüber.
Gruß
Sappho
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wolfgang  
Gast
« Antworten #7 am: 09. Juli 2004, 14:25:56 »

Hallo Sappho,
natürlich ist zwischen Körper, Seele und auch Geist ein Wechselspiel im Gang. Kommt es zu einem Ungleichgewicht, geht es einem nicht so gut.

Viele Ärzte kommen ja erst jetzt darauf eine Therapie ganzheitlich zu machen. Leider sind es noch zu wenige. Die Ärzte untereinander sind sich ja selbst nicht einig.

Für Dich ist es aber noch ein ganzes Stück Arbeit, die Probleme aus der Therapie zu lösen und Dein Leben so zu ändern, das Angst und Depression verschwinden. Ich weiß wie schwer es ist, in seinem Leben oft nur Kleinigkeiten zu verändern..

Wegen dem Buch schau mal bitte hier auf dem Portal unter Kleinanzeigen oder im Shop , da findest du einiges zur Angst.

Herzliche Grüße
Wolfgang

Was mich wundert ist, das Dir hier sonst niemand schreibt.
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