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Autor Thema: Leere in mir :therapien- medikamente- alles umsonst?  (Gelesen 1986 mal)
seepferd
Gast
« am: 11. Juli 2004, 01:56:09 »

hallo, ich bin noch neu hier und suche rat.
warum konnten mir meine bisherigen therapien nicht helfen, mit der depression fertigzuwerden?
derzeit stecke ich in einer situation, die sich hinzieht wie ein kaugummi. bin w, 34, und habe derzeit beruflich so gut wie nix zu tun. als einziges mache ich eine kleine fortbildung. das geht so einigermassen. der rest ist einfach mist.

mein ewiges problem ist die leere in mir. weil ich nichts mit mir anzufangen weiss, und wieder voll depressiv bin, verbringe ich die zeit mit nichts tun. ich rauche kette, und versinke in meinem unglück.

ich habe eltern, die einen nur depressiv machen konnten. keine liebe, keine gespräche, kein interesse für irgendwelches gefühlsleben der kinder. kalte und ungeliebte kindheit eben. ich weiss ja die gründe!

als ich anfing zu studieren, wurde mir bewusst, dass ich so nicht leben kann. ich machte eine psychoanalyse. dadurch änderte sich einiges. ich baute eine sehr starke bindung zu meiner therapeutin auf und konnte wohl das erste mal fühlen, wie es wäre, eine richtige mutter zu haben. meine wirkliche ist einfach zu kalt und viel zu beschäftigt mit ihrem eigenen unzufriedenen leben. ich konnte danach besser leben, war fähig kontakte zu knüpfen usw. schliesslich , später, sogar eine beziehung.

aber: es ging weiter. ca. 3 jahre nach ende der analyse merkte ich, die depressive grundstimmung ist nicht weggegangen. ich suchte eine neue therapeutin, die alte wollte mich nicht mehr, das hatte sie mir schon gesagt, dass sie mir nichts mehr neues bringen könne.

die "neue" war eine sehr nette, verständnisvolle. aber es kratzte alles nur so an der oberfläche.

Bis heute ist der depressive kern unangetastet. ich hatte schwere depressive phasen, z.t. versuchte ich es mit SSRI . aber es half nicht so richtig.

leider habe ich jetzt die hoffnung in therapien und medikamente vollends verloren.

ich weiss, ich müsste die leere in mir füllen, meine verhaltensmuster ändern, aber dazu bräuchte ich jemanden, der mir hilft. der sich fragt, warum ist das immernoch so, wie kann man diese leere füllen?

habt ihr einen rat für mich?

seepferd
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NoExit
Juniormember
**
Beiträge: 18


« Antworten #1 am: 11. Juli 2004, 04:44:09 »

Hi Seepferd, ich nochmal hehe
Also ich kenn das son bissel und kann dir nur raten, geh raus, mach etwas Sport und such dir eine Beschäftigung!Sport und so helfen ungemein, das ist wirklich so!Ein Hobby ist sehr wichtig (Ich weiss schwer zu finden aber es geht)... dann wird es dir auch besser gehen. Ich kenne das mit dem "nix zu tun" oder "kein bock" da muss man sich nen Ruck geben , jedesmal denn, mal fällt auch immer wieder ein Stück zurück, nur der Ruck fällt dann meist leichter mit der Zeit.Vielleicht oder besser solltest du auch nochmal den Schritt in Richtung einer Therapie machen, kann denk ich nicht schaden.
Ich weiss selber das das alles nicht einfach ist, aber unmöglich auch nicht!
Kopf hoch ;-)
lg Tom
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maren
Gast
« Antworten #2 am: 11. Juli 2004, 09:49:15 »

hallo

wie exit hab ich auch auf den anderen artikel shcon geantwortet und hier  kommt es nun genauso versuchs mit sport..  geh in chats, unterhalt dich mit leuten denen es genausogeht wie dir fang noch mal eine therapie an.

ich bin nicht typisch depressiv, hab eher voll die panik, kann dadurch nicht viel machen und was ich machen möchte trau ich mich nicht, also der teufelskreis wo man am ende nicht viel mit sich anfangen kann.
trotzdem zwing ich  mihc irgendwie jeden tag, einen gewisse aufgabe zu erledigen,, zb haushalt machen, oder in den garten gehen, ein stück spazieren gehen,,,es ist ein langwieriger aber lohnenswerter weg,

ich kenn jemanden der läuft auf einem laufband täglich eine stunde, raucht ni cht mehr und ihm gehts richtig gut,,,


lg maren
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rainerwendland
Gast
« Antworten #3 am: 11. Juli 2004, 13:05:42 »

Hallo, Seepferd!
Rat- Schläge verteile ich äußerst ungern. Aber ich mag Dir meine Berührungen mit Depression und Leere mitteilen. Vorab: Seit anfang des Jahres erlebe ich erstmals in mir Depression und Leere.
Meine letzte Freundin hatte superstarke Depressionen incl. Selbstmordversuche, und hat sich innerhalb von ca. 3 Jahren da rausgebuddelt. Ich hielt sie / ihre Seele längere Zeit für schwach und mich (wohl oder übel) für den Unterstützer an ihrer Seite. Jetzt weiß ich, wie stark sie eigentlich ist und war! Mit Hilfe von verschiedenen Therapien hat sie Licht ins Dunkel gebracht; Fam.-Aufstellungen, psychosomat. Klinik und versch. mehr... Ich glaub sie ist jetzt mit dem Gröbsten durch.
Jetzt bin ich von meinem Sockel runter und darf mich selbst mit meinen Schwächen beschäftigen. Überraschend für mich ist, daß ich schon ne ganze Weile dabei bin, mich zu entdecken und erst vor kurzem etwas peu à peu an die Oberfläche gekommen ist, was mich gruselt und erstmals richtig Angst haben läßt. Aber allmählich gelingt es mir, eine Depression und andere negative Zustände und Emotionen als Geschenk zu erkennen, denn auch sie führen m.E. dazu, mich zu er-leben. Jetzt brauche ich Gruppentherapie wg. dem Wert von sozialem Kontakt sowie körperorientierte Ansätze. Dazu beabsichtige ich einen Aufenthalt in einer zu mir passenden psychosomatischen Klinik, die mir eine geschützte Athmosphäre und ein breit gefächertes Sortiment an Behandlungen bereitstellt. Das wichtigste für mich ist, alles ohne Verurteilung in mir sein zu lassen, und wenn ich mich noch so öde finde. Heute finde ich mich übrigens superöde, weil ich schon den halben Tag am notebook rumdaddle, statt eine Terminarbeit fertigzustellen, die mir eigentlich wichtig ist...

In diesem Sinne geh ich frech davon aus, daß auch Du zur richtigen Zeit die Schlupflöcher findest...

herzliche Grüße
Rainer

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ArgusArgwohn  
Gast
« Antworten #4 am: 11. Juli 2004, 15:14:00 »

Zum Gruße, liebes seepferd!

Dein Bericht hat mich berührt, zumal ich diese Phasen tiefer Depression auch immer dann durchlebte, besser durchlitt, wenn ich innerlich leer war.  Da wir uns nicht kennen, will ich Dir nur rasch sagen, dass ich im alten Forum einige Monate schrieb und es mir immer besser ging, bis ich so weit war, dass ich nur noch Tipps gab und davon berichtete, wie ich selbst meinen Weg fand und die innere Leere mich sozusagen lehrte, mich selbst zu durchleuchten.

Ich stand langen Therapien immer skeptisch gegenüber und eine Analyse wäre für mich  deshalb nie in Frage gekommen. Ich weiss auch nicht, ob es immer gut ist, bis auf den Kern vorzudringen. Denn erstens wissen wir samt Therapeuten selbst nach Jahren nicht, wo er liegt und wenn er denn gefunden wurde, ob sich die Depressionen nur auf Grund dieser Erkenntnis, des neuen Wissens, bessert. Das dürfte bei jedem Patienten anders sein.

Du jedenfalls hast das Gefühl, als sei alles umsonst gewesen. Zuerst eine Analyse, dann eine neue Therapeutin, Medikamente und so fort. Und jetzt versinkst Du wieder in der Leere, die auch mit Zigarettenqualm kaum auszugleichen sein wird, wie Du ja auch selbst erkennst.

Ich gebe auch wie mein Vorschreiber selten Ratschläge, schöpfe aus meinen eigenen Erfahrungen, die ich weitergebe in der Hoffnung, auf einen Menschen zu stoßen, der Lebensansichten wie meine hat und vielleicht einen solchen Weg sucht.

Nun bin ich schon im alten Forum oft belächelt worden - was mir allerdings gleichgültig war - wegen meiner ganz subjektiven Überzeugung, dass mir der Glauben geholfen hat. Die Unsicherheit, Leere, das Suchen, mangelndes Urvertrauen, Lustlosigkeit und was eine Depression alles ausmacht, konnte ich mit anfänglichen Rückschlägen, die immer seltener wurden, überwinden. Als ich merkte, auf dem richtigen Weg zu sein, ließ ich mich von ihm auch durch nichts abbringen. Heute weiss ich, dass mir die Menchen weitergeholfen haben, die mich in meiner Überzeugung bestärkten. Und das waren sogar Leute, die selbst nicht gläubig waren, aber tolerant. Je mehr Wissen ich ansammelte, umso unwissender wurde meine Seele.

Ich kann Dir ganz kurz die wichtigsten Hilfsmaßnahmen aufzählen, die mir den Sinn meines eigenen Lebens näher brachten:

1. Das   Denken überwachen, mehr noch das   Grübeln. Das bedeutet, Gedanken und Worte negativer Art nicht einfach fließen lassen, sondern in das Chaos eingreifen. Das geht laut mit Unterbrechung, Umwandlung der Gedankenströme in positive Kanäle, das Gute stärken und ausbauen.

2. Die seelisch-geistige   Hygiene pflegen. So wie wir unseren Körper pflegen, verdient es auch unsere Seele. Hierfür nahm ich mir besonders vor dem Zubettgehen Zeit (es gab darüber auch einmal im alten Forum einen gesonderten Thread)

3. Die   Natur. Ich lebe in einer Bilderbuchlandschaft nahe eines großen bayerischen Sees. Bei jedem Wetter ging oder fuhr ich meine Routen. Das Horchen auf die Natur, die Schönheit und Anmut jedes Blattes, ob in frischem Grün oder matschig nach einem Gewitter, gab mir innere Ruhe. Das Grübeln legte sich wie der Wind und machte mich frei. Andere machen Sport, so wie es hier auch schon beschrieben wurde. Nur raus. Raus aus den vier Wänden, die einengen und das Leben festhalten.

4.   Schreiben. Das ist mein Ratschlag, den ich immer wiederhole. Nicht nur hier schreiben. Für sich selbst. Zuhause. Jede Kleinigkeit kann wichtig sein. Die Gedanken vom Kopf ins Herz und über den Arm in die Hand fließen lassen. Ich schreibe per Hand. an der Schrift kann ich auch erkennen, wie ich mich an jenem Tag fühlte. Nichts geht verloren,

5.   Diszipliniert und pflichtbewusst leben, aber sich nicht unter starken Druck setzen. Bringt nur Verkrampfung, keine Heilung. Den Tag strukturieren und sei es, immer um die selbe Uhrzeit aufzustehen oder zu essen. Das gibt Sicherheit, verhindert, sich gehen zu lassen und ist wichtig für den Körper, den man nicht wie einen Mülleimer behandeln sollte. Sich Zeit nehmen für diese Rituale, sie bewusst genießen.

6.   Dankbarkeit. Der Rat eines erfahrenen Arztes. Ich bekam damals zur Aufgabe, über alles, was ich tue, sehe, esse, erfahre, meine Dankbarkeit auszudrücken. Laut. Es ist gleichgültig, WEM gedankt wird. Nicht jeder kann Gott danken. Es genügt, Danke zu sagen, einfach hinaus in die Welt. Danke, dass ich laufen kann, danke, dass ich heute nicht hungern muss, danke, dass ich die verschieden gefärbten Rinden der Bäume erkannt habe, danke, dass jemand mit mir gesprochen hat. Danke, dass die Sonne herauskommt, danke, dass ich fühlen kann usw.

7.   Freude geben. Leere kann man gut ausfüllen, indem man für andere da ist, nicht nur über sich nachgrübelt. Und kostet es Überwindung, eine kleine Karte ist schnell geschrieben und die Freude kommt zurück und macht der Leere Platz.

8.   Zeit und   Geduld. Waren nicht meine Stärke, heute weiss ich, dass sie die wichtigsten Heiler sind. Ich habe oft gesagt: "Lasse der Zeit die Zeit" und das fiel mir enorm schwer. Aber es hat sich gelohnt. Nichts mit Gewalt erwirken, keine Türen aufreißen, aber die angelehnten weit öffnen. Sich fallen lassen in die Zeit, Vertrauen haben, dadurch Ruhe gewinnen und die Schmerzen, diese mahnenden psychosomatischen Begleiter, treten in den Hintergrund.

9.   Sinn. Nichts ist verloren und nichts ist vergebens. Auch Deine Analyse wird Dich etwas gelehrt haben, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, wirst Du es erkennen. Auch die Medikamente haben Dir vielleicht geholfen, dass es nicht noch schlimmer kam. Und den Mangel an Liebe kannst Du vielleicht irgendwann doppelt an einen anderen Menschen zurückgeben, verschwenden.

10.   Liebe. Alles, auch Arbeit, mit Liebe tun. An die Kraft und Macht der Liebe glauben, die in allen von uns wohnt oder schlummert. Im Medikament Liebe ist alles enthalten. Achtung, Respekt, Freude und Sinngebung. Und wenn sie lange genug einwirken kann, verblassen Depressionen. Ich selbst habe gespürt, dass Liebe und Dankbarkeit sehr eng verknüpft sind.

Ich konnte jetzt nur kurz umreißen, was mir half, aus der Seelenfinsternis ans Licht zu kommen. Es liest sich so einfach und mag lächerlich klingen. Es braucht viel Zeit, Geduld und Mitarbeit. Innehalten und Rückkehr, das heißt, alte Dinge aufgeben, sich Neuem zuwenden. Dies fiel mir am schwersten. Ich hätte oft lieber an alten Dingen festgehalten und weitergelitten, als mich befreiendem Neuen zuzuwenden. Weitermachen bei Rückschlägen - auch eine Prüfung. Das Gespräch zu Menschen nicht nur erwarten, selbst herbeiführen - eine der härtesten Aufgaben. Andererseits Einsamkeit üben, sie als etwas Normales und nicht als ängstigenden Feind begreifen, aus der wir  neue Erkenntnisse gewinnen, ganz auf uns gestellt sich und daraus Neues erwachsen kann.

Heute weiss ich, dass das Leben so ist, dass Vieles keiner Therapie bedarf sondern der Umkehr. Ich spreche nur für mich!

Alles Gute wünscht Dir
ArgusArgwohn



[Editiert am 11/7/2004 von ArgusArgwohn]

[Editiert am 11/7/2004 von ArgusArgwohn]
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Karandash
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Beiträge: 149



« Antworten #5 am: 11. Juli 2004, 18:05:52 »

Kicher Seepferdchen hallo..........

ja das ist echt frustrierend manchmal, aber jetzt zeige ich es wenigstens.
Ich kenne das auch und hoffe das ich bei richtigen Depressionen den weg zu Arzt finde. Noch bekomme ich mich selber immer raus und ich habe oft zutun..... Heute werde wach Töchterchen hält sich an das abgesprochene verbot mich schlafen zu lassen bis 8.oo Leere, Unruhe, Angst, Durchfall un ne superschnelle reaktionsnegativgedaNKENSPRIR ALE in mir: Ich versuche nur noch ganz ruhig was hast du zu schaun. Nein ich will nicht an den see was dann...ich bin mit meiner tochter am kanal lang und wir haben einen wunderschönenen weg gefunden am Lindenauer Hafen, Libelle schwirrte .....am kanal trafen wir Leute mit denen man schwatzen kann.

An einem Tag gehe ich Volleyball spielen und das ist hardcore training für mich, weil der Tonfall sehr deftig ist, Allerdings konnte ich denen zeigen okay das geht nur mit mir nicht . ich mag das nicht. Jetzt werde ich steif gelobt.... Ne nachbarin trete ich jetzt Zum Walken....

ich war ganz anders vor einem Jahr , und konnte gerade so den Alltag...Seepferdchen versuche es... geh raus oder richtig Stück für Stück. hast du früher was richtig gern gemacht?
 Mich erschlägt das alleinsein oft, keine Anerkennung im Beruf weil Arbeitslos und ich habe mich nur so identifiziert mich gab es nur im Beruf...........Garnichts geholfen gibts nicht. Schau dir deine Tagebücher an oder alte texte, erinner dich wie es dir vor der Klinik ging. Erinner dich an deine alte Thera in liebe.....spürst dus. Das alles ist Leben. Ich versuche es auch so und ich weiß das viele es so schaffen...immer einen verdammten Schritt weiter. Du musst nicht in den Alpen leben um Ruhe zu finden.....

Ich wollte heute aufschreiben was ich mir am meisten wünsche heut abend , machst du mit?

Dann rausfinden was ich davon eigentlich schon habe und ein Thema finden. für die nächste Woche nur positiv nicht ........... ich möchte mal einen Tag gute Laune haben und nicht in Trübsal versinken , sondern ich habe morgen gute Laune und werde mich mit ....beschäftigen um mich dann am Abend über meinen Erfolg zu freuen.

Sehr plakativ gelle......ich wünsch Dir Karft

Kara
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seepferd
Gast
« Antworten #6 am: 11. Juli 2004, 22:52:21 »

Ihr lieben alle,

ich schwamm heut schon in tränen. auch wegen eurer antworten. ich danke euch allen, und muss das erst mal einwirken lassen. es sind so tolle anstösse dabei....
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Sthy
Gast
« Antworten #7 am: 11. Juli 2004, 23:43:38 »

Liebes Seepferdchen,ich kenne dieses Gefühl der Leere, zu gut,ich habe letztes Jahr eine 8monatige stationäre Therapie gemacht,mit 4 Monaten  geschlossener Unterbringung und allem dru m und dran.Ich fühlte mich leer,so manches mal dachte ich wirklich ich sei schon tot,es ist das schlimmste,keine Empfindungen mehr zu haben nur diesen Schmerz wahrzunehmen,der irgendwo tief in einem selbst steckt und einem jeglichen Lebensmut nimmt.Diese Antriebslosigkeit.Ich fühlte mich dem Tod näher als dem Leben,ich wollte auch gar nichts positives mehr sehen,dann sagte man mir,ich würde nie wieder gesund werden.Daraufhin ging die Talfahrt erst einmal weiter doch  ich bin ans Denken gekommen und traf den Entschluss ,dass sich irgendwie alle Probleme lösen lassen und habe  den Kampf mit mir selbt letzendlich gewonnen und zurück ins Leben gefunden.Ich wurde damals vollgepumt mit Neuroleptika nichts half,heute lebe ich ohne Medikamente,treibe wieder viel Sport halte mich an meinen Partner und gute Freunde.Reden hilft.Ich gehe wieder einem geregelten Leben nach und die Depriphasen sind ganz ganz selten geworden. Ich kann nur sagen aus jeder Krise geht man gestärkt hinaus und die Lebenserfahrungen die man dadurch gewinnt,machen stark und lassen sich durch nichts mehr nehmen.Medikamente sind auch nur Stützen gehen muss man dennoch allein!Ales Gute,Sthy
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seepferd
Gast
« Antworten #8 am: 12. Juli 2004, 10:15:06 »

hallo, danke für euere antworten und anregungen. habe mich total gefreut.

@no exit @maren:
 vielleicht wollte ich das von euch hören, dass ich mir wieder einen therapeuten suchen soll. ich habe die sehnsucht nach jemandem, der für mich so eine grosse stütze darstellt, wie ich es schon mal hatte, eben in meiner ersten therapie (analyse).

aber die angst hindert mich im moment. ich wäre so glücklich, würde ich den/die richtige finden. angst habe ich, da ich nach der ersten th. nicht mehr so richtig glück hatte damit. bei meiner zweiten suche, also 3 jahre nach beendigung der analyse, hatte ich nur pech. ich landete bei einem schnösel, der mich schon beim ersten anblick erschreckte. er war gestylt, wie aus der vorabenserie geschnitten. das konnte ich also vergessen.
ich hatte den mut schon verloren, denn alle adressen, die ich in so einem therapiezentrum erhalten hatte, hatten gar keinen platz frei.

schliesslich landete ich bei jemandem, der mir gar nicht soooo sympatisch war, wo ich trotzdem ein jahr hinging, was es mir brachte, ich glaube nix. der war zu kopfgesteuert. es fehlte das gefühl.

hier unterbrach ich, wohl aus enttäuschung. (aber irgendwie war wohl doch ein nutzen da, denn ich lernte in der zeit meinen jetzigen freund kennen).

ein dreiviertel jahr später suchte ich wieder. vielleicht hab ich nicht lang genug gesucht, vielleicht hängte ich mich an die erste person, die mir sympatisch war. sie gab mir verständnis, irgendwie wärme, kleinere fortschritte. aber das grundverhaltensmuster brachte ich irgendwann nicht mehr, sie wurden auch nicht wirklich bearbeitet. es war einfach zu oberflächlich. sie konnte mir über die woche helfen (ich stand unter schlimmem druck auf der arbeit).
aber irgendwann, nach einem jahr ca. fühlte ich dass sich grundlegend nix ändert.

deshalb habe ich angst, wieder nichts damit zu bewerkstelligen.
aber vielleicht sollte ich wieder hoffen und es versuchen.
auch hab ich angst, oder bessergesagt verpflichtungsgefühle meiner letzten therapeutin gegenüber. ich bin ja undankbar, wenn ich nicht mehr zu ihr gehe?

aber: mir ist bewusst, der hauptweg muss allein gegangen werden. es ist der alltag, der zu bestehen ist!!! und genau das ist das problem. diese lücken oder gähnende leere in mir, wenn es kein äusserlich vorgegebenes programm gibt. diese zu füllen.
eine disziplin einzuführen, eine struktur, die einen über den tag führt, nicht einengt, sondern führt. das ist mein ziel. manchmal schaff ich es.

mit einem lieben gruss an euch
seepferd


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seepferd
Gast
« Antworten #9 am: 12. Juli 2004, 10:39:45 »

lieber rainer(wendland)

dank dir. würde dich sehr gerne fragen, warum die depression seit anfang des jahres, kennst du die gründe? warst du vorher frei davon? ausserdem das gruselige, das langsam hochkommt, magst du mir darüber erzählen? vielleicht hast du das schon irgendwo getan im forum?

ich finde es klasse, wie du es angehst. die entscheidung für eine klinik, was ich mich nie getraut habe. und dass du weisst, welche therapieart jetzt genau die richtige für dich ist. hast du dich von alleine für die klinik entschieden?
leider ist sowas für mich immernoch mit negativem behaftet. nein, verstehe mich nicht falsch. ich finde es gut, dass du diesen mut hast. ich wünschte, ich hätte ihn auch. vielleicht wäre mir mit soetwas auch besser geholfen als ständig auf der vergeblichen suche nach dem richtigen therpeuten zu sein.
ich stelle mir vor, dass man da wirklich mal aufgenommen ist, sich irgendwie sicher fühlt, zeit und muse hat, sich mit sich selbst zu beschäftigen. zu sehen, wie es die anderen meistern, oder leute kennenzulernen, denen man sich auch mal anvertrauen kann.

leider habe ich schon seit immer angst, was würden die anderen sagen. die meisten meiner bekannten wissen doch gar nicht was mit mir los ist. ich hab angst davor, zuzugeben, dass ich depressiv bin! ich schäme mich eben für meine krankheit. es weiss nur eine sehr gute freundin, die es aufgrund eigener probleme irgendwie verstehen kann. ansonsten nur noch meine schwester.

in der hoffnung auf schlupflöcher wink , die ich dir ebenso wünsche,
sei herzlich gegrüsst
seepferd
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seepferd
Gast
« Antworten #10 am: 12. Juli 2004, 11:16:50 »

hallo ArgusArgwohn,

sei gegrüsst und danke.
ich bin völlig begeistert von deiner sichtweise. noch mehr davon, dass dir der glaube so geholfen hat.
in keinsterweise finde ich irgendetwas lächerlich, nur schwierig, viel arbeit, die da auf einen zukommt.
bleibt zu sagen, dass ich deine mail noch öfters lesen werde. werde versuchen, die einzelnen punkte für mich zu erörtern.

gruss
seepferd
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rainerwendland
Gast
« Antworten #11 am: 12. Juli 2004, 12:43:05 »

Hallo, liebes Seepferd!
Warum Anfang des Jahres? Das könnte auch heißen: Warum so lange nicht? Vielleicht ist es die meine innere Seelen-Weisheit, erst dann Altlasten zu bearbeiten, wenn ich reif oder stark genug dafür bin? Ich glaube, daß es so ist. Mein Heilungs-und Selbstfindungsweg dauert schon ein paar Jahre, seit 4 Jahren sehr intensiv, und im Laufe dieser Zeit konnte ich ganz allmählich entdecken, wie umfassend ich meine Gefühle eingemauert hatte. Interessant ist, daß ich mehrere depressive Partnerinnen hatte, bevor es mich selbst erwischte. Und einmal hatte es auch geklickert: Meine eigene Unlebendigkeit gründete auf Gefühlsunterdrückung, Depressive Unlebendigkeit ist eher das Er-Leben von negativen Gefühlen und hat als Ergänzung manchmal auch die Fähigkeit des Himmelhoch-Jauchzens...  
Und als ich dann soweit war, auch Wut, Trauer und Liebe in mir sein lassen zu können (Hurra!), kam ich langsam in den Keller, um an die Ursachen für die Notwendigkeit eines Schutzpanzers zu kommen. Und seit Anfang des Jahres kommen Gedanken, Bilder, Alpträume, Kälteschauer und vieles mehr. Aber bis jetzt hab ich keinen wirklich begreifenden Kontakt zu diesem Trauma, was sich in mein "Leben" schiebt. Durch die Depression fühle ich aber sehr wirklichkeitsgetreu meine Kindheit nach, allmählich merke ich, daß ich wohl sehr früh so effektiv eingeschüchtert worden bin, daß ich mich ganz (!) aufgegeben hatte. Letztens hatte ich das Bild, ich bin eigentlich ein elender ängstlicher dressierter Hund, der fast alles mit sich geschehen läßt, hauptsache ich bekomm das, was ich zum Leben brauche. Deshalb Leben in "-". OK, ganz autistisch war ich nicht, aber doch 90% Kopfmensch, der glaubte, fühlen zu können...
Kannst Du Dir vorstellen, daß ich bis vor kurzem keine Angst gespürt habe? Gerade dieses Gefühl habe ich so erfolgreich eingemauert, daß ich es auch nicht mehr haben konnte bei zB. Feuerlaufen (über 800 Grad heiße Glut). Aber jetzt beginne ich sie zu spüren und auch zu identifizieren, wenn mir kalt ist, ich mich gelähmt fühle, ohnmächtig, ausgeliefert... Ich komme allmählich mit Todesangst in Berührung und gehe davon aus, daß es in meiner Geschichte etwas gibt, was damit zu tun hat. Meine augenblicklichen Spekulationen erzähle ich nicht, weil sie - noch - nicht meine Wahrheit sind.
Ich hoffe, daß ich diese Wahrheit in der Klinik finde.
Mein erster Beruf ist Zimmerer, aber nach ein paar Unfällen bin ich in die Heilkunde gegangen, ausgelöst durch den Krebstod meiner Mutter. Dadurch habe ich im Rahmen von Ausbildung etliche Therapieformen kennengelernt. Vielleicht weiß ich auch nicht unbedingt vorher, welche Therapie für mich die Richtige ist, eher welche es nicht ist. Intuition, Vertrauen aufs Universum (hab ich aber auch nicht konstant). Bis vor kurzem hatte ich in meinem Freundeskreis 6 Fälle beobachtet, daß nach einem mehrwöchigen Klinikaufenthalt kaum spürbare Veränderung zu sehen ist. Deshalb hatte ich große Vorbehalte. Allerdings mußte ich erst innerlich zugeben, allein nicht weiterzuwissen und hilfebedürftig zu sein. Und siehe da: Ein Freund aus der MRT-Männergruppe kommt vor zwei Wochen aus einer Klinik zurück, ist voll begeistert und strahlt ein Bei-sich-sein aus, daß keinen Zweifel bei mir übrig ließ. Und nach einem weiteren Versuch, mit befreundeten heilkundigen Menschen ambulant zu arbeiten, merkte ich, daß mein Gepäck, meine Last von ihnen nicht getragen werden konnte. Also brauche ich was Kraftvolleres. Im Augenblick ist das eben die Klinik (Heiligenfeld in Bad Kissingen). Ich habe momentan für nichts Energie, außer mit großem Antrieb den Klinik-Besuch in die Wege zu leiten. Behörden-Hürden zu wuppen...
Im Nachhinein kann ich sagen, daß ich auch mein Leben lang Angst hatte, meine Mängel und Schatten zu zeigen. Allerdings habe ich diese Angst wie gesagt nie gespürt, und ebenso habe ich nicht gemerkt, daß ich Masken aufgesetzt hatte. Jetzt freue ich mich, daß ich mich richtig nackt machen kann, ganz abgeschminkt bin. Denn jetzt gehöre ich dazu. Zur Menschheit. Jetzt bin ich Mensch wie Du und ich. Und ich erlebe erstaunte Erleichterung bei meinen Gegenübern, die sich auch mehr entspannen und rauslassen können. In der MRT-Runde konnten wir zunächst feststellen, wo wir alle Pannenvögel, Looser, Nichtskönner und Leer-linge waren und sind, um dann über uns erleichtert Witze zu machen. !!
Klinisch ist Depression eine Krankheit. Und Krankheiten sind, wie ich finde, Botschaften der Seele, meine Freunde, die ich verstehen lernen kann, die sich verabschieden, wenn sie ihren Dienst getan haben. Vollkommenheit des Universums (nicht immer nachzuvollziehen, auch nicht von mir)!
Ich schäme mich nicht, weil ich zu deutlich das Geschenk der Krankheit erkenne: Zu mir selbst zu finden. Alle Muster aufzulösen, in meine Kraft zu kommen (keine Ahnung, wann ich da bin, aber zum Glück erlebe ich parallel zu Depression auch Momente von in-meiner-Kraft-sein; ich kann mich in einem Moment sehr leer fühlen, und im nächsten funktionert es plötzlich, daß ich für jemand anderen mit Kraft da sein kann!)
Außer Deiner guten Freundin und Deiner Schwester findest Du ja hierim Forum und mit Sicherheit überall auch in Deiner Nähe Menschen, die nicht vor depressiven Menschen zurückschrecken. Vielleicht ist nur die Scham im Weg, um sie zu finden?

Es hat mir gutgetan, Deine Fragen ausführlich und sorgfältig zu beantworten, liebe Schwester!

Rainer
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seepferd
Gast
« Antworten #12 am: 12. Juli 2004, 13:42:09 »

 Andererseits Einsamkeit üben, sie als etwas Normales und nicht als ängstigenden Feind begreifen, aus der wir  neue Erkenntnisse gewinnen, ganz auf uns gestellt sich und daraus Neues erwachsen kann.



das hier finde ich das allerschwierigste. ich flüchte davor, wollte ich noch sagen. das ist der knackpunkt.
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seepferd
Gast
« Antworten #13 am: 12. Juli 2004, 13:52:51 »

liebe karandash,

danke für deine antwort.
warum kicherst du eigentlich?

das mit deiner kleinen tochter bei dir ist so ähnlich wie bei mir mit meinem hund (verzeih den vergleich). aber sie zwingt mich ja auch ständig hinauszugehen, ins freie. raus aus der blöden dunklen wohnung. eigentlich ist die wohnung ganz schön, aber ich habe mir mal wieder ein verließ geschaffen...
was ich sagen wollte: ja, das hinausgehen ist gut. das wetter zu spüren. leute zu sehen (oft am anfang ein problem für mich, weil ich denke sie sehens mir an).

habe mich gestern aufgrund deiner nachricht sehr an meine alte therapeutin erinnert. ich habe geweint deswegen. sie half mir sehr und ich sehne mir nichts mehr zurück als dieses gefühl, jemand an der seite zu haben, der weiss wo`s langgeht. stelle mich wohl an wie ein unmündiges kind, das immernoch auf die führende hand wartet...
irgendwann nach der therapie hab ich mich mit ihr am telefon mehr oder weniger gestritten. seit dem nichts mehr geschrieben, was ich vorher machte. jetzt kam der gedanke auf, ihr zu schreiben, nur so, damit dieser im raum stehende vorwurf nicht mehr da ist.

immer einen verdammten schritt weiter. ja. hab ich gestern getan. ich habe meinem freund einen neuen dialog angeboten, sonst steht die beziehung vor dem aus. an mir selbst hab ich noch nix geändert.

ich würde gerne aufschreiben, was ich mir am allermeisten wünsche. im moment fehlt mir die ruhe. vielleicht heute abend?

liebe grüsse
seepferd
Gespeichert
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