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Autor Thema: Klinikaufenthalt - sinnlos, falsches Konzept oder doch hilfreich?  (Gelesen 2086 mal)
Cantara
Gast
« am: 21. Juli 2004, 03:28:00 »

Liebe Forumsleser,
Seit einigen Wochen lese ich in diesem Forum, und finde es wirklich sehr gut und hilfreich.
Nun schreibe ich im Namen meines Freundes bzw. wegen seines Klinikaufenthalts. Auch wenn ich in diesem Fall als Angehörige schreibe, denke ich, dieses Posting ist hier im richtigen Board, hoffe das ist ok.
Mein Freund ist seit einigen Tagen in einer Psychosomatischen Klinik wegen seiner Depressionen. Nun ist es so: dreimal in der Woche hat er ein Therapiegespräch mit einer Dauer von 25 Minuten. Außerdem soll er an mindestens drei Gruppen-Aktivitäten teilnehmen. Mehr wird nicht getan, das ist das gesamte Konzept der Therapie.
Ich muss dazu sagen, er ist absolut kein "Gruppenmensch", ist lieber allein oder unter guten Freunden, und geht auch nicht gerne auf fremde Menschen zu. Umso schwieriger fällt es ihm, diesen Gruppenaktivitäten etwas abzugewinnen. Er fühlt sich unheimlich fremd, wie in einer anderen Welt, weil all diese Aktivitäten rein gar nichts mit dem zu tun haben, was ihm sonst im Leben wichtig ist oder Spaß macht. Jetzt zweifelt er sehr daran, dass der Klinikaufenthalt überhaupt einen Sinn macht... Ich meine, wir bezweifeln beide nicht, dass die Klinik sich etwas sinnvolles bei solchen Aktivitäten denkt. Aber warum sind die Therapiegespräche so kurz, und nur dreimal die Woche, und was tun, um ein bißchen besser dort Fuß zu fassen? Was kann ich als Angehörige tun, um ihn zu bestärken, durchzuhalten, und die Therapie nicht abzubrechen?
Wie ist Eure Erfahrung? Ist das in anderen Kliniken auch so? Es würde uns beiden wirklich sehr weiterhelfen, zu erfahren, wie es anderen in der Klinik geht.
Danke im Voraus schon für Antworten,
Cantara
Gespeichert
wolfgang  
Gast
« Antworten #1 am: 21. Juli 2004, 07:05:09 »

Hallo Cantara,
es ist gut, dass du als Angehörige hier schreibst. Was ist das für eine Klinik? Akut-Psychiatrie, Reha, Kur oder Psychosomatik?

Natürlich ist man in einer Klinik im einer anderen Welt. Es werden hier andere Maßstäbe angelegt um mit der "bösen Welt draußen" wieder klar zu kommen. Einen Tipp, den ich Dir jetzt schon geben möchte ist, lass Dir eine Entbindung von der Schweigepflicht geben damit du auch Auskünfte von den Ärzten erhälst.

Herzliche Grüße
Wolfgang
Gespeichert
hexenia
Juniormember
**
Beiträge: 17


« Antworten #2 am: 21. Juli 2004, 08:05:12 »

Hallo Cantara,

ich war letztes Jahr in einer Klinik.

Dort galt als erstes die Frage bei jedem Neuen: Hält er die ersten zwei Wochen durch?

Zu Anfang war mir dort auch alles fremd und irgendwie dachte ich bei dem ganzen mehr an einen Kindergarten oder Spielkurs. Doch die "kurzen" Einzelgespräche und das Wissen ich hab nur die 25 Minuten, bewirkten, dass ich nachdachte wie ich meine Zeit nutzen wollte. Die am Anfang so albernen Gruppentherapien erwiesen sich als Abwechslung und Spaß mit Gleichgesinnten und außerdem mussten wir jeden Abend ein Resumé unserer Gefühle und Gedanken des Tages auf einem Blatt verfassen, dass sich die Ärzte am anderen Tag anschauten und uns darauf ansprachen, wenn ihnen was "auffällig" darin vorkam.

Nach 10 Wochen wurde ich entlassen und ich muss sagen, dass was ich Anfangs albern fand, vermisse ich jetzt manchmal in der "richtigen" Welt.

Sag deinem Freund, er soll sich darauf einlassen und nicht über den Sinn oder Unsinn der Therapie grübeln. Dann kann ihm geholfen werden.

Gruß

Gabi
Gespeichert
wolfgang  
Gast
« Antworten #3 am: 21. Juli 2004, 08:10:46 »

Hallo Gabi,
das was du geschrieben hast hat mir sehr gut gefallen. Ich möchte, wenn du es erlaubst, allerdings um zwei Sätze ergänzen.

Wer sich in der Klinik auf die Therapie einlässt, was nicht immer einfach ist, erhält das Rüstzeug an die Hand, sich in Zukunft "Draußen" besser selbst helfen zu können. Jemand der in Klinik die Tage zählt, wann er oder sie wieder raus kommt, hat da schon schlechtere Karten.

Durfte ich??

Herzliche Grüße
Wolfgang
Gespeichert
Cantara
Gast
« Antworten #4 am: 21. Juli 2004, 08:42:10 »

Guten Morgen,
danke für die Antworten. Das hilft wirklich weiter. Entschuldigung wenn ich mich kurz fasse, ich will gerne gleich antworten und muss gleich los (habe um diese Zeit noch gar nicht mit Antworten gerechnet, vielen Dank!)
Wolfgang, die Klinik ist eine Psychosomatik-Klinik. Danke für den Tipp mit der Schweigepflicht.
Gabi, dass die Sitzungen so kurz sind, damit man sie gezielt nutzen kann und will, das leuchtet schon ein. Auf der anderen Seite muss ich sagen, ich weiß aus eigener Erfahrung, dass selbst die "Standard-45 Minuten" sehr kurz sein können... Irgendwie hatte ich die Hoffnung, dass man in einer Klinik etwas mehr "aufgefangen" wird von den Ärzten. Ist das naiv? Oder fangen einen die anderen Patienten im Laufe der Zeit auf, wenn man sie etwas besser kennt?
Nun ja. Ich habe gerade mit meinem Freund telefoniert. Sehr motiviert ist er nicht, heute ist den ganzen Tag nichts zu tun und er hat seit Tagen nicht richtig geschlafen nachts (immer maximal zwei Stunden).
Vielleicht ist es auch so: bisher konnten wir immer sagen, wenn nur endlich ein Platz in der Klinik frei ist, dann wird jemand helfen, dann wird alles besser, einfacher... Jetzt hat er diesen Platz, und wir müssen erkenne, dass die Leute dort eben auch nicht zaubern können...
Liebe Grüße
Canta
Gespeichert
wolfgang  
Gast
« Antworten #5 am: 21. Juli 2004, 08:56:30 »

Hallo Canta,
ja, das stimmt Wunder darf man kurzfristig nicht erwarten. Nur, in so einer Klinik sind viele Patienten auch die Gespräche mit denen sind Therapie.

Ich war einmal in Waldbreitbach in der Klinik, sehr depressiv. Mir waren dort 10 Minuten mit dem Psychologen schon zu lange und auch zu anstrengend. Im Prinzip sagte er mir immer das gleiche, "Sie wissen doch, dass sie wieder gesund werden". Natürlich hatte er recht, ich wurde wieder gesund, wenn auch anschließend in einer anderen Klinik.

25 Minuten können eine Ewigkeit sein. Außerdem hat Dein Freund immer noch die Möglichkeit, wenn Gesprächsbedarf ist, nach zusätzlicher Zeit für Ihn zu fragen.

Ich habe das immer so gemacht, dass Resi bei einigen Gesprächen dabei war. Das hat sie beruhigt und sie war informiert was mir fehlte und wie sie mir anschließend helfen konnte.
Für die Angehörigen ist es immer schwierig, wenn so eine Therapie an ihnen vorbei läuft und sie im Regen stehen gelassen werden.

Herzliche Grüße
Wolfgang
Gespeichert
Cantara
Gast
« Antworten #6 am: 21. Juli 2004, 14:12:51 »

Hallo Wolfgang,
danke für diese ermutigenden Worte.
Habe meinen Liebsten angerufen und ihm vom Forum und Euch erzählt, er fand es sehr hilfreich zu hören, dass es Menschen gibt, denen eine Therapie geholfen hat, und dass das in der Klinik nicht sinnlos ist.
Danke auch an Dich, Gabi.
Extrazeit für Gespräche, ich wußte nicht, dass das geht. Finde ich aber gut.
Es ist nicht so, dass ich unbedingt über jeden Schritt der Therapie informiert sein _muss_, ich gehe schon davon aus, dass in der Klinik Profis arbeiten und die was von ihrer Arbeit verstehen. Ich habe halt keinen Vergleich, und bin deswegen manchmal etwas skeptisch (die Patiententelefone werden zum Beispiel ab 22Uhr abgeschalten, ohne Handy also kein Kontakt mehr zu Lebenspartner und anderen mehr möglich). Klar, gewisse Regeln muss es schon geben, auch um eine Struktur in den Tag zu bringen usw; aber dennoch sind alle Patienten Erwachsene...
So manchen tieferen Sinn habe ich da wohl noch nicht verstanden.
Am Sonntag fahre ich ihn besuchen. Leider ist die Klinik ziemlich weit weg von mir, hat aber den großen Vorteil, dass er die Gelegenheit hat, dort Menschen kennenzulernen, statt mich zu bitten ihn zu besuchen jeden Tag. Wäre zwar schön, aber nicht im Sinne der Therapie, oder?
Liebe Grüße
Canta
Gespeichert
wolfgang  
Gast
« Antworten #7 am: 21. Juli 2004, 15:28:53 »

Hallo Cara,
seelische Störungen sind oft begleitet von Schlafstörungen. Es macht da schon Sinn, wenn ab 22.00 Uhr die Telefone tot sind. Es gibt Menschen die in der Klinik erst mal wieder einen Schlafryhtmus bekommen. Ich habe früher auch oft zu denen gehört.
Noch kurz zu den Extrazeiten. In einem Therapiegespräch kann es vorkommen, dass in jemandem etwas hoch kommt, womit er nicht alleine fertig wird. Er oder sie müssen doch dann die Möglichkeit haben mit jemandem zu sprechen. Das muss nicht der Therapeut sein, sondern das kann auch eine Schwester sein oder  der Pfarrer oder sonst jemand aus dem Team.

Es wird in vielen Kliniken alles aufgeschrieben, was der Patient von sich gibt. Das ergibt dann ein rundes Bild von dem Patienten. Die schwere Zeit fängt für Deinen Freund erst an, wenn er wieder aus der Klinik raus ist.

Herzliche Grüße
Wolfgang
Gespeichert
Cantara
Gast
« Antworten #8 am: 21. Juli 2004, 16:58:07 »

Hallo Wolfgang,
stimmt, so hab' ich das bisher nicht gesehen. Vielleicht ist so ein fester Zeitpunkt, an dem dann sozusagen die Nacht beginnt, wirklich hilfreich beim Einschlafen.
Schlafstörungen hat er übrigens schon lange, aber so extrem wenig schlafen ist erst in letzter Zeit.
Mit den Extrazeiten...ich habe selbst ein bißchen "ambulante" Therapieerfahrung inzwischen aus verschiedenen Gründen, und kenne die Situation, dass da Sachen hochkommen, mit denen man alleine dasteht, wenn sich der Therapeut nicht noch etwas Zeit nimmt. Deswegen kamen mir diese 25 Minuten auch umso kürzer vor, da reißt man ein Thema gerade mal an und die Zeit ist um. Allerdings ist das bestimmt von Mensch zu Mensch unterschiedlich, und ich bin sowieso eine Quasselstrippe.
Herzliche Grüße
Canta
Gespeichert
Cleo  
Gast
« Antworten #9 am: 21. Juli 2004, 16:59:04 »

Hallo Canta,

ich selbst war zwar nie in einer Klinik, kenne aber real einige Leute, die in einer waren und deshalb kann ich dazu folgendes sagen:

Du schreibst, Dein Freund sei erst ein paar Tage in der Klinik, Du kannst ihn aber bereits schon jetzt besuchen - in anderen Kliniken gibt es die Regel, dass Patienten erst nach 1-2 Wochen Besuch von Angehörigen und Freunden erhalten dürfen. Der Hintergrund ist wohl der, dass sich der Patient 1. dort einleben soll und er 2. erst einmal ganz aus seinem Umfeld (welches ja oftmals "mitbeteiligt" ist an psychischen Störungen/Verfassungen) raus soll.

Handys sind in allen Kliniken offiziell nicht erlaubt und auch offiziell ist in allen wohl ab 22h Zapfenstreich ;-)

Es gibt -gerade bei Depressiven- auch die Therapie des Schlafentzuges. So etwas könnte auf Deinen Freund vielleicht auch noch zukommen, wenn er über längere Zeit nur so wenige Stunden schläft. Vielleicht aber ist das jetzt auch so extrem durch die Gespräche, die er hat und durch die dadurch bedingten negativen Gefühle - meist dreht sich meist das Gedankenkarussel dadurch noch mehr. Vielleicht aber wird er ja auch noch medikamentös eingestellt werden - wer weiss? Aber danach könnte er ja selber fragen.

Was die Dauer der Therpie angeht, so ist die kurze Zeit vielleicht dadurch zu erklären, dass er erst ein paar Tage dort ist - ich könnte mir vorstellen, dass ab einem gewissen Zeitpunkt diese auch normal verlaufen wird - also 45 Minuten. Könnte mir gut vorstellen, dass die Ärtze dort herausfinden wollen, wie Dein Freund auf die Therapie (also das Erzählen von Dingen, die ihn belasten) reagiert und es ist schon so, wie Wolfgang schrieb: da kommt schon ne Menge hoch an negativen Gefühlen. 3 Mal Therapie in der Woche ist gängig, jedenfalls hörte ich das.

Dass dort sonst nichts weiter stattfindet, hat Dein Freund vielleicht noch nicht so mitbekommen können, weil die Ärtze ihn dort erst einmal nicht anzusätzlichen Dingen teilnehmen lassen wollen (gerade, wenn er so wenig schläft, wird er ziemlich geschlaucht sein)Huch Ich kann mir nicht vorstellen, dass es keine weiteren Angebote in einer Klinik gibt als die, die Du angeführt hast. Will sagen: vielleicht "schonen" sie ihn ja noch und geben ihm erst einmal Zeit, sich dort zurechtzufinden. Normalerweise gibts noch Beschäftigungstherapie, Ergotherapie, Sport-bzw. Gymnastikgruppen uvm.

Darf er denn die Klinik verlassen und z.B. spazieren gehen? Wenn nicht, wird ihm das sicher nach ner Weile auch erlaubt werden. Also noch eine zusätzliche Möglichkeit, etwas zu tun.

Neue Menschen kennenzulernen ist doch immer gut, vor allem haben dort alle ähnliche Probleme, tauschen sich meist aus und fühlen sich oftmals das erste Mal überhaupt verstanden und ernstgenommen (die meisten haben zuvor leider negativere Erfahrungen gemacht) - ja, und sie fangen sich auch wohl gegenseitig auf. Bestimmt soll Dein Freund aus diesen Gründen daran teilnehmen - eben auch, um zu lernen, dass er sich mitteilt, aber auch anderen zuhört. Es könnte ja sein, dass er sich nach einer Weile mit anderen zusammen sehr wohl fühlt. Dass das ihm erst einmal keinen "Spass" macht, ist doch klar ;-)

Mein Rat wäre auch: auf jeden Fall durchhalten - er ist ja erst ein paar Tage dort.

Berichte weiter wenn Du magst, vielleicht auch Deine ganz persönlichen Befürchtungen, denn meist hat der Partner, der nicht in der Klinik ist, solche.

Liebe Grüsse
Cleo
Gespeichert
Karandash
Stammposter
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Beiträge: 149



« Antworten #10 am: 22. Juli 2004, 09:45:11 »

Cantara hallo,

es ist auch irreführend, da jede Klinik das anders händelt und bei uns gab es auch einiges was wirklich schief lag. Hast du ihn jetzt schon besucht?

Wirst sehn, lass dich nur nicht so sehr zum nörgeln einspannenen ........ wir hatten zum Beispiel die erste Woche absolute Sperre. Andere Patienten hatten länger totale Kontaktsperre nach aussen.  Bei uns wurden zu späteren Zeitpunkten die Angehörigen mitgeladen.

Ich hatte kaum Interesse was zu erzählen in der Zeit, und habe nur Infos von mir gegeben. Ich kann mich heute noch erinnern das gerade die Familie auch , neben der Sorge, beunruhigt war, was nu wieder kommt.

Für mich war es nach einiger Zeit gut , der ablauf war klar und nach der ersten woche "gammeln".. wusste ich das Lebenslauf schreiben nicht gammeln ist und ich fühlte mich sicher. Zum einen konnte ich als Tagespatient ausweichen, mehr vielleicht als gut war.

Es ist jetzt viel Zeit für Dich und wie du beschreibst war die sehr angespannt. Für Dich ist es bestimmt auch nicht einfach. Kannst du dich mit Arbeit ablenken?  

Ich finde es gut auch mal was von der anderen "seite" zu hören und ich finde es mehr als gut, wenn Angehörige sich informieren.

Liebe Grüße

Kara
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hexenia
Juniormember
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Beiträge: 17


« Antworten #11 am: 22. Juli 2004, 14:07:49 »

Hallo Wolfgang,

natürlich darfst Du!

Es ist auch vollkommen korrekt. Wichtig ist allerdings immer die Ziele und das Gelernte aus der Klinik vor Augen zu behalten und es Zug um Zug zuhause auszuprobieren oder umzusetzen. Das brauch Zeit und Geduld.

Gruß

Gabi
Gespeichert
hexenia
Juniormember
**
Beiträge: 17


« Antworten #12 am: 22. Juli 2004, 14:24:22 »

Hallo Cleo,

das was Du schreibst kann ich nur bestätigen.

In der Klinik in der ich war, gab es Gruppen bei denen es für Tage oder Wochen nicht gestattet war Kontakt nach außen aufzunehmen. Um 22.00 Uhr wurden wir in die Zimmer geschickt und Handies oder Anrufe nach dem Zapfenstreich waren untersagt.

Erst nach einiger Zeit wurde mir klar, dass dies auch gut so war. Man hätte mit Handy und Telefonaten/ Besuchen zu jeder Tages und Nachtzeit bei sovielen Patienten dieselbe, wenn nicht noch mehr unruhe wie zuhause. Außerdem wird das Therapieziel zu sich selbst zu finden dadurch gestört, da man ständig abgelenkt ist.

Da ich mit einem Überlastungssyndrom in die Klinik kam, wurde ich die ersten sechs Wochen ruhig gestellt. D.h. Ich durfte viel reden (Therapeuten, Gruppe, Pflege) aber nichts tun. Es war die Hölle und es dauerte über fünf Wochen, bis ich zur Ruhe kam... Also alles hat so seinen Grund...

Es ist wie mehrfach gesagt wichtig, dass man sich einläßt und darauf vertraut, dass da Leute sind die einem einen Weg zeigen wollen. Denn helfen können diese nicht, dass muss Dein Freund schon alleine schaffen, indem er einfach die Wege probiert und entscheidet, ob es ihm guttut oder nicht und ein Feedback an die Therapeuten gibt. Das ist sein Job.

Gruß

Gabi
Gespeichert
Cantara
Gast
« Antworten #13 am: 22. Juli 2004, 15:14:35 »

Zuerst einmal an alle ein großes Dankeschön von meinem Freund und auch von mir. Wir beide freuen uns sehr über die vielen und vorallem netten Antworten. Ich kenne wenige Foren, wo man so freundlich aufgenommen wird.

Ihr habt schon Recht, ich bin froh dass wir keine totale Kontaktsperre haben. Einige in der Klinik haben totale Kontaktsperre schon seit Wochen, weil in ihrer Familie einiges im Argen liegt. Finde ich auch gut, wenn es hilft.
Ich fahre ihn am Sonntag besuchen, wenn ich das alles einmal gesehen habe dort, dann kann ich vielleicht so manches auch vom Gefühl her besser einschätzen.
Cleo, ich schreibe gerne über meine Befürchtungen, aber ich muss zugeben es sind weniger geworden. Die größe war, dass er den Klinikaufenthalt in den ersten Tagen abbricht, denn dann hätte ich nicht gewußt, wie es weitergehen soll; die Medikamente haben bisher nur wenig geholfen. Im großen und Ganzen überwiegt jetzt bei mir das Gefühl, dass er endlich nach langer Wartezeit diesen Platz in der Klinik hat, und ihm dort hoffentlich jemand helfen kann. Es ist ihm in den letzten Monaten wirklich sehr schlecht gegangen, an arbeiten oder so war nicht zu denken, überhaupt nicht. Ich lerne inzwischen, mich abzugrenzen; bisher hatte ich größte Mühe damit bzw. habe das nicht geschafft, ich hatte dann das Gefühl, ihn im Stich zu lassen.

Die schlimmste Befürchtung war vor der Klinik, das ich das alles nicht schaffe, weil einfach alles zu viel wurde und es ihm schlechter und schlechter ging. Habe deswegen eine Gesprächstherapie angefangen, aber nicht nur deswegen, sondern auch wegen "Altlasten", diese "Mischung" aus altem und aktuellem Trouble hat das nötig gemacht. Ich habe da inzwischen so ein Bild für gefunden als Beschreibung: ein Hamsterrad, in dem ich laufe, und das ich in den Jahren auf eine bestimmte Geschwindigkeit gebracht habe. Jetzt läuft es so schnell, dass ich es nicht mehr stoppen kann, habe aber nicht genügend Kraft, dieses Tempo weiterhin durchzuhalten. Kennt Ihr dieses Gefühl? Es ist im Übrigen für mich sehr neu, hier so von meinen Gefühlen und Befürchtungen zu schreiben...ich will damit aber auch niemanden belasten oder nerven, eigentlich. Nun ja, Karandash, Du siehst, dass ich so sehr gar nicht "von der anderen Seite" bin...

Cleo, zu den Angeboten in der Klinik, genau diese sportlichen Betätigungen, Ergotherapie usw. sind es, die ihm so schwer fallen. Inzwischen hat er sich Veranstaltungen ausgesucht, und probiert das einfach mal aus.
Spazieren ist er auch schon gegangen, mein Sportmuffel, der sonst jeden Meter mit dem Auto fährt. Ich sehe also viele gute Anzeichen, viel Hoffnung, viel Erneuerung.

Ich denke auch für mich ist es sinnvoll, jetzt einige Zeit für mich zu haben, muss vieles nacharbeiten was liegen geblieben ist, als es ihm so schlecht ging, und brauche jetzt auch viel Ruhe und Zeit für mich... Zuerst habe ich gedacht, es dürfte mir nicht schlecht gehen, weil schließlich er die Depressionen hat und nicht ich. Inzwischen weiß ich, das man das so nicht sagen kann...

Dieses Forum ist wie eine ruhige Insel, auf die man sich flüchten kann. Wunderbar.

Liebe Grüße
Canta
Gespeichert
Anemone  
Gast
« Antworten #14 am: 22. Juli 2004, 18:14:58 »

Liebe Canta,

erst einmal: du belastest und nervst hier niemanden. Hier hast Du die Möglichkeit Dich mit Leuten auszutauschen die wissen wovon du sprichst, also mit Betroffenen.
Gerade für Angehörige von Betroffenen ist es wichtig sich Unterstützung zu holen.
Wie Du schon schreibst: Du hast Dir große Sorgen gemacht und viele Befürchtungen gehabt. Also ist es auch wichtig das Du nach Dir siehst. Immer die Starke spielen geht auf die Dauer auch nicht.
Ich finde es ganz toll wie Du Dich für Deinen Freund einsetzt, aber auch das Du etwas für Dich tust > Gesprächstherapie.

Ich finde es auch gut das Du hier über dies alles schreiben kannst und Dich öffnen kannst.

Und Dein Freund hat sich nun ja auch schon etwas eingewöhnt und er unternimmt ja schon etwas.  Und durch die Aktivitäten kommt er auch immer mehr mit den Mitpatienten in Kontakt und dadurch macht er auch die Erfahrung das es nicht ihm alleine so geht, auch für ihn ist es gut den Kontakt zu Betroffenen zu haben.

Euch Beiden wünsche ich ein schönes Wochenende zusammen und viel Kraft.

Herzliche Grüße
Anemone
Gespeichert
Cantara
Gast
« Antworten #15 am: 28. Juli 2004, 19:02:49 »

Entschuldigt bitte, dass ich heute erst schreibe. Die letzten Tage waren sehr anstrengend.
Ich habe meinen Freund besucht in der Klinik, es scheint dort wirklich gut zu sein, sehr ruhig und landschaftlich schön gelegen, und die Menschen dort scheinen nett zu sein, das Personal und auch die meisten Patienten.
Ich habe enorm viel Druck im Job zur Zeit, vielleicht schreibe ich das in einem anderen Thema, ich glaube da läuft einiges nicht richtig... Aber das nur zur Erklärung, warum ich mich einige Tage ausgeblendet habe.
Herzlichen Dank nochmal für Eure Ratschläge und für Eure Aufmunterung und Unterstützung.

Herzliche Grüße
Canta
Gespeichert
Cantara
Gast
« Antworten #16 am: 15. August 2004, 21:53:41 »

Ihr Lieben, ich will mich nochmal melden wegen des Klinikaufenthaltes meines Freundes.
Er ist jetzt ja schon einige Wochen da, und sagt, ihm bringt das überhaupt nichts. Er weiß gar nicht, was er da soll, und will wieder nach Hause.
Die Gesprächstherapie ist oberflächlich und spricht seine Probleme gar nicht an. Vom Sport hat er Gelenkschmerzen, die Ergotherapie ist total schlimm für ihn.
Das soll jetzt um Himmels Willen kein Vorwurf sein, weder an ihn, noch an die Klinik; aber ich glaube, er lässt keine Nähe zu und kann sich nicht öffnen. Er sagt, es bietet sich auch keine Gelegenheit, sich zu öffnen.
Geht es jemandem ähnlich wie ihm? Was kann ich ihm raten? Ich sage ihm, dass ich ihn unterstütze, mir aber wünsche, dass er die Klinik nicht abbricht. Noch hält er durch. Einigen MItpatienten von ihm geht es ähnlich, sie sagen auch, dass der Aufenthalt bisher gar nichts bringt.
Habt Ihr eine gute Idee, was er anstelle der Klinik machen könnte? Ich glaube er ist jetzt an dem Punkt angekommen, dass er denkt, ihm könne niemand helfen.
Ich fühle mich so hilflos weil ich nichts tun kann, damit es ihm besser geht, oder wenigstens damit das in der Klinik was bringt.
Bin selbst nicht die stabilste zur Zeit, und sehe einfach kein Licht zur Zeit...

Traurige Grüße
Canta
Gespeichert
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