vor vier Jahren, bekam ich das erste mal einen Anfall in folgender Form: Schweissausbruch, kalte Hände, kalte Füße, Luftnot, Herzklopfen, Schwindel, also das volle Programm. Ich besuchte meinen Hausarzt, der "diagnostizierte" einen Schwächeanfall und schickte mich wieder nach hause.
Genau so in der Form fing es bei mir auch an, ich kann Dich bestens verstehen (mir passiert
das am Tage meist mehrere male).
So verbrachte ich jeden Tag beim Arzt in absoluter Todesangst. Am dritten oder vierten Tag schickte er mich mit Diazepym nach Hause, es half natürlich nicht und ich dachte immer noch an eine organische Krankheit.
Auch das kann ich 100% nachvollziehen. Diese Todesangst, diese Anfälle aus heiterem Himmel,
diese Sorge der Anderen, die dann mir nichts Dir nichts in Ablehnung, Vorverurteilung und
Abstempelung zum Simulanten zur Folge hat macht diese ganze Krise immer nur noch
schlimmer. Ich glaube manchmal, das der Anfall nicht so schlimm ist wie die Ignoranz
und die Verharmlosung. Dann wünsche ich mir das ich wirklich organisch krank wäre,
damit man mir zumindest meine Krankheit nicht auch vorwerfen könnte.
So wechselte ich den Hausarzt. Der Neue untersuchte mich gründlich einschl.. EKG, Sonographie und körperl. Untersuchung. Am Ende war sein Resultat: Überlastung durch Doppelbelastung im Beruf und Haushalt (4 Kinder). Mit einem Rezept für Beruhigungsmittel zog ich von dannen.
Noch immer glaubte ich an eine organische Erkrankung und suchte einen Herzspezialisten auf und liess mich zudem noch röntgen. Natürlich war all dies ergebnislos. Da ich jeden Tag Todesangst ausstand beschloss ich mich hinzulegen und nicht wieder aufzustehen, bevor ich mich gesund fühlte.
Genau das habe ich auch getan und weil dabei nichts nennenswertes herruaskam, habe ich
während mein Arzt im Ulruab war sämmtliche Ärzte der Stadt mit einem Vertretungsschein
abgeklappert. Ergebnis 0% näher an einer Lösung.
Meist wurde mir mitgeteilt, das die Geräte nichts anzeigen würden und das ich beruhigt
nach Hause gehen könnte. Nur das ist leichter gesagt als getan!
Das tat ich dann 3 Monate lang. Mein längster Weg, war der zur Toilette. Besuche kamen mittlerweile keine mehr, weil alle dachten "die spinnt". So war ich zuhause völlig isoliert. Nur am Abend kam meine Familie heim, die hatte dann aber mit sich zu tun. Irgendwann brauchte ich dann jemand zum rede. Habe dann bei der Telefonseelsorge angerufen, um überhapt mal mit jemandem reden zu könne, und es war ja auch anonym. Fraundinnen hätten mein Problem nur in unserer Kelinstadt verbreitet.
Ich kann jeden einzelenen Gedanken von Dir nachvollziehen! Und ich finde es unmöglich das
deine "Freundinnen" Dich noch zusätzlich belasten in dem sie überall munter in deinem Umfeld
rumerzählen das Du nicht ganz richtig im Kopf bist und Du dadurch immer einsamer wirst.
Genau dieser Punkt zeigt das ganze Ausmass diese grotesken Assozialität die Menschen mit
einem Problem wie wir es haben überhaupt konfrontiert sind. Da wünscht man sich
ehrlich einen Armbruch oder eine HerzOP damit zumindest dieses Mist aufhört!
Ich finde dieser Thread ist aktueller denn je und so dringend nötig wie zu atmen,
denn er schildert die ganze Härte und Kälte und teilweise Verachtung die man uns
kranken entgegenbringt!
Heute gehe ich wieder unter Menschen, selbst einen Rede habe ich schon vor ca. 40 Leuten gehalten. Angst habe ich nur wohldosiert und kann durch Entspannung (autogenes Training) gut damit umgehen. Ich fahre wieder Auto, gehen ins Einkaufszentrum und mache alles, was eine normale Frau so tut ohne dass seit 3 Jahren je wieder ein Anfall aufgetreten wäre. Noch heute danke ich meiner Telefonberatung (sie hiess Sabine), dass sie mich wieder zurück ins Leben geschubst hat.
Ergo, sucht Euch Hilfe, sucht euch jemanden zum reden, das ist der erste Schritt, und Schritt für Schritt kann es nur voran gehen. Selbst der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.
Anna-Lena
Danke für deinen Beitrag.
Und ich freue mir das es Dir gelungen ist aus dieser Falle zu entkommen.
Ich selber stecke noch mitten drin aber deine Geschichte gibt mir Mut es
auch zu schaffen.
