Home | Forum
Sonntag, 12. Februar 2012
psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Angstnetz Forum 12. Februar 2012, 08:59:36 *
Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.


Einloggen mit Benutzername und Passwort
News:
 
 
Übersicht Hilfe
Seiten: [1]   Nach unten
Drucken
Autor Thema: Macht eine Therapie überhaupt noch Sinn?  (Gelesen 1453 mal)
0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.
fragend
Beginner
*
Geschlecht: Männlich
Beiträge: 1


« am: 07. März 2007, 14:19:44 »

Erst einmal Hallo :-)
Ich möchte Euch meine Geschichte erzählen, denn meine Geschichte ist richtig verquer und vielschichtig. Bereits seit meiner Jugend kämpfe ich, wie ich heute weiss, mit Depressionen, die mir viel, wenn nicht sogar alles kaputt gemacht haben. In meiner Kindheit und frühen Jugend machten meine Eltern schwere Zeiten durch. Als ich etwa 4 Jahre alt war, hatte mein Vater einen schweren Unfall, der ihn erwerbsunfähig werden ließ. Da die Unfallversicherung des Betriebes, in dem er gearbeitet hatte, nicht zahlen wollte, weil man dort der Meinung war, er bilde sich seine Atemnot ein, 30 Jahre später wurde bei ihm eine schwere Asbestose festgestellt und er bekam seine Unfallrente, kamen meine Eltern ganz schnell in schwere wirtschaftliche Schwierigkeiten. Mein Vater konnte nicht arbeiten, meine Eltern bekamen kein Geld und das gut 5 Jahre lang, denn danach wurde eine weitere arbeitsbedingte Erkrankung nachgewiesen und zumindest darauf bekam er Geld. Was seine Haupterkrankung anging, konnte er klagen bis zum Geht-nicht-Mehr und jedes Mal hieß es, er bilde sich das ganze nur ein. Später kam heraus, dass sein Hausarzt damals konsequent Krankenakten gefälscht hatte, so hatte er Durchfallerkrankungen und Halsentzündungen als Bronchitis abgerechnet, aber das ist ein anderes Feld, das gehört hier nicht her.
Angesichts dieser Probleme lief ich als Kind quasi nur so nebenher; ich wusste, dass meine Eltern massive Probleme hatten und machte ihnen keine weiteren Sorgen. Dass sie sich nicht unbedingt andauernd um mich kümmern konnten, verstand ich und sehe ich ihnen auch nach. Heute weiss ich jedoch, dass ich wohl schon damals massive Probleme mit meiner Mutter hatte. Wir hatten stets ein distanziertes, verkopftes Verhältnis. Sie war eine gute Gesprächspartnerin, aber keine 'Mutti' oder 'Mama', was wohl auch daraufhin zurückzuführen ist, dass sie in ihrer Jugend bei Kriegsende von marodierender sowjetischer Soldateska x-fach vergewaltigt worden ist und einen ungeheuren Männerhass aufgebaut hat, der im letzten Jahr vor ihrem Tod, als sie zu einem schweren Pflegefall geworden war, voll ausbrach. Ihr ganzes Leben war von Misstrauen gegenüber anderen Menschen geprägt, hinter jeder Handlung, jeder Geste vermutete sie böse Absichten. Das Schlimme ist, dass sich dieses Verhalten bei mir seit meiner Kindheit manifestiert hat - und zwar ohne es zu merken. Aber auch ich war stets misstrauisch und bin es immer noch. Eine Freundin in Schulzeiten hatte ich nicht, meine erste 'richtige' Freundin hatte ich erst, als ich mein Abitur gemacht hatte. Und noch etwas fällt mir heute auf: keine meiner Freundinnen stammte aus meiner direkten Umgebung, es lagen immer einige hundert Kilometer zwischen ihrem und meinem Herkunftsort. Hier bei mir zog sich alles sofort zurück - oder erschien mir das so?
Na ja - irgendwann habe ich dann doch jemanden gefunden und es war auch ganz schön und wir bekamen zusammen einen ganz tollen Sohn. Heute weiss ich, dass ich mir da meine Mutter ins Haus geholt habe. Auch sie hatte Erfahrungen mit Mißbrauch in ihrer Jugend - und zwar in einer ganz heiklen Form: mit einem Pfarrer. Zudem hatte sie massive Probleme mit ihrer Mutter - und vor allem auch mit Männern. Für sie waren Männer potenzielle Fremdgänger, v.a. wenn sie arbeiteten. Je mehr ich zum Ende meines Studiums kam, desto schwieriger wurde unser Verhältnis, denn sie war ganz und gar nicht damit einverstanden, dass ich meinen Studienabschluss mache. Bei jedem Schritt Richtung Ende gab es Streit, sie suchte ihn geradezu. Hinzu kamen andauernde Unterstellungen, ich würde fremdgehen, mich mit anderen Menschen treffen usw.. Als sie dann auch noch versuchte, meine Examensarbeit zu zerstören, war für mich der Grund zum Auszug gekommen. Eigentlich hätte ich schon viel früher gehen sollen, aber da war immer noch die innere Stimme, die mich mahnte, ich könne das meinem Sohn nicht antun. Aber die Pflege meiner Mutter, das Examen, die Probleme miteinander - alles zusammen war zu viel.
Wenn ich nun aber geglaubt hätte, ich hätte Ruhe und wir könnten uns friedlich einigen, so hatte ich mich getäuscht. Jetzt ging es richtig los, denn dass ich auszog ohne mit jemandem anderes zusammen zu sein, empfand sie als eine noch schlimmere Niederlage, als wenn ich fremdgegangen wäre. Und das Schlimme war: vom Augenblick der Trennung instrumentalisierte sie unseren Sohn. "Dein Papa ist unheilbar krank im Kopf" sagte sie zu ihm, er war damals gerade 4 Jahre alt, als ich ihn nach Hause brachte. Und zu mir sagte sie dann "Hau mich doch, Hau mich doch". Ich habe mich umgedreht und bin gegangen, auch wenn ich vor Wut gekocht habe. Es ging weiter. Jobs brauchte ich nach meinem Studium und der Trennung gar nicht mehr anzufangen. "Ich mache Dich fertig!" war ihre Ankündigung und flugs hagelte es bei den Firmen, bei denen ich zu arbeiten anfing anonyme Anzeigen. Meinen Sohn bekam ich auch zwei Jahre lang nicht zu sehen. Die Welt wurde trist und grau. Irgendwie schaffte ich es, mich über Wasser zu halten, aber irgendwann stellten sich diese fürchterlichen Magenschmerzen ein. Kein Mensch, der es nicht erlebt hat, weiss, wie schlimm so etwas ist. Das Leben mutierte zu einem Abreißkalender. Es kam mir so vor, dass wie bei einer Zehnerkarte im Bus der entsprechende Abschnitt bei Erreichen eines Ziels abgerissen wird. Und was ist, wenn alle Ziele erreicht sind? Dann ist finito, aus, Ende, Endstation.
Irgendwann konnte ich nicht mehr. Ich wurde extrem leicht reizbar, war extrem schnell genervt, bei Frauen reichte ein einziges Wort aus, um sie bei mir unten durch sein zu lassen. Weibsbilder halt - und Lust auf Sex hatte ich sowieso nicht mehr. als feststellte, dass bei mir nichts mehr ging, durfte ich meinen Sohn wieder sehen. Allerdings verklagte sie mich prompt für die Zeit ab meiner Krankheit auf Unterhalt, den ich natürlich nicht zahlen konnte, was sie auch wusste. Da wurde mir vom Gericht ein fiktives Einkommen unterstellt und es interessiert herzlich wenig, ob ich mich nun drei Tage in der Woche um meinen Sohn kümmere oder nicht. Sie drückte eine erweiterte Pfändung durch und sorgte dafür, dass ich kein Bein auf den Boden bekomme. Ich bekomme heute nicht einmal mehr einfachste Dinge gebacken, es geht nichts mehr, mein Tagesablauf ist völlig durcheinander, weil ja eh keinen Zweck hat. Leiseste Anstrengungen führen dazu, dass ich zusammenklappe. Allein schon nach dem täglichen Abwasch muss ich mich hin legen. Früher habe ich gerne gekocht, heute mache ich es nur noch, wenn mein Sohn da ist, denn der soll bei mir frisch Gekochtes bekommen und keine Tiefkühlkost aus der Mikrowelle. Mit Frauen habe ich ein absolutes Problem, denn zum einen kosten sie einen Haufen Geld und zum anderen weiss man nicht, was man sich da für einen Teufel heranzieht. Ich weiss, dass das falsch ist, aber so sehr ich auch versuche das Misstrauen wegzuschalten, irgendwie läuft das dann doch im Unterbewusstsein ab. Ich kann mich ganz einfach nicht verlieben, ja ich kann mich nicht einmal vergucken. Dabei weiss ich auch, dass es eigentlich wichtig wäre, wenn da noch jemand wäre, denn mein Sohn ist 10 und da kommt die Zeit des Loslassens, da muss man die Kleinen so langsam auf das Erwachsenwerden vorbereiten. Zudem möchte ich an ihn nicht mein Frauenbild weitergeben. Nur: macht das alles noch Sinn, wenn man für sich selbst keine Perspektive mehr sieht? In acht oder neun Jahren ist mein Sohn groß - und dann ist das Leben vorbei. Groß nach vorne schauen ist angesichts eines Lebens auf dem Sozialhilfesatz nicht möglich. Und mit einer Pfändung am Hals ist es ungeheuer schwer, einen Job zu finden, es sei denn, ich ginge ins Ausland. Nur dann müsste ich mich wiederum gegen meinen Sohn entscheiden und da steht dann die Sorge, dass da wieder diese Magenschmerzen auftauchen. Hinzu kommt, dass ich eine panische Angst vor Ärzten habe - ich weiss nicht, was mich da erwartet. Macht das alles noch Sinn?
Gespeichert
Abendstern
Stammposter
****
Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 284


« Antworten #1 am: 07. März 2007, 21:30:52 »

Hallo Fragend!

Hm, ich habe mich jetzt mühsam durch dein Posting gelesen. Eine Bitte: Es wäre gut und für uns andere wesentlich einfacher zu lesen, wenn Du hin und wieder mal ein paar Abschnitte einfügen würdest. Nur so am Rande Zwinkernd

Also Deine Geschichte liest sich ja echt nicht gut, und es scheint so, als hättest Du das, was in Deiner Kindheit Dir in ähnlicher Weise wiederfahren ist, zumindest auf deine Mutter bezogen, Du in Deiner Ehe ungewollt wiederholt.

Das ist echt heftig, was da in deiner Ehe ablief und es ist jetzt wohl auch zu spät, Dir mit irgendwelchen Ratschlägen zu kommen, wie ihr mit Hilfe einer dritten Person vielleicht einen Konsens hättet finden können.

Jetzt geht es um Dich und ich denke, Du brauchst dringend Hilfe. Auch wenn Du Angst vor Ärzten hast, geht mir genauso, hoffe ich doch, dass Du einen Hausarzt hast....?
Wenn ja, solltest Du ihm ehrlich Deine Porbleme schildern.

Ich denke, es wäre sinnvoll in Erwägung zu ziehen, erstmal in eine psychosomatische Klinik zu gehen, um mal ein wenig Stabilisation zu bekommen. Am Anschluß daran wäre ambulante Therapie sicherlich weiterhin notwendig.

Du kannst Dich selbst um einen Therapeuten kümmern, anrufen und einen Termin ausmachen. Am besten bei mehreren, denn die Wartezeiten betragen hier oftmals mehr als sechs Monate.

Kannst Dich bei Deiner Kasse schlaumachen oder auch im Internet.

Aber Du musst dringend etwas tun, auch deinem Sohn zuliebe.

Und ja, ich denke, eine Therapie macht auf jeden Fall Sinn. Da ist einiges, was Du aufarbeiten und gerade rücken musst!

Dazu wünsch ich Dir ganz viel Kraft!!!

Viele Grüße
Abendstern
Gespeichert

Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum

Es gibt immer eine Tür die dir offen steht. Du hast immer eine Wahl, aber es ist schwierig, die richtige Tür zu finden. Manchmal hast du den Schlüssel schon in der Hand und weißt es nur nicht. (Iris)
Seiten: [1]   Nach oben
Drucken
 
Gehe zu:  

Powered by SMF 1.1.14 | SMF © 2006, Simple Machines LLC