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Autor Thema: Zwischengruß aus der Klinik !!  (Gelesen 1557 mal)
Rua
Gast
« am: 15. August 2004, 12:32:15 »

Hallo Leute ! Wollte mich nur mal melden & erzählen, wie's mir in der Klinik so ergeht:
Ich bin nun seit 5 Wochen stationär in der "Klinik für Psychosomatik & Verhaltensmedizin" in Berus bei Saarlouis - und ich habe das Angebot einer Verlängerung bis zum 08.09.2004 angenommen. Nicht weil ich ein besonders schwerer Fall bin (im Gegenteil, Angststörungen sind da eher kleine Fische), sondern weil man erst nach ca. 3 Wochen an die Hintergründe der Probleme kommt. Und erst DANN kann man richtig daran arbeiten, also nehme ich alles mit, was ich lernen kann ;o)
Die Klinik hier ist tatsächlich eine Reha-Klinik, d.h., die Patienten haben das Gröbste schon hinter sich und lernen nun, wieder ins tägliche Leben zu gehen und dort besser zurecht zu kommen. Hier sind verschiedenen Angst-&Panikstörungen, posttraumatische Probleme, Mobbing-Opfer, Eßgestörte, Tinnitus-Patienten und Spielsüchtige; Jugendliche & ältere Menschen genauso wie Leute aus allen sozialen Schichten. Interessanterweise sind die Hintergründe der verschiedenen Erkrabkungen oft sehr ähnlich, weshalb die Mitpatienten sehr verständnisvoll sind und sich gegenseitig helfen, wo es geht. Mindestens ein Mal pro Woche gibt's ein Einzelgespräch beim "Bezugstherapeuten", was immer ein Psychotherapeut und manchmal zusätzlich ein Arzt ist; dazu verschiedenen Gruppentherapien wie "Selbstsicherheitstraining" z.B.  Weil das sehr anstrengend sein kann, gibt es genug Ausgleich: Tai Chi, Yoga, Atemtherapie, Musikprojekt, Rückenschule, progressive Muskelentspannung oder Meditation und viel Sport ;o)
Dazu Angebote aus künstlerischen Bereichen, Fango & Massage (wenn nötig), Filmabende, Sauna, etc.   Ernährungsberatung und Soziotherapie gibt's auch noch und wenn aus therapeutischen Gründen keine Einschränkungen bestehen, hat man was Besuche, Ausgang & Wochenende-zuhause-verbringen betrifft, viel Freihet - und logischerweise Eigenverantwortung.
Und schon alleine, daß man endlich mal erklärt bekommt, was eine Panikattacke ist und warum man körperlich und seelisch so seltsam reagiert, hat mir viel geholfen - zu wissen, daß es eine falsch erlernte Überreaktion des Körpers ist und daß man diese Muster auch wieder "verlernen" kann !

Also ich kann die Klinik nur empfehlen: Wer bereit ist und die Möglichkeit hat, an sich zu arbeiten, für den ist das eine Super Chance !!

Melde mich wieder, wenn ich entlassen bin ;o)

tschö & haltet die Ohren steif !

Rua


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Depri
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« Antworten #1 am: 15. August 2004, 12:44:06 »

Ich muss im Oktober in eine Reha von der BfA, und so langsam macht sich Panik in mir breit. Dein Bericht allerdings macht mir auch Hoffnung. Wie war denn die Fahrt dahin? Hast du das alleine geschafft? Ich seh mich schon total verzweifelt auf dem Bahnsteig. Ich habe echt Angst niemals anzukommen.
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LadyDabandi
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« Antworten #2 am: 15. August 2004, 18:39:18 »

Ich war vor 2 Jahren in einer Reha der BfA in Bad Segeberg, und ich habe dort auch nur gute Erfahrungen gemacht. Das Wichtigste für mich war damals das Erleben des Gemeinschaftsgefühls unter uns Patienten. Zum ersten Mal hatte ich nicht das Gefühl, ein Außenseiter zu sein. Das hat mir sehr geholfen, auch über mich reden zu können, was ich bis dahin nie konnte. Ich war immer nur darauf bedacht so zu sein, wie andere das von mir erwarteten, und irgendwie war ich dabei auf der Strecke geblieben. Ich funktionierte nur noch und selbst das nur unter großen Anstrengungen. Aber in der Klinik begriff ich endlich, dass ich krank war und, ganz wichtig für mich damals, dass ich deswegen keine Schuldgefühle haben muß. Diese Schuldgefühle haben mich eigentlich mein ganzes Leben lang begleitet, und darum war dieses Begreifen ein Riesenschritt für mich, denn jetzt konnte ich endlich anfangen, über mich selbst nachzudenken. Ich stellte fest, ich hatte ja doch noch Gefühle (daran hatte ich wirklich gezweifelt), und ich konnte sogar darüber reden. Ich werde nie vergessen, was für eine Erleichterung das war. Heute glaube ich, dass dieser Klinikaufenthalt die Wende für mich war, und auch ich kann nur jedem empfehlen, die Chance zu nutzen, wenn sie sich bietet.

Und, Depri, wenn Du Deine Reha hinter Dir hast, wirst Du das auch so empfinden, das glaube ich ganz bestimmt, auch wenn Deine Ängste jetzt noch überwiegen. Hast Du vielleicht jemanden, der Dich begleiten oder Dich eventuell hinbringen könnte? Aber auch, wenn das nicht geht, Du wirst einen ausgefeilten Fahrplan erhalten, bei dem Du möglichst direkt an Deinen Zielort kommst. Solltest Du umsteigen müssen, ist immer genug Zeit eingeplant, um Deinen Anschlußzug zu erreichen.

Liebe Grüße
Bärbel
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Wenn du dich der Sonne zuwendest, fällt dein Schatten hinter dich.
Rua
Gast
« Antworten #3 am: 18. August 2004, 17:05:10 »

Hi Depri !
Ist ganz normal, daß man erst mal Angst vor der Klinik hat - schließlich weiß man doch nicht so genau, was auf einen da zukommt. Aber es ist tatsächlich so, daß man dort plötzlich unter den anderen Patienten "normal" und eben kein Aussenseiter mehr ist, weshalb man ohne schlechtes Gewissen jederzeit auch die Therapeuten anquatschen und um Hilfe oder Erklärung bitten kann.
Die Fahrt dahin war für mich mit eigenem Auto kein großes Problem, zumal ein Freund mitgefahren ist und dann mit dem Zug nach Hause fuhr. Eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln wäre für mich schon eher ein Problem gewesen, aber auch das hätte ich dann halt irgendwie schaffen müssen ;o)

So langsam merke ich an den Reaktionen meines Umfeldes, besonders von einigen Familienmitgliedern, daß sie selbst mit meinen kleinen Veränderungen noch nicht so zurecht kommen....da frage ich mich, ob ich mein neu gewonnenes Selbstverständnis auch nach der Reha beibehalten kann. Dann erinnere ich mich aber wieder daran, wohin mich mein bisheriges Lebensmuster geführt hat & das gibt mir den Mut, meinen eigenen Weg zu gehen !

Bis bald & haltet die Ohren steif !!

Rua
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Depri
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« Antworten #4 am: 18. August 2004, 17:31:20 »

Ich bin 42 Jahre alt, und alles um  mich herum kriegt auf einmal eine Krise. Man ist sowas von besorgt um mich, als ich richtig krank war, hiess es reiss dich zusammen. Jetzt betütteln sie mich wie ein Ei. Das nervt ohne Ende, wollen die nicht dass ich endlich erwachsen werde?
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