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Autor Thema: Eine etwas andere Frage...  (Gelesen 1727 mal)
Sister Moonshine
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« am: 19. Dezember 2007, 14:55:30 »

Hat jemand von Euch schonmal eine Zwangseinweisung gehabt? Hätte jemand Lust, ein bichen davon zu erzählen?

Würde mich freuen :-)

Liebe Grüße, Sister Moonshine
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JEM
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« Antworten #1 am: 19. Dezember 2007, 15:56:29 »

Liebe Sister Moonshine,

nach meiner Ansicht gibt es in letzter Konsequenz nur zwangseingewiesene Patienten, denn wer geht schon zum Vergnügen in eine Klinik? Ich glaube nicht einmal Hypochonder...

Zwang kann sein: Hilflosigkeit, Verzweiflung, tiefer Schmerz - also der "Schrei nach Hilfe", die Einsicht, ich kann die Krankheit nicht allein bewältigen
- oder auch der Zwang bei "Nichteinsicht" - da gibt es dann die Psychisch-Kranken-Gesetze (PsychKG).

Nun ich habe einige "zwangseingewiesene" Patienten  in meinem Leben kennengelernt - aber was sollen die Dir hier jetzt genau erzählen?

Wie es zu der Zwangseinweisung kam?
(war bei jedem eine andere Geschichte - ist immer abhängig von der Krankheit und auch der sozialen Situation)

Oder wie die Therapie war?
Die ist gleich wie bei freiwilligen Patienten, wird aber oft durch die mangelnde Einsicht und Mitarbeit erschwert.

Oder wolltest Du in Wirklichkeit mit Deinem posting etwas ganz anderes sagen?

Ich wünsche Dir Gutes!
Liebe Grüße
Jürgen
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Gesagt ist nicht gehört, gehört ist nicht verstanden. Verstanden ist nicht einverstanden. Einverstanden ist noch lange nicht angewendet. Angewendet ist noch lange nicht beibehalten.
[Konrad Lorenz]
Sister Moonshine
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Beiträge: 556



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« Antworten #2 am: 19. Dezember 2007, 16:30:12 »

Ich wollte eigentlich nur wissen, ob es richtig ist, dass nach dem Beschluß der Patient erst einmal für zwei Wochen dabehalten wird und dann von den Ärzten entschieden wird. Und was man den ganzen Tag da so macht  Ärgerlich
Halt so einen Tagesablauf.
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JEM
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« Antworten #3 am: 19. Dezember 2007, 17:10:49 »

Liebe Sister Moonshine,

wie die "Unterbringung" (so heißt das jetzt in D) geregelt wird, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden - auch die Einweisungsquote.
Generell ist der Unterbringungsgrund entscheidend für weitere Entscheidungen.

Aber der Tagesablauf ist im Ansatz derselbe, wie wenn Du freiwillig dort hin gehst - es hängt also nur vom Patienten ab, was geschieht.
(es ist aber bei der "Unterbringung" eine "geschlossene" Abteilung in der Du untergebracht bist, d.h. Du bist in Deiner Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt)

Also wenn Du die Frage "für Dich selbst" gestellt hast: Es ist immer besser Du "weist" Dich selbst ein, Du kannst dann jederzeit selbst die Therapie abbrechen und vor allem bist dann auch mit Patienten zusammen, die auch "freiwillig" da sind, also auch bereit sind mitzuarbeiten.

Was man da den ganzen Tag so macht?
Hängt von der Erkrankung ab, darauf wird die Therapie abgestimmt. Es gibt Einzel-Gesprächstherapie, Gruppentherapie, kreative / musische Therapie, Entspannungsübungen, Gymnastik, Massagen, Schwimmen u.v.a.
Daneben natürlich Arzttermine / Untersuchungen im psychosomatischen Umfeld.

Die Mahlzeiten werden innerhalb der Gruppe eingenommen, es ist eine Teeküche vorhanden, wo man sich auch selbst etwas zubereiten kann.

Zimmer sind meist 2-Bett-Zimmer.

Im Tagesablauf gibt es auch freie Zeit, dafür gibt es i.d.R. auch Freizeit-Angebote in der Klinik (auch in der Abteilung, z.B. Tischtennis, Kicker u.ä.)

Ist aber alles in allem kein Wellness-Hotel, sondern Hilfe zur Selbsthilfe!

Liebe Grüße
Jürgen

Und: Du kannst Dich mit anderen Patienten unterhalten, siehst dann dass es anderen noch besch... als Dir geht, lernst aus ihren Fehlern. Denn dort sind alle auf einer Ebene, keiner kann auf den anderen herabblicken, alles sind gleich schwach / stark!








« Letzte Änderung: 19. Dezember 2007, 17:19:27 von JEM » Gespeichert

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Rhini
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« Antworten #4 am: 20. Dezember 2007, 02:04:40 »

Hallo
Ist ein kompliziertes Thema und kommt auf die Ausgangssituation an. Nach einem Suizidversuch bin ich auch mal in einer geschlossenen Abteilung gelandet. Allerdings ist das schon an die 27 Jahre her. Damals war es der pure Horror für mich, weil ich keinen Besuch (zum Anfang) haben durfte und dann nur ganz kurz (ne halbe Stunde) . Es gab Gruppentherapie (Gespräche), die aber imn meinem Fall nicht sehr ausgeprägt war. Ansonsten haben wir uns mit Spielen, Dösen oder Schlafen beschäftigt. Das mag heute alles anders sein, ich weiß nicht??? Da mein damiliger Mann und meine Eltern sich um mich gekümmert haben, wurde ich nach etwa 14 Tagen entlassen. Ich hatte mich vorerst gefangen, bis zum nächsten Mal...
Hätte ich damals, oder wenigstens nach dem Ende meiner (kaputten) Ehe mal mit einer Therapie begonnen... Wer weiß, wie es mir heute ginge??? Ich denke, das ist der Punkt, worüber man sich im Klaren sein sollte, wenn man eine Veränderung will, dass man sich Hilfe suchen "muß". Alleine schafft man (ich) es jedenfalls nicht. Zwangseingewiesen wird man als Nichtverbrecher auch nur, wenn man für sich oder Andere eine Gefahr darstellt. Bevor es so weit kommt, würde ich es vorziehen, mich selbst einweisen zu lassen (ähnlich Jems Ausführungen). Erstens kann man dann doch etwas wählen, wohin man kommt und zweitens bleibt man letztlich Selbstverantwortlich.
Falls du solcherlei Überlegungen anstellst, hast du eventuell mal an eine Tagesklinik gedacht? Dort kannst du täglich hin und abends wieder nach Hause. Neben Therapie gibt es auch Beratungsstellen für Arbeit und Soziales. Außerdem gibt es einen Beschäftigungsplan, der körperliche und kreative Punkte enthält. In der Regel findet man dort auch immer jemanden, mit dem man reden kann, wenns einem besonders schlecht geht.
Ansonsten wünsche ich dir für heute Nacht einen schönen Traum; nur mal so...
Rhini
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Sister Moonshine
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« Antworten #5 am: 20. Dezember 2007, 08:17:03 »

Hallo, guten Morgen  Smiley

ich danke Euch für Eure Antworten.
Ich wollt´s nur mal so wissen, vorsichtshalber. Ich habe beim besten Willen nicht vor, in eine Klinik zu gehen. Liegt außerhalb meiner Vorstellungskraft und bleibt da auch.
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JEM
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Beiträge: 809


« Antworten #6 am: 20. Dezember 2007, 15:39:45 »

Hallo Sister Moonshine,

auch wenn es außerhalb Deiner Vorstellungskraft liegt in eine Klinik zu gehen, noch einen Hinweis dazu:
Die "guten" Kliniken haben alle Wartezeiten für die (freiwillige) Aufnahme (geht von vier bis zu zwölf Wochen).
Es wird auch i.d.R. ein Vorgespräch mit dem Patienten geführt.
Wollte ich nur noch so erwähnen - schnell und sofort geht da nichts......

Und auch ich bin der Meinung von Rhini, dass man sich aus eigener Kraft vielleicht einige Zeit über Wasser halten kann, aber um aus dem Sumpf herauszukommen, braucht man professionelle Hilfe von außen.

Mein persönlicher Eindruck von Tageskliniken ist leider negativ: Ich habe zwei verschiedene hier in unserer Gegend zusammen mit meiner Frau besichtigt und mit dem Personal und den Patienten gesprochen. Therapiemäßig war das Angebot deutlich schlechter als auf den Akutstationen (Personal nur halb so viel als auf den Akutstationen), alles machte mehr den Eindruck einer "Bewahranstalt" wo die Patienten so vor sich hin dümpelten. Ich hätte meine Frau nicht dort gelassen (sie wollte es auch nicht!).
Aber wie gesagt: Es waren nur 2 Tageskliniken, es kann durchaus auch bessere geben.

Liebe Grüße
Jürgen
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