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Autor Thema: Wie reagiert Eure Umwelt ?  (Gelesen 1009 mal)
Kleiner Kampfterrier
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Beiträge: 85


« am: 27. Januar 2008, 11:48:10 »

Hallo,
hatte gestern mit meinem Mann ein Thema was mich sehr beschäftigt.
Es geht darum wie die Umwelt darauf reagiert wenn sie hört das man Psychopharmaka nimmt. Hat jemand einen Herzfehler würde niemals jemand etwas dagegen sagen das er ein Leben lang Medikamente nehmen muss. Ich persönlich habe schon so oft zu Ohren bekommen--- die gehen nur auf die  Leber wie lange willste das Zeugs denn noch nehmen etc. und da kommt mir dann wieder der Gedanke das von den anderen eine solche Krankheit wie ich sie habe als lapidar ansehen -ich bilde mir das ja eh alles nur ein.

Wie läuft das bei Euch so?
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Grüsse Terrie

Ich mache Dir dein Leben zum Himmel.ich halte Dir die Schatten vom Leib.wirst mich niemals verlieren- Du hast mich so gewollt- jetzt sieh zu was Du mit mir tust
anything
Gast
« Antworten #1 am: 27. Januar 2008, 12:43:33 »

Hallo,

ich berichte mal von meinen Erfahrungen.
Ich bin zwar erst 21 Jahre alt, habe meine Krankheit - die Emetophobie (Angst vor dem Erbrechen) schon seitdem ich denken kann.

Bereits in meiner Kindheit reagierte man sehr verständnislos auf meine Krankheit.
Auch ich bekam damals - und bekomme heute noch - zu hören, dass ich mir das ja alles nur einbilde und nur zu faul sei zur Arbeit zu gehen.

Man nahm mich nicht ernst, im Gegenteil: Wenn ich da war, tat man lieber so als müsste man sich übergeben - um mich zu ärgern. Nicht nur im Freundeskreis sondern auch die Familie, meine Eltern und mein Bruder halfen dabei tatkräftig mit.

Wenn ich Panikattacken hatte, wurde ich immer mit Agressivität und Unverständnis begrüßt.
Das hat sich in meinem Leben so fortgeführt.

Mein alter Freundeskreis hielt mich für bekloppt.
Aber gibt es auch einige Freunde die nun sehr eng zu mir halten. SIe können mich und meine Verhaltensweise nun besser verstehen.

Allerdings muss ich sagen, seitdem ich mich auf der Arbeit "geoutet" habe ist es da besser.
Wurde öfter angesprochen auf meine relativ hohen Fehlzeiten und seitdem man weiss was wirklich los ist mit mir bekomme ich dort volle Unterstützung!

Habe mein Umfeld /Freundeskreis insofern da noch was vorhanden war nun komplett gewechselt und das für mich schlechte einfach "aussortiert".

Naja wie man sieht habe ich bis auf ein paar Ausnahmen auch eher schlechte Erfahrungen gemacht, da ausser meinem Vater und meiner Tante inkl. ihrer Töchter und Mann auch niemand aus meiner Familie zu mir hält, nichtmal meine eigene Mutter..

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Fridolin
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« Antworten #2 am: 27. Januar 2008, 13:26:56 »

Hi anything
Niemand, der nicht annähernd die gleiche Problematik aushalten muß, kann es verstehen, welche Macht die Psyche hat und welche Leiden sie auslösen kann. Früher hat es mich gestört und ich dachte,
alle Anderen müssen mich doch verstehen. Mittlerweilen laß ich mich von der Denkart anderer Menschen nicht mehr  beeinflußen. Nachdem ich meine Depression angenommen habe, empfinde ich sie viel leichter. "Outen" ist sehr hilfreich! Freunde, die mich verstehen, achte und respektiere ich. Oberflächliches interessiert mich überhaupt nicht und ich verzichte auf oberflächliche Menschen oder oberflächliche Gespräche.
Viel Kraft und Energie
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Fridolin Steinpalme
JEM
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Beiträge: 809


« Antworten #3 am: 27. Januar 2008, 14:12:01 »

Ich persönlich habe schon so oft zu Ohren bekommen--- die gehen nur auf die  Leber wie lange willste das Zeugs denn noch nehmen etc.

Hallo Terrie,
sage doch einfach diesen "klugen" Leuten, sie sollen sich erst einmal selbst klug machen und dann kannst du wieder mit dir reden.

Meine Frau nimmt AD's seit 1994, ihre Leberwerte werden laufend kontrolliert und sind o.k.
Frage doch einmal diese Leute zurück, wie ihre Leberwerte sind - ich wette sie kennen sie nicht einmal!

Die Krankheit ist nicht lapidar - sie ist eine Krankheit, wie z.B. Bluthochdruck und sie muss deswegen behandelt werden. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Liebe Grüße
Jürgen
« Letzte Änderung: 27. Januar 2008, 14:16:06 von JEM » Gespeichert

Gesagt ist nicht gehört, gehört ist nicht verstanden. Verstanden ist nicht einverstanden. Einverstanden ist noch lange nicht angewendet. Angewendet ist noch lange nicht beibehalten.
[Konrad Lorenz]
JEM
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Beiträge: 809


« Antworten #4 am: 27. Januar 2008, 14:23:18 »

Hallo anything,
dass nicht einmal deine Mutter deine Krankheit annimmt ist natürlich traurig, für dich, aber eigentlich noch mehr für sie!
Wie du es schilderst, hast du dir eine gute "Verhaltenstherapie" zurechtgeschneidert, finde ich gut und ich denke das biologische Alter (und du bist wirklich noch sehr jung) hat nicht unbedingt etwas mit Reife zu tun - und Reife hast du in deinen postings gezeigt!
Ich denke, du bist auf einem guten Weg!

Liebe Grüße
Jürgen
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[Konrad Lorenz]
Kleiner Kampfterrier
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« Antworten #5 am: 27. Januar 2008, 21:58:28 »

Hallo,
tja ich merke immer wieder das einer meiner FEHLER das ist das ich mir das ganze nicht so gerne anmerken lasse aus Angst für Bekloppt abgestempelt zu werden.....
Ich hatte ja schonmal in einem anderen Thema geschrieben das ich wegen der Rente zur einer medizinischen Untersuchung musste und mit dort von der Sprechstundenhilfe gesagt wurde das ich so gar nicht in das Schema einer Angstkranken passe-ich habe moch damals so über diese Aussage aufgeregt das ich mich bei dem Arzt beschwert hab und zu der Sprechstundenhilfe  sagte "Ich wünsche Ihnen mal 24 Stunden mit meinem Krankheitsbild und dann können Sie darüber urteilen wie sich ein Angstkranker verhalten muss"  Teuflisch
@ Anything tröste Dich von meiner Mutter bekam ich immer wieder zu hören ich solle mich zusammen reissen ihr würde es auch mal schlecht gehen und sie liesse sich trotzdem nicht hängen*pfff*
Der einzigste aus meiner Familie  der mich versteht ist mein Mann (die wichtigste Person) und meine Oma-mein Vater der sich auch sehr gut im mich reinversetzen konnte ist leider vor 3 Jahren gestorben)
Schlaft schön 
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Grüsse Terrie

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zimmi
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« Antworten #6 am: 28. Januar 2008, 08:47:43 »

hallo

meine erfahrungen in bezug auf psychische erkrankungen sind sehr unterschiedlich. ich selbst hatte schon immer das gefühl "nicht richtig " zu sein, aber mir einzugestehen depressiev zu sein.... das hat sehr lange gedauert. grund dafür ist auch mein elternhaus. ich habe beizeiten eingeimpft bekommen : dir gehts nicht gut? dann geh in die schule, geh auf arbeit dann gehts dir wieder besser!!!! nur wer leistung bringt, ist was wert! zusammenreisen, durchhalten war die deviese. tja das ging solange, bis mein körper sagte... bis hierhin und nicht weiter. kündigung wegen krankheit und dann der totale absturz. selbst da habe ich noch versucht mit einer craschtherapie wieder auf die beine zu kommen. kommentar von meiner mutter: such dir arbeit, dann gehts dir wieder besser! ich bin bis heute nicht arbeitsfähig. habe mich von meinen eltern distanziert auch um mich selbst ertmal zu finden. geholfen hat mir eigentlich, das ich mich jetzt offen damit auseinandersetzte. und siehe da, immer häufiger höre ich aus meinem bekanntenkreisen: ja wir haben auch in der familie jemanden, meine schwester ist seit jahren in behandlung, und so weiter.
"ich bin nicht richtig" dieses gefühl werde ich so schnell nicht ablegen können. aber die positieve resonanz von "außen" hilft mir doch ein stück mich selbst zu akzeptieren. ich sehe es manchmal wie einen waagschale. auf der einen seite der druck zu funktionieren, du mußt müssen, jetzt reis dich endlich zusammen, tu nicht so und diese ganzen sprüche. auf der anderen seite lege ich jetzt meine positieven erfahrungen, die akzeptanz und das bisschen was ich bisher erreicht habe. es ist zwar immer noch sehr schwer für mich, solche komentare wie die meiner eltern zu ignorieren , aber langsam wird´s.
und das mit den medis... ich bin inzwischen froh welche zu nehmen, eingestellt zu sein. ich glaube kaum, sonst noch hier am pc sitzen zu können. wer weis?
katrin
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Rhini
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« Antworten #7 am: 28. Januar 2008, 10:26:06 »

Hi, ihr da draussen
Ja, ich sollte mal wieder richtig arbeiten gehen, nicht so viel herumjammern, mich mal entlich zusammenreißen... Und der Satz meinerseits, es geht nicht, ich schaffe das nicht, wird sogar von einer Psycholigin kommentiert mit: Sie müssen das nur wollen!
Ist doch egal, ob mir schwindlig wird, ich Migräne bekomme oder mich übergeben muß; oder ob die Schmerzatacken in meinem Körper mich zusammenbrechen lassen... geht doch alles wieder vorbei!!

Aber inzwischen weiß ich, auch wenn ich nicht so "funktioniere" wie es vielen Leuten bequemer wäre, ich bin nicht falsch!!! Ich bin nur nicht so händelbar, wie meine Umwelt es sich wünschte. Hätten sie mehr zugehört, sich mehr damit auseinandergesetzt, wer ich bin, würden sie jetzt besser damit klar kommen... aber es ist ihr Problem!!!

Es tut mir nicht gut, das ist richtig, wenn mir in meinen Augen, in meinem Gefühl, immer wieder negativ begegnet wird, aber inzwischen sehe ich mir die Menschen genau an, erkenne, welche Schwächen sie haben,welchen Kleingeist und welche Hilflosigkeit... Aber ich sehe auch, dass es Menschen gibt, die mein Lachen zurückhaben möchten, mein Tanzen und meine feinsinnige Art... Das ist das, worin ich erneut Kraft finde, es immer und immer wieder zu versuchen...

Meine "Umwelt" ist verdammt groß und ich bin allein, also muß ich sie doch in ihrer Gesammtheit nicht bedienen müssen, oder??? Letztlich, wenn ich ehrlich bin, habe ich auch schon oft über diesen oder jenen gelästert, weil er/sie mir in ihrer Art unsympatisch oder fremd waren, aber irgendwann bin ich diesen Menschen sowieso nicht mehr begegnet... und bei denen, die bleiben, versuche ich inzwischen ihr "Fehlverhalten" mir gegenüber zu verstehen. Immer mit dem Gedanken, dass sie sich selbst im Recht fühlen wie ich auch!!!

Wir leben mit der Umwelt, können sie nicht ändern, aber wir können auch wählen, welchen Schuh wir uns anziehen wollen....

Liebe Grüße
Rhini
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Kleiner Kampfterrier
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Beiträge: 85


« Antworten #8 am: 28. Januar 2008, 12:09:51 »

Hallo,
also mich verletzt es schon wenn jemand den ich mag mir so einen Spruch deut. Letztens meinte meine Schwiegermutter-Du hast auch alle Krankheiten die es gibt  Ärgerlich
Ich würde lieber 40 Stunden die Woche arbeiten als krank sein. Rotwerd
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Grüsse Terrie

Ich mache Dir dein Leben zum Himmel.ich halte Dir die Schatten vom Leib.wirst mich niemals verlieren- Du hast mich so gewollt- jetzt sieh zu was Du mit mir tust
anything
Gast
« Antworten #9 am: 28. Januar 2008, 12:42:06 »

Hallo,

erstmal an alle danke für die lieben Worte! Smiley

Terri, ich glaube nicht dass Rhini DAS gemeint hat sondern für mich klingt es danach, dass es wichtig ist was wir selber von uns halten und nicht die Meinungen der anderen auf uns projizieren und dann hinterher noch selber dran glauben.

Mir ist sowas jedenfalls schon passiert, nachdem man sein ganzes Leben dann nur gehört hat man ist ja nix und man kann auch nix, habe ich heutzutage z.B. sehr große Probleme damit Hilfe von anderen anzunehmen das gelingt mir nur gering bis garnicht da quäl ich mich meistens lieber als zuzugeben dass ich Hilfe brauche :/
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Rhini
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Beiträge: 833


« Antworten #10 am: 29. Januar 2008, 08:55:00 »

Hallo, Ihr Lieben
Ja, ich meinte tatsächlich, dass man entweder nachhaken sollte, wenn man glaubt, missverstanden zu werden, oder eben sich anschauen, wer das sagt, ob dieser Mensch wirklich eine Rolle in meinem Leben spielt... Nur ich weiß wirklich, wie es mir geht... Es gibt zwar Menschen, die eine gewisse Vorstellungskraft haben, aber jegliche Empfindungen, die ein Mensch haben kann, werden von jedem anders ausgelegt...
Innerlich grummelts, wenn ich mal wieder mit den schweren Einkaufstaschen heimkomme; es grummelt, weil ich mir wieder mal nicht helfen gelassen habe, weil ich wieder mal niemanden belästigen wollte, weil ich schon wieder mal beweisen wollte, wie toll ich bin, wenn ich alles alleine mache, alleine schaffe...
Aber das sieht keiner, weil jeder mein Tun für selbverständlich erachtet. Lapidar dann herüber kommt, "die macht das schon". Und nun, da sitze ich in meinem Zimmer, unmotiviert und "schwach"... alle denken entweder, man müsse mich schonen oder signalisieren Unverstand, warum es auf einmal nicht mehr geht...
Bestes Beispiel ist Busfahren... Da wurde mir von meiner Mutter gesagt, ich hätte das ja immer gemacht... und wenn ich jetzt nur oft genug fahren würde, klappt das schon wieder... Ja, bis zur nächsten unangenehmen Begegnung, bis zur nächsten PA.
Mir helfen lassen, hat auch damit zu tun, dass ich nicht zugeben möchte, dass ich es alleine nicht mehr schaffe. Ich fühle mich dann wie eine Versagerin... Und ich bin doch schon klein genug durch meine Krankheit...

Ja, und dann klappt etwas wirklich nicht mehr, gehe hin, in meiner Hilflosigkeit und sage, begleite mich, oder ich brauche Hilfe... Und dann nimmt man mich an die Hand und stärkt mir den Rücken, ohne Kommentar; oder ich werde den nächsten Monat gefragt, ob ich erneut etwas Hilfe brauche...
Ich schäme mich, aber ich sage trotzdem ja, weil ich ohne die Hilfen nicht mehr kann... So wird es vielleicht doch zur Selbverständlichkeit, dass ich nicht immer nur anderen helfe, sondern mir hier und da auch mal helfen lassen kann, heute noch nicht, aber vielleicht bald.

Liebe Grüße
Rhini
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