Home | Forum
Freitag, 25. Mai 2012
Sorry das die Seite nicht erreichbar war. Es gab angeblich ein paar "Urheberrechtsprobleme". News wird es in Zukunft keine mehr geben, das Forum besteht weiterhin.
Angstnetz Forum
25. Mai 2012, 18:02:19 *
Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

Einloggen mit Benutzername und Passwort
News:
 
   Übersicht   Hilfe Einloggen Registrieren  
Seiten: [1]   Nach unten
  Drucken  
Autor Thema: Inneres Zittern und Taubheit in den Fingerspitzen  (Gelesen 9607 mal)
Ines
Juniormember
**
Beiträge: 11


« am: 29. Februar 2008, 18:48:36 »

Seit etwa 8 Wochen leide ich unter ständigem inneren Zittern, Taubheit in den Fingerspitzen. Anfangs äußerte sich das auch noch so, dass ich meinte, akute Herzbeschwerden zu haben, sehr schlecht Luft zu bekommen und ein beklemmendes Gefühl (wie ein Stein auf der Brust) zu haben. Daraufhin ging ich zu meinem Hausarzt, der mich gleich zum Kardiologen überwies und zum Lungenfacharzt. Der Kardiologe schloss, nach umfangreichen Untersuchungen, ein Herzproblem aus. Jedoch musste auch ein Belastungs-EKG geschrieben werden, dass nach kurzer Zeit aber abgebrochen wurde, weil ich fix und fertig war und sich die Symptomatik dadurch noch verstärkte. Der Lungenfacharzt schließlich stellte fest, dass ich zu sehr hyperventiliere. D. h. ich atme zu tief und zu schnell. Meine Lunge atmet zu schnell und viel zu viel CO2 ein und aus. Er riet mir, mit einer Tüte zu arbeiten. D. h. ich blase seit Wochen quasi 3 - 4 x am Tag in eine Tüte und atme meine eigne verbrauchte Luft aus und wieder ein. Vor allem nach körperlicher schon kleinster Belastung muss ich wieder die Tüte zur Hilfe nehmen. Daraufhin hat sich zumindest das empfundene Herzproblem erledigt. Das Zittern habe ich jedoch vor allem nach meinen Schlafphasen - ergo - ich bin eine Stunde, nachdem ich aufgestanden bin schon wieder total erschöpft. Auch kann ich mich nicht körperlich belasten. Alles fällt mir schwer. Mein Hausarzt läßt mir nun einmal pro Monat muskulär Flubis spritzen, heute zum 2. Mal.
Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass meine Problematik nicht nur stressbedingt sein kann. Ich hatte zwar Ende Dezember und Anfang Januar mit traurigen Ereignissen in der Familie zutun, bin aber seit etwa 3 Wochen in keinster Weise mehr psychisch angeschlagen oder gar depressiv. Hat noch jemand solche Symptome wie ich und kann mir in irgendeiner Form Tipps geben?
Gespeichert

Ines
Wonderboy
Stammposter
****
Beiträge: 189


We against Depression


« Antworten #1 am: 29. Februar 2008, 19:25:46 »

Hallo Ines,

schön dich als neues Mitglied bei uns zu haben, auch wenn der Anlass - nämlich deine Probleme- ja nicht so schön sind.

Ich kann dir leider auch nur ganz allgemeines dazu sagen. Bei solchen Beschwerden wie du sie hast muss natürlich alles körperliche abgeklärt werden. Herz, Lunge, Neurologie, das ganze spektrum. Am besten ist es, wenn dein Hausarzt das zentral coordiniert, damit alle Untersuchungsergebnisse auch wieder an einer Stelle zusammenlaufen. Man muss schließlich erstmal ausschließen, was es nicht ist.

Solche Beschwerden wie du sie hast können aber wirklich psychosomatisch sein, auch wenn du dich psychisch gar nicht belastest fühlst. Das passt ja irgendwie zusammen, weil ja dein Körper die Belastungen trägt im Moment, nicht die Psyche. Ist also kein wiederspruch.

Dieses Flubis kenn ich nicht, ist das was gegen Angst? Oder für den Kreislauf?

Ich kann dir nur sagen, dass die symptome die du hast durchaus psychosmatisch sein können, vieles davon hatte ich auch schon mal. So ganz einfach wegbekommen ist das ganze dann aber nicht, vor allem muss man ja die Ursachen finden, warum man so extrem reagiert. Du hast ja familiäre Belastungen angesprochen.

Würde mich interessieren, wie es bei dir weitergeht. Bis dahin, alles gute.

Wonderboy
Gespeichert

Don´t give up
Ines
Juniormember
**
Beiträge: 11


« Antworten #2 am: 29. Februar 2008, 19:45:44 »

Hallo Wonderboy,
schön, dass ich als "Neuling" gleich eine Antwort auf meine Anfrage erhalten habe.
Nun zu deinen Ratschlägen/Tipps:
Ich habe einen hervorragenden Allgemeinarzt, der sich noch Zeit nimmt, genau hinterfragt und vor allem fachärztlich abklären lässt. Um mich zu unterstützen, erhalte ich nun einmal pro Monat eine muskuläre Injektion, die bewirken soll, dass meine Abwehrkräfte erst mal wieder auf Vordermann gebracht werden, aber vor allem mein Nervenkostüm stabilisiert wird.
Irgendwie ist mir meine Symptomatik jedoch wirklich schleierhaft, verständlich wenn man unter Stress steht, dass der Körper dann reagiert. Das weiß ich alles. Nach einer intensiven Gesprächstherapie in den letzten 4 Jahren, bei einem Tiefenpsychologen und Traumaspezialisten, habe ich meine Depressionen im Griff und kann heute mit meinen "Macken" recht gut umgehen. Ich habe akzeptiert, dass ich chronisch depressiv bin und kann seitdem, auch ohne Medikamente, sehr gut damit umgehen.
Geht es mir wirklich mal sehr schlecht, habe ich für den"Notfall" Lorazepham, die ich 1 bis 2 Tage einnehme, dann bin ich aus meinem Tief wieder raus. Selbst mit diesem Psychopharmaka habe ich versucht, etwas gegen meine Beschwerden zu unternehmen, allerding war die Wirkung gleich null. Eventuell werde ich nun noch einen Neurologen aufsuchen, um einfach die nervliche Sache noch abzuklären.
Schauen wir mal weiter, wie es in nächster Zeit so geht, Fakt ist nur, dass ich jeden Tag erschöpft bin, als ob ich 20 km durch die Wüste gelaufen wäre. Einfach nur k.o.
Gerne halte ich dich weiter auf dem Laufenden und ich bedanke mich herzlich für deine schnelle Antwort.
Herzliche Grüße Ines 
Gespeichert

Ines
Wonderboy
Stammposter
****
Beiträge: 189


We against Depression


« Antworten #3 am: 01. März 2008, 10:09:49 »

Hallo Ines,

du hast ja doch schon eine längere Leidengeschichte hinter dir. Ich kenn das aber auch, dass ich bestimmte Symptome absolut nicht einordnen kann in meine Vorstellung von Psychosomatik. Wie oft war ich immer wieder beim Arzt...

Ich hab eine Bekannte, die jahrelang ein chronisches Erschöpfungssyndrom hatte, bzw. immer noch hat. Es gibt leider so viele verrückte Sachen, die man kriegen kann.

Meine eigene Leidensgeschichte ist auch geprägt von ähnlichen Dingen. Ich hab das Glück, dass ich es ganz gut in den Griff bekommen hab, allerdings hat das auch seinen Preis gehabt. Ich hab schon viele Jobs gekündigt, weil es mir da schlecht ging, ich kränker wurde. Und nun bin ich arbeitslos. Aber wenn arbeien bedeutet krank zu werden, dann werd ich halt nicht mehr arbeiten.

Ich hab schon zuviel gelitten.

Dir alles gute

Wonderboy
Gespeichert

Don´t give up
Ines
Juniormember
**
Beiträge: 11


« Antworten #4 am: 01. März 2008, 10:39:43 »

Hallo Wonderboy,
die Bedeutung der Psyche wird, gerade in Deutschland, noch sehr unterschätzt. Gerade Ärzte sind bezüglich dieses Themas sehr unsicher und machen oft zu wenig, das Falsche oder ignorieren das Thema Psychosomatik ganz. Glück hat derjenige, der einen vernünftigen Hausarzt hat, mit dem man über alles reden kann, der einen beim Lösen der gesundheitlichen Probleme wirklich zur Seite steht. Ich hatte vor 5 Jahren das Glück, als ich (als Workoholic, absolut beruflich erfolgreich) plötzlich nicht mehr konnte. Platzangst und Panickattacken, mit denen ich gar nicht zurecht kam. Mein damaliger Hausarzt machte das einzig richtige: er schickte mich in eine psychosomatische Fachklinik. Dort hatte ich erste Kontakte mit wirklich guten Psychotherapeuten. Und so bin ich mein Problem angegangen. Dass ich Depressionen hatte, war mir überhaupt nicht bewußt - ich doch nicht - ich bin doch nicht psychisch krank. Aber dank meines Hausarztes, meines Psychotherapeuten und meines Neurologen/Psychiaters bin ich nach dieser Zeit soweit, das alles zu erkennen und zu akzeptieren. Allerdings bin ich nun seit 4 Jahren Rentner - auf Zeit - Heute kann ich mir eine Ganztagsarbeit nicht mehr vorstellen. Ich hätte gar nicht mehr die Kraft dazu. Aber ich habe meine Form zu Leben, und das nicht mal schlecht, gefunden. Natürlich hilft mir die finanzielle Sicherheit durch meine gute Rente sehr dabei. Heute stehe ich auf dem Standpunkt: wenn ich gesundheitliche Probleme habe, gehe ich der Sache schnellstmöglich auf den Grund, damit die Ursache behoben wird und ich wieder zu meiner gewohnten Lebensform zurückkehren kann. Ein langer Erkenntnisweg liegt hinter mir, aber ich habe es, so denke ich fast gepackt. Die derzeitige Gesundheitsproblematik gehe ich genauso an und hoffe, diese bald in den Griff zu bekommen.
Ich freue mich auf weitere Post von dir. Bis dahin
herzliche Grüße
Ines
Gespeichert

Ines
DerSani
Schreibe oft hier
***
Beiträge: 91


« Antworten #5 am: 01. März 2008, 11:32:29 »

Hallo Ines,

hast du es schon mal mit progressiver Muskelentspannung (PME) versucht?
Deine Symptome hören sich sehr nach zu hoher Anspannung an. Ich kenne
das, eigentlich ist überhaupt nicht los, aber trotzdem kommen Symptome.
Wenn die Rücken und Schultermuskeln eine zu starke Grundanspannung
haben, Atmet man automatisch flacher und die Signale der Nerven kommen
nicht mehr ungehindert durch (Fingerkribbeln).

Mir hilft dann immer PME oder Sport...

gruß Oliver
Gespeichert
Wonderboy
Stammposter
****
Beiträge: 189


We against Depression


« Antworten #6 am: 01. März 2008, 11:39:23 »

Hallo Ines,

ich nehm an, dass du in der Psychosomatischen Klinik alles kennengelernt hast, was helfen kann, z.B. auch progressive Muskelentspannng. Die Frage ist, ob du es zuhause auch regelmässig anwendest? Ich tu das nämlich nicht, ich kriegs enfach nicht hin das anzuwenden was ich gelernt hab.

So ein Leben in Rente kann ich mir gar nicht vorstellen, aber es kann mich auch noch ereilen. bisher hab ich trotz Krankheit immer arbeiten können. Abr mitlerweile ist das Berufsleben so extrem stressig und ich weiss niht wie lang ich die steigenden Anforderungen noch erfüllen kann und wozu?
Immer mehr Arbeit für immer weniger Geld, so gehts mir. Wozu also?

Ich bin erstmal einfach froh, dass es mir ziemlich gut geht und das will ich verteidigen gegen eine Welt, die mich mit ihrem Stress aufrisst.

Grüße

Wonderboy 
Gespeichert

Don´t give up
Ines
Juniormember
**
Beiträge: 11


« Antworten #7 am: 01. März 2008, 12:51:19 »

Hallo Wonderboy und auch Oliver,
mit der Atmung bei mir ist es ja das Verrückte, anstatt, wie die meisten zu flach atmen, atme ich viel zu tief. Somit hat meine Blutbahn das Problem, vor lauter "guter Luft" das alles gar nicht gut transportieren und umsetzen zu können.
Natürlich habe ich in der Klinik das Prinzip der progressiven Muskelentspannung kennengelernt. Jedoch ist es mir damals gar nicht gut dabei gegangen. Dadurch bekam ich jedes Mal Kribbeln in Armen, Beinen und vor allem Fingern. Das jetzt ist anders. Taubheit in den Fingerspitzen und ein unerklärliches Dauerzittern im ganzen Körper, wobei z.B. die Hände beim Ausstrecken ganz ruhig sind.
Seit ich Rentner bin und das für mich auch verinnerlicht habe, bin ich wesentlich ausgeglichener. Dadurch dass sowohl der Arbeitsstress als auch der finanzielle Druck weggefallen sind, habe ich in den letzten Jahren gelernt, entspannter durch mein Leben zu gehen, auch mal mehr Pausen einzulegen und mich durch Vieles nicht mehr verrückt machen zu lassen. Ich hätte mir vorher auch nie vorstellen können, ganz aus dem Berufsleben auszusteigen. Mein Neurologe/Psychiater hat damals für mich die Entscheidung übernommen, mit den Worten: Ich schicke Sie in Rente. Sie haben in Ihrem Leben bereits genug geackert. Das reicht. Jetzt sind andere dran und Sie kümmern sich ab sofort mal nur noch um die schönen Dinge des Lebens, die es auch noch gibt.
Am kommenden Dienstag habe ich wieder einen Termin bei ihm und werde meine Problematik mal mit ihm durchsprechen. Vielleicht weiß er noch, was ich unternehmen kann. Evtl. werde ich Mitte Mai (vorher eine Woche Urlaub - Tunesien) einen Kurantrag stellen - 3 Wochen psychosomatische Kur. Mal sehen.
Deine Einstellung, Wonderboy, gefällt mir gut, vor allem, dass auch du verstanden hast, dich nicht mehr nur vom Arbeitsstress "auffressen" zu lassen. Was machst du eigentlich beruflich? Und wie alt bist du?
Freue mich auf die nächste Post von dir/euch, bis dahin
herzliche Grüße
Ines
Gespeichert

Ines
Wonderboy
Stammposter
****
Beiträge: 189


We against Depression


« Antworten #8 am: 01. März 2008, 13:42:41 »

Hallo,

ist da so einfach mit der Rente? Ab bestimmten Jahrgängen wurde ja die Berufsunfähigkeitsrente praktisch abgeschafft und die Erwerbsunfähigkeitsrente - kann man davon leben?

Ich fände es traumhaft Rentner zu sein mit einem guten Auskommen, aber ich wäre wohl eher Sozialhilfeempfänger.

Ich freu mich aber für dich, dass du so leben kannst. Schade nur, dass dennoch deine Gesndheit so verrückt spielt? Ob schon doch weder Stress noch Geldsorgen da snd. Ist wohl doch nicht so einfach mit der Psyche, schade ist das.

Bis dann

Wonderboy
Gespeichert

Don´t give up
Sister Moonshine
Stammposter
****
Beiträge: 556



WWW
« Antworten #9 am: 01. März 2008, 14:00:05 »

Hallo liebe Ines, willkommen hier  Grinsen

Da habe ich doch gleich mal eine Rückfrage  Blinzeln
Wie sah Deine Symptomatik aus, damals als Dein Neurologe Dir die Rente "nahelegte"?
So viele sind hier verrentet, bein manchen klingt es unglaublich einfach.
Es muss Dir doch sehr sehr schlecht gegangen sein, oder?
Möchtest Du darüber etwas erzählen?
Ich könnte mir gar nicht vorstellen, in Rente zu gehen, obwohl ich mich momentan durch das Arbeitsleben "prügeln" muss   Traurig

Rente auf Zeit? Musst Du da jedes Jahr wieder prüfen lassen, ob sie Dir noch zusteht?
Fragen über Fragen... entschuldige  Rotwerd

Liebe Grüße von Sister Moonshine
Gespeichert

    ~ Please help me to keep my mind open to the public ~
Ines
Juniormember
**
Beiträge: 11


« Antworten #10 am: 01. März 2008, 15:23:46 »

Hallo Sister Moonshine, danke für die Begrüßung hier  Smiley,
es ist natürlich nicht einfach, Frührentner zu werden. Bis ich erwerbsunfähig geschrieben wurde, war es ein Weg von 1,5 Jahren. Selbstverständlich ging es mir sehr schlecht, zu dieser Zeit. Ich war beruflich über 2 Jahrzehnte so stark eingebunden, dass ich ca. 14 Stunden täglich arbeitete, teilweise auch mit WE. Dabei habe ich kaum Urlaub gemacht, war zwar öfter mal krank, habe das aber meist ignoriert. Bin z.B. mit hohem Fieber an die Arbeit, hatte oft Beschwerden mit meinem Magen oder später auch Darm. Aber meine Arbeit war mir wichtiger. Ich dachte wohl, dass keiner meinen Job so gut macht wie ich. Dann kamen immer häufiger  nachts Albträume, die aus meiner Kindheit/Jugend herrührten. Mit diesen schlimmen Erinnerungen kamen dann auch tagsüber psychisches Unwohlsein. Auch mein damaliger Mann hatte mit den Folgen zu kämpfen. Ich zog mich immer mehr zurück, nach außen zeigte ich die sogenannte starke Persönlichkeit, aber war ich zu Hause, ging gar nichts mehr. Irgendwann hält der stärkste Mensch nicht mehr aus. Ich wurde immer lebensmüder. Der eigene Leistungsdruck wurde mir quasi zum Verhängnis. Als ich 2002 zu einer Weltmesse in Paris war, passierte dann Folgendes: Mitten in einem Meeting kam mir quasi die Decke herunter: Platzangst - Panikattacke - mein erstes Mal. Ich konnte mit einem Mal nicht mehr in einen Raum gehen, mit vielen Menschen oder ohne Fenster, ohne schnelle "Fluchtmöglichkeit". Zu Hause wurden die Albträume nachts fast unerträglich. Ich war am Ende meiner Kraft. Daraufhin sprach ich mit meinem Hausarzt, der mir dringend zu einem Klinikaufenthalt riet - 9 Wochen Psychosomatische Fachklinik, dabei ein Ehemann zu Hause, der mit meiner Situation gar nicht zurechtkam und mir letztendlich noch das Leben erschwerte. Es folgte die Trennung, das Ausziehen zu Hause, die Neuorientierung und ich begann eine Psychotherapie bei einem spitzen Therapeuten, der Fachmann für Tiefen- und Traumapsychologie war. Mit ihm zusammen habe ich 4-Jahre lang, fast Woche für Woche, mein Leben nochmal von hinten aufgerollt. Ich war aber nicht mehr fähig, zu arbeiten. Konnte mich nicht mehr konzentrieren, hatte wirklich vor jedem Arbeitstag Angst - vielleicht weil ich wußte, dass ich diesem Stress überhaupt nicht mehr gewachsen bin. Also meine Akkus waren leer und obwohl inzwischen fast 5 Jahre vergangen sind, bin ich nicht mehr belastbar und brauche viel Ruhe. Ich muss diesen Stress von damals auch nicht mehr haben. Es wäre für mich eine Horrorvorstellung, wieder in diese Arbeitsmühle zu müssen.
Meine Rente habe ich immer für einen gewissen Zeitraum. Beim ersten Mal waren es 2 Jahre, beim zweiten Verlängungerungsantrag 3 Jahre, Ende diesen Jahres beantrage ich erneut. Jedes Mal werde ich von einem Gutachter neu untersucht und "bewertet" danach heißt es warten.
Ich hoffe, dass ich deine Fragen beantwortet habe, falls du noch Weiteres wissen möchtest, antworte ich gerne.
Sicherlich ist damit auch gleichzeitig Wonderboy*s Nachfrage beantwortet, den ich an dieser Stelle auch herzlich grüße.
Also liebe Grüße
Ines
Gespeichert

Ines
Sister Moonshine
Stammposter
****
Beiträge: 556



WWW
« Antworten #11 am: 01. März 2008, 16:51:03 »

Liebe Ines,

MEHR als beantwortet, ich danke Dir.  Grinsen
Das ist alles sehr interessant, es tut mir so leid, was Du alles schon hinter Dir hast/hinter Dir lassen musstest.
Ich finde es toll, wie sachlich und strukturiert Du über Dich selber sprechen kannst.
Ich bin immer nur völlig wirr und konfus, und wenn, dann sprudelt es aus mir heraus, manchmal ohne Sinn und Verstand. Koordination ist nicht mein Ding, schon gar nicht die emotionale *seufz*
Ich wünsche Dir sehr, dass Deine momentane Symptomatik abgeklärt werden kann.
(Wobei ich mir schon vorstellen könnte, dass es psychosomatisch bedingt ist...hmm...)

Aber es scheint gut für Dich zu sein, nicht mehr arbeiten zu müssen.
ich wünsche Dir alles Gute weiterhin. Schön, dass Du hierher gefunden hast!

Deine Sister Moonshine

Gespeichert

    ~ Please help me to keep my mind open to the public ~
Ines
Juniormember
**
Beiträge: 11


« Antworten #12 am: 01. März 2008, 17:32:05 »

Liebe Sister Moonshine,
vielen Dank für deine netten Worte. Vielleicht kann ich dir einige Tipps geben, wie du dein Problem besser bewältigen kannst.
Ganz wichtig, denke ich mir, sind feste Tagesstrukturen. D. h.: Man sollte täglich gleiche Abläufe planen und ausführen. Beispiel: Am Morgen aufstehen, Duschen, anziehen, danach Frühstück (möglichst täglich fast zeitgleich), Betten machen, Staubsaugen usw. Dazwischen Ruhepausen einlegen, 10 - max. 20 Minuten, sich täglich 1 - 2 Aufgaben stellen. Je nachdem wie du deinen Tagesablauf planen kannst, Spazieren gehen - möglichst täglich, eine Stunde Lesen oder eine Stunde Musik hören. Falls man das noch nicht so strukturiert für sich selber umsetzen kann, man man sich am besten einen Stundenplan, später auch schon für die kommende Woche, anfertigen. Wichtig ist ein eigener Lebensplan, was muss ich erledigen, was kann ich verschieben. Dabei sollte man sich wirklich nicht überfordern. Zuviel auf einmal verwirrt nur und am Ende hat man gar Nichts erreicht.
Es ist natürlich besonders schwierig, über sich selber zu reden, das, was einen bewegt, bedrückt usw. Ich habe mir angewöhnt, mit mir selber erst einmal die Problematik durchzugehen, quasi im Stillen, finde ich da keine Lösung, rede ich mit einer mir vertrauten Person. (Diese sollte über deine psychische Erkrankung Bescheid wissen und Verständnis für dich haben - es ist nicht leicht, solche Menschen zu finden). Ich rede nicht gerne über meine Erkrankung. Die Unbetroffenen verstehen das meist eh nicht, also lasse ich es. Schön ist ein Forum wie dieses hier (bin leider erst gestern auf  diese Seite gestoßen). Es fällt mir leichter, über mich zu schreiben, als zu reden) Was ich allerdings in den letzten Jahren gelernt habe ist, dass gerade mein engster Familienkreis am wenigsten mit meiner Krankheit umgehen kann. Sie wollen helfen, wissen aber nicht wie und fühlen sich dann oftmals schuldig. Ein klärendes, kurzes Gespräch, dass ihnen zeigt, dass sie nicht für mein Wohlbefinden verantwortlich sind, hilft oft sehr. Man sollte der Familie aber signalisieren, wenn es einem mal nicht gutgeht und man sich zurückziehen möchte. Du bittest nur um ihr Verständnis dafür, nicht um Ratschläge und signalisiere, dass es nichts mit ihnen zutun hat, warum es dir gerade schlecht geht.
Ich hoffe, meine Ausführungen haben dir etwas weiterhelfen können.
Herzliche Grüße Ines
Gespeichert

Ines
JEM
Stammposter
****
Beiträge: 809


« Antworten #13 am: 01. März 2008, 17:36:19 »

Ich habe akzeptiert, dass ich chronisch depressiv bin und kann seitdem, auch ohne Medikamente, sehr gut damit umgehen.

Hallo Ines,

fast 100% von dem was du jetzt hier erzählt hast, erinnert mich an das, was meine Frau (und damit ich mit ihr zusammen) durchgelitten hat.

Und deshalb denke ich, dass du eben nicht damit sehr gut damit umgehen kannst, sondern dass die Depression dir Kräfte raubt, Verrentung hin oder her.
Bitte rede mit deinem Psychiater darüber, schildere deine somatischen Probleme offen, denn sie sind nur ein Spiegel deiner psychischen Probleme!
Ich wünsche dir Gutes!

Liebe Grüße
Jürgen
Gespeichert

Gesagt ist nicht gehört, gehört ist nicht verstanden. Verstanden ist nicht einverstanden. Einverstanden ist noch lange nicht angewendet. Angewendet ist noch lange nicht beibehalten.
[Konrad Lorenz]
Ines
Juniormember
**
Beiträge: 11


« Antworten #14 am: 01. März 2008, 18:01:01 »

Hallo Jürgen,
vielen Dank für dein Schreiben. Freut mich, dass du, als Partner einer psychisch erkrankten Frau, mir schreibst. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass du sehr viel mit zu erleiden hattest und vielleicht noch hast. Ich kann dir nur sagen, dass ich seit ca. 1,5 Jahren sehr gut mit meinen Depressionen, die ich nur hin und wieder bekomme, umgehen kann. Eine sehr große Hilfe dabei ist mein Lebenspartner, der für mich wie ein Fels in der Brandung ist. Zusammen mit meinem Therapeuten (seit 4 Jahren) und meinem Partner, ist es mir gelungen, erst einmal zu akzeptieren, dass ich chronisch an Depressionen leide. Allerdings nehme ich keine Psychopharmaka. Wenn es mir schlecht geht, ziehe ich mich zurück. Mein Partner hat dann Verständnis und lässt mich in Ruhe. Nach 1 - 2 Tagen geht es mir dann wieder besser. Natürlich haben meine derzeitigen Symptome auch mit seelischem Stress zutun, den ich Ende des vergangenen Jahres und bis Mitte Januar hatte. Allerdings habe ich inzwischen Einiges unternommen, damit es mir wieder besser geht. Ruhe, auch mal in die Therme gehen und relaxen, Musik hören, Spaziergänge usw, wenn es meine derzeitigen Probleme zuließen.
Allerdings habe ich am Dienstag einen Termin bei meinem Psychiater und werde mit ihm noch einmal die letzten Wochen besprechen. Ich halte sehr viel von ihm und hoffe, er kann mir weiterhelfen.
Vielen Dank nochmal für deine Zeilen und dir/euch weiterhin alles Gute!
Herzliche Grüße
Ines
Gespeichert

Ines
JEM
Stammposter
****
Beiträge: 809


« Antworten #15 am: 01. März 2008, 18:26:13 »

Hallo Ines,
ich hatte schon unterschieden zwischen depressiven Episoden und dem was dein Körper somatisch "empfindet" (obwohl es im Grunde eng mit einander verknüpft ist), aber um die somatischen Empfindungen ging es mir hier zunächst einmal.

Es ist mir klar, dieses Forum kann dir nur Ideen, Anstösse aufzeigen, denn es ist unmöglich eine ganze Persönlichkeit, ein ganzes Leiden hier in einige Zeilen zu pressen.

Ja, Antidepressiva gehören medizinisch zu der Gruppe der Psychopharmaka, aber sie machen nicht abbhängig, wie z.B. Tranquilizer.

Wenn Du einen Partner hast, der versteht dass du in diesen Episoden Ruhe ( = Abstand) brauchst dann ist das für dich hilfreich und o.k.. Wichtig ist auch, dass du, wie du hier geschildert hast, einige Aktivitäten alleine angegangen bist.

Ich wünsche dir und einem Partner alles Gute!

Liebe Grüße
Jürgen
Gespeichert

Gesagt ist nicht gehört, gehört ist nicht verstanden. Verstanden ist nicht einverstanden. Einverstanden ist noch lange nicht angewendet. Angewendet ist noch lange nicht beibehalten.
[Konrad Lorenz]
Ines
Juniormember
**
Beiträge: 11


« Antworten #16 am: 01. März 2008, 18:34:37 »

Hallo Jürgen,
danke nochmals für deine hilfreichen Hinweise. Eine Frage hätte ich jedoch noch, da mir scheint, dass du bereits seit langem mit deiner Frau ihre Probleme gemeinsam meisterst. Du hast in deiner 1. Mail an mich geschrieben, dass dir meine Problematik sehr bekannt vorkommt. Hat deine Frau oder hatte Sie auch Probleme mit der Atmung und damit verbunden dieses innerliche Zittern und die Taubheit in den Fingerspitzen? Ich arbeite seit 4 Wochen täglich mit einer Tüte, in der ich gut eine Minute hineinblase und wieder meine verbrauchte Luft einatme. Damit gelingt es mir, zumindest tagsüber das Zittern und die Taubheit in den Griff zu bekommen, allerding ringe ich wohl Nachts ständig nach Luft, so dass ich morgens total k.o. und zitternd aufstehe. Vielleicht kannst du mir dazu einen Tipp geben.
Herzliche Grüße und Danke im voraus!
Ines
Gespeichert

Ines
JEM
Stammposter
****
Beiträge: 809


« Antworten #17 am: 01. März 2008, 19:16:38 »

Hallo Ines,
meine Frau hat nicht 1:1 diese Probleme, zumindestens nicht gleichzeitig alle auf einmal, aber sie waren alle schon einmal da.
Die "veränderte" Atmung ist Hyperventilation (hatte sie nur selten), ist ein "normales" Sympton bei  Panikattacken oder Angstzuständen und lässt sich wie von dir geschildert mit der Einatmung von CO2 kompensieren.
Aber damit machst du im Prinzip nichts anderes, als dir über den Tag zu helfen (auch das nicht wirklich, denn überall würdest du wohl deine Tüte nicht herausnehmen - übrigens, es muss eine Papiertüte sein, keine Plastiktüte) , über die Nacht hilft es dir dann doch nicht. Denn da würde dir wieder nur die Tüte helfen, aber das ist wohl doch keine praktikable Lösung und schon gar keine Heilung!

Ich kann dir nur nochmals empfehlen, diese Symptomatik mit deinem Psychiater durchzusprechen, denn so kannst du doch keine Nacht erholsam verbringen und das zermürbt dich!

Liebe Grüße
Jürgen



Gespeichert

Gesagt ist nicht gehört, gehört ist nicht verstanden. Verstanden ist nicht einverstanden. Einverstanden ist noch lange nicht angewendet. Angewendet ist noch lange nicht beibehalten.
[Konrad Lorenz]
Ines
Juniormember
**
Beiträge: 11


« Antworten #18 am: 01. März 2008, 19:30:51 »

Hallo Jürgen,
was mich an der ganzen Sache so unsicher macht ist, dass ich derzeit keinen Stress mehr habe, aber die Hyperventilation so anhält. Natürlich gebe ich dir vollkommen recht, dass meine derzeitige Situation kein Dauerzustand sein kann. Ich mache das jetzt seit dem 10. Januar mit.  Seit Ende Januar erhalte ich nun einmal mtl. vom Hausarzt muskulär Fluspi gespritzt. Das Mittel musste bei der Krankenkasse beantragt werden und nun erhalte ich insgesamt 5 Spritzen. Es hilft mir schon, das Zittern zu verringern, aber so richtig hilft es mir nicht, die ganze Symptomatik in den Griff zu bekommen, wie geschrieben, vor allem Nachts. Mein Partner hat mich nachts schon ein paar mal angestoßen und meinte ich würde nach Luft schnappen als ob ich gleich ersticke.
 Ich setzte nun wirklich große Hoffnungen auf meinen Psychiater, dem ich voll vertraue. Kennst du dieses Mittel? Ich habe mich natürlich schonmal bei Goggle etwas darüber schlau gemacht.
Erst einmal wiederum vielen Dank. Alle Infos hoffe ich, bringen mich zum Ziel: den Mist loszuwerden.
Liebe Grüße
Ines
Gespeichert

Ines
JEM
Stammposter
****
Beiträge: 809


« Antworten #19 am: 01. März 2008, 19:59:46 »

Hallo Ines,
nein ich kenne Fluspi nicht und ich beteilige mich eher ungern an Diskussionen über Medikamente, da sie nach meiner Erfahrung bei jedem unterschiedlich wirken.
Wenn du jeden organischen Grund in deinen Bronchien /  in deiner Lunge ausschliessen kannst , dann solltest du von einem psychosomatischen Grund ausgehen und das mit deinem Psychiater abklären.

Und Stress ist nicht alles: Als die Depression mit allen Folgen bei meiner Frau zum Vorschein kam, war sie schon 20 Jahre "Nur-Hausfrau" und unsere Tochter hatte ihren eigenen Hausstand, war erfolgreich und problemlos im Studium, also glaube nicht dass "Stressfreiheit" alleine dich aus Depressionen herausholt bzw. davor bewahrt.
Ich kann dich nur bitten, dein Problem eindringlich deinem Psychiater darzustellen, den ich denke dass du zumindestens vorübergehend eine weitergehende Hilfe brauchst um dir wieder Lebensqualität zurückzugeben.

Liebe Grüße
Jürgen
Gespeichert

Gesagt ist nicht gehört, gehört ist nicht verstanden. Verstanden ist nicht einverstanden. Einverstanden ist noch lange nicht angewendet. Angewendet ist noch lange nicht beibehalten.
[Konrad Lorenz]
Wonderboy
Stammposter
****
Beiträge: 189


We against Depression


« Antworten #20 am: 01. März 2008, 20:05:56 »

Hallo Ines,

ich glaube, so starke und langanhaltende Symptome hat man nur dann, wenn man irgendetwas seelisches total abblockt. Du scheinst ja eine intelligente Powerfrau zu sein, die gewohnt ist auf hohem Nivau zu funktionieren. Und scheinbar funktionierst du immer noch, in gewisser Weise. Deine Symptome möchter dir vielleicht mitteilen, dass du noch immer etwas falsch machst. Ist nur ne Vermutung natürlich.

Ich denke auch, dass ja Menschen gerade dann krank werden, wenn der Stress vorbei ist. wie viele Leute werden nur im Urlaub krank?

Kann auch sein, dass dir dein Beruf fehlt? Leistung bringen, wichtig sein?

Grüße

Wonderboy
Gespeichert

Don´t give up
Ines
Juniormember
**
Beiträge: 11


« Antworten #21 am: 01. März 2008, 20:07:36 »

Vielen Dank, Jürgen. Ich werde deine Ratschläge berücksichtigen und hoffen, dass bei dem Gespräch am Dienstag eine Lösung gefunden wird.
Ich wünsche dir und deiner Frau ein schönes Wochenende und würde mich freuen, wenn wir hier ab und an in Verbindung bleiben.

Alles Gute
Ines
Gespeichert

Ines
Ines
Juniormember
**
Beiträge: 11


« Antworten #22 am: 01. März 2008, 20:16:12 »

Hallo Wonderboy,
vielen Dank für deine Rückmeldung. Wahrscheinlich hast du sogar Recht, dass bei mir eine Art Blockade vorherrscht. Wie schon geschrieben, hatte ich Ende Dezember großen familiären Stress und ich musste wieder etwas sehr Trauriges miterleben. Vielleicht ist das Erlebte Auslöser meiner jetzigen Probleme. Vielleicht will ich das rein von der Logik her nicht wahrhaben.
Dagegen vermisse ich meine Arbeit wirklich nicht mehr. Anfang, so bis ca. 2 Jahre meiner Berufsaufgabe, war es der Fall aber heute setze ich in meinem Leben andere Prioritäten. Mir ist weder  langweilig noch fühle ich mich überflüssig. Im Gegenteil, ich fühle mich inzwischen sehr oft wohl und genieße das auch. Wie schon geschrieben, werde ich mein Problem am Dienstag mit meinem Psychiater durchsprechen und danach sehe ich weiter.
Nochmals vielen Dank für deine Hinweise und Ratschläge. Ich werde sie in meinen Überlegungen auf jeden Fall mit berücksichtigen.
Dir einen schönen Abend und noch ein schönes Wochenende. Und vielleicht wieder bis bald hier auf dieser Plattform.
Herzliche Grüße Ines
Gespeichert

Ines
Seiten: [1]   Nach oben
  Drucken  
 
Gehe zu:  

Powered by MySQL Powered by PHP Powered by SMF 1.1.14 | SMF © 2006, Simple Machines LLC Prüfe XHTML 1.0 Prüfe CSS