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Vollmond62
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« am: 20. Mai 2008, 00:06:53 » |
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Hallo zusammen...
... ich bin ja ein zufriedener trockener Alkoholiker (seit über 3 Jahren) und frage mich immer wieder, ob meine "nasse" Alk-Zeit nicht doch überwiegend nur eine Flucht war. Im weitestem Sinne. Bis hin zur Flucht vor mir selber.
Flucht hieße dann auch, dass ich mich "verdrückt" habe, wenn es um die Wahrheiten ging - ja, ich habe mich buchtstäblich über knapp 2 Jahrzehnte selbst verar...t. Das ist eine Erkenntnis, die mich in meiner Thera vor gut 2 Jahren sehr weit gebracht hatte.
Geht es Euch auch manchmal so, dass Ihr vor Euch selber flüchtet und dann den Alkohol zur Hilfe nehmt? Einige Ängste haben ja auch mit "Flucht" zu tun - kompensiert Ihr dies möglicher Weise mit Alk?
Viele Grüße aus dem Sauerland
Frank
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Es gibt für den Menschen keine geräuschlosere und ungestörtere Zufluchtsstätte als seine eigene Seele. Halte recht oft solche stille Einkehr und erneuere so dich selbst. Marc Aurel
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Sister Moonshine
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« Antworten #1 am: 20. Mai 2008, 07:32:17 » |
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Lieber Frank,
ja, sicherlich ist es eine Flucht vor mir selber.... Es ist die Flucht vor den Ängsten, und ein manchmal willkommener Zugang zu den Bereichen hinter den Hemmschwellen. Ich sage "manchmal" weil es sicherlich auch Momente gibt, die man am liebsten aus seinem Leben streichen möchte, Alkohol kann aber auch - zumindest bei mir - die Angst vor Selbstverletzung und Suizid nehmen. Versteh mich nicht falsch - das soll nicht bedeuten, dass diese Konsequenz eine positive ist - jedoch empfinde ich pesönlich es so, wenn ich keinen Ausweg weiß. Und das genau sind bei mir die Gefahren des Alkohols, seltsamerweise habe ich keine echte Angst vor möglichen Folgen.
Ich finde es übrigens toll, dass Du seit drei Jahren ohne Alkohol lebst (leben kannst), ich bin weit davon entfernt, kann mich manchmal selber massregeln, überschreite jedoch auch genauso oft die Grenze. Ich hasse mich, in vielen Dingen, deshalb trinke ich, glaube ich. Also, wie Du schon sagst, eine Flucht vor sich selber...der Alkohol und ich...eine echte Hassliebe, wie so oft in meinem Leben...
Es grüßt Dich Sister Moonshine
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Rhini
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« Antworten #2 am: 20. Mai 2008, 10:09:57 » |
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Hallo, Ihr Zwei, In Meinem Leben spielte Alkohol auch eine kurze Zeit die alles beherrschende Rolle. Ich bin seit über 25 Jahren "trocken". Bin es, weil ich weiß, dass es keine Flucht ist, sondern ein sich ausliefern in eine Situation oder einem Zustand. Wenn ich fliehe, will ich weg, doch wenn ich trinke, bleibe ich... Natürlich kann man vieles leichter ertragen mit genug Alk oder Drogen im Blut, aber es ändert nichts!
Sister, leichter sich etwas anzutun oder unter Alk entlich mal den Mund aufmachen und die ganze Sch... raus zu lassen, ja, das ist richtig, doch es ändert nichts, oder? Ich will und kann hier niemanden "bekehren", kann nur meine Sichtweise kund tun... Alkohol stellt viel mit uns an, aber vor allem macht er uns gefühlslos. Heute weiß ich, dass ich damals schon sehr tot war, obwohl ich noch existierte. Ich konnte mir alles antun; die Anderen aber auch!
Ich denke, Alk und Drogen sind die Schwerter, die uns vor dem wirklichen Leben trennen, denn oft genug wußte ich nach dem Rausch garnicht mehr, was eigentlich passiert ist. Ergo kann ich nicht einmal berichten von wundersamen Fantasiewelten, die mich beflügelten zu neuen Schaffensperioden.
Die wirkliche Flucht ist für mich meine "Krankheit", weil ich dadurch gezwungen bin, etwas zu ändern oder auch etwas aufzugeben. Ich sondiere meinen Feind und versuche, ihn aus meinem Leben zu sperren. Mit und durch Alk könnte ich das nicht. (Wobei ich in diesem Thema das exissive Trinken meine und nicht die zwei Biere oder das Glas Rotwein...)
Noch etwas, was bei mir eine Rolle gespielt hat, ich wollte nicht mehr leben, mich und meinen Körper zerstören. Dabei habe ich festgestellt, dass ich ganzschön "zäh" bin und mich nicht so "leicht" umbringen lasse. In diesem Sinne alles Liebe Rhini
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Sister Moonshine
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« Antworten #3 am: 20. Mai 2008, 11:19:35 » |
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"Noch etwas, was bei mir eine Rolle gespielt hat, ich wollte nicht mehr leben, mich und meinen Körper zerstören. Dabei habe ich festgestellt, dass ich ganzschön "zäh" bin und mich nicht so "leicht" umbringen lasse. " Ja Rhini, das habe ich auch feststellen müssen. Und es ärgert mich manchmal, treibt mich noch mehr hinein als mich heraus zu führen. Gefühllos bin ich seit geraumer Zeit vor allem ohne Alkohol. Oder - auch ohne. Manchmal gelingt es mir, wenigstens Wut zu empfinden, meistens Wut auf mich selber. Ist meine Krankheit eine "Flucht"? Liebe Rhini, ich weiß es nicht. Denn ja, sie sollte mich fordern, mich auf eine Art "zwingen", Dinge anders zu sehen, mich mit mir zu beschäftigen, mir "Gutes zu tun". 
Ich kann mir wenig Gutes tun, wenn ich weiß, dass ich Schuld auf mich geladen habe und es fast täglich immer wieder tue. Ich verbiete mir Gutes, entgleise dadurch leider auch manchmal. Mein "wirkliches Leben" kann ich besonders jetzt kaum noch ertragen, und es liegt alles nur in mir selber begründet. Niemand sonst ist schuld. Es fällt mir sehr sehr schwer, Alkohol nicht als "Rettungsanker" zu sehen...und ich weiß, dass das falsch ist.
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Iwi
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« Antworten #4 am: 21. Mai 2008, 21:30:04 » |
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Lieber Vollmond62, liebe Sister Moonshine, liebe Rhini! v.a. an Vollmond meinen heissen Dank für das Aufgreifen dieses Lebensaspektes. Ich habe gestern mit einem Freund aus einer anderen Kultur und Welt darüber gesprochen, dass Alkohol unser Zusammensein sehr bestimmt. Ich hatte jetzt fünf Tage mit jedem Abend welchen. Er meint, dass es eben das Zusammensein mit Fremden und einfach unter-Menschen erleichtert. Meine Anmerkung, dass es auch unangenehm sein kann mit betrunkenen zu tun zu haben, bejaht er auch, aber der andere Aspekt ist für ihn der stärkere; für mich übrigens auch, dabei muß ich aufpassen, dass ich bei aller "Sozialität" meinen Alltag noch bewältigen kann, denn für mich ist es gut v.a. zum Grenzen überschreiten und das ist oft Energie und Kraft zehrend. Das bringt mich zur nächsten Aussage des Freundes vom gestrigen Gespräch, dass Alkohol unter den Lebensumständen und Gezwungenheiten des Alltags für Menschen ein Ventil ist, um sich etwas Erleichterung zu verschaffen. Na, das Leben eben ist... ich muss morgen zur Gastroskopie. Vermutlich kein Resultat von Alkohol, sondern von Stress oder schlechter Ernährung oder ... Liebste Grüße von Iwi 
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Rhini
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« Antworten #5 am: 21. Mai 2008, 23:18:40 » |
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Hi, Nun ja, ich denke, man kann in Allem noch einen positiven Aspekt finden, wenn man nur lange genug danach sucht. So habe ich vin einem Künstler gehört, dass er besonders kreativ mit einem Joint ist; jemand anderer muß sich "Mut" antrinken... naja, Drogen verschleiern den tatsächlichen Zustand. Alk enthemmt, aber als "Nichtmehrtrinkerin" stehe ich daneben, wenn da gebechert wird, bekomme mit, wie die Leute ihre Sprache verlieren, wie sie unangenehm werden und zu guter Letzt stinkend aufs Klo rennen und sich auskotzen.
Ich möchte niemandem sein Gläschen abreden, wenn es aus Lust darauf oder aus ner guten Laune genossen wird, doch ich finde es seltsam, wenn jemand Entschuldigungen sucht, um das Trinken zu rechtfertigen. Jeder ist verantwortlich für sich selbst, muß die Konsequenzen tragen, aber jeder sollte sich auch dessen bewußt sein, was er tut, wenn er trinkt oder Drogen nimmt.
Ernstes Thema, macht mich traurig, weil ich weiß, was das Scheiß Zeug anrichten kann! Rhini
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Fridolin
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« Antworten #6 am: 22. Mai 2008, 08:58:39 » |
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Hi Frank Ich bin überzeugt, daß der Alk. eine große Rolle spielt. Kann man dadurch seinen ureigenen Ängste und Sorgen wunderbar überspielen. Vor 11 Jahren lernte ich den Begriff "Maskierte Depression" kennen, mit Alkohol immer einen coolen Spruch auf den Lippen, nach außen ein läßger Spaßmacher, aber innerlich todtraurig.Seitdem trinke ich nix mehr und stelle mich meiner Minderwertigkeit, mit Schuld- und Schamgefühlen. Viel Kraft und Energie
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Fridolin Steinpalme
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Rhini
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« Antworten #7 am: 22. Mai 2008, 11:53:24 » |
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Hi, Fridolin, in einem anderen Zusammenhang habe ich schon einmal von sich selbst definierenden Reflektionen durch die Außenwelt geschrieben. Sich mit oder ohne Alkohol "großartig" darzustellen, zeigt ein falsches Bild der eigenen Persönlichkeit. So können manche ihr eigenes Ego nicht richtig wahrnehmen und fallen oftmals in ein Schema, welches sie nicht immer aufrecht erhalten können. Auch das führt zu Depressionen und Ängsten. Schließlich möchte ich so akzeptiert werden, wie ich bin und manchmal brauche ich Trost und Zuspruch durch Andere, um weiter zu machen. "Maskierte Depression" ist für mich neu, aber es passt, wenn ich ständig versuche, meinen eigenen Zustand zu verbergen, vor Allem und Jeden. Das ist oft genug antrainiert im Zuge der Krankheit und bedarf nicht unbedingt dem Alkohol. Psychologen mit viel Erfahrungen erkennen diese Maskerade und haben Ansatzpunkte, doch davon gibt es meiner Erfahrungen nach nicht sehr viele. So stellt sich ein falsches Bild dar und, wen wunderts, man wird "unglaubwürdig". Aber das gehört sicherlich wieder zu einem anderen Thema. Frank, sei stolz auf dich, dass du es geschafft hast und halte fest daran. Die Frage nach dem Warum wird nebensächlich, wenn man auf dem Weg ist, sich selbst zu erkennen und mit sich selbst hinaus zu gehen! Rhini
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Iwi
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« Antworten #8 am: 23. Mai 2008, 22:16:53 » |
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Hallo Rhini und Fridolin Steinpalme und Vollmond62 und alle anderen! Ich habe versucht das Soziale in der kippenden Stimmung zu sehen-> Hier in Deutschland ist es schwierig inspirierte Menschen zu finden, jedoch ist jede Droge, wie auch Alkohol oder Kokablätter oder Opium oder Hanf, einfach in der Lage, schuftenden Menschen ihren Alltag zu erleichtern. Ich finde es schwierig, eine Erlaubnis für Grübeln zu erteilen und keine für Da-raus-sein. Ich möchte niemanden abbringen und niemanden ärgern- alles sei an seinem Platz. Essen als Droge möchte ich nicht erfinden, aber SOZIALITÄT ist ein Abgrund hier-----> Vereinzelung ist die Regel, dabei sind Genussmittel sicher keine Hilfe. Grüße von Iwi
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