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Autor Thema: Mit dem Rücken zur Wand  (Gelesen 1736 mal)
Ssasu
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« am: 15. Oktober 2008, 14:42:23 »

Hey,
mit dem Rücken zur Wand ist das schon nicht mehr, jetzt steh ich in der Ecke.
Entweder ich geh in Reha oder beantrage gleich Rente. Hallo? Ich bin noch zu jung um aufs Abstellgleis geschoben zu werden.
Wenn ich jetzt in Reha geh, die lassen mich auf keinen Fall arbeitsfähig wieder gehn, so lange, dass das passiert kann ich da gar nicht bleiben. (Und ich hab tierisch Angst davor, was passiert, wenn ich meine gewohnte und sichere Umgebung verlassen muß). Wenn ich Rente beantrage schickt mich statt der Krankenkasse die Rentenkasse in Reha, das selbe in grün.
Ich seh keinen Weg mehr raus. Gibt es einen?
Ich kann in meinem Job definitiv nicht arbeiten, werde es auch eine ganze Weile nicht können, falls jemals wieder. Aber desswegen gleich komplett abschreiben??? Ich will nicht komplett nutzlos sein. Da muß es doch noch was anderes geben. Nicht dieses ganz oder gar nicht.
Dabei wollte ich doch nur Therapie...  Weinen
Weiß jemand, wie ich das noch retten könnte und einfach weiter krank geschrieben bleibe?
Ssasu
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sitta
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« Antworten #1 am: 15. Oktober 2008, 19:55:32 »

Hi ssasu,

weswegen bist Du den krank und wie lange schon???

Warum meinst du in deinem Job nicht mehr arbeiten zu können???


lg
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Ssasu
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Beiträge: 49


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« Antworten #2 am: 16. Oktober 2008, 00:00:08 »

Hey,
krank geschrieben bin ich seit gut 4 Monaten, hab inzwischen deshalb meine Stelle verloren. Mein Problem ist, daß plötzlich wieder ganz massiv Traumamaterial aufgetaucht ist und ich feststellen mußte, daß ein Großteil meiner "Stabilität" keine festen Wurzel hatte. Als sein mein "Ich" ein Mosaik, das grade kräftig durchgeschüttelt wurde. Alles ist konfus und unklar, ich kann nicht geradeaus denken, Erinnerungen purzeln wild durch meinen Kopf, Zeit hat jede Bedeutung verloren...
So kann ich mir nicht mal vorstellen, in einem Büro Akten zu kopieren, geschweige denn hilfsbedürftigen Menschen ein kompetenter und stabiler Ansprechpartner zu sein.
Es ist nicht so als fände ich nichts zu tun. Ich glaube schon, daß wenn ich wieder etwas mehr beisammen bin, ich auch in der Lage bin, wieder produktiv zu sein. Bis dahin versuche ich jeden Tag wenigstens etwas kleines zu schaffen. Aber der Gedanke, von der Gesellschaft (hier von meiner Krankenversicherung vertreten) einfach so ausgemustert zu werden ist schrecklich. Wieder einmal nicht genug zu sein, nicht wert, weiter Teil zu haben, das berührt so unendlich wunde Punkte.
Warum kann ich nicht einfach dazu übergehen, das Ganze als eine Chance zu sehen vielleicht endlich rauszufinden, was mich wirklich erfüllt und was ich tun möchte, wenn ich "heil" bin (wie auch immer das aussehen mag, ich kann's mir überhaupt nicht vorstellen). Krankenhausalltag ist das wahrscheinlich nicht, obwohl es da wunderschöne Momente und Begegnungen gibt, die ich sehr vermisse.
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sitta
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Beiträge: 21


« Antworten #3 am: 16. Oktober 2008, 09:06:02 »

Zitat
Warum kann ich nicht einfach dazu übergehen, das Ganze als eine Chance zu sehen vielleicht endlich rauszufinden, was mich wirklich erfüllt und was ich tun möchte, wenn ich "heil" bin (wie auch immer das aussehen mag, ich kann's mir überhaupt nicht vorstellen).
[/i]
Hi du,

ich denke damit hast Du Dir eine gute "gedankliche" Chance  schon eingeräumt!!
Jetzt kämst Du Blinzeln

Machst du Therapie???

lg
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Rhini
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« Antworten #4 am: 16. Oktober 2008, 09:57:58 »

Hi, Ssasu,
Nach vier Monaten schon zu denken, man würde nie wieder können, empfinde ich als verfrüht. Gerade bei psychischen Probs gibt es mehrere Möglichkeiten und so frage ich mich, was du derweil schon getan hast. Natürlich ist weder der Gang zum Psychiater noch zum Psychologen einfach, was soll man denen denn erzählen? Hast du das schon hinter dir? Wenn du nicht ganz von Daheim weg willst, was ist mit einer Reha in einer Tagesklinik? Dort gehst du tagsüber hin und kannst den Abend, die Nacht zuhause verbringen. Rente bekommt man erst, wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind und nichts mehr eine Hilfe und Besserung verspricht.
Manchmal bedarf man der Hilfe, um für sich selbst auch neue Wege auftun zu können.

Nutzlos bist du auf keinen Fall, du bist krank und es gibt leider noch keine Medizin, bei der man sagen kann, dass in drei Wochen alles wieder gut ist. Also gib dir eine Chance, auch wenn es im Moment sicherlich sehr schwer für dich ist!
LG
Rhini
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Rhini
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Beiträge: 833


« Antworten #5 am: 16. Oktober 2008, 10:14:17 »

Hi, Ssasu,
Nun habe ich nochmal in deine bisherigen Posts gelesen und dort schreibst du, du hättest schon Klinik und therapie hinter dir. Im Laufe meines Lebens war ich immer wieder bei Psychologen und in Behandlung, doch erst mein letzter Therapeut konnte mir wirklich helfen. Mehr als 35 Jahre habe ich mich mit meinem "seltsamen" Wesen herumgetragen und nun hat sich bei mir so viel festgefressen, dass ich nicht mehr hinaus komme. Es ist ein Sch. Leben geworden, immer Angst und immer körperliche Sympthome zu haben, trotzdem hoffe ich, dass es nochmal besser werden kann. Ich bin seit fünf Jahren zu Hause und habe nun Rente bekommen. Aber in den vielen Jahren bis dahin, ging es mir immer wieder gut und ich habe gearbeitet und meine Tochter groß gezogen. Heute denke ich, wenn ich meinen Therapeuten früher getroffen hätte und man mein Problem besser erkannt hätte, könnte ich heute noch arbeiten gehen. Also, gib nicht auf!
LG
Rhini
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Ssasu
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Beiträge: 49


WWW
« Antworten #6 am: 16. Oktober 2008, 21:44:41 »

Hey,
nein, aufgeben tu ich nicht. Seltsamerweise ist das grade weg. Kein Thema. Sind's die Medis, ist es die Zeit zu Hause, ich hab wieder Begeisterung für Dinge entwickelt. Und kann sogar Spaß haben. Das war in den letzten Jahren überhaupt nicht mehr drin, ich war nur so ein grauer Arbeitszombie, nichts anderes ging mehr.
Ich hatte aber früher diese Begeisterung für meine Arbeit und es war schrecklich zu merken, ich kann das nicht durchhalten. Alles zu schnell, zu viel, ich kam den Anforderungen immer weniger zurecht und leider fordert die Klinikarbeit viel mehr Bürokratiekram als wie gute Pateintenkontakte. Da mir jetzt selber einzugestehen, ich kann's nicht mehr, ist gleichzeitig schmerzlich und erleichternd (falls das für irgendjemand Sinn macht).
Klar, ich hab noch viel mehr, was ich gerne mit Menschen teilen würde, nur leider hab ich dafür keine Ausbildung oder sonst was Offizielles vorzuzeigen.
Aber drüber reden hilft echt. Ich hab schon sämtliche Freunde damit genervt und langsam entwirrt sich die Panik und das Hirn kommt wieder in Gang.
Mit dem, was ich im Moment als "Ergotherapie" mache, könnte ich vielleicht irgendwann auch mal was dazu verdienen und so langsam wieder zurück in eine Form von Arbeitsleben finden. Noch bin ich keine 82, auch wenn ich manchmal so fühle. Es ist noch Zeit...
Danke für's zuhören.
Und Hut ab, mit allem am Hals auch noch eine Tochter groß ziehen (und so wie sich das anhört mit gutem Erfolg), wow.
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