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Angstnetz Forum
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Autor Thema: Wie schnell alles kommen kann.....  (Gelesen 6801 mal)
body0311
Juniormember
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Beiträge: 8


« Antworten #25 am: 21. März 2009, 18:07:49 »

Hallo Rhini,

welchen Auslöser hatte Deine chronisch generalisierte Angststörung und wie lange bist Du betroffen? Bei mir wurde der Grundstein 1974 bei der Armee gelegt, hatte als 18 jähriger nach einem Gewaltmarsch mit einem mal Atemenge(War zuvor Leistungssportler). Nach ca. 8 Monaten wurde dann eine Störung des vegetativen Nervensystems eingeräumt und in keinster Form behandelt. In der damaligen DDR spielten m.E. Psychiatrie/Psychologie eine eher untergeordnete Rolle. Wieder ausgebrochen ist die Sache nach 30 Jahren!!!. Anlass war ein massiver Tinnitus, der bei einer Bera (Hirnstrommessung) an der Uniklinik manifestiert wurde. Ich denke mal, dass meine Angststörung auch chronischer Natur ist und in bestimmten Stresssituationen ausbricht, Pech gehabt.

Jetzt bin ich im Rahmen meiner Suche nach somatischen Ursachen meiner erhöhten Temperatur ohne es zu merken wieder voll reingeschlittert. Neben Panikattacken, Atemenge und Angst meine Stadt zu verlassen habe ich neuerdings eine Art Schüttelfrost. Kann mit der erhöhten Temperatur zusammenhängen oder ein Angstsymptom sein. Wenn ich etwas Warmes esse, lässt der Schüttelfrost nach??? Vielleicht bin ich dann auch einfach unterzuckert.
Heute habe ich mir etwas Gutes getan und einen Crosstrainer gekauft. War vor meinem Handgelenksbruch 3-4x im Sportstudio, das fehlt mir sehr. Werde trotz erhöhter Temperatur langsam wieder anfangen.

Wünsche Dir ein schönes WE!

VG Dirk
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Rhini
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Beiträge: 833


« Antworten #26 am: 21. März 2009, 19:30:05 »

Hallo Dirk,
scheinbar sind wir so ziemlich gleichaltrig (1974 war ich sweet 17) und ich kann dir sagen, dass auch im "goldenen" Westen damals psychische Probs noch eher belächelt wurden. Ich habe, aus welchen Gründen auch immer, sehr früh eine PS entwickelt, einhergehend mit Depressionen und Angstzuständen. Direkte Gründe gab es kaum, nur Veränderungen machten mich unsicher. Ein paar Jahre später  (mit 20/21 ) geriet ich in meine erste große Kriese. Nach ca vier Jahren hatte ich mich wieder erholt. Allerdings habe ich damals nicht die richtige Therapie bekommen. 1996 kam die zweite Kriese, leider wieder ohne die richtige Therapie. Nachdem ich 2001 an einem Gebärmutterhalskrebs erkrankte, wurde meine Arbeitssituation immer schwieriger für mich, so dass ich 2003 entgültig zusammen brach. Nachdem festgestellt wurde, dass ich körperlich vollkommen OK war, verwies mich mein Hausarzt zu einem Psychologen... leider war dieser auch nicht der Richtige für mich. Es folgte eine Reha in einer Tagesklinik, in der festgestellt wurde, dass ich Berufunfähig war. Im Laufe der Zeit hat sich aber meine Angst verfestigt und meine Depressionen wurden auch immer schlimmer. Zum Glück fand ich einen guten Psychiater, der mir letztlich auch endlich den richtigen Therapeuten vermittelte. Allerdings hatte sich inzwischen alles derart festgefahren, dass ich nicht mehr auf einen gesunden Weg gebracht werden konnte und werden kann. Inzwischen bin ich vollverrentet, was es mir ein wenig leichter macht. Seit Dienstag gehe ich wieder zu meinem Psychologen, der mir helfen soll, meinen Zustand auf ein erträgliches Maß zu festigen. Zumindest werden wir noch neue Wege erarbeiten können. Natürlich gibt es auch immer wieder Geschehnisse in meinem Leben, die die Krankheit begünstigt haben, doch einen konkreten Auslöser  (außer meiner PS) scheint es nicht zu geben. Genausowenig kann ich meistens nicht sagen, warum oder wovor ich gerade Angst habe. Allerdings wenn echte Schwierigkeiten auftreten oder Hürden zu überwinden sind (für mich, ander Menschen würden es vielleicht Lappalien nennen), gerate ich in Panick.
Ich weiß nicht, ob die Art deiner Angststörung ebenfalls als chronisch diagnostiziert werden würde, da sie als Störung in bestimmten Momenten hervorbricht. Selbst hier im Forum wurde mein "chronisch" in Frage gestellt. Mein Thera hat diesen Begriff verwendet und damit wohl den andauernden Zustand der Angst bei mir gemeint. Pech gehabt ist richtig, aber ich denke, wenn ich noch mehr lerne, damit um zu gehen, wird es mir besser gehen. Ich versuche, mich so zu akzeptieren, nicht immer zu hadern, auch wenn das mit den Depressionen gepaart sehr schwer fällt. Ich sage mir oft, hätte ich ein Bein verloren, müsste ich auch lernen, anders zu laufen. Wobei das Verständnis gegenüber einen körperlich Kranken allemal größer ist, als gegenüber einem psychisch Kranken.
Prima, wenn du wieder aktiv werden möchtest, aber nicht trotz der erhöhten Temeratur, sondern weil du weißt, dass es dir gut tut! Sich selbst so sehr auf etwas zu fixieren engt dein Leben ein, gerade wenn es einen verunsichert. Ich habe so oft und so massive körperlich Probs durch die Psyche, dass ich wirklich irre werden würde, wenn ich immer das Schlimmste befürchten müsste. Ich denke mir, dass ich immer rechtzeitig in ein KH kommen kann, wenn wirklich mal was Arges mit mir passiert. Ansonsten einmal im Jahr einen Check und dann ist Ruhe!
Es gibt Angstpatienten, die durch ein Trauma (Unfall, Biss von einem Tier, krimineller Vorfall oder einer Katastrophe) erkrankt sind. Bei denen (es kann auch ein kleineres Geschehen gewesen sein) manifestiert sich dann oft eine bestimmte Situation der ein Gegenstand/Tier als Angstauslöser. Manchmal haben Leute, die Angst vor Krankheiten (krank zu werden) haben, in der Familie oder im Umfeld jemanden gehabt, der sehr krank war.
Andererseits weiß sich die Seele in unserer heutigen stressgeplagten Leistungsgesellschaft vielleicht auch keinen anderen Weg, dass man sorgsamer mit sich um geht?
Tja, wie schreib ich immer so schön, alles nur meine Erfahrung oder meine Meinung... nehmt, was ihr wollt.
LG und viel Erfolg mit deinem Gerät (ich sollte vielleicht auch mal wieder auf den Ergometer oder den Stepper...)
Rhini
Gespeichert
Minifant
Juniormember
**
Beiträge: 8



« Antworten #27 am: 17. Juli 2009, 13:43:35 »

Hallo Leute....

...heute bin ich seit langer Zeit mal wieder hier und habe mir schon einíge interessante Beiträge durchgelesen. Mir geht es zum Glück seit einiger Zeit wieder besser. Meine Panikattacken haben sich nicht mehr so häufig wiederholt und seit einiger Zeit ist auch kein mehr aufgetreten. Mein Blutdruck hat sich auch nach absetzen des Medikamentes wieder eingependelt, sodass ich diese Sorge und Angst auch schon as acta legen konnte. Den Druck, den ich häufig in der Brust gespürt habe
ist weg und dieses Gefühl "neben sich zu stehen" ist auch nicht mehr aufgetreten.

Was aber immer noch vorhanden ist, ist meine Nervosität und meine Gedanken um mein Befinden. Die Lockerheit der vergangenen Jahre ist bisher noch nicht wieder eingekehrt. Zu tief sind die Gedanken noch an die Zeit der Panikattacken und die des Unwohlseins verankert. Ich habe immer noch
fast jeden Tag diese Gedanken, was sein würde, wenn....!! Gerade beim Sport ist dies für mich absolut hinderlich. Ich gehe weiterhin sehr zögerlich an diese Sache heran.
Zudem bin ich häufig noch immer unheimlich nervös. Kaue an den Fingern herum, oder kann sehr schlecht entspannen. Seit einiger Zeit mache ich die PMR nach Anleitung und es geht mir auch danach besser, aber manchmal bin ich wirklich so sehr nervös, dass ich nicht richtig entspannen kann. Ich bekomme dann in Ruhe häufig extreme Zuckungen durch den ganzen Körper. Das nervt irgendwie.

Ein leichtes fragendes Gefühl von Wohlsein, oder unwohlsein läuft jeden Tag neben mir her. Ich gehe
nicht mehr so vorbehaldlos durch das Leben, wie früher. Mein Ziel ist es aber, genau da wieder hin zu kommen. Das wird sicherlich noch ein langer und schwieriger Weg, aber bisher habe ich schon einige pers. Erfolge verbuchen können und diesen werde ich auch noch schaffen. Trotzdem wird man sehr häufig auch wieder von diesem Weg abgebracht. Sei es durch Nachrichten (Ich vermeide es seither Boulevardpresse zu beachten und sehe mir ausschließlich nur seriöse Nachrichtensendungen an),  oder durch pers. Erfahrungen, Schicksalsschläge in seinem Umfeld, oder gerne auch mal etwas weiter weg. Man muss aber versuchen damit umzugehen und nicht immer alles direkt auch sich selbst zu projezieren. Das ist der Schlüssel zu mehr Lebensqualität, welche in meinem Fall doch sehr stark gelitten hat in den den letzten 8 Monaten.

Seit Februar bin ich glücklicherweise in einer Therapiegruppe, in der wir uns mit dieser Angststörung befassen. Wir sind insgesamt 6 Leute dort und reden eigentlich nur
gemeinsam über unsere Probleme. Auf der einen Seite bin ich zufrieden mit dem, was wir dort machen, aber auf der anderen Seite hatte ich mir so etwas ganz anders vorgestellt. Mehr lösungsorientierte Unterstützung seitens der Therapeuten. Ich hatte schon mehr erwartet, als die Lösungsansätze aus Büchern, oder dem Internet.

Lieber wäre mir aber eine Einzeltherapie, in der man sich ausschließlich um meine Probleme kümmert und mit mir zusammen Lösungsansätze erarbeitet. Das klingt jetzt wirklich sehr egoistisch, aber wir sprechen auch sehr oft und lange über Probleme im zwischenmenschlichen Bereich (Partner, Eltern, Freunde etc.) - aber dort liegen meine Probleme überhaupt nicht, denn aus dieser Richtung habe ich zum Glück jegliche Unterstützung, oder aber auch Freiraum. Das sind dann Termine, die mich mit
meinem Anliegen nicht weitergebracht haben. Trotzedm versuche ich das Beste aus dieser Massnahme für mich zu ziehen und werde weiterhin daran arbeiten, meine Nerven wieder in den Griff zu bekommen, sodass ich wieder vorbehaltlos leben kann, ohne großartig nachzudenken. Das ist und bleibt mein Ziel.

Vielleicht hat der eine, oder andere sich ja hier wiederfinden können. In jedem Fall wünsche ich jedem von Euch viel Glück bei der Bewältigung seiner Probleme.
Häufig sind es die Gedanken, die einem das Leben so schwer machen. Es ist an der Zeit das Negative zu ignorieren und das Positive zu sehen. Eine mehr als schwierige Aufgabe, aber es wird gelingen, wenn man sich die Zeit gibt und man kämpft.

Viele Grüße und bis bald...

Euer Minifant !!

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