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Autor Thema: Furcht vor prüfender Betrachtung durch andere Menschen  (Gelesen 1089 mal)
Zeppelin
Juniormember
**
Beiträge: 18



« am: 05. April 2009, 09:36:13 »

Hallo zusammen!

Heute möchte ich etwas über meine Soziale Phobie schreiben:

Ich habe Furcht vor prüfender Betrachtung durch andere Menschen, die zu Vermeidung sozialer Situationen führt. Meine Phobie ist zusätzlich mit einem niedrigem Selbstwertgefühl und Furcht vor Kritik verbunden.

Sie äußert sich in Beschwerden wie Händezittern, Übelkeit und Schwitzen. Wirklich entspannen kann ich mich nur alleine in meiner Wohnung.

Im Kontakt mit anderen kann ich mich nur in einer Größe von maximal drei Personen entspannen. Bei mehreren Menschen werde ich verspannt und unruhig, was sich bei mir in übertriebener Blödelei und in Albereien äußert. Da ich seit 30 Jahren Erfahrung mit dem Herumalbern habe, ist es mir gelungen, einen mir ganz eigenen Humor zu entwickeln, der schlagfertig, spontan, manchmal intelligent, nicht verletzend und eben ganz eigentümlich ist. Das führt oft dazu, dass ich im Gemeinschaften nicht in Ruhe gelassen, sondern geradezu von den anderen "belagert" werde. Das halte ich meist ganz gut aus, doch wenn es zu lange dauert, bekomme ich Beklemmungen und muss flüchten, wenn das nicht geht, schlägt der Humor in Aggression um.

Ich komme dann immer wieder ganz erschöpft in meine Wohnung und muss lange schlafen.

Wenn der Humor in Aggression ungeschlagen ist, führt das natürlich zu Verwerfungen, weil alle Beteiligten unsicher geworden sind, ich am allermeisten.

Eine kleine Hilfe von Euch in Form von eigenen Erfahrungen würde mich sehr freuen.

Viele liebe Grüße,
Zeppelin         

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Als ich glaubte,
dass es ohne micht nicht geht,
wurde ich krank.
Als ich sah, dass es ohne mich
ganz ausgezeichnet geht,
wurde ich erst richtig krank.
Sister Moonshine
Stammposter
****
Beiträge: 556



WWW
« Antworten #1 am: 06. April 2009, 19:12:54 »

Lieber Zeppelin,
auch ich habe Erfahrung mit all diesen Blödeleien und Albernheiten. Überspielung der Unsicherheit, Abwertung der Unzulänglichkeit, was einem Desaster gleichkommt, wenn man sich in größerer Gesellschaft befindet.
Es kommt gut an, für eine Weile, aber wenn es ausartet, hast Du die A***karte gezogen.
Also habe ich mir angewöhnt, wenn es zu hektisch wird, meinen Mund zu halten und einfach nur zuzuhören. Dann wird man manchmal nach seiner Meinung gefragt. Das Still sein hilft mir auch, wenn ich schwitze, wenn mir übel ist oder ich anfange, zu zittern. Der Humor sollte nicht in Aggressionen umschlagen, das ist nicht förderlich und für Dein eigenes Ego eher suboptimal. Aggression sollte etwas sein, das man vermeiden möchte, um anderen nicht weh zu tun. Also, VOR der Aggression (so man sie kommen spürt) abschalten, runterfahren oder gehen.
Oder Mund zu und zuhören.
Wenn Kritik an Dir selbst kommt, dann entscheiden, kann ich damit umgehen oder löse ich mich davon:"Leute, morgen Termin, ich muss los, sorry!"

Lieber Zeppelin, ich habe keine soziale Phobie, daher kann ich gut reden. Ich möchte Dir helfen, bin aber ein wenig unsicher, mich betrifft mehr PTBS und Depression.
Aber lass hier weiter von Dir hören (Deine wöchentlichen Berichte finde ich stark), ich lese es gerne und lerne daraus.

Alles Liebe,
Sister Moonshine
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    ~ Please help me to keep my mind open to the public ~
Fridolin
Stammposter
****
Beiträge: 568



« Antworten #2 am: 07. April 2009, 06:42:18 »

Hi Zeppelin
Deine Symptome erinnern mich an meine Probleme. Eine larvierte oder auch maskierte Depression, also wie mit einer Larve oder Maske in einer Menschengruppe den coolen Maxe geben. Mit lustigen Sprüchen auf den Lippen, würde keiner ahnen, daß im inneren eine tieftraurige Person seine Probleme überspielt. Seine Minderwertigkeit, seine Schuld- und Schamgefühle und sein kleines Selbstwertgefühl.
Das Selbstwertgefühl, bzw. die Persönlichkeit scheint ausschlaggebend. Wichtig ist auch die Erkenntnis, daß, was du glaubst, daß andere über dich denken, deine eigenen Gedanken sind.
Je größer dein Selbstwert, umso kleiner die Probleme.
Vor allem die Lebenseinstellung, ich bin gut so wie ich bin. Ich brauche nicht perfekt sein.
Viel Kraft und Energie
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Fridolin Steinpalme
Xanax
Juniormember
**
Beiträge: 13


« Antworten #3 am: 07. April 2009, 15:41:37 »

Hallo Zeppelin

sei froh, daß Du Deinen Kollegen immerhin schlagfertig antworten kannst. Sowas kann nicht jeder und dadurch erhält man mehr Respekt und Anerkennung in der Gruppe als wie durch Arbietsleistung.

Bei mir kommt eine Zwangssymptomatik mit ins Spiel welche mir keine freies Handeln mehr zuläßt vor Angst durch prüfendener Betrachtung durch andere Menschen. Um ein objektives Bild von mir zu erhalten versuche ich mich immer und immer wieder zu überprüfen und nehme fast täglich auch Änderungen an mir vor. Das ganze hat sich in einen höchsten Zwang verkörpert und ich weiß nciht mehr weiter.

Mein Arbeitsverhältniss besteht noch, aber ich war lange krank. ICh habe eine medizinische Reha bewilligt bekommen, jedoch ist derzeit kein freier Platz in dieser Klinik. Ich mß also womöglich noch Wochen wenn nicht Monate warten. Die Erniedrigung vor meinen Kollegen wegen der Reha ist mir auch unangenehm. Aber was soll ich machen. ICh kann einfach nicht mehr. Derzeit habe ich ein paar Tage Urlaub und habe jetzt schon Angst auf nächste Woche. Ich nehme Tabletten welche mich ein wenig beruhigen, aber nicht die Ursache bekämpfen. Ich kann mich nur noch mit diesen Tabletten richtig konzentrieren.
Die einzige Alternative welche mir angeboten wird bis zur medizinischen Reha wäre die Psychatrie oder eine Tagesklinik. Mal ganz ehrlich, da liegen Welten zwischen. In der Psychatrie werden keine Therapiesitzungen geführt und in der Tagesklinik wird versucht auch mein Arbeitsleben mich wieder vorzubereiten. Das frühe Aufstehen und das Arbeiten ist mir nicht ungewohnt, da ich mich ja im Arbeitsleben befinde. Was ich bräuchte ist eine Notstation für psychosomatisch Erkrankte Personen. Gibt es sowas überhaupt ? MAn wird schnell in eine falsche Schulblade gesteckt und bevor man es sich versieht landet man in der Psychatrie womöglich in der geschlossenen Anstalt. ICh wohne im Bereich Köln und würde mich freuen wenn jemand eine Anlaufstelle für mich hätte. HAbe auch schon Kontakt mit Selbsthilfegruppen und Tageskliniken aufgenommen, aber ich jabe nicht mehr die Kraft alleine dort hinzugehen. Habe auch von einen sozialen Betreuer gehört welchen man bei der Stadt beantragen kann, aber das dauert monate bis der Antrag durch ist und jemand zur Verfügung steht. Ganz ehrlich, für mich sieht es schlecht aus.

@Zeppelin: Du kannst Deine Probleme bewältigen in dem Du Dir immer noch sagen kannst, daß Du damit leben kannst solange Deine persönliche Belastung nicht zu groß wird. Leider weiß nicht jeder wann der Punkt erreicht ist und man landet im Krankenhaus oder läuft womöglich Amo*. Kein Wunder, daß es heutzutage immer mehr davon gibt, weil es keine Anlaufstellen für Menschen gibt die in solchen Problemen stecken. Solche Menschen vermissen meist die menschliche Nähe und Problembewältigungsstrategien, welche sie sich aber nicht selbst mehr erarbeiten können durch ihre Erkrankung.
 
Ich denk, daß wir da ein großes Defizit in unsrer Gesellschaft haben und ich alleine nichts dagegen unternehmen kann, sondern nur darunter leiden.

Viele Grüße
X. 
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