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Autor Thema: Permanente Selbstentwertung  (Gelesen 4907 mal)
0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.
Rhini
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Beiträge: 833


« Antworten #25 am: 15. April 2009, 21:11:24 »

Hallo Xanax,
ich finde es für dich schade, dass es nicht geklappt hat, bin aber auch nicht gerade diejenige, die sich gerne in Kliniken begeben würde (nur wenn ich wieder den starken Drang verspühre, mich aus dem Leben zu nehmen). Unbehandelt wird es in der Regel schlimmer, das habe ich am eigenen Leibe erfahren müssen. Aber heute gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die vielleicht auch etwas für dich wären. Ausruhen (sich verkriechen) reicht nicht mehr aus, weil es ja jetzt schon dein Leben beeinträchtigt. Nachvollziehen kann niemand den Leidensdruck eines Anderen, doch wenn man darüber Erfahrungen sammeln konnte (Therapeuten) oder selbst drinnen steckt, hat man ein gewisses Verständnis dafür. Vielleicht würde erst einmal eine Gesprächstherapie, in der  es um deine Befindlichkeiten geht, weiter helfen. Danach kann man weiter sehen, vielleicht auch eine Tagesreha machen, bei der du nach diversen Anwendungen täglich wieder nach Hause fährst. Aber ich finde es gut, dass du dir selbst erst einmal im Klaren werden möchtest, wohin dich dein Weg führen soll.
EU-Rente in diesem Stadium zu erhalten wird sehr schwer werden, da du ja auch noch nicht so richtig in Behandlung warst. Aber darüber können wir ja noch schreiben.
Jedenfalls hoffe ich, dass du wenigstens hie weiter schreibst, weil auch das schon helfen kann. Ich habe selbst durch das Schreiben sehr viele Ideen entwickelt, die ich teilweise sogar umsetzen konnte. Gerade für Leute wie mich (und dich?) die die Öffentlichkeit scheuen, ist ein anonymer, selbstbestimmter Kontakt mit verständnisvollen Mitschreibern eine Möglichkeit, noch irgendwie am Leben teil zu haben, mitreden zu können. Hier wird ja auch nicht immer nur über Krankheit geschrieben, sondern auch Gedichte, Witze und andere Themen hineingesetzt.
Noch etwas, du hast das jetzt nicht bewältigen können, das ist nicht deine Schuld, sondern ein Ausläufer deiner Krankheit. Jeder, der dich deshalb kritisiert, liegt falsch und gerade Ärzte sollten Verständnis aufbringen, auch wenn es welche gibt, denen eine einfache Lösung lieber wäre, so im Sinne: ein paar Pillen und eine Therapie und der Mensch fuktioniert wieder... leider, oder zum Glück, sind wir viel komplexer.
Von deiner Panick habe ich eine vage vorstellung, geht es mir doch oft genug genauso. Von Weinkrämpfe, Umfallen und Lungenkrampf bis vor Angst in die Hose pinkeln habe ich so viel mit gemacht, dass ich mich kaum noch wundere, wenn sich mal wieder etwas Neues anmeldet. Aber zur Zeit kann ich alles recht gut deligieren, dass die somatischen Beschwerden zwar vorhanden, aber nicht so exessiv sind. Ich habe immer irgendwie Angst, auch wenn ich äußerlich Ruhe habe und eigentlich nichts anliegt. Das ist sehr anstrengend. Trotzdem habe ich all die Jahre trotz schwerster Depressionen die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es mir noch mal so gut geht, dass ich einigermaßen Beschwerdefrei leben kann. Noch vor einem Jahr war ich nur ein Schatten meiner selbst. Inzwischen habe ich festgestellt, dass ich doch noch eine Menge Sachen (für mich, aber auch für Andere) machen kann... solange ich selbstbestimmt agieren kann.
Aber bei Allem, was mich betrifft, braucht es nicht für dich zutreffen, denn selbst, wenn es dich zur Zeit schlimm erwischt hat, hat jeder die Chance, etwas zu ändern und zufriedener zu leben.
Ehrlichkeit zu sich selbst ist wichtig, auch gerade, weil uns so viele Sachen anerzogen sind, mit denen wir teilweise garnicht gut umgehen können. Wenn du also nicht mehr arbeiten möchtest (in deinen Betrieb), dann sage dir, das kommt nicht mehr in Frage für mich; aber was möchte ich dann tun? Auch aus zu probieren, in welchen Bereichen man sich freier bewegen kann, ist hilfreich. Ich fahre gerne mit dem Auto aus der Stadt, kann mich dort sogar auf Veranstaltungen bewegen, ohne große Probleme zu bekommen, allerdings alles immer in Begleitung einer mir vertrauten Person. Aber das tut mir gut.
Naja, wir werden sicherlich noch viel schreiben, oder?
Jedenfalls hast du mich weder entteucht noch sonst irgendwas negatives in mir ausgelöst.
LG
Rhini
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Xanax
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Beiträge: 13


« Antworten #26 am: 22. April 2009, 13:10:18 »

Hallo Rhini,

hatte Dir zwischenzeitlich eine PN gesendet worauf Du aber leider nicht geantwortet hast.

Mittlerweile habe ich mich sozial total abgekapselt. Meine größte Belastung besteht derzeit darin, daß ich mich bis zu 2 Stunden ins Wartezimmer meiner Ärztin setzen muß um eine AU zu bekommen.
Ich bin bis Ende dieser Woche noch krank geschrieben. Meine Ärztin weiß Bescheid über meine soziale Phobie und trotzdem soll ich mich bis zu 2 Stunden in ein Zimmer der Größe ca 2 x 6 Meter setzen wo ca 12 Sitzplätze immer voll besetzt sind.

Muß meine Ärztin mich denn sehen um mir eine AU auszuschreiben ? Sie kennt doch meine Erkrankung.

Bis jetzt hatte ich es immer mit großen Ängsten geschafft, aber diesmal ist mein Zustand sehr schlimm.

Würde mich über eine Antwort freuen.

Viele Grüße
Xanax
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Rhini
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Beiträge: 833


« Antworten #27 am: 22. April 2009, 20:49:08 »

Hallo Xanax,
Natürlich hatte ich dir geantwortet, weiss nicht, was da schief gelaufen ist. Leider wirst du zu deiner Ärztin müssen um erneut eine AU-Bescheinigung zu erhalten. Aber du kannst sie bitten, diese auf einen Monat auszustellen (hat mein Arzt später gemacht, weil sich ja auch bei mir nichts geändert hat).
Was denkst du von den Menschen, wenn du dich in ihre Nähe begeben musst?
Ich habe es geschafft, dass ich fast jeden Tag  ALLEINE für kurze Zeit aus der Wohnung gehe. Meistens war ich hinterher vollkommen erschöpft oder ich hatte Schmerzen ohne Ende; oft genug bin ich mit aufgeschlagenen Knien nach Hause gekommen... Alles große Sch... aber im Laufe der Jahre habe ich mich an vieles gewöhnen können... und ich gestehe mir die Ruhe danach inzwischen zu.
Diese Menschen da draußen, die so laut, so unfreundlich und so vergrämt aussehen, machen mir auch Angst. Trotzdem, sie können doch garnicht wissen, was mit mir los ist, wenn sie auf mich manchmal viel zu heftig reagieren. Wer weiss, was sie alle für "Macken" haben.
Nun gut, ich hoffe, es hat diesmal mit der Mail geklappt.
LG
Rhini
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