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Autor Thema: Es geht mir bescheiden  (Gelesen 810 mal)
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Goldfluss
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Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 2


« am: 03. August 2009, 13:03:07 »

Guten Tag,
ich leide seit gut 14 Jahren an einer belastenden Angststörung. Sobald ich das Zentrum der Aufmerksamkeit anderer bin, steigt in mir Panik hoch. Solange wie ich sicher sein kann, es will Niemand was von mir, geht es mir gut, da stört mich auch keine lange Kassenschlange, kein Menschengewimmel um mich herum, gar nichts. Aber wehe, ich habe auch nur das leiseste Gefühl, ich könnte beobachtet werden oder mich spricht Jemand direkt an oder ich weiß, dass ich mich mit Jemanden unterhalten muß, kommt die Angst.

Zur Verdeutlichung ein kleines Beispiel (eines von vielen), wie es mir dann geht:

Ich komme in den Kindergarten, um meine Kinder morgens abzugeben. Noch fühle ich mich gut. Aber dann ruft eine Erzieherin nach mir, sie möchte noch was besprechen. Augenblicklich fühle ich mein Herz schneller schlagen. Dann steht sie vor mir, schaut mich an (logisch, das macht man ja so) und mich durchzuckt ein fürchterlicher Schreck und ich werde unheimlich nervös und unruhig, in meinem Kopf fühlt es sich einerseits an wie Watte und Leere, auf der anderen Seite, als ob alles Blut in meinen Kopf steigt und der gleich platzt. Ich beginne zu zittern, mir wird heiß und kalt abwechselnd, schwindlig, ich habe das Gefühl, mein Hals ist zu schwach, um meinen Kopf überhaupt noch zu tragen und befürchte, dass mein Kopf jetzt gleich anfängt zu wackeln und zu zittern wie meine Hände, Blickkontakt ist so gut wie nicht möglich und wenn ich mich dazu zwinge, werden die körperlichen Symptome umso schlimmer. Dazu kommt dann die Angst, irgendwas zutun, wo ich erst recht auffalle, also die Kontrolle über mich zu verlieren und ich denke auch die ganze Zeit, mein Gegenüber sieht jetzt wie es in mir aussieht und ich will nur noch weg aus der Situation und weiß aber, ich kann es nicht, weil ich die Erzieherin nicht auf einmal kommentarlos zu stehen lassen kann. Ich bin völlig angespannt, fast verkrampft, voller Angst und Panik.

Zweites Beispiel:

Ich laufe auf der Straße, bin ruhig und gelassen (ja, sowas geht auch bei mir), aber dann merke ich den Blick eines Menschen auf mir oder denke, dass er mich beobachtet, und da fällt sie mir wieder ein, diese blöde übersteigerte Angst) und die Symptome kommen umgehend. Zuerst das Erschrecken, dann hab ich das Gefühl, ich kann nicht mehr richtig einen Fuß vor den anderen setzen, mein Gang fühlt sich staksig und unbeholfen an und ich muß mich dringend aus der Situation retten, in dem ich dann meistens so tue, als ob ich telefoniere oder wirklich Jemanden anrufe. Damit gelingt es mir dann, mich nicht mehr auf diese Panik zu konzentrieren, sondern kann mich ablenken und dann geht es wieder.

Ich weiß nicht, warum ich das habe. Ich kann mit Kritik umgehen, wenn ich in den Spiegel schaue, dann bin ich mit dem, was ich sehe, (meistens) zufrieden, ich habe auch keine Probleme damit, andere Meinungen annehmen zu können und meine eigene zu überdenken usw. An geringem Selbstwertgefühl kann es bei mir nicht liegen und Angst vor Kritik an mir ist es auch nicht. Da steh ich drüber, wenn sowas passiert, denn andere sind auch nicht pefekt. Was ist es also dann? Ich fühle mich von Menschen auch nicht bedroht in dem Sinne, dass ich Angst hätte, sie könnten mir was tun. An sowas denk ich gar nicht. Aber was löst dann diese Angst bei mir aus, wenn es sich um meine Person dreht?
Ich bin auch kein Sensibelchen, was sich alles fürchterlich zu Herzen nimmt und immer nur die Schuld bei sich selbst sucht. Ich kann sehr gut erkennen, wo meine eigenen Fehler sind und wo die der anderen und deshalb zieh ich mir fremde Schuhe auch gar nicht erst an:)

Bevor diese übersteigerte Angst auftrat, hat mir das alles nichts ausgemacht. Ich konnte sogar problemlos Vorträge vor vielen Menschen halten, hatte ich nicht mal wirkliches Lampenfieber, habe es genossen, wenn ich im Mittelpunkt stand usw. Also ich war früher völlig anders, aber von heute morgen sprang mich diese Angst an wie ein wildes Tier und hat mich nicht mehr losgelassen. Es gab davor kein Ereignis, was mich diese Angst hat bekommen lassen, zumindest ist mir kein Anlass bewußt. Sie kam aus heiterem Himmel, als ich mit Freunden zusammen saß und mag mich einfach nicht mehr verlassen.

Nun ist es ja auch so, dass man sich schon aus Angst vor der Angst in was hineinsteigert, so geht es mir zumindest, und deshalb bin ich schon panisch, wenn ich zu Hause nur darüber nachdenke, dass ich nachher gleich ein Gespräch oder irgendeinen Termin habe. Das schürt die Panik im Vorfeld und ich brauch mir dann auch nicht einbilden, dass es funktioniert, dass ich angstfrei den Termin überstehe, im Gegenteil.

Zu Hause hab ich das nicht, da bin ich ganz normal. Auch mit Besuch hab ich insofern keine wirklichen Probleme, wenn ich ihn nicht alleine empfangen muß. Soll ich das alleine machen, kann ich das nicht, weil dann bin ich ja wieder das Zentrum der Aufmerksamkeit und bekomme wieder diese Panik.

Ich habe noch keine Therapie gemacht, denn hier in der Nähe (20 km) gibt es nur zwei Therapeuten (Ehepaar). Die haben noch nicht einmal eine eigene Homepage, wo ich mich vorher schon mal bißchen schlau machen könnte, wie es da zugeht und ich möchte mit meiner Problematik nicht irgendeinen Therapeuten nehmen müssen. Medikamente nehm ich nicht und ich suche noch dringend irgendein gutes pflanzliches Mittel, was man nehmen könnte, dass hilft, der Panik die Spitze zu nehmen, mich aber nicht müde und antriebslos macht und mich auch nicht im Straßenverkehr einschränkt (fahre jeden Tag mit dem Auto).

Erwähnen möchte ich, dass es mir in den vergangenen Jahren recht gut gelungen war, mit dieser Panik zu leben, was heißen will, dass ich Phasen hatte, wo es aushaltbar war und die Panik nicht so heftig in Erscheinung trat. Allerdings mußte ich mich vor 3 Wochen einer recht komplizierten ZA-Behandlung unterziehen, die noch immer nicht abgeschlossen ist. Dort war und bin ich bei meinem Behandlungen natürlich der Mittelpunkt. Während ich die ersten Sitzungen noch relativ gut über die Runden brachte, wurde es jetzt immer schlimmer. Ich konnte mich gar nicht mehr entspannen, kam durch die Angst nicht mehr durch, ein Angsthöhepunkt nach dem anderen und kein Abflachen der Angst mehr. Dauerstreß pur. Und damit ist meine Angst wieder richtig ausgebrochen. Sie begleitet mich jede Minute, ich kann an nichts anderes mehr denken und mein Alltag ist wieder so dermaßen eingeschränkt, dass ich mich am liebsten vor lauter Hoffnungslosigkeit, dass die Angst endlich einmal wieder normale Züge annimmt,  verkriechen würde. Die nächste ZA-Behandlung würde ich am liebsten absagen, weil wir als nächstes über den Zahnersatz reden werden und alleine schon bei dem Gedanken daran, da zu sitzen und mit dem Arzt Auge in Auge zu reden, bekomme ich Schweißausbrüche und Herzrasen sowie Schwindelattacken.

Das tue ich natürlich nicht, ich hab genug Pflichten, die zu erfüllen sind, aber es fällt mir so schwer im Moment, weil ich unter Dauerstreß dadurch stehe und aus der Nervosität nicht rauskomme und mir jetzt schon wieder unwohl ist, wenn ich drüber nachdenke, dass ich nachher, wenn ich meine Kinder abhole, vielleicht wieder eine Erzieherin mit mir reden will, wie heute morgen und ich danach bestimmt 20 Minuten gebraucht habe, ehe meine Hände nicht mehr zitterten und mein Herzschlag wieder normal war.

Ich würde mich über einen Austausch mit ebenfalls Betroffenen sehr freuen. Gerne auch per PN.

Liebe Grüße
Goldfluss
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Fridolin
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Beiträge: 568



« Antworten #1 am: 25. Januar 2010, 08:46:46 »

Hi Goldfluß
Erstmal willkommen!
Ich kann sehr gut nachvollziehen, welchen Einfluß die Angst/Panik im Alltag hat. Man weiß nie so genau, wann und wie die Angst ausgelöst wird und man muß ständig über Vermeidungsstrategien nachdenken Man stellt fest, daß einem die Angst ein Stück Lebensqualtität nimmt. Durch den Willen ist keine Änderung möglich und man hat oft das Gefühl, daß die Angst einem ein Stück Unbeschwertheit nimmt.
Als Trost möchte ich dir mitteilen, daß du mit dieser Problematik nicht allein bist und daß es viele Möglichkeiten gibt, die Angst kleiner zu machen und zu überwinden. Auch wenn die Angst als Chef auftritt, so bist du der Chef und die Angst ist der Sklave. Die Angst scheint als sehr mächtig, ist aber in Wirklichkeit ein kleines Würstchen, die die Macht hat, deine Sichtweise zu verzerren.
Wenn es dir gelingt, den Auslöser deiner Ängste zu finden, (meist liegt es in der Vergangenheit, bzw. in der Kindheit) kannst du ein Verhalten ausarbeiten, die du in solchen Momenten einsetzen kannst.
Bestimmt nicht ganz so einfach und bestimmt ändert sich deine Problematik nicht von heute auf morgen.
Viel Kraft und Energie
Gespeichert

Fridolin Steinpalme
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