Traumtaenzer
Beginner

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« am: 25. Februar 2010, 22:16:10 » |
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Erst einmal Hallöchen allerseits...
Tja, wie fange ich nun am Besten an? Wie kann ich eine Sache formulieren, die lange Zeit aus Scham und Angst in mir verborgen schlummerte?
Nun, alles begann mit einem Film. Mit einem schlichten Film. Sein Name war "Trade". Im Rahmen des Englischunterrichtes schaute mein Kurs sich diesen im Kino an. Unverblümt thematisierte und zeigte er, wie Menschen - besonders Kinder - infolge des Menschenhandels geschlagen, missbraucht und an pädophile Männer als Sexsklaven verkauft wurden, was ihren Tod bedeutete. Nachdem der Film vorüber war, fühlte ich mich trunken von jenen schrecklichen Szenerien. Ich spürte, wie sich in mir Abscheu, Ekel und Wut schürten. Diese furchtbaren Bilder wollten mir nicht aus dem Kopf. Wenig später sah ich in der Straßenbahn einen kleinen Jungen. Und so kam es, dass ich mir vorstellte, wie er Opfer einer Entführung bzw. sexuellen Missbrauchs wird. Bei dieser Vorstellung zeriss es mir schier das Herz, meine Augen füllten sich mit Tränen und ich wusste nicht recht, wie ich mit diesem Schreckensgedanken umgehen sollte. Ich war gnadenlos überfordert. Hilflos. Verloren. Und dann geschah es... zum ersten Mal in meinem Leben stellte ich mir unwillkürlich vor, was geschähe, wenn ICH solch eine Schreckenstat verrichten würde. Ich fragte mich, ob ich wahrhaftig zu derlei Gräuel in der Lage bin, obgleich ich wusste, dass ich es nicht war. Ich fragte mich, ob sich in mir vielleicht pädophile Neigungen verbargen, obgleich ich wusste, dass dem ebenfalls nicht so war. Und so nahm das Unheil seinen Lauf... Die Gedanken wurden mit jedem Tag stärker. Immer wieder zwang mich irgendetwas, mir stets aufs neue schlimmste Vergewaltigungsszenen vorzustellen, obschon sie mir großen Schmerz bereiteten. Infolge dessen wuchs die Angst, selbst dazu fähig zu sein. Dieser Gedanke zermürbte mich. Und so prüfte und prüfte ich stets aufs Neue, ob nicht doch nur die Ahnung einer pädophilen Neigung in mir schlummert. Da war nichts – nur Ekel und Schmerz, wenn ich mich zu diesen Prüfungen quälte. Und dennoch – immer blieb der Zweifel und die Angst, ich könnte doch zu solchen Schandtaten in der Lage sein.
So geht’s nun schon mehr als ein Jahr lang. Mein Notendurchschnitt ist von 1,5 auf 2,5 herabgesunken. Früher noch schrieb ich Abend für Abend wundervolle Gedichte und Geschichten – jetzt sind es nur noch gedankenleere Fetzen ohne Sinn und Verstand. Früher verschlang ich pro Woche mindestens ein Buch – heute bin ich stolz, wenn ich nach einem halben Jahr überhaupt 2-3 geschafft habe. Ich habe keine Kraft mehr. Alles, was ich an Energie besitze, verwende ich darauf, gegen meine Zwangsgedanken anzukämpfen. Ich komme mir nur noch vor wie der matte Abglanz einer Lichterpracht, die mich einst so wunderbar erfüllte...
Ich weiß weder ein noch aus.
LG Traumtaenzer
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