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Autor Thema: Todesangst=Lebensangst?  (Gelesen 1425 mal)
0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.
Anndra
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Beiträge: 296



« am: 02. August 2010, 13:39:39 »

Hallo,
momentan leide ich wieder erheblich unter Todesängsten...Herzangst...
Seit vielen Jahren beschäftigt mich dieses Thema und ich habe das Gefühl, dass jede neue Angstphase heftiger und länger wird.
Bin völlig ratlos was ich noch machen soll...hab insgesammt mehr als 10 Jahre Therapie hinter mir...jedesmal mit einigem Erfolg...aber nie wirklich dauerhaft...und jetzt hab ich auch keine Lust mehr...
Ein schlauer Mensch hat mal zu mir gesagt:
"Vielleicht hast Du Angst vor dem Leben und deshalb eine gewisse Todessehnsucht, die Du Dir so nicht erlauben kannst und deshalb drehst Du die Bedeutung um"...
wer weiß, vielleicht hatte er ja Recht...ändern tut allerdings nichts etwas...

Bin extrem ratlos...

Liebe Grüße
Anndra
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Little
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Beiträge: 7



« Antworten #1 am: 06. August 2010, 14:06:48 »

Hallo Anndra,

generell kein schlechter Ansatz, die Angst vor dem Leben, mit Todesehnsucht würde ich es jedoch nicht gleichsetzen wollen. Ehrlich, wer w i r k l i c h nicht leben möchte der kann und wird es auch beenden. Das haben ja viele Leute leider bewiesen.
Wie ist denn deine Lebensituation? Was "Treib dich an" im Leben? Wofür stehst du morgens auf? Das sind Fragen die auch mich immer wieder beschäftigen - auch ich habe eine lange Angstkarriere mit psychosomatische Leiter von unten nach oben, aktuell seit einem Jahr Herz, kein Vertrauen in meine Leistungsfähigkeit - wasa mein Körper mir sagen will? ich weiss es auch nicht.

Fürh doch mal Tagebuch oder erzähle darin über dich in der dritten Person, ein solcher Perspektivenwechsel lässt Dinge oft anders erscheinen.

Gruss, Little
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Anndra
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Beiträge: 296



« Antworten #2 am: 06. August 2010, 17:37:58 »

Hi,

tja...was treibt mich an...Pflichtgefühl meinen Kindern gegenüber...die Angst oder besser das Gefühl in meinem Leben etwas verpasst zu haben...
aber oft genug treibt mich tatsächlich nichts mehr an...meine Kinder sind inzwischen in einem Alter in dem sie nicht mehr auf mich angewiesen sind...und was ich verpasst habe ist vergangen und lässt sich nicht wieder bringen...
ich werde langsam alt...und damit auch müde...ich kämpfe seit fast 30 Jahren gegen Ängste...mal mehr mal weniger...jetzt verstehe ich manchmal das mit der Todessehnsucht ...damals hab ich auch gedacht 'nee,das kann gar nicht sein'...aber es kann sein...
das heißt ja nicht, dass ich mich umbringen will...würde ich wahrscheinlich nie tun...aber der Wunsch einfach Ruhe zu haben ist schon sehr stark...dann möchte ich gerne aufgeben...
manchmal denke ich 'wenn die Angst nicht wäre...hätte ich vielleicht schon aufgegeben' ...

Liebe Grüße
Anndra

PS.:
Tagebuch habe ich ca. hundert mal angefangen zu schreiben...DAS hab ich inzwischen aufgegeben!!! Teufel
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Gandalph
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« Antworten #3 am: 06. August 2010, 23:13:42 »

Hallo Anndra, ich glaube nicht, dass Todesängste eine versteckte Todessehnsucht widerspiegeln. Wie du selbst geschrieben hast, bewahren dich solche Ängste vor dem totalen Aufgeben, obwohl diese Ängste "nicht aushaltbar" scheinen und zermürben.

Ich hatte schon einmal vor ca. 5 Jahren Depressionen und Angststörungen mit häufigeren Todesängsten, besonders vor dem Einschlafen, wenn ich mich nicht mehr ablenken konnte und nachts beim Aufwachen. Meine Depressionen waren aber nie so schlimm, dass ich mir den Tod gewünscht hätte. Damals war mein Kind noch 12 Jahre alt und ich kam schon deshalb nicht auf die Idee aufzugeben.

Gegenwärtig - im Alter von 57 J. - ist es tatsächlich anders. Mein Kind ist jetzt 17, geht noch zur Schule, hatte Super-Noten, geht weitgehend schon eigene Wege. Angesichts meiner derzeitigen Depressionen und Angststörungen komme ich gelegentlich schon in die Stimmung aufzugeben (nein, kein Suizid), mich zurückzuziehen und alle Verantwortlichkeiten fallen zu lassen. Letztlich kann ich es doch nicht, mehrere mir nahe stehende Menschen lieben mich und ich kann sie nicht so verletzen, obwohl es mir oft schwer fällt weiter "zu kämpfen". -- Im Moment ist es bei mir so, dass den Todesängsten über manchmal halbe Tage oder länger auch depressive Todessehnsüchte entsprechen: Abends wünsche ich mir oft, nachts friedlich einzuschlafen und nicht mehr zu erwachen. Vielleicht beruhigt mich das einfach nur; mich absichtlich vom Leben zu verabschieden - davor habe ich u.a. viel zu viel Angst (und Verantwortungsgefühle).

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Anndra
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Beiträge: 296



« Antworten #4 am: 11. August 2010, 17:00:45 »

Hallo Gandalph,

naja, so ganz kategorisch würde ich die Interpretation nicht mehr ablehnen...
Vielleicht ist ja die Todessehnsucht nicht unbedingt die Sehnsucht nach dem Tod...
sondern vielleicht als Sehnsucht nach dem Alleinsein oder Ruhe...oder einfach nach etwas ganz Besonderem...nach "Angstlosigkeit" nach Sicherheit...zu sehen...hmmm...weiß nicht genau.
Aber die Vorstellung, die mir vor 30 Jahren absurd und angsteinflößend vorkam erfüllt mich heute eher mit etwas warmem, weichen...angenehmem...
was mich nicht davon abhält mich vor dem Sterben zu fürchten...

Ich würde mich sicher nie selbst töten...ich empfinde das eher als feige Flucht...als sehr egoistische Handlung...aber das Gefühl, das mit dem Gedanken an Tod einhergeht hat sich deutlich verändert...
Vielleicht muss das im Laufe der Jahre auch so sein, denn letztlich gehen wir dem Tod entgegen...mit jedem Tag kommen wir ein Stück näher heran und es ist möglicherweise eine Freundlichkeit der Natur, dass wir ihn nicht mehr so abstoßend sehen müssen...
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Gandalph
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« Antworten #5 am: 16. August 2010, 20:22:45 »

So, wie du es jetzt beschreibst, kann ich das Bedürfnis nach Ruhe gut verstehen. Mein Leben ist gegenwärtig auch fast nur geprägt von Angst vor Angstgefühlen und -symptomen, und besonders abends kommen mir Gedanken, durch einen "ruhigen Tod" erlöst zu werden, weil das Leben in/mit Angst anstrengend und erschöpfend ist, seit einigen Monaten kann ich mich nur selten noch spontan freuen. Tagsüber beherrscht mich eher die Angst, dass mir (auch) körperlich etwas passieren könnte.
Jedenfalls denke ich oft an den Tod, entweder als Bedrohung oder als "Ruhe" - diese Gedanken sind mir aber nicht angenehm, sie drängen sich mir auf, stecken irgendwie gegenwärtig in mir drin.
Ziemlich regelmäßig weine ich verzweifelt, weil ich noch keinen Ausweg gefunden habw, mir fehlt noch der Boden unter den Füßen. Dann spüre ich, dass ich leben will!
Und so versuche ich doch, mich in kleinen Schritten wieder einem normaleren Leben zu nähern, jedenfalls nicht vollkommen zu resignieren. 
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