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Gandalph
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« am: 05. August 2010, 21:44:06 » |
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Hallo, ich bin neu in diesem Forum und habe mich hier angemeldet um mich über den Umgang mit meinen Ängsten und Depressionen auszutauschen, vielleicht wertvolle hilfreiche Hinweise zu erhalten. Schon mehrfach in meinem Leben (Alter: 57 Jahre) hatte ich depressive Episoden mit Angstzuständen, doch noch keine war so ausgeprägt und schwer zu ertragen wie die gegenwärtige. Zwischen der ersten depressiven Erkrankung im Alter von 30 Jahren, die sich über fast vier Jahre erstreckte, und einer zweiten vor fünf Jahren lagen fast 20 (fast) beschwerdefreie Jahre, jetzt bin ich vor vier Monaten zum dritten Mal in meinem Leben binnen weniger Tage in eine schwere Depression mit einer generalisierten Angststörung hineingerutscht, aus der ich im Moment einfach keinen Ausweg finde. Die Angstsymptome beherrschen mich nahezu den ganzen Tag, nur in den letzten Abendstunden geht es mir stets etwas besser.
V.a. meine Ängste und von der Angst gesteuerten selbstzerstörerische Empfindungen und Gedanken nehmen mir fast jede Lebensfähigkeit. Wer kennt solche Ängste und wie gehe ich damit um? • Sich über Stunden hinziehende Todesangstgedanken, jeden Moment umfallen zu können, irgendwie (unspezifisch) zu sterben, der Atem könnte aussetzen, das Herz stehen bleiben – oft begleitet von Schwindelgefühlen im Kopf und „weichen Beinen“ und Schwitzen. Wie eine gestreckte Panikattacke, jedoch ohne Herzrasen, Hyperventilieren; diese Angst ist sogar besonders ausgeprägt, wenn eine mir nahe stehende Person (Freundin, mein 17 Jahre alter Sohn) bei mir ist. • Beim Reden mit anderen Menschen: Wechsel zwischen spontanen Gedanken und Bei-mir -sein und plötzlichen Gedanken: das bin ich nicht (vollkommenes Infragestellen des Ich, der Natürlichkeit des Gesprächsverlaufs, im Nachhinein zum gerade Gesagten). Richtig depersonalisiert erlebe ich mich nicht, aber die Angst vor diesem Gefühl ist so groß, dass ich meist nur kurze Unterhaltungen führe und jedes intensivere Gespräch vermeide. Fast immer „höre“ ich das Gesprochene des anderen in einem Echo; gedanklich und im Gefühl entfremde ich mich ganz stark vom Gegenüber. Auch diese von der Angst gesteuerten Empfindungen sind besonders bei mir nahe stehenden, eigentlich vertrauten Personen intensiv vorhanden, d.h. eine Reaktion auf Nähe. • Beim längeren Redefluss durchschießt mich plötzlich der Gedanke, ich könne (dürfe?) gar nichts mehr sagen - innerlich gibt es plötzlich eine Mauer, ein vollkommenes Ende; bei diesem Gedanken durchfährt mich dann ein kurzer fast panikartiger Schauer, Schweißausbruch und Magendruck. Ich muss mich dann für Momente zwingen, gegen etwas in mir anzureden und bekomme zeitweilig das Gefühl, mein Selbst fast vollkommen verloren zu haben. Für einen kurzen Moment kann ich dann den Gesprächsfaden verlieren und bring nicht mehr klar heraus, was ich ursprünglich sagen wollte. – Solche Erlebnisse hatte ich sogar schon beim Therapeuten in der Klinik. • Vor dem Fernseher und beim Essen mit mir vertrauten Personen (bes. in einem Café oder Restaurant) empfinde ich mich als „in der Zeit schwebend“, als sei es merkwürdig, dass ich in meinem Körper weiter lebe. • Neuerdings bin ich draußen (zumal bei Sonnenschein) lichtempfindlich und empfinde die natürliche Umwelt als leicht bedrohlich, das Todesangstgefühl steigt dabei auf. Mein Verstand sagt mir dann: Du wirst nicht sterben, aber die beängstigenden Gefühle und Gedanken halten doch lange Zeit an. • Beim Malen werde ich seit einigen Tagen absolut Geräusch-überempfindlich bei vorbeifahrenden Autos oder dem Rasenmäher eines Nachbarn. In früheren depressiven Phasen hatte ich immer ausgeprägte körperliche Angstgefühle, in erster Linie im Oberbauch, konnte wohl auch die Umwelt als leicht bedrohlich empfinden oder an wenigen Tagen Entfremdungsgefühle gegenüber nahe stehenden Personen bekommen, insgesamt mich aber doch noch ablenken durch Tätigkeiten oder längere Gespräche. Genau das gelingt mir im Moment überhaupt nicht; sogar in der Klinik habe ich nur beschränkt Kontakt mit Mitpatienten gepflegt, weil die beschriebenen Ängste einfach zu belastend für mich wurden. „Skillen“ ließen sie sich gar nicht. Bin im Moment einfach hilflos, wie ich aus diesen zwanghaft ablaufenden Gedanken und Gefühlen herauskommen kann. Und in 14 Tagen soll ich eigentlich nach 5-monatiger Pause (8 Wo Ferien inkl) wieder mit meiner Arbeit unter vielen Menschen beginnen. Wie soll das gehen? Um nicht zu viel zu schreiben, hab ich Teile des Textes, die sich auf meine Lebenssituation beziehen, erst einmal weggelassen ("im Kopf" verstehe oder ahne ich Zusammenhänge).
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Anndra
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« Antworten #1 am: 06. August 2010, 18:04:58 » |
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Hallo Gandalf, einiges von dem was Du beschreibst ist mir ganz gut bekannt... leider kann ich nicht viel dazu sagen, denn, wie Du siehst, bin auch ich immernoch dabei!
Ich weiß nur, dass es mal besser mal wieder schlimmer wird und ich nur durch immerwärendes Lernen über mich selbst einigermaßen zurecht kommen kann... allerdings ist das manchmal einfach nicht mehr möglich...
Wie Du mit Deinen Ängsten umgehen kannst, weiß ich leider auch nicht... meine Erfahrung ist, dass es mir immer wieder geholfen hat, mir die Unsinnigkeit der Angst bewußt zu machen, mich möglichst umfassend zu informieren was da in meinem Kopf physisch abläuft...zu begreifen, dass diese Angst eine krankhaft übersteigerte ist und nichts mehr mit der natürlichen Form zu tun hat...
das wiederholt sich natürlich bei jedem neuen "Anfall"...eine dauerhafte Lösung hab ich leider nicht...
Ich kenne Deine Geschichte ja nicht...aber bist Du nach der Klinik weiter in einer Therapie? Was Du schreibst klingt nicht nach 'ich stürze mich fröhlich ins Arbeitsleben'...kannst Du Dich nicht krankschreiben lassen?
Liebe Grüße Anndra
PS.: Ich bin seit über 3 Jahren "Rentnerin" und habe deshalb vielleicht ein anderes Bild von dem was wichtig ist...also bitte nicht übel nehmen, wenn ich die "Arbeit" für "nicht so wichtig" erachte...ich weiß...für viele ist es lebenswichtig...
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Gandalph
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« Antworten #2 am: 06. August 2010, 22:51:49 » |
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Erst mal vielen Dank für deine verständnisvolle Antwort! Im Moment ist es mir schon eine Hilfe, dass ich weiß, mit solch starken und z.T. sogar mir unbekannten und fremden Angstgedanken nicht allein zu sein. Mir hilft zur Zeit ebenfalls nur meinen noch funktionierenden Verstand zu bemühen und mir bewusst zu sagen, dass alles total übersteigert ist. Meine Gefühle kann ich damit kaum beeinflussen, jedenfalls ziehe ich mich nicht ins Bett oder nur in die Wohnung zurück, sondern geh noch in die Stadt und erledige alltägliche Besorgungen und wichtige Dinge.
Zur Krankschreibung: Bin ich bereits seit Mitte April, Ende August wollte ich eigentlich wieder anfangen, hab aber große Zweifel, ob das in meiner jetzigen Verfassung selbst bei größter Willensanstrengung überhaupt möglich ist. Wenn die Ängste (und die Depression) nicht so gewaltig wären, lenken mich Anforderungen durchaus eher positiv ab und ich habe schon die Erfahrung gemacht, nach 1/4 oder 1/2 Jahr wieder angstfrei leben zu können. Denk auch darüber nach, ob ein weiterer Klinikaufenthalt sinnvoll ist oder mich doch eher nur zum Aufschieben wichtiger Lebensentscheidungen verleitet.
Auslöser meiner Angststörungen war immer eine von mit selbst gewünschte Veränderung in meiner Lebenssituation: das Zusammenleben mit einer von mir sehr geliebten Frau, ein bestandenes Examen und berufliche Veränderungen. Urplötzlich steigen Ängste auf, die sich vollkommen verselbständigen, schwere Depressionen und eine generalisierte Angststörung nach sich ziehen. Während meiner ersten depressiven Episode habe ich eine psychoanalytische Gruppentherapie begonnen, die sich über viele Jahre hinzog, mit damals letztlich sehr geholfen hat. Der Zusammenhang zwischen meinen Ängsten und meinen in mancher Hinsicht schrecklichen Kindheits- und Jugenderfahrungen ist mir „im Kopf“ bekannt. Obwohl ich mehrfach die Erfahrung gemacht habe, immer aus Depressionen und Ängsten herauszufinden, gelingt mir gegenwärtig seit vier Monaten kein nennenswerter Fortschritt – trotz eines achtwöchigen Aufenthaltes in einer Klinik.
In den ersten Wochen dieser Episode dominierten zunächst heftige Zwangsgedanken mit sehr aggressiven Vorstellungen, besonders (aber nicht nur) gegenüber mir nahe stehenden und geliebten Menschen. Nach dauerhafter Grübelei und Konzentrationsunfähigkeit entstanden intensive Gefühle der Leere Sinnlosigkeit, ständige Phantasien vom Tod bis hin zu allg. Suizidgedanken. Da ich selbst nicht mehr weiterkam, habe ich mich freiwillig in eine Klinik begeben. Leider gab es dort nur relativ wenige kontinuierliche Therapieangebote, ich hätte gern ein strukturiertes Tages-Programm von Montag bis Freitag gehabt; stattdessen war man sehr viel sich selbst überlassen. Nach 8 Wochen wurde ich Anfang Juli entlassen, meine Verfassung hatte sich kaum gebessert, viele Symptome - gerade die Ängste - sogar noch verschlechtert.
Ich habe zwar einen mich betreuenden Facharzt, den ich jedoch erst kurz vor dem Klinikaufenthalt erstmals kennengelernt habe - eine Therapie mache ich z.Zt. nicht. Der Arzt hat mir heute selbst gesagt, dass er im Moment keine Ideen hat, er wirkt genauso ratlos wie ich; da er mich noch gar nicht richtig kennt, steuere ich praktisch allein meine nächsten Schritte.
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Anndra
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« Antworten #3 am: 07. August 2010, 01:31:18 » |
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Hallo Gandalph, ( huch, mir ist gerade aufgefallen, dass ich vorhin "Gandalph" mit "f" am Ende geschrieben habe! Ich bin halt großer "Herr der Ringe " Fan und deshalb an das "f" gewöhnt...sorry )
ich wollte Dir nur schreiben, dass ich Deine Antwort gelesen habe. Ich werde mich bemühen morgen eine Antwort zu schreiben...jetzt bin ich zu müde...
Gute Nacht Anndra
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Anndra
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« Antworten #4 am: 11. August 2010, 16:25:39 » |
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Hallo Gandalph, tut mir leid, dass es doch etwas länger gedauert hat! Mir geht es zur Zeit nicht so gut und dann fällt es mir schwer, mich mit den Gefühlen und Gedanken anderer Menschen zu befassen... Erstmal finde ich ich es gut, dass Du Dich noch "aufrappelst" , um Deinen Alltag zu bewältigen...ich denke, dass ist das Wichtigste an Selbsthilfe was man für sich tun kann. Ich bin zur Zeit auch in einer Phase, in der ich mich frage, was ich ich denn noch tun soll, um mit diesen Ängsten klar zu kommen... Ich habe eine Gruppentherapie, 5 Jahre Analyse, und 3 Jahre Einzeltherapie gemacht... jetzt bin ich am überlegen, ob ich eine Hypnotherapie versuchen soll...das ist allerdings für mich extrem teuer...soll aber, gerade bei Ängsten, sehr wirkungsvoll sein... aber in jedem Fall würde ich wieder eine Gesprächstherapie machen...und das wäre auch mein Vorschlag für Dich... außerdem habe ich sehr positive Erfahrungen mit einer Selbshilfegruppe gemacht... am besten ging es mir immer dann, wenn ich Menschen gefunden hatte , mit denen ich mich austauschen konnte... Klinik finde ich problematisch, weil meist keine gute Nachversorgung statt findet...Du kommst nach Hause und es ist wieder alles wie zuvor! Ich lese gerade ein sehr interessantes Buch über "Klopfakupressur" ...auch das soll ganz gut wirken...naja, ich bin gespannt... Das Dein Arzt keine "Ideen" hat finde ich sehr merkwürdig...da hab ich ja mehr  Aber eine Therapie zu machen, kann eigendlich, meiner Meinung nach, nicht falsch sein... Ein riesen Problem mit der Angst ist, dass sie sich eben irgendwann verselbständigt...ich habe oft Angsattacken, ohne dass ich überhaupt Angst spüre...ich fühle nur noch die körperliche Reaktion,weil ich eben eigendlich ganz gut über mich selbst Bescheid weiß... deshalb kam mir auch der Gedanke mit der Hypnose...weil dabei nur wenig an den Ursachen gemacht, sondern mehr die "Verselbständigungs- und die Wiederholungszentrale" umprogrammiert wird. Nachteil ist natürlich, dass die Ängste wieder auftreten können, wenn sie noch nicht ausreichend verarbeitet sind...aber vielleicht lohnt es sich ja schon für eine angstfreie Zeit... Liebe Grüße Anndra
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Gandalph
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« Antworten #5 am: 16. August 2010, 20:53:47 » |
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Ja, um eine Gesprächstherapie muss ich mich auch unbedingt kümmern. Bei mir ist es ja auch so, dass ich in meinem Leben schon mehrmals Klinikaufenthalte erlebt habe wie auch Therapien. Meine letzte Gesprächstherapie war vor 1 1/2 Jahren im Stundenkontingent erschöpft, ich fühlte mich auch ziemlich stabil.
Deine Bemerkung zur Klinik stimmt wahrscheinlich, mein letzter Aufenthalt von insgesamt über 8 Wochen hat mich am Ende resignieren lassen, weil sich das Befinden nicht verbessert hat, sondern eher noch verschlechtert (Angst nahm deutlich zu). Eine Nachsorge fand diesmal gar nicht statt. Aber ich habe auch schon eine bessere Erfahrung vor 5 Jahren gemacht, da habe ich mich nach 6 Wochen Klinikaufenthalt immerhin soweit stabilisiert, dass ich 14 Tage später wieder beginnen konnte zu arbeiten, trotz noch vorhandender Angstzustände, die dann nach wenigen Monaten verschwunden waren.
Warum ich diesmal anders reagiere, ist mir nur teilweise aus meinen Lebensumständen verständlich. Jedenfalls bin ich nachhaltiger und tiefer von Depressionen und Ängsten beherrscht, die Angst vor der Angst hat eine unheimlich ausgeprägte Eigendynamik entwickelt. Soziale Ängste sind viel ausgeprägter als jemals zuvor - und das, obwohl ich in den letzten Jahren viel berufliche Stabilität aufgebaut habe und inzwischen 57 Jahre alt bin, also durchaus auf viele Leistungen im Leben stolz sein kann. Eigenartigerweise gelingt es mir im Moment nicht, daraus Sicherheit abzuleiten. Auch die Gewissheit, dass mir trotz der Angst nichts passieren kann, erreicht nicht mein tieferes Selbst, das war vor 5 Jahren ebenfalls anders. Nach wenigen Wochen waren die heftigen Todesangstattacken vorbei, ich hatte zwar noch chronische Angstgefühle im Oberbauch, konnte mit diesen aber irgendwie schon leben und mich durch Aktivitäten, besonders berufliche Herausforderungen nach und nach ablenken.
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Anndra
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« Antworten #6 am: 16. August 2010, 23:13:18 » |
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Dieses Gefühl, dass alles schlimmer wird, habe ich mit zunehmenden Alter auch... eigendlich sollte man meinen, dass sich im Laufe von fast 30 Jahren Angstkarriere und eigendlich lebenslangen Depressionen, irgendwann mal ein gewisser Lernerfolg einstellt... Pustekuchen...ich habe den Eindruck, dass alles immer tiefer geht und die Verzweiflung, nicht gegen die Angst anzukommen immer größer wird...
außerdem gewinnt die Angst dadurch immer mehr an Realität, dass die tatsächliche Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung mit jedem Jahr größer wird... dazu kommt, dass das ewige Kämpfen gegen mich selbst meine Kräfte verbraucht...und ich leider, oft auch wiederum der Angst geschuldet, keine Möglichkeit habe neue Kräfte zu schöpfen...woher auch! Aktivitäten, die Spass machen könnten sind angstbelegt...meine Kinder sind fast erwachsen und dementsprechend schwierig und egoistisch...
bleibt nur mein armer Mann!...der ist der Beste...aber leider hat er selbst auch seine Probleme und dadurch bin ich eher noch eine Belastung für ihn ... trotzdem ist er mir schon eine große Stütze! Ohne ihn wäre ich oft aufgeschmissen...aber die Depressionen sorgen schon dafür, dass ich mich nicht allzu lange gut fühle und wieder der Angst lausche....
Ich wünsche Dir eine gute Nacht Anndra
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Gandalph
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« Antworten #7 am: 17. August 2010, 20:13:49 » |
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Mit den verbrauchten Kräften hast du meine heutige Tagesstimmung auf den Punkt getroffen. Gestern hatte ich den ganzen Tag Angstgefühle, ich bin beruflich (auf eigenen Wunsch, als es mir noch gut ging) kurzfristig versetzt worden an eine frühere Arbeitsstelle, dort kenne ich alle Kolleginnen und Kollegen und viele freuen sich über meine Rückkehr. Nur fühle ich mich überhaupt nicht so wie früher und ich habe größte Zweifel, ob ich es jetzt schon schaffen kann, wieder einzusteigen. Irgendwie muss ich mich entscheiden; zudem erfordert die neue Arbeitsstelle den Aufenthalt in einer Zweitwohnung, dort werde ich viel allein sein. Ich hab dann sehr viel mit Menschen zu tun und weiß nicht, wie ich das durchstehen kann. Selbst im Privatleben führe ich zur Zeit eher nur kürzere Gespräche, weil ich irgendwann die im ersten Beitrag beschriebenen aufkommenden Entfremdungsgefühle einfach nicht aushalten kann. Eine Freundin oder meine Frau sagen mir immer, dass man mir die Ängste gar nicht ansieht, man würde es kaum wahrnehmen; das aber ist im Moment nicht so sehr mein primäres Problem, die Frage ist einfach, ob ich sie aushalten und ertragen kann. Wie erschöpfend es ist, immer mit diesen Empfindungen und Gedanken zu kämpfen, ist selbst mir ganz nahe stehenden Personen nur schwer zu vermitteln. Selbst beim Lesen hab ich Zweifel, ob ich das kann und schon kreiseln meine Gedanken um Angst ... Ich muss mich dann zwingen die Konzentration aufzubringen, ein Buch durchzulesen. (Das Lesen und Vorbereiten von Texten ist ebenfalls ein wichtiger Teil meiner Arbeit.) Nachdem ich in den letzten Tagen berufsvorbereitend auch vormittags schon damit begonnen habe, bin ich heute mal wieder nach schlechtem Schlaf morgens erst spät aus dem Bett gekommen und war wieder in der depressiven Stimmung, einfach einen Tag nur mit diesen Ängsten nicht erleben zu wollen. Erst am Nachmittag konnte ich mich wieder zu einigen Beschäftigungen aufraffen. Wenn ich wüsste, wie ich mich langsam an die berufliche Realität herantasten kann, v.a. was den alltäglichen Umgang mit Menschen und längere Gespräche angeht ...
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Anndra
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« Antworten #8 am: 21. August 2010, 21:06:41 » |
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Ich kenne das Gefühl zu reden und zu reden...scheinbar immer wieder die falschen Worte zu wählen, weil es einfach kein Verstehen beim Gegenüber gibt... ich glaube, das liegt daran, weil jeder Mensch anders empfindet...oder besser das Empfundene anders beschreibt...leider..und natürlich kann man solch "irreale" Wahrnehmungen von Gefühlen nicht nachvollziehen, wenn man sie nicht selbst erlebt...selbst dann ist es sehr schwer... Die Beschreibung Deiner Situation macht mir schon beim Lesen Angst...wenn ich mir vorstelle ich müsste das...ALLEIN in einer Wohnung...*brrrr*, da frierts mich...nicht denkbar... Ich wünschte, ich könnte Dir sagen: "Du schaffst das"...aber ich weiß es nicht...ich könnte es glaub ich nicht...aber vielleicht ist es auch genau das Richtige...Konfrontation soll ja manchmal helfen!  Ich habe mich gezwungen, die ganze Sache etwas "lockerer" zu sehen...wenn's nicht klappt...aufhören kann man immer! Es gibt wohl wenige "Ängstler", denen man die Angst ansieht...es ist ja gerade das Dilemma, dass wir uns so gut "verstellen" können...deshalb geht es uns ja oft erst richtig schlecht... Auch diese Entfremdungsgefühle kenne ich in ähnlicher Weise...das Gefühl neben sich zu stehen...quasi als Beobachter der Szene...fast gelähmt...unfähig zu reagieren...höre ich mich mit fremden Menschen reden...(nicht eingebildet...real im Gespräch beispielsweise mit dem Nachbarn) oder das Gefühl sich in einer bestimmten Weise verhalten zu müssen, weil ich denke der andere erwartet das von mir...ist gar nicht so aber ich bin davon überzeugt...ich habe oft das Gefühl ich bin eine Schauspielerin in einem Film...auch zu Hause bei meiner Familie....dann beobachte ich, wie gut ich meine Rolle spiele und verliere dabei jegliches wirkliche Gefühl... Darf ich fragen, was Du von Beruf bist? Nur aus Neugier...vielleicht gibt es eine Möglichkeit nur stundenweise oder halbe Tage zu arbeiten... Liebe Grüße Anndra
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Gandalph
Juniormember
 
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« Antworten #9 am: 28. August 2010, 21:08:51 » |
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Nun nehme ich mir endlich die Zeit zu antworten. Zunächst zu deiner Frage: Ich bin beruflich als Lehrer tätig, treffe also immer viele Menschen, "zurückziehen" und "verstecken" kann man sich weder vor einer Klasse noch im Lehrerzimmer mit ca. 50 KollegInnen. Ich habe es tatsächlich hinbekommen seit einer Woche wieder zu arbeiten - was mir vorher unvorstellbar vorkam! Obwohl viele der im ersten Text beschriebenen Gefühle u Gedanken mich im Unterricht begleitet haben, ist doch ein wenig positive Ablenkung dabei. Besonders mit älteren SchülerInnen hab ich ausgesprochen viel gesprochen und konnte doch viele Routinen abrufen. Unangenehm sind innere Spannungszustände und Zwangsgedanken mit sehr aggressiven Vorstellungen - gerade gegenüber kleineren Schülern oder mir vertrauten Kollegen. Ich erlebe diese Spannungen in meinen depressiven Episoden immer als Zerrissenheit in der Nähe (sonst kenne ich keine Zwangsgedanken). Weil ich mir im April nicht vorstellen konnte, mit den damals auswuchernden Zwangsgedanken in die Schule gehen zu können, hab ich mich krank schreiben lassen und mich - in der Folge schwer depressiv - in die Klinik begeben. Unter dem Druck wieder arbeiten zu wollen schaffe ich durchaus gute Stunden - die Schüler bemerken sicherlich gar nicht, was mit mir los ist. Teilweise werde ich munterer und mobiler, andererseits steigt die Anspannung auch erschöpfend an. An mehreren Tagen habe ich nachmittags mehrere Stunden lang versucht zu schlafen, erst nach 1 bis 1 1/2 h konnte ich wenigstens ruhig dösen. Auf Tage, an denen ich relativ viel geschafft habe und etwas mehr Mut gewachsen ist, folgen dann wieder depressive Abstürze wie jetzt zum Wochenende. Stundenlang versuche ich abends, diese negative Gedankenspiralen zu stoppen, mich aufs Lesen zu konzentrieren oder einfach nur zu dösen. Es gelingt mir nicht, positive Gedanken(ketten) zu entwickeln. Am Ende kommt dann oft vor dem Einschlafen der Wunsch auf nicht mehr aufzuwachen (mit solchen alptraumhaften Empfindungen/Gedanken) am Tage. Heute am Samstag hatte ich morgens, nach schwierigem Einschlafen und relativ frühem Erwachen mit langem Gedöse danach wieder nur den Wunsch nicht aufzustehen/ wach zu werden ... Irgendwann um 11 ging das nicht mehr und ich bin doch hoch, die ersten Stunden stark depressiv. Das ist leider immer noch das Tückische: Wenn ich mich dem Leben stellen will, kommen Ängste, Entfremdungsgefühle und starke Spannungszustände - gefolgt von depressiven Stunden/ Tagen. Aus diesem Kreislauf komme ich im Moment noch nicht heraus. Am Montag habe ich ein Erstgespräch mit einer Therapeutin (Beratung/Vermittlung) und ich bin gespannt, wie es weiter geht. Jedenfalls werde ich weiterhin arbeiten, so schwer mir das im Moment auch fällt. Meine Chefetage weiß, dass es mir nicht gut geht und zeigt sich verständnisvoll und unterstützend; ich habe in guten Jahren viel getan und sie möchten mich gern wieder so erleben.
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Gandalph
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« Antworten #10 am: 12. September 2010, 14:52:52 » |
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Nun hab ich drei Wochen Arbeit hinter mir, meine Unterrichtsstunden verlaufen insgesamt ordentlich, kann doch viele Routinen abrufen. Doch manchmal bin ich doch reichlich erschöpft, kann nur leider gar nicht mehr nachmittags noch Schlaf nachholen, wenn ich an einigen Tagen nur 6 Std. oder weniger nachts geschlafen haben. Andererseits gibt es Tage, an denen ich sehr lange (10 Std.) und mehr im Bett bleiben kann, mal mit festerem Schlaf, mal mit flacherem Gedöse.
Was mich oft fast verzweifeln lässt ist das Erlebnis, dass ich in meinen Gefühlen und Gedanken kaum einen Fortschritt erlebe. In einigen wenigen Std. erreiche ich schon spontane Lebendigkeit, doch kaum bin ich mit mir allein - es reicht schon der Gang aufs WC - rattern wieder die negativen Gedanken u Empfindungen in mir los. An Wochenenden erwischt es mich wieder so richtig: Schon eine Std nach Aufstehen kriecht der Gedanke an Todesangst in mir hoch und kann mich einen halben Tag halb gefangen halten. Körperlich habe ich kein Herzrasen, kann in Schweißausbrüche geraten, habe starkes Kribbeln in den Füßen, Druckschmerz im Magen und häufiger auch Anspannungsempfindungen im Kopf. Dabei schaff ich es durchaus, alle notwendigen Dinge zu erledigen: Einkauf, Autofahrten, Stundenvorbereitungen.
Todesangstgedanken und aggressive Zwangsgedanken in Gesprächen (Freundin, mein Sohn, KollegInnen) sind wieder häufige Begleiter geworden. Meine Versuche, mich durch Aktivitäten abzulenken und Gedanken positiv umzulenken, gelingen kaum.
In meinem eigenen Erlebnis fühle ich mich wie zwei Personen: die von Angst u Depression gefüllte Person und die vom Verstand u Lebenswillen geführte. Beide koexistieren und ich erlebe mich in ständiger Anspannung. Tief in meinem Innern kommt der Tagesablauf nicht so richtig an.
Bin auf der Suche nach einem Therapieplatz, noch habe ich keinen ..
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Anndra
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« Antworten #11 am: 13. September 2010, 02:00:30 » |
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Hallo Gandalph, schön, dass es Dir gelungen ist weiter zur Arbeit zu gehen...ich finde Deine Disziplin bewundernswert! Hast Du mal überlegt in eine Selbsthilfegruppe zu gehen? Ich habe das ein paar Jahre lang gemacht. Es war eine sehr gute Erfahrung sich direkt mit Betroffenen austauschen zu können. Ja, die Wochenenden hasse ich auch! Am schlimmsten sind die Sonntage, denn an Sonntagen kann ich nichtmal einkaufen gehen. Sonntage sind wie gestorbene Tage...alles ist tot, still... ich kann meine Gedanken dann jederzeit hören. Leider fehlt mir die nötige Disziplin meine Tage dann mit etwas Sinnvollem zu füllen...allerdings fehlt mir auch jegliche Motivation dazu. Heute hab ich allerdings eine Ausnahme gemacht und war mit meinem Mann auf einem Mittelalterfest.Tatsächlich fiel mir erst nach drei Stunden auf, dass ich meine Herzrythmusstörungen völlig vergessen hatte. Ich hatte sogar längere Phasen guter Stimmung. In meinem eigenen Erlebnis fühle ich mich wie zwei Personen: die von Angst u Depression gefüllte Person und die vom Verstand u Lebenswillen geführte. Beide koexistieren und ich erlebe mich in ständiger Anspannung.
Das kann ich genau so unterstreichen! Ich erlebe diese Spaltung in vielerlei Hinsicht. Als ich meiner Therapeutin beispielsweise einmal davon berichtete, dass ich mich einerseits als "das verängstigte Kind" und andereseits als "die vernünftige Erwachsene" sehe, sagte sie, dass ich eine Brücke zwischen beiden bauen müsse, um das Kind mit der Erwachsenen zu vereinen. Mein Problem ist nur, dass mein "inneres Kind" noch viel zu viel unerfüllte Erwartungen und Wünsche an Erwachsene hat und sich deshalb nicht so einfach befriedigen lässt...sich quasi weigert über jede Brücke zu gehen. Leider ist es mir nicht möglich mit meiner Vergangenheit einfach Frieden zu schließen und sie als das zu akzeptieren was sie eben ist: vergangen! Ich fürchte für mich, dass ich, solange ich diesen Frieden nicht schaffen kann, mit mir selbst ständig im Clinch liegen werde. Was ich, "Göttin sei Dank", nicht kenne sind aggressive Zwangsgedanken...jedenfalls nicht gegen andere Menschen. Hast Du eine Ahnung woher diese Gedanken kommen? Oft sind selbst erfahrene Misshandlung und Unterdrückung Auslöser für aggressives Verhalten ob in Tat oder in Gedanken...aber wahrscheinlich ist Dir das schon selber klar... 
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Anndra
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« Antworten #12 am: 24. Oktober 2010, 00:03:19 » |
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Hallo Gandalph,
fallst Du noch mal hereinschaust: "Wie geht es Dir?"
Liebe Grüße Anndra
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matthes
Juniormember
 
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« Antworten #13 am: 17. November 2010, 12:39:24 » |
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Hallo
Das kenne ich sehr gut mit den Todesgedanken. Ich könnte zur Zeit auch nur im Bett liegen bleiben. Ich kann mich auch schwer zu was aufraffen. Das gute das du hier erlebst - du erhältst Anteilnahme. Das dumme ist das man sich selber suchen muss was einem gut tut bzw. Spass macht. Ich denke auch das eine Depression nicht aus dem Nichts kommt. Es gibt immer einen Auslöser bzw. einen Grund warum man Depressiv geworden ist. Ich kann dich gut verstehen. Mir hat mal eine Geistheilerin gesagt das ich mir den Film The Secret kaufen solle. Da geht es um neue Ziele setzten - Dankbar zu sein und seine Wünsche zu äüßern und dies jeden Tag zu wieder holen bis sich das gewünschte Ergebnis einstellt. Doch was macht man wenn man dies alles nicht mehr kann ? Ich weiß es nicht.
Ich wünsche dir auf jeden Fall das du aus deinem Kreisel raus kommst. Mir hat malen geholfen. Das Innere in Bildern verfassen.
Bis demnächst Gruss Matthes
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