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Autor Thema: Was ist nur los mit mir? Zwangsgedanken?  (Gelesen 1386 mal)
0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.
Marly
Juniormember
**
Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 16


« am: 23. August 2010, 07:28:26 »

Hallo Zusammen,

ich bin ganz neu auf dieses Forum gestoßen und hoffe, hier ein paar Antworten zu bekommen, was mit mir los ist...

Weiß nicht, ob ich hier in der Rubrik "Zwänge" überhaupt richtig bin, ich glaube es zumindest...

Ich bin 34 Jahre alt, weiblich und lebe in einer glücklichen Partnerschaft.
Vor einigen Wochen habe ich mein erstes Kind entbunden, alles ist gut verlaufen und die Kleine ist mein ein und alles!!! Ich liebe mein Kind von ganzem Herzen und kann mir ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen, seit sie "da" ist!

Und genau deswegen versteh ich einige Gedanken nicht, die ich seit ca. 2 Tagen ab und an habe...

Ich trau mich sie auch kaum zu schreiben, weil ich immer Angst hab, dass man durch Gedanken auch in der Realität irgendwas "auslösen" kann, aber um Antworten zu bekommen, muss ich es nun versuchen hier auszudrücken:

Zum Beispiel lege ich die Kleine abends hin zum Schlafen und sage: „Schlaf gut Süße, bis morgen früh“ – und in Gedanken füge ich hinzu „wenn du überhaupt wieder aufwachst“. Meist gehen die Gedanken in etwa diese Richtung.
Ich sage etwas und ganz unvermittelt schließt sich in meinem Kopf eine „Fortsetzung“ des Satzes an, die grundsätzlich negativ ist…

Das macht mich fertig, weil der Satz irgendwie fast „gleichgültig und aus dem Nichts heraus“ weiter gedacht wird…
Und doch wiederum erschrick ich dann total und weiß genau, dass DAS was ich gedacht habe für mich der absolute Horror wäre…

Oder ich hab meine Tochter auf dem Arm und denk plötzlich daran, dass sie mir runterfallen könnte…

Heute haben wir mit Freunden gegrillt und als ich das Fleischmesser in die Küche brachte kam mir der Gedanke, wie jemand meiner Maus damit etwas tun könnte…

Das hat mich innerlich gelähmt und geschockt.

Warum kommen solche Gedanken?Huch

Gestern und heute hab ich mich stellenweise körperlich richtig unwohl gefühlt; quasi ein schlechtes Gewissen meinem 13 – Wochen alten Kind gegenüber, dass seine Mama solche Gedanken hat.
Dann lacht mich die Kleine an, strampelt und freut sich und mir wird ganz flau im Magen…

Auch jetzt, wo ich das schreibe, läuft mir wieder ein kalter Schauer über den Rücken, weil ich mich selbst überhaupt nicht mehr verstehe!!!
Sind das Zwangsgedanken???

Teilweise – so bilde ich mir zumindest ein – waren meine Gefühle heute auch irgendwie gemischt, einerseits so voller Liebe, andererseits „Gleichgültigkeit“, dann wiederum der absolute Horror, dass meiner Maus mal etwas zustoßen könnte…

Was ist da mit mir los???

Vielleicht sollte ich zum Schluss noch erwähnen, dass ich seit ein paar Jahren „Angstpatientin“ bin und auch schon eine kognitive Verhaltenstherapie gemacht habe.
Da geht es bei mir hauptsächlich um mangelndes Selbstbewusstsein, Angst vor Krankheiten und dem Tod und um Verlustängste…

Vielleicht kann mir Jemand von Euch ein wenig auf die Sprünge helfen, dass ich mich etwas besser verstehen kann?
Oder vielleicht geht es einem von Euch ähnlich???

Meine Tochter ist der Wichtigste Mensch in meinem Leben – warum ist gerade SIE Gegenstand dieser Gedanken, die ich so sehr hasse und zu ignorieren versuche?

Als ich sie vorhin auf dem Wickeltisch gewickelt und danach ins Bett gebracht habe, hatte ich das Gefühl, innerlich etwas distanziert zu ihr zu sein – ich schäme mich soooo sehr ihr gegenüber für meine Gedanken, auch wenn der kleine Wurm davon natürlich keinen Schimmer haben kann…
Und vor allem schäm ich mich mir selbst gegenüber…

Ich hab niemanden, mit dem ich darüber reden kann – es ist mir selbst hier peinlich…

Danke schon mal für Eure Antworten…

Marly
Gespeichert
Fridolin
Stammposter
****
Geschlecht: Männlich
Beiträge: 568



« Antworten #1 am: 23. August 2010, 08:24:51 »

Hi Marly
Erstmal willkommen!
Ich denke, daß es dir nicht peinlich sein muß, denn du willst diese Gedanken nicht und ich denke weiterhin, du bist dafür auch nicht verantwortlich.
Ich selber habe keine Zwangsgedanken und ich glaube, daß diese Gedankenstruktur eine Art Hilfeschrei nach Liebe und Aufmerksamkeit ist. Zugleich löst deine Psyche wegen der Gedanken Schuld und Schamgefühle aus. Außerdem fühlst du dich gegenüber der Zwangsgedanken macht- und hilflos.
Geringes Selbstbewußtsein, verschiedene Ängste sind vermutlich dafür verantwortlich. Ich kann dir von der Ferne nur Trost und Verständnis mitteilen, richtige Hilfe wird dir nur ein Arzt geben können.
Viel Kraft und Energie
Gespeichert

Fridolin Steinpalme
Marly
Juniormember
**
Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 16


« Antworten #2 am: 23. August 2010, 11:23:46 »

ch habe grad mal im Internet nach dem gestöbert, was ich heimlich vermute...

"Postnatale Depression"
Kann bei Frauen auftreten, die entbunden haben...

Einige Symptome passen und da ich schon eine Therapeutin wegen meiner Angstzustände habe (wo ich allerdings schon länger nicht mehr war), habe ich ihr gerade direkt aufs Band gesprochen, um einen Termin zu vereinbaren.

Ich habe das Gefühl, die Bindung zu meiner über alles geliebten Tochter zu verlieren, was ich absolut nicht verstehe, denn sie ist mein ein und alles...

Im Netz steht, dass eine PND (falls es das wirklich ist) gut behandelbar ist und darauf hoffe ich...

Bis vor einigen Tagen noch war ich eine der glücklichsten und stolzesten Mütter dieser Welt und quasi von jetzt auf gleich so ein Gefühlswirrwarr...

Da will ich so schnell es geht gegen angehen!

Meine kleine Maus, ich liebe Dich über alles und verstehe mich grade selbst nicht...
Gespeichert
JEM
Stammposter
****
Geschlecht: Männlich
Beiträge: 787



« Antworten #3 am: 23. August 2010, 14:50:35 »

Hallo Marly,
herzlich willkommen im Forum!
Es ist mit ziemlicher Sicherheit eine postpartale Stimmungskrise, auch Baby-Blues genannt.
Meine Tochter war auch in Deinem Alter, als sie ihr erstes Kind bekam und hatte damals auch diese Wochenbettdepression. Es gibt dafür rein biologische Ursachen, z.B. die gravierenden Hormonumstellungen und auch psychische Ursachen (z.B. nach einer früheren Traumatisierung).
Du bist hier eigentlich nicht in der richtigen Rubrik, denn das was Du schilderst sind Ängste, nicht Zwänge. Es ist also ein Dir bekannter Vorgang, der sich jetzt in Bezug auf Dein Baby neu darstellt. Da Du deswegen bereits in Behandlung bist, war es sinnvoll Kontakt mit Deiner Therapeutin aufzunehmen.
Hast Du auch mit Deinem Partner über Deine Angstvorstellungen gesprochen?
Weiß er von Deiner Angstvorgeschichte?
Er ist zunächst einmal hierbei Dein wichtigster Ansprechpartner.
Ich wünsche Dir und Deiner Kleinen alles Gute - Du machst Dir Gedanken um sie, Du hast Ängste um sie, weil Du ihre Mutter bist!
Ihr werdet das alle Drei meistern!
Liebe Grüße
Jürgen
Gespeichert

Die eigentliche Aufgabe eines Freundes ist es dir beizustehen, wenn du im Unrecht bist.
Jedermann ist auf deiner Seite, wenn du im Recht bist.
[Mark Twain]
Anndra
Stammposter
****
Beiträge: 296



« Antworten #4 am: 24. August 2010, 23:08:07 »

Hallo Marly,

erstmal herzlich willkommen!

Also, mal von Mutter zu Mutter gesprochen Blinzeln:

Das ist alles völlig normal was Du da beschreibst! Ich würde es weder als Zwangsgedanken noch
als postnatale Depression sehen. Ich denke viele Mütter haben solche Gedanken. Sie kommen von der normalen Unsicherheit, die durch die veränderte Lebenssituation auftritt.

Du bist plötzlich für ein hilfloses Wesen verantwortlich...Deine Tochter ist vollkommen abhängig von Dir...das setzt Dich natürlich unter Druck...
Ich bin manchmal mehrmals nachts aufgestanden und habe nach meinen Babys geschaut...auf ihren Atem gelauscht und hatte übelste Albträume, die alle mit Verlust zu tun hatten...

Es gibt keinen schlimmeren Gedanken, als das Kind zu verlieren, dass man mit so viel Liebe in sich getragen und geboren hat.
Du darfst Angst um Dein Baby haben! Es ist Dein gutes Recht Dich um Dein Kind, sein Wohlergehen und seine Sicherheit zu sorgen...mehr noch...es ist sogar Deine Pflicht...

Die Angst, dass Deiner Tochter etwas passiert halte ich für absolut normal.
Wenn es Dich zu sehr belastet, dann versuch doch eine Beratungsstelle für Mütter zu finden und dort um Rat zu fragen.
Du solltest schon aufpassen, dass diese Gedanken die Entwicklung Deines Kindes nicht beeinträchtigen, weil Du zu "vorsichtig" wirst...

Aus eigener Erfahrung kann ich allerdings sagen, dass diese Gedanken im Laufe der Zeit , mit zunehmender Sicherheit im Umgang mit Deinem Baby immer weniger werden...ganz verschwinden sie jedoch nie...
Meine Kinder sind inzwischen 16,17 und 20 Jahre alt...aber die Angst sie zu verlieren hab ich immer noch...allerdings, meine ich jedenfalls, in recht normalem Maß!

Wenn Du sowieso "Ängstlerin" bist, ist eine Therapie für Dich natürlich sinnvoll um Deine Ängst im allgemeinen zu bearbeiten...
aber bitte, miss diesen Gedanken nicht zu viel Bedeutung bei...das irritiert nur Dein Baby und macht Dir noch zusätzlich unnötig Angst...

Liebe Grüße
Anndra
Gespeichert

Ich bin!Darum werde ich ständig.
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