Drutendeern
Beginner

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« am: 05. Februar 2011, 10:15:08 » |
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Hallo aus Lübeck,
ich bin neu hier und auf der Suche nach jemandem, dem es so geht wie mir und mit dem ich mich mal austauschen kann.
Bis vorhin wußte ich nicht, dass es so etwas wie Arbeitsplatzphobie gibt. Der Begriff war mir total neu. Ich persönlich habe immer das Wort "Kollegenphobie" verwendet, um das zu beschreiben, was mich "quält".
Zu meiner Geschichte:
Im Jahr 2000 fing ich als Physikalisch-tech. Assistentin bei einer Firma hier zu arbeiten an. Ich hatte ein Jahr zuvor eine Umschulung zu diesem Beruf abgeschlossen. Bis dahin ging es mir gut, alles war "normal", im grünen Bereich...ich war selbstbewußt, fröhlich, lebenslustig, meine sozialen Kompetenzen ausgeprägt, mein Gewicht normal und auf meinen letzten Arbeitsverhältnissen war ich beliebt und anerkannt, sogar für viele eine Vertrauensperson oder jemand, an den man sich mit heiklen Themen wenden konnte, weil man wußte, dass ich diskret bin.
Nun fing ich also über eine Zeitarbeitsfirma in diesem neuen Betrieb an, und ich war froh, dass ich so schnell etwas in meinem neuen Beruf gefunden hatte. Bereits nach 1 Woche stellte ich fest, dass das Arbeitsklima dort ein wenig "seltsam" ist. Mir war auch schon bei meinem Einstellungsgespräch aufgefallen, dass, als man mir die Produktionsräume zeigte, NIEMAND lächelte. Ich wurde angestarrt oder eben von oben bis unten taxiert. In der ersten Woche wurde ich dann Zeugin, wie die Produktionsleiterin wutschnaubend in unseren Arbeitsraum fegte und laut fragte: "Wer hat das gebaut?" Sie hielt etwas in der Hand und sofort scharten sich die anwesenden Kolleginnen um sie, um das Teil zu begutachten, und eine sagte dann: "Ja, das war Kai." (Name geändert) Ich war ziemlich entsetzt über diese Kollegin, die zum einen einen Kollegen verriet und das auch noch vor anderen! Ich beschloss,, mich von dieser Frau fernzuhalten. Ferner war es üblich, dass gefertigte Teile aus Gründen der Qualitätssicherung von einer anderen Person als dem Montierer kontrolliert wurden. Das war hinsichtlich der Qualität schon sinnig. Ein wenig unschön fand ich aber die Art und Weise WIE dann die Kritik übermittelt wurde: nämlich unsachlich und grundsätzlich vor anderen Kollegen, die dann feixten oder auch noch ihren unsachlichen Senf dazugaben. Als mir dann ein Fehler passierte und mich die Vorgesetzte schön vor den anderen zurechtwies, habe ich sie im Anschluß beiseite genommen und ihr mitgeteilt, dass ich ihre Kritik unsachlich empfand und ferner bat ich sie, dies auch nicht vor anderen zu tun. Ihre Reaktion war, dass sie das so tun müsse, damit sich die Mitarbeiter mehr anstrengen würden und sie fand ihre Äußerungen nicht unsachlich. Als ich ihr widersprach, befand sie, dass ich da wohl was falsch in den Hals bekommen hätte. Nach 2 Wochen wurde ich dann in eine andere Abteilung versetzt und ich war froh darüber. In dieser Abteilung gab es neben mir noch 2 männliche Kollegen und einen männlichen Vorgesetzten und die ersten Tage verliefen ganz okay...bis mir auffiel, dass die beiden, wenn sie von Frauen sprachen, grundsätzlich die Worte: "Tussen, Schlampen, Weiber, Alte" benutzten. Ich sprach sie irgendwann darauf an, dass ich das nicht in Ordnung fände und bat sie, doch bitte das Wort Frau zu benutzen oder Kollegin. Meine Kritik führte bei ihnen zu Heiterkeit und es änderte sich gar nichts. Hm, das war kein so schönes Arbeiten mehr, aber ich biss die Zähne zusammen, da ich ja von der Firma übernommen werden wollte. Nach einem Dreivierteljahr war dies auch der Fall und bei dem Übernahmegespräch bat ich darum, in eine andere Abteilung versetzt zu werden. Dies wurde berücksichtigt und ich landete wieder in der, in der ich angefangen war. Die Arbeit dort war wie gehabt von Kontollen, unsachlichen Kritiken und "Kollegenschweintum" geprägt. Nach 2 Jahren war ich derart platt, dass ich zum ersten mal in ´(Verhaltens-)Therapie ging, da ich die Fehler bei mir gesucht habe. Vielleicht war ich ja zu kritisch und zu sensibel, wie es mir mehrfach von meiner Vorgesetzten sowie von Kollegen gesagt wurde. In der Therapie erfuhr ich dann eine Menge über mich selbst, und sie half mir meine Arbeitstage einigermaßen zu überstehen. In der Zwischenzeit wurde ich von einer weiteren Abteilung angefordert, in der ich 2 mal die Woche aushelfen sollte. Der Vorgesetzte dort befand meine Arbeit für sehr gut und wollte mich dann ganz haben. So wurde ich komplett in diese Abteilung versetzt...und wieder war ich die einzige Frau. Auch dort wurde nur von "Tussen, Schlampen, Weiber, Alten" gesprochen, aber da hab ich dann schon nichts mehr gesagt. Leider gab es dort einen Kollegen, der ein großes Problem mit Frauen/Kolleginnen hatte, vor allem, wenn sie Arbeit abliefern, die genauso gut ist, wie die der Männer bzw. manchmal sogar noch besser. Auf einmal tauchten Gerüchte über mich auf, die ich dann in einer anderen Abteilung erfuhr: ich hätte vorsätzlich 7 Geräte kaputt gemacht! Ich fiel fast vom Stuhl, denn die Wahrheit war, dass ein defektes Gerät 3 meiner gebauten Geräte ruinierte. Ich hatte schon beim ersten defekten Gerät gesagt, dass mit der Bauvorichtung nicht stimmt, woraufhin mir mein "Anlerner" mitteilte, dass ich das nicht beurteilen könne, da ich ja noch nicht lange genug damit gearbeitet hätte! Nichtsdestotrotz wurde ich von dieser Tätigkeit zurückgenommen und woanders eingesetzt. Mir war damals nicht bewußt, dass mein Vorgesetzter mich aus der Schußlinie nehmen wollte. Ich erfuhr dies erst sehr viel später. Endergebnis war aber, dass mir seitdem nachgesagt wurde, ich wäre unfähig zu dieser Arbeit gewesen! Nach 4 Jahren war ich dann so platt, dass ich eine "Kur" machen mußte. Dort hatte ich dann beschlossen, nicht mehr an diesen Arbeitsplatz zurückzukehren. Dies riet mir auch mein Hausarzt. Meine Therapeutin hielt mich jedoch an, nicht aufzugeben, nicht wieder vor Problemen wegzulaufen. (Nichts gegen diese Therapeutin! Sie war total klasse und hat mir so viel Gutes beibringen können! Nur in diesem Fall war es ein Fehler) Ich ging also in die Firma zurück und landete in der nächsten Abteilung. Problem: jeder wußte von meiner Reha in einer psychosomatischen Klinik - ergo: die ist psychisch krank und somit nicht mehr ernst zu nehmen. Die Katastrophe nahm ihren Lauf. Es war egal, was ich sagte, kritisierte oder anmerkte: ich war eben zu sensibel, zu empfindlich, zu dusselig oder was auch immer...ich wurde nicht mehr ernst genommen und ausgegrenzt. 2005 fing ich eine neue Therapie bei einer anderen Therapeutin an (meine andere war weggezogen) und auch sie riet mir, in der Firma zu bleiben und das mal auszuhalten, nicht wegzulaufen....Es geht ja auch um einen Arbeitsplatz und heutzutage ist es ja schwer überhaupt noch etwas zu finden...usw
Also blieb ich bis ich Anfang 2008 wieder derart platt war, und das erste mal davor war, mich umzubringen. Ich ging zum Arzt und bat ihn, mich in eine Klinik einzuweisen. So kam es, dass ich mich in ambulante Therapie in einer hiesigen Klinik begab. Anschließend machte ich noch eine Maßnahme zur Arbeitsbelastungserprobung sowie eine berufliche Rehabilitationsmaßnahme. Im Dezember 2009 unterschrieb ich einen Aufhebungsvertrag in der Firma, bekam eine ordentliche Abfindung und ein gutes Zeugnis. Im Februar 2010 arbeitete ich 2 Wochen über eine Zeitarbeitsfirma bei einem Konkurrenzunternehmen und mußte da so schnell wieder raus, weil das Arbeitsklima dort noch übler war als in meiner alten Firma!!! An meinem letzten Arbeitstag hatte ich eine Panikattacke.
Aktuell: ich bin jetzt 46 Jahre alt, die DRV Nord, die für meinen aktuellen Status zuständig ist, zahlt mir keine Umschulung, da ich (inoffiziell) zu alt bin. Mein ALG I ist gerade ausgelaufen und ich erhalte ab jetzt ALG II/Hartz IV.
Ich habe panische Angst, an einen neuen Arbeitsplatz zu gehen und weiß nicht, was ich (noch) tun soll. Als mir die Sachbearbeiterin der Arge sagte, dass ich jeden Job annehmen muß, wurde mir schon flau. Als ich sie bat, mir bitte keine Stellenangebote von meinen beiden letzten Arbeitgebern zu schicken, sah sie mich verständnislos an und sagte mir, dass ich mich auch dort bei einem Angebot vorzustellen hätte! (Ich merke dazu an, dass ich im letzten Jahr insgesamt 5 Stellenangebote zugeschickt bekam: alle in meiner alten Firma!)
Diese beiden Firmen würden mich eh nicht mehr nehmen, nichtsdestotrotz verursacht mir dieser Gedanke daran als erstes: NEIN! Dann lieber tot! Mein Misstrauen und meine Angst gegen jegliche Art von Kollegen und Mitarbeitern ist derartig ausgeprägt, dass ich mich persönlich für arbeitsunfähig halte. Das einzige, was ich für mich noch vorstellen kann, ist Selbständigkeit. Problem: wenn ich offiziell als arbeitsunfähig erklärt werde, kann ich mich nicht mehr selbständig machen! Es ist NICHT so, dass ich nicht mehr arbeiten möchte. Im Gegenteil: ich möchte nicht vom Amt abhängig sein, sondern meinen Lebensunterhalt selbst verdienen! Ich verfüge auch immer noch über Stärken, die mich z B für kundenorientierte Jobs prädistinieren. Menschen, mit denen ich nur kurzen Kontakt habe, machen mir keine Angst. Ich habe ein Praktikum im Hotel gemacht und die Gäste lieben mich für meine fröhliche, herzliche Art. Ich spreche hervorragend englisch und sogar auf französisch kann ich mich verständigen. Der Hotelchef ist übrigens ein alter Freund von mir, der mich noch aus "guten Zeiten" kennt. Vor ihm habe ich keine Angst! Auch nicht vor den Zimmermädchen. Leider kann er mich nicht fest einstellen, dafür ist das Hotel zu klein. Aber das ist genau das, was ich machen möchte, und was ich mir noch zutraue. Dummerweise habe ich die Ausbildung nicht und wie bereits erwähnt, zahlt mir niemand eine Umschulung. Daher sind meine Chancen in diesem Bereich gleich NULL!
Fragen: Was mache ich nur mit der Arge und deren Jobangebote? Die schicken mich natürlich in meinen Technikjob zurück! HORROR!
Die DRV Nord bezahlt mir nur Fortbildungen oder Schulungen, wenn mich ein Arbeitgeber definitiv einstellt und mir ein bestimmtes Wissen oder ein Schein fehlt. Das ist unrealistisch. Ich habe es versucht: die Arbeitgeber stellen mich nur dann ein, wenn ich dieses bestimmte Wissen bzw einen bestimmten Schein schon habe.
Ich bin rat-, mut- und hoffnungslos. Am Montag werde ich erneut zu meinem Hausarzt gehen und ihn fragen, ob er mich noch in eine Maßnahme zu meiner Stabilisierung stecken kann.
Mich würden Eure Meinungen, Ideen, Inspirationen und Erfahrungen interessieren.
Mit lieben Marzipangrüßen
Karen
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