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Angstnetz Forum 25. Mai 2013, 07:58:40 *
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Autor Thema: Angst vorrangig beim Autofahren  (Gelesen 2958 mal)
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Zimtstern
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Beiträge: 7


« am: 13. April 2012, 20:11:48 »

Hallo zusammen!
Ich bin neu hier und suche Hilfe, Ratschläge oder einfach den Austausch mit Menschen, die ebenfalls von Angststörungen betroffen sind.
Ich leide seit etwa 7 Jahren unter einer Angstörung, die hauptsächlich das Autofahren betrifft. Seit ungefähr 4 Jahren ist es so schlimm, dass ich nur noch die nötigsten Wege, wie z. B. zur Arbeit, zum Einkaufen usw. mit dem Auto erledige. Autobahnen meide ich wie der Teufel das Weihwasser und auch auf Landstraßen fühle ich mir sehr unwohl. Am schlimmsten wird es, wenn sich andere Fahrzeuge hinter mir befinden Soweit möglich, halte ich dann am Straßenrand an und lasse diejenigen passieren. Dabei ist es mir unendlich peinlich, wie andere über mein Verhalten denken. Meine Angst hat sich im Laufe der Zeit verändert. Mal ist sie schlimmer, mal wieder schwächer. Anfangs war es nur, wenn noch jemand mit im Auto saß, jetzt auch, wenn ich alleine fahre.
Das Seltsame und was für mich einfach unbegreiflich ist: Ich bin vorher total gerne und sehr viel Auto gefahren und kann sogar behaupten, dass dies zu meinen Hobbys gehörte. Ich hatte noch nie einen Unfall, habe auch noch nie einen schlimmen Unfall gesehen/mitbekommen und beherrsche mein Auto absolut. Ich habe weder Angst vor einem Unfall, noch fühle ich mich unsicher in fremden Gegenden. Ich komme gut zurecht, wenn ich mich irgendwo nicht auskenne.
Ich bin in therapeutischer Behandlung und komme mit meiner Ärztin gut klar. Sie ist sehr einfühlsam und versteht mich gut. Leider hat die Therapie bisher nicht zum Erfolg geführt auch wenn sie mir mental sehr gut tut.
Nun hat mir meine Therapeutin den Vorschlag zu einer stationären psychosomatischen Reha gemacht. da ich u. a. auch unter einer Sozialphobie leide und einige schlechte Erlebnisse meiner Kindheit und Schulzeit nicht verarbeitet habe. Ich solle mir das mal überlegen.
Jetzt überlege ich und weiß nicht, was ich tun soll. Einerseits bin ich bereit dazu, andererseits macht es mir Angst, so lange von zuhause weg sein zu müssen und irgendwie ja auch als "krank" zu gelten.
Was erzählt man den anderen? Von meinem Problem wissen bisher nur mein Mann und meine Eltern, was auch wiederum ein Problem ist, da ich nicht öffentlich zu meinen Ängsten stehe, weil ich mich dafür schäme.
Vielleicht kann mir jemand weiterhelfen. Ich freue mich über jeden Ratschlag oder sonstigen Austausch!!!
LG
Zimtstern
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JEM
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« Antworten #1 am: 15. April 2012, 22:11:58 »

Hallo Zimtstern,

herzlich willkommen im Forum!
Angststörungen das Autofahren betreffend sind sehr häufig, aber sie sind dann oft an selbst erlebte Unfälle gebunden, die traumatisierend wirkten.
Manchmal ist es aber auch die generalisierte Angst, "es könnte etwas passieren, weil mir schon früher etwas passiert ist" (und das muss dann nichts mit selbst Autofahren tun zu haben) .
Deine Schilderung lässt mehr auf das Letztere schließen.
Haben die "schlechten Erlebnisse" in Deiner Kindheit Ängste in Dir zurückgelassen (z. B. Angst vor Nähe?).
Ich würde Dir zu der REHA raten, denn Du fühlst Dich krank, Du bist nicht zufrieden mit Dir.
Was erzählt man den "anderen"?
Du gehst in eine REHA um Dich zu kräftigen, um Dir Gutes zu tun, um nachher besser für Dich und andere zu bestehen.
Dazu hast Du doch ein Anrecht vor den "anderen".

Liebe Grüße
Jürgen
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Gesagt ist nicht gehört, gehört ist nicht verstanden. Verstanden ist nicht einverstanden. Einverstanden ist noch lange nicht angewendet. Angewendet ist noch lange nicht beibehalten.
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Zimtstern
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« Antworten #2 am: 17. April 2012, 05:20:09 »

Hallo Jürgen!
Zunächst einmal vielen Dank für deine Antwort!
Das stimmt, meine Angst kann eigentlich nichts mit dem Autofahren als solches zu tun haben.
Ich glaube auch, dass es in jeder anderen Situation, in der diese Angst/Panik zum ersten Mal auftaucht, hinterher zur großen Problemzone wird. In Zeiten, wo es mit meiner Angst besonders schlimm war, konnte ich auch nicht Aufzug, Rolltreppe oder Zug fahren. Auch in größeren Menschenversammlungen hatte ich Probleme, nicht die Kontrolle zu verlieren und wollte sie eher meiden. Das alles hat mir gezeigt, wie schnell man sich in eine "totale Angst" verrennen kann und mir wurde klar, dass ich es alleine nicht schaffen werde. Erst jetzt konnte ich Leute verstehen, die z. B. das Haus nicht mehr verlassen. So etwas war für mich vorher undenkbar und auch irgendwie nicht nachvollziehbar.
Mittlerweile hat mir wenigsten die Therapie soweit geholfen, dass ich von dieser totalen Isolation bzw. dem Weg dahin weit weg bin, aber dennoch schränken mich meine Ängste und die dauerhaften Gedanken daran total in meinem Leben ein. Sicher fühle ich mich auf eine Art und Weise krank, aber da ich das vor den meisten Leuten verheimliche, stehe ich wohl nicht richtig dazu. Und dieses Verheimlichen ist auch nicht einfach. Wie oft erfinde ich Ausreden, weil ich irgendwohin, wo es mit dem Auto gehen soll, nicht mitfahren will oder weil ich keine anderen Leute mitnehmen kann. Es ist schrecklich! Außerdem würde ich so gerne einfach in mein Auto steigen und an einige Orte fahren, wo ich schon länger nicht mehr war, es mir aber sehr wünsche, mal wieder dort zu sein. Aber nein, ich bleibe dann lieber frustriert zuhause, bemitleide mich selbst und denke, das wird nie mehr so sein, wie früher.
Autofahren - so komisch es vielleicht auch für manch einen klingt - bedeutet für mich Freiheit!
Früher hätte ich das auch nicht so formuliert, aber da ich mich bildlich gesehen in einem Käfig befinde, kann ich das schon so bezeichnen.
Diese Reha ist bestimmt ein guter Weg, mit sich selbst ins Reine zu kommen und mit alten, noch nicht verabeiteten Erlebnissen umgehen zu können, aber dennoch macht mir das Angst (immer wieder diese Angst!).

Liebe Grüße an alle
Zimtstern
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JEM
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« Antworten #3 am: 17. April 2012, 17:46:16 »

Hallo Zimtstern,

Deine Ängste sind in Dir, Du musst nichts dazu tun um sie zu rufen (wie z.B. aktiv Autofahren), sondern Du musst nur daran denken - schon sind sie da. Und wenn Du nicht an etwas Konkretes denkst, kommt irgendwelche Angst über die Hintertür in das Gedankenkreisen ...
Meine Frau hat eine ähnliche Angst wie Du vor dem Autofahren (dabei ist sie früher sogar mit einem Wohnwagengespann auf der Autobahn in den Urlaub gefahren). Ohne einen offensichtlichen Grund (Unfall) kam diese Angst auf, so dass sie seit Jahrzehnten auch jede Autobahn meidet und nur noch Kurzstrecken fährt. Ich kann also gut mitempfinden ...
Aber ich achte darauf, dass sie überhaupt noch fährt, deshalb hat sie auch heute noch ein eigenes Auto, obwohl wir eigentlich gut mit nur einem Auto zurecht kommen würden.
Autofahren bedeutet für Dich Freiheit, schreibst Du. Das klingt nicht komisch, sondern es ist die "Mobilität", dorthin zu kommen, wo Du gerne hin möchtest.
Deine Ängste engen Dich ein (und damit auch die, die Dir nahestehen), hole Dir also bitte jede Hilfe, die Du bekommen kannst, um sie wieder auf ein "normales" Mass zu senken!

Ich wünsche Dir Gutes!
Jürgen
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Zimtstern
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« Antworten #4 am: 18. April 2012, 04:45:40 »

Danke Jürgen!
Du glaubst gar nicht, dass mir jedes Mal ein paar Steine vom Herzen purzeln, wenn ich lese, dass andere Leute vergleichbare Ängste empfinden. Es gibt soooo viele Ängste, aber trotzdem meint man immer, die eigenen seien besonders merkwürdig, vor allem unerklärbar und aus diesem Grunde denkt man, man hätte 'se nicht mehr alle. Diese Selbstkritik ist bei mir sowieso sehr stark ausgeprägt.
Dass ich das Autofahren nicht sein lassen darf, ist wohl das Wichtigste an der Bewältigung, denn ansonsten gebe ich mich geschlagen und wer weiß, was ich später sonst noch alles nicht mehr mache, was mir vorher Spaß bereitet hat. Üben, üben, üben, sagt meine Therapeutin immer. Sich den Ängsten stellen und vor allem, sich immer sagen, dass man selbst vollkommen in Ordnung ist und dass nichts passieren kann.
Das ist natürlich alles leichter gesagt als getan, aber vermutlich der Schlüssel.
Was macht deine Frau denn sonst noch gegen ihre Angst? Oder wisst ihr, was bei ihr der Auslöser war?
Also, ich habe irgendwie immer den Wunsch, die Erklärung für das Ganze finden zu müssen. Ich glaube immer, wenn ich weiß, woran es liegt, dann kann ich es auch besser verstehen und dagegen arbeiten.

Liebe Grüße und einen schönen Tag!
Zimtstern
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« Antworten #5 am: 18. April 2012, 15:51:42 »

Hallo Zimtstern,

meine Frau hat außer Angststörungen (und auch bei ihren Ängsten geht es nicht nur um das Autofahren) noch andere psychische Diagnosen.
Sie sucht deswegen regelmässig ihre Psychiaterin/Neurologin auf, nimmt verschiedene Medikamente und war auch schon öfters in psychosomatischen Kliniken (REHA sowie stationär).
Die Begründung für die Ängste (und die daraus entstandenen Folgeerkrankungen) liegen in ihrer Kindheit. Die Diagnosen erfolgten allerdings sehr spät (sie war damals fast 50 Jahre alt), so dass die Behandlung jetzt schwieriger verläuft.
Du bist noch jung, deswegen kann ich Dir nur dringend empfehlen, nicht zuzuwarten, sondern sowohl die REHA, wie auch die weitere Behandlung aktiv zu fördern.
Gerade bei "schlechten" Ereignissen in der Kindheit setzt eine starke Verdrängung ein, die mit steigendem Lebensalter immer geringer wird, die Erlebnisse drängen sich dann wieder stärker nach vorne.
Du wirst die Erklärung(en) finden, wenn Du Hilfe annimmst,  es ist eine gemeinsame Arbeit!

Liebe Grüße
Jürgen


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Zimtstern
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« Antworten #6 am: 20. April 2012, 05:08:04 »

Hallo Jürgen!

Ja, ich werde natürlich alles daran setzen, wieder normal leben zu können, aber an vielen Tagen würde ich am liebsten alles hinschmeißen und mir die Decke über den Kopf ziehen.
Ich glaube dann immer, dass ich meine Ängste niemals loswerde, weil die Gedanken in meinem Kopf einfach nicht auszuschalten sind.
Eine Frage habe ich noch zu der Reha: Ist es erlaubt, während der Reha weiterhin Kontakt mit meinem Mann zu halten (telefonisch, evtl. durch Besuche) oder ist dies aufgrund des Kurerfolges nicht gestattet? Meine Therapeutin meinte nur, dass es evtl. nach 2 bis 3 Wochen erlaubt sei, aber so richtig beantwortet hat sie mir die Frage nicht und im Internet steht es mal so, mal so ...
Und, darf man sich eine Reha-Klinik aussuchen oder wird die Einrichtung vorgegeben?
Ach, und noch eine ganz wichtige Frage: Werden einem in der Reha automatisch Medikamente verordnet??? So etwas habe ich nämlich auch schon gelesen.
Ich habe bisher noch nie was eingenommen, möchte auch unbedingt davon Abstand nehmen!!
Im voraus schon mal vielen Dank für die Antworten!

Liebe Grüße
Zimtstern
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« Antworten #7 am: 20. April 2012, 21:56:42 »

Hallo Zimtstern,

Kontakt zu Angehörigen ist während einer REHA immer möglich, tel. sowie auch als Besuch (es wird nur dann eingeschränkt, wenn der Angehörige selbst der Grund für die Probleme ist).
Natürlich besteht der Sinn des Aufenthalts auch in einem gewissen Abstand vom Alltag, das bedeutet aber nicht eine komplette Abschottung. Es wird individuell festgelegt, wie Kontakte verlaufen, meine Frau hatte hierbei noch in keiner Klinik eine Beschränkung auferlegt bekommen.
Du kannst Dir eine REHA-Klinik selbst aussuchen, sie muss nur im Leistungsverbund Deiner Krankenkasse sein. Wenn Du eine bestimmte ausgewählt hast, einfach bei der Krankenkasse anrufen, sie geben Dir Auskunft.
Medikamente: Du wirst dort gründlich untersucht und es werden Diagnosen erstellt. Sollten zur Behandlung Medikamente erwogen werden, wird das mit Dir besprochen. Die Einnahme ist aber, wie immer, freiwillig.
Allerdings ist die Einführung eines Medikamentes in einer Klinik der Idealfall, denn Du kannst täglich dem Arzt berichten wie es auf Dich wirkt, er kann dann sehr schnell entsprechend reagieren. Ambulant geht das nicht so einfach, da Du dort Deinen Neurologen nur selten siehst.
Höre Dir also ggf. genau an, was Dir gesagt wird.
Medikamente sind auch eine Krücke, die hilft wieder laufen lernen ...

Liebe Grüße
Jürgen
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Zimtstern
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« Antworten #8 am: 21. April 2012, 16:47:48 »

Hallo!

Wahrscheinlich ist es wirklich das Beste, jede Hilfe, die man bekommen kann, in Anspruch zu nehmen, aber gerade wenn man sowieso sehr ängstlich ist und sich am liebsten zuhause verkriecht, ist das schon ein großer Schritt.
Ich hatte ja schon erwähnt, dass mich auch soziale Ängste plagen. Seit meiner Kindheit bin ich immer schon "die Stille" gewesen und dass das nicht normal sei, ist auch irgendwie die gesellschaftliche Meinung. Jedenfalls hat man früher schon immer versucht, mich aus meinem "Panzer" zu locken, aber je mehr man meine Zurückgezogenheit/Schüchternheit hinterfragt und in den Vordergrund gesetzt hat, umso schlimmer wurde es nur. Was im Kindergarten- und Grundschulalter noch lästig, aber nicht unbedingt problematisch war, entwickelte sich für mich in der weiterführenden Schule zu gravierenden Problemen, unter die ich noch heute zu leiden habe.
Erniedrigungen, Schikanierungen etc. pp., die mein damalig eh schon klitzekleines Selbstbewusstsein in den Boden stampften und meine Persönlichkeit so sehr verletzten, dass es mir noch heute - über 15 Jahre später - weh tut, obwohl ich von den meisten Leuten, mit denen ich heute zu tun habe, mittlerweile so respektiert werde, wie ich bin. Auch mein Selbstbewusstsein ist wieder gewachsen, aber dennoch lässt es zu Wünschen übrig. Ich habe seit über 12 Jahren einen lieben Mann an meiner Seite für den ich genauso bin, wie er es sich vorstellt und dennoch plagen mich Ängste, die ich früher nicht kannte und werden stärker. Manchmal glaube ich, dass ich früher - während dieser negativen Erlebnisse - einfach funktioniert habe und dass seit dem Zeitpunkt, an dem es endlich begann, besser zu werden, meine Ängste Fahrt aufnahmen.
Das sorglose und für mich entspannende Autofahren, das mir immer viel Spaß bereitet und mir Freiheit gegeben hat, weil ich so weit fahren konnte, wie ich es wollte, wurde mir durch meine Angst vor der aufkommenden Panik genommen.
Oder, z. B. mit dem Fahrrad einen Berg hinunter zu flitzen und sich zu freuen, dass man mal nicht strampeln muss und mal schau'n, wie schnell man denn so ist ..., das alles würde ich heute aufgrund meiner Angst, in Panik zu verfallen, nie mehr tun.
Auf Aussichtstürme klettern, mit dem Aufzug fahren, sich ein Konzert angucken ..., das alles bereitet mir Probleme und früher habe ich nichtmals darüber nachgedacht, sondern es einfach genossen.
Das ist nur eine Selbsterklärung, dass es evtl. so sein könnte, aber je mehr ich darüber nachdenke, umso wahrscheinlicher erscheint es mir.
Manchmal wünsche ich mir einfach einen "Resetknopf" am Kopf, wodurch sich all die schlimmen Ereignisse und schlechten Gedanken auf Null setzen lassen.

Ich wünsche Dir, Jürgen, und allen anderen ein schönes Wochenende!!!

Zimtstern
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« Antworten #9 am: 22. April 2012, 16:24:28 »

Hallo Zimtstern,

introvertierte, schüchterne Kinder haben es im Umgang mit ihren Mitschülern (und meist auch Lehrern) schwer. Ihre Zurückgezogenheit und Stille wird als Schwäche ausgelegt und diese vermeintliche "Schwäche" wird dann entsprechend ausgenutzt - und manche Kinder können da sehr grausam sein ...
Diese Enttäuschungen, Zurücksetzungen prägen dann für das ganze weitere Leben.
Um aus Deiner Sozialphobie herauszukommen, musst Du Schritt für Schritt Dein Selbstwertgefühl wieder zurückgewinnen. Ich denke, dass Du in einer REHA gute Anleitungen dafür bekommen kannst, die Du dann auch in Deinen Alltag mitnehmen kannst (wie z.B. durch Verhaltenstherapie, Gruppentherapie o.ä.).
Ich wünsche Dir noch einen angstfreien Sonntag!

Liebe Grüße
Jürgen
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Sharina
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« Antworten #10 am: 22. April 2012, 18:51:42 »

Hallo Zimtstern, ich verstehe Dich so gut, du schreibst mir aus der Seele. Ich habe meine Arbeit dadurch verloren, ich konnte nicht mehr als Berufskraftfahrerin arbeiten, ich habe Schweißausbrüche und totale Verkrampfung beim Autofahren erlebt. Ich vermeide Autobahnfahrten und Landstraßenfahrten, es ist furchtbar, viele Sehenswürdigkeiten kann ich mir nicht anschauen, weil ich dort nicht hinkomme. Bis jetzt konnte mir noch kein Therapeut helfen. Bei mir ist das schnelle Fahren ein Hauptproblem. Ich schreibe bestimmt noch etwas mehr, aber erstmal wünsche ich einen schönen Sonntagabend und einen guten Wochenstart, Sharina.
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Zimtstern
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« Antworten #11 am: 24. April 2012, 05:11:45 »

Hallo zusammen!

Sharina, wenn die Panik/Angst so starke Auswirkungen auf den Beruf und sogar den Verlust des Berufes zur Folge hat, dann ist das Ganze natürlich umso tragischer. Bei mir hat es bisher keine Auswirkungen auf meine Arbeit, obwohl ich zeitweise wirklich nicht wusste, ob ich den Weg dorthin schaffen werde. Bisher ist alles gut gegangen, ich vermute, das hat bei mir damit zu tun, dass ich mich selbst unter Druck setze und mir sage: "Da musst du ja jetzt hin, also!" Und wenn ich mir ein Busticket kaufen würde, hätte ich erst recht verloren.
Aber wenn ich tagtäglich mit dem Auto-/Bus- oder Lkw-Fahren meine Brötchen verdienen müsste, so wie es ja wohl bei dir der Fall zu sein schien, dann würde ich glaube ich auch verzweifeln.
Aber gib nicht auf! Klar kannst du dir Sehenswürdigkeiten anschauen, auch wenn du sie zurzeit "nur" mit der Bahn oder dem Bus erreichst, aber verzichte nicht darauf! Das schenkt dir auf jeden Fall Ablenkung von deinen Ängsten. Es sei denn, dir macht auch das Bahnfahren Schwierigkeiten, aber davon hast du bisher ja nichts geschrieben.
Die Geschwindigkeit spielt bei mir auch eine große Rolle. Je schneller ich fahren muss, umso schlimmer wird es für mich. Und vor allem finde ich es bergabwärts sehr schlimm, als würde man fallen.
Jürgen, ich danke dir für deine aufmunternden Worte! Ich habe gestern mit meiner Therapeutin gesprochen, ich bin kurz davor, mich für eine Reha zu entscheiden. Bei meinem nächsten Termin in 2 Wochen werde ich ihr sagen, ob sie den Antrag stellen soll oder nicht. Ich hoffe, ich mache mir nicht wieder tausend Gedanken, die dagegen sprechen...
Wünsche euch einen schönen Tag!
Zimtstern
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Clara
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« Antworten #12 am: 01. Mai 2012, 11:49:14 »

Hallo.
Ich habe die gleichen Ängste und sie gefährden mittlerweile auch meine Ehe, denn mein Mann möchte gerne mal mit dem TGV fahren oder nach Südtirol und nichts geht, denn ich habe Angst vor: schnellem Fahren, Autobahn, mehrspurigen Straßen und auch schnellen Zügen sowie Bergstrecken. Ich habe mir ein ausgeklügeltes System an Ausweichstrecken ausgedacht, aber manchmal geht es nicht.
Ich nehme jetzt Kava Kava als D8 Potenz, und ich habe schon alles mögliche, auch Gesprächstherapie probiert, nichts hat geholfen. Vor einer Zugfahrt denke ich schon wochenlang darüber nach, ob der Zug in eine Schlucht stürzt und wie meine Angst sein wird. Ich habe vorrangig Angst vor dem Tod.
 Ärgerlich
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clara
Zimtstern
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« Antworten #13 am: 01. Mai 2012, 15:20:15 »

Hallo Clara!

Ich kann dich gut verstehen und es tut mir leid, dass deine Ängste auf nahezu alle Fortbewegungsmittel ausgeprägt sind. Traurig ist es natürlich auch, wenn diese Probleme auf deine Ehe überspringen, denn es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man in solch einer Situation missverstanden wird und keinen Rückhalt hat.
Ich habe das Glück, dass mein Mann mich voll und ganz unterstützt und Verständnis für meine Ängste aufbringt, auch wenn er sie nicht verstehen und nachvollziehen kann. Aber es ist natürlich wirklich für jemand "Unbeteiligten" sehr schwierig, damit klar zu kommen und ich will nicht ausschließen, dass das auch in meiner Ehe zu Komplikationen führen könnte, nämlich dann, wenn ich mich hängen ließe und sozusagen aufgeben würde, dagegen was zu tun. Sicher habe ich oft schlimme Tiefpunkte, wo ich wirklich denke, dass macht doch alles keinen Sinn und bringt mich nicht weiter, aber ich weiß auch, wenn ich mich von meinen Ängsten geschlagen gebe, dann habe ich verloren und das Leben ist nicht mehr lebenswert.
Mit dem Zugfahren habe ich momentan keine Probleme, aber es gab eine Zeit, da hatte ich ähnliche Gedanken, wie du sie beschrieben hast und habe bemerkt, wie schnell man immer weiter rutscht, wenn man immer mehr Dinge meidet. Das waren irgendwie Alarmglocken in mir, denn irgendwann ist man dann soweit, dass man nicht mal mehr das Haus verlässt.
Vor 3 Jahren habe ich meinem Mann ein 4-tägige Reise nach Paris geschenkt und zwar sollte es mit dem Thalys (ähnlich wie TGV )von Köln aus losgehen. Auf die Reise habe ich mich sehr gefreut, aber was meinst du, was ich für Angst vor dieser Zugfahrt hatte, obwohl ich sie selber gebucht hatte. Die reinste Panik im Zug habe ich mir vorgestellt. Was, wenn die Türen zugehen, dann komme ich nicht mehr daraus? Was sollen die Leute denken? Was, wenn mir schlecht wird? Was, wenn ich durchdrehe, wenn ich die Kontrolle über mich verliere? usw. usf., aber ich hatte nunmal die Tickets gekauft und die sind nicht billig und deshalb musste ich mich meinen Ängsten stellen.
Ich hatte eigentlich keine Angst, dass dieser Zug verunglücken könnte, sondern nur, dass ich mit der Situation nicht fertig werde und durchdrehen könnte, weil ich da ja nicht weg kann.
Vorsichtshalber hatte ich allerdings Tickets für die 1. Klasse gebucht, da war mir das Geld einfach egal. Ich dachte mir, da es in der 1. Klasse ja bekanntermaßen nicht so eng ist und man mehr Beinfreiheit hat, würde mir das zumindest schon mal weiterhelfen, weil man eben nicht so beengt sitzt.
Ja, und dann kam der Tag der Abfahrt und ich war wirklich sehr, sehr aufgeregt und habe einfach versucht, mich mit der Freude auf Paris und der Tatsache, mit einem so modernen Zug fahren zu können, abgelenkt. Außerdem war ja mein Mann neben mir, so dass ich mich immer an seine Schulter lehnen konnte, denn das beruhigt mich auch.
Was soll ich sagen, als es dann losging, war es die ersten 10 Minuten nicht so schön, weil ich sehr angespannt war und meine Körperreaktionen total beobachtet habe, aber danach wurde es immer besser und ich hatte dann sogar richtig Spaß an der Fahrt, obwohl ich das vorher nicht für möglich gehalten habe. Und die Geschwindigkeit, die merkst du überhaupt nicht, denn in jeder Bimmelbahn oder in Regionalbahnen kommt dir die Fahrt viel unruhiger und auch schneller vor, als in solchen modernen Hochgeschwindigkeitszügen.
Seitdem macht mir Zugfahren im Wesentlichen nichts mehr aus, obwohl ich natürlich weiterhin meine Ängste in dieser Situation im Kopf habe, aber ich meide sie nicht.
Das ist natürlich einfach geschrieben, ich weiß. Würde mir jemand so etwas zum Autofahren schreiben, was ja mein größtes Problem ist, dann würde ich das auch denken.
Man muss sich der Situation stellen und darf sie nicht meiden, das ist das Wichtigste, wenn auch sehr schwierig in der Umsetzung.
Aber wenn ich dich richtig verstanden habe, hast du ja überwiegend Angst vor dem Sterben. Aber stell dir mal vor, du stirbst und hast bis dahin überhaupt nichts erlebt und von der Welt gesehen, weil dich deine Ängste ständig davon abhielten!
Ist dein Leben, um das du so Angst hast, denn dann noch wertvoll, wenn man sich nur noch einigelt und nicht sieht, welch schöne Orte es auf der Welt gibt, die oft gar nicht sooo weit weg sind, sondern eben nur eine mehrstündige Zugfahrt entfernt?
Man muss sich manchmal solche Fragen stellen, denn dann wird einem erst bewusst, wie ernst die Lage tatsächlich ist. Deshalb versuch solche eine Fahrt in Angriff zu nehmen, in erster Linie für dich und in zweiter für deinen Mann. Wenn er sieht, dass du ihm den Gefallen tust, dann reagiert er vielleicht auch verständnisvoller!

Liebe Grüße
Zimtstern

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« Antworten #14 am: 01. Mai 2012, 18:45:42 »

Hallo Clara,

erst einmal herzlich willkommen hier im Forum!
Ich denke die Kava-Potenz wird Dir nicht helfen, denn bei Deiner Angst (Deinen Ängsten) geht es nicht wirkllich um das schnelle Fahren in irgendeinem Verkehrsmittel, sondern es geht um eine Verlustangst.
Hast Du Angst vor Deinem eigenem Tod oder davor, dass Dein Mann tot ist, er dann nicht mehr für Dich da ist?
Die Wurzel dieser Angst liegt tiefer, versuche einmal mit einem Psychiater/Neurologen darüber zu reden.
Meine Frau nimmt vor langen Autobahnfahrten Tavor (und auch  nur dann, denn Tavor macht bei Daueranwendung süchtig), das hilft ihr gut (sie fährt natürlich dann nicht selbst Zwinkernd)

Wie auch Zimtstern schon geschrieben hat:
Lasse Dir nichts mehr in Deinem Leben durch diese Ängste wegnehmen, zeige den Ängsten, dass Du Du bist!
Ich wünsche Dir Gutes!

Liebe Grüße
Jürgen
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Clara
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« Antworten #15 am: 01. Mai 2012, 19:20:58 »

Vielen herzlichen Dank an die mir Antwortenden.
Ich denke auch, dass es nicht nur ums schnelle Fahren geht.
Ich habe -offen gestanden - keine Angst, dass mein Mann tot wäre und mich nicht mehr beschützen könnte. Ich habe mehrere schwere Trennungen und eine Scheidung hinter mir, das schreckt mich nicht so sehr.
Ich habe egoistischerweise Angst, dass i c h tot wäre, der Welt nichts mehr sagen könnte (ich bin Künstlerin) und dass ich gehe ohne eine Spur zu hinterlassen und noch etwas äußern könnte. So habe ich auch nur Angst vor einem schnellen Tod und nicht vor Krebs (was viel gefährlicher ist) oder dem Alter. Ich will einfach noch nicht sterben und in jeder Zugfahrt und in jeder Autofahrt sehe ich die drohende Möglichkeit.
Ich habe auch nicht - wie Zimstern - das Problem, dass ich denke, was ist, wenn es die anderen sehen oder daß mir schlecht wird oder so was.
Ich spreche offen über meine Ängste, jeder weiß davon.
Tavor habe ich auch zu Hause, da ich aber oft zu beruflichen Abendterminen fahren muss, kann ich das nicht nehmen, denn ich muß dann fit sein.
Ich trinke auf den Rückfahrten gerne Alkohol, da geht es besser (als Beifahrer, selbst fahre ich nur in der Stadt.
Sonst bin ich übrigens gar nicht ängstlich. Ich bin nicht schüchtern sondern sehr extrovertiert.
Das ist auch ein Problem. Vielen Dank. Clara
 
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clara
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« Antworten #16 am: 01. Mai 2012, 22:48:23 »

Hallo Clara,

um es noch einmal deutlich zu sagen - meine Frau nimmt Tavor immer nur als "Notfallmedizin", zwei bis dreimal im Jahr, wenn sie bei längeren Autobahnfahrten bei mir dabei ist.

Unser Leben ist gefährlich und endet immer tödlich, daran führt kein Weg vorbei.

Du willst nicht gehen ohne eine Spur zu hinterlassen, gibt es denn diese Spur nicht auch schon heute?
Hat Deine Kunst bis jetzt keine Menschen berührt?

Schüchtern und ängstlich sind nicht miteinander verbunden, schüchtern (introvertiert) kann man sein auch ohne Ängste in diesem Bereich.

Man kann seine Ängste auch extrovertiert mitteilen-  als ein Pfeifen im Walde - was ist aber dann, wenn es kein Publikum mehr gibt?

Als Künstlerin musst Du Dich bewegen, Dein Publikum besuchen, den Gleichklang mit ihm finden.

Ich wünsche Dir gute Gedanken!

Liebe Grüße
Jürgen
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