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Autor Thema: England-Kurztrip mit Platzangst?  (Gelesen 2301 mal)
Ana  
Gast
« am: 24. März 2004, 12:30:37 »

Hallo!

Vorgestern habe ich im TV zufällig eine Reportage über Ängste und Phobien gesehen, dabei ist mir malwieder vor Augen geführt worden, dass es nichts hilft, die Dinge zu vermeiden, oder zu sagen ?ich mache das, wenn?s mir besser geht?. Man muss es einfach tun und die Ängste durchleben, einen anderen Weg gibt es nicht.

So habe ich dann abends in einem Anflug von Optimismus verkündet, dass ich eine Freundin, die grade Auslandssemester in Manchester macht, noch besuchen möchte, solange sie noch da ist (bis Juni). Ich würde dann mit meiner besten Freundin und evtl. auch meinem Freund mit nem Billiganbieter von Köln nach Manchester fliegen, und ein WE bleiben, dann wieder zurück. Wir haben schon ein WE Mitte Mai ausgeguckt. (Wir hatten das schon von Anfang an geplant, aber dann kam meine Agoraphobie dazwischen.)

Gestern Abend is mein Optimismus allerdings wieder flöten gegangen. Ob das nicht zu früh ist? Okay, dass ist wieder der Gedanke, ich machs wenn?s mir besser geht ? aber man soll ja auch nicht zu große Schritte auf einmal machen.
Und das wäre einer der größten Schritte für mich ? mit einem Flug und einem
Urlaub an einem weit entfernten Ort hat die ganze Panik-Platzangst-Geschichte bei mir angefangen. Und das ist grad mal 8 Monate her.
Vorher möchte ich auch das mit dem Zugfahren erst mal ausprobieren ? das konnte ich bis jetzt auch nicht mehr. Für nächste Woche ist das jetzt erst mal geplant...
Habe mir auch kurz überlegt, ob es besser wäre, mitm Bus oder so nach England zu fahren, aber das geht garnich ? so schrecklich lang im Bus sitzen, da kann ich ja auch nich so toll anhalten, wenn ich will ? und vor allem kommt noch Schiff oder Tunnel dazu... Da ist Flugzeug schon besser, weil?s einfach schneller geht ? dafür bin ich dort eben wirklich erstmal gefangen.
Ich dachte mir, irgendwie übersteh ich die Zeit Flug schon (?) ? aber was ist mit dem Aufenthalt dort, das sind ja nicht nur ein paar Stunden...

Ich hab einfach Angst, dass das ganze nach hinten los geht, und es mir danach wieder schlechter geht als im Moment...

Viele Grüße, Ana
Gespeichert
Ana  
Gast
« Antworten #1 am: 30. März 2004, 20:27:43 »

Hola Tom!

Hab mich noch nich entschieden...
Möchte jetzt morgen nochmal mit meinem Thera drüber reden, mal hören, was er zu der ganzen Sache sagt. Natürlich kann er mir die Entscheidung auch nich abnehmen, aber vielleicht werde ich mir im Gespräch auch klarer über die Lage.
Weißt du, ich WILL ja gerne. Ich hab nur zuviel Angst, dass es nach hinten los geht...
Hey, wünsch dir viel Glück und vor allem viel Spaß bei deinem Berlin-Trip!!

Liebe Grüße, Ana
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TomStern  
Gast
« Antworten #2 am: 30. März 2004, 21:52:17 »

Hi Ana,
tja im Moment vergeht mir ein wenig meine große Klappe, aber egal da müssen wir durch :-)
Die Idee mit dem Therapeuten  finde ich übrigends gut, denn da könnt ihr noch mal das Dafür und Dawieder abwägen. Wünsche Dir auf jeden Fall, dass Du Die Lösung findest die für Dich die Beste ist
LG
Tom*
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Dilein  
Gast
« Antworten #3 am: 24. März 2004, 13:06:08 »

Liebe Ana,

zuerst einmal Glückwunsch, dass Du die Angst nicht tätschelst, sondern ihr die Stirn bietest. Sie ist nämlich ganz schön raffiniert und freut sich ungemein, wenn man ihr entgegenkommt und sich nach ihr richtet.

Aus meiner Erfahrung kann ich Dir nur sagen, was ich vor 4 Jahren für ein  Theater mitgemacht habe, nur weil mein Mann (damals noch nicht geschieden) mit mir nach Oldenburg fahren wollte. In einem durch mit dem Wagen so 600 km. Ich hatte es mir fest vorgenommen, schlief vor Angst kaum noch, bekam Panik sogar auf meinen  Waldspaziergängen und entwickelte eine richtige Wut auf mich, warum ich das überhaupt tue. Wir wollten meine Schwester besuchen, ich sollte dort ein paar Tage bleiben, während mein Mann zu seiner Geliebten (ühüm) 2 Stunden entfernt fahren wollte. Wir führten ja eine (heute mus ich lachen) offene Ehe.

Ich packte 4 (jawohl vier) Koffer und stellte sie in meinem Zimmer auf (wir lebten schon getrennt). Diese Koffer standen schon einige Tage fix und fertig da und ich schaute vor dem Einschlafen immer Richtung Fenster, wo sie stumm dastanden und von ihrer Reise träumten. Dann kam die letzte Nacht. Wir wollten spätestens um 8 oder 9 morgens los. Meine Schwester hatte ich nicht informiert, aus Sorge, dass sie sich umsonst freut. Um 2 Uhr lag ich noch wach, schwitzte vor Angst, sah mich im Auto schreien, durchdrehen, um Hilfe rufen, ins Lenkrad fassen und solchen Blödsinn. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie geschrien in so einer Situation, aber in meiner Phatasie wurde ich ein hysterisches Weib. Um 3 sah ich wieder auf die Uhr und dann stand für mich fest: Nee, so was mache ich nicht, ich werde den Rest meines Lebens nicht mehr verreisen und basta.

Mit diesem festen und stolzen Entschluss muss ich dann so gegen 4 eingeschlafen sein und wachte um 7:30 Uhr in Schweiß gebadet auf. Ich raste ins Bad, warf vorher einen Blick auf die Koffer und in meinem Kopf begann es zu arbeiten. Heute abends könnte ich meine Schwester umarmen, morgen durch Oldenburg gehen, wo ich als Kind lebte, Freundinnen besuchen usw. Ich könnte aber auch hier bequem mit der Angst alleine sein im Haus und vielleicht käme sie ja gar nicht.

Als ich aus dem Bad gehe, kommt mir mein Mann aus seinem Zimmer entgegen, sieht mein blasses und wohl verkrampftes Gesicht und sagt sofort: "Du musst ja nicht". Und ich höre mich sagen: Ich fahre mit.

Ana, und ich bin gefahren. Und soll ich Dir was Schönes sagen? Bis auf die Enge in diesem blöden neuen schicken Auto, das mein Mann unbedingt kaufen musste und wo der Hund sich kaum rühren konnte (ein süßer Westi) war die ganze Reise ein einziges Erlebnis. Ich wartete förmlich auf die Angst, nix. Nach 2 Stunden war ich total entspannt, wir frühstückten in einem netten Rasthaus, ich war fröhlich und machte Scherze. Erstmals in meinem Leben schlief oder dämmerte ich sogar kurz vor Oldenburg etwas ein und war putzmunter, als wir durch die Hauptstraße fuhren. Na, und meine Schwester...die Freude kannst Du Dir vorstellen.

Was ich Dir damit sagen will: Der Angst ist es wurscht, ob sie Dich zuhaus oder unterwegs packt. Aber unterwegs bist Du nicht alleine, Du bist abgelenkt und was Besseres kann Dir nicht passieren. Ich habe die Angst damals zwar nicht überwunden, aber mein Selbstvertrauen stieg mächtig an und ich habe inzwischen so ein bisschen gelernt, der Erwartungsangst mutiger entgegenzutreten.

Trauriger Nebeneffekt der Reise war lediglich, dass unsere Ehe durch diese Reise vollkommen zerrüttet wurde. Mein Mann telefonierte an jeder Raststätte per handy mit IHR, ich kam mir überflüssig vor und gab mir alle Mühe, die Situation zu retten, war freundlich und nett, aber es half nichts.

Liebe Ana, ob Du Zug- oder Busfahren übst oder Dich ins  Flugzeug setzt, ist eigentlich egal. Die Angst kennt weder Grenzen noch Kilometer. Stelle Dich und hab' Mut, dann wird die Reise für Dich zum hoffentlich unvergesslichen Erlebnis im positiven Sinne. Und solltest Du Dich anders entscheiden, dann ist das auch DEINE Sache. Nur Du allein steckst in Dir drin.

Ganz liebe Grüße
schickt Dir Dilein
Gespeichert
olja
Gast
« Antworten #4 am: 24. März 2004, 15:31:32 »

HI Ana! :)

Also der Bericht von Dilein ist super, der sagt schon alles aus. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich alleine in die Ukraine fahren werde, 30 Stunden eingesperrt in einem klitzekleinen Abteil mit weiteren 2 fremden Personen. Aber ich habs doch geschafft!  Lächelnd  Klar, es war nicht einfach, aber es hat sich gelohnt. Ich hatte auch Angst bei meinem Aufenthalt in Kiev, aber mein Gott, es hat sich trotzdem gelohnt! Und ich hab so viel Neues gesehen, so viel erlebt und dazugelernt. Ich glaube, manchmal muss man es einfach nur wagen und die spontanen Entschlüsse sind oft die besten wie ich finde :) Was hast du zu verlieren?

 wink
LG,
Olja
Gespeichert
Ana  
Gast
« Antworten #5 am: 24. März 2004, 22:28:49 »

Hola!

Dilein, vielen Dank, dass du mir diese Geschichte von dir erzählt hast! Sie macht mir ein bisschen mehr Mut!
Tja, die Angst vor der Angst ist oft tatsächlich größer, als die Angst in der betreffenden Situation.
Aber es ist für mich eben doch noch ein Riesenunterschied, ob ich zum Beispiel mit dem Auto eine weite Strecke fahre um ein WE in München zu verbringen, oder eben fliege und ein paar Tage in einem anderen Land verbringe. Dass ist halt echt noch mal eine viel höhere Stufe. Es ist fast das höchste Ziel, dass ich in meiner ?Angstkarriere? erreichen kann und will (das allerhöchste wäre übrigens ein Trip nach Indonesien ? unvorstellbar aber irgendwann...) . Und ich frage mich eben, ob es nicht zu früh für diesen Schritt ist...

Deine Einstellung ,Olja, immer versuchen, das Leben zu leben, als wäre alles ?normal?, und trotz allem Unternehmungen machen ? ist toll und gehört wahrscheinlich auch unbedingt dazu, um einmal wirklich wieder ein Leben ohne Panik führen zu können. Das ist ja auch mit ein Grund, dass ich mich zu diesem Trip nach Manchester entschlossen hab, wir hatten es unsrer Freundin versprochen, möchte eh gern mawieder nach England und was unternehmen, und es könnten im Prinzip ein paar super Tage werden.

Wenn da nicht die Panik wäre...

Liebe Grüße und Gut´s Nächtle,
Ana
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EmilyErdbeer  
Gast
« Antworten #6 am: 24. März 2004, 22:53:16 »

hallo ana,

mensch, ich kanns mir net verkneifen, dir auf deinen beitrag zu antworten, da aus aktuellem anlass so eine reise hinter mir liegt. ichhabe zwar meine ängst etwas besseri m griff durch eine verhaltensthera letzten august in einer reha, aber das schlimmste für mich war eine reise nach costa rica in die heimat meines partners ...

das lange fliegen, umsteigen, so weit entfernt (ich konnte letzten somm,er teilweise das haus zum einkaufen im ort nicht mehr verlassen ... ). ich mag fliegen nicht, ich kann nicht aussteigen wann ich will, mir ist alles zu eng, die luft, der druck, ... furchtbar, aber ich woltle es machen!

und siehe da, es hat hingehaun! auch die megastrapazen mit allem was schief ging auf der heimreise (statt 24 stunden waren wir 34 stunden unterwegs und standen zum schluß ohne gepäck da!) hab ich mit einem einzigen heulkrampf aufm pariser flughafen überstanden.

ichhatte eine heidenangst vorher! schon wochen vorher kreisten meine gedanken um diese reise und ich muß dir sagen, ich habe sowas von genossen! habs mir zwar mit schwiegereltern in spe bissel vermasselt, aber macht nix ... alles was ohne familie meines partners stattfand war einfach super! ich sammelte erfahrungen, ich erlebte neue dinge, so weit entfernt von zuhause! ich bekam ein gefühl der freiheit, das ich schon lange nicht mehr (ich möchte behaupten noch nie) hatet! es war einfach super, dass ichs gemacht habe ...

aber logo, geht das net einfach so, ich habe mir vorher ein "sicherheitsnetz" geschaffen. in costa rica wußten alle von meiner angsterkrankung (wurde darauf reduziert, war sehr negativ, aber ist nunmal so, dass ichs hab!), somit verschaffte mir das erstmal icherheit, dass ich nicht alles machen mußte. ich habe mir auch gesagt, ich muß nicht ständig auf achse dort sein und alles sehen, denn es wird sicher nicht das letzte mal sein, dass ich dort bin, wichtig ist erstmal, dass ich es gewagt habe! dann habe ich mit meinem freund zeichen abgesprochen, wenn mir mal nicht gut sein sollte, dass er es gleich emrkt, bzw ich es ihm gleich unauffällig erstmal signalisieren kann.

ich habe viele situationen durchgesprochen und es war mir eine große hilfe, das smein freund da bedingungslos hinter mir steht! wie sieht das mit deinem freund aus? beitet er dir eine solche sicherheit? und deine freundinnen (die, die mitreist und die in manchester), wissen die über deine angst bescheid? vielleicht ist es dir ja ne kleine hilfe, wenn du sie vorinformierst, was schwer sein wird für dich und wenn du weißt, dass sie verständnis für dich haben werden, auch wenn es beeutet, irgend n ausflug auf der stelle abzubrechen oder ähnliches? so habe ich das mit meinem freund alles haarklein besprochen. ruhephasen eingeplant, die sehr wichtig für mich sind.

und wie wäre es, wenn du dir ne kleine belohnung ausdenkst? die du entweder vor ort dir gönnst oder bei deiner rückkehr?

ich profitier bis heute von der reise ... ich trat sie auch mit zweifel an, entweder ich schaff alles oder alles ist dann wieder im eimer dachte ich mir ... und ersteres trat ein, denn ich schaffte die reise (natürlich gab es auch angstmomente, aber die waren viel viel weniger, als ich befürchtete, überraschenderweise!), aber ich habs geschafft! ich bin bis südamerika geflogen! stundenlang im flieger! es ging! ich hatte ein paar notfallmedis dabei (in meinem fall schmerzmittel und imodium) und das gab mir auch sicherheit ...

ach froilleine rdbeer, erstmal stop jetzt an dieser stelle, genug getippselt, vielleicht war ja das eine oder andere rosinchen für dich dabei ...

so long, erdbeere
Gespeichert
Ana  
Gast
« Antworten #7 am: 26. März 2004, 13:33:42 »

Hallo EmilyErdbeer,

Danke, eure Geschichten machen mir wirklich etwas mehr Mut. Wow, Südamerika...

Meine Freundinnen wissen Bescheid über meine Angsterkrankung, ich habe das nie verheimlicht und kann da offen drüber reden. Meine beste Freundin unterstützt mich auch sehr. Das ist natürlich ein großer Vorteil, der auch einiges leichter macht.

Auch mein Freund tut sein bestes um mich zu unterstützen.

Erst hatten wir geplant, von Manchester aus evtl. noch eine Tour nach London zu machen, ich habe aber auch schon gesagt, dass mir das wahrscheinlich zu viel wird.

Notfallmedis werd ich auf jeden Fall auch mitnehmen (Diazepam - ohne hätte ich Kuba nicht überstanden).

Danke für die Hilfe!
Viele Grüße, Ana
Gespeichert
Ana  
Gast
« Antworten #8 am: 28. März 2004, 16:17:04 »

Hallo!

Langsam muss ich mich entscheiden, ob ich fliegen soll oder nicht. Wir haben jetzt einen Flug gefunden, und je länger wir mit buchen warten, desto teurer könnte es werden.

Aber ich kann mich einfach nicht entscheiden, ich möchte gerne fliegen und genannte Gründe sprechen dafür, und eure Geschichten ermutigen mich auch.

ABER wie ich schon sagte, ich fürchte zu sehr, dass das ganze als zu großer Schritt nach hinten los geht. Selbst wenn die Flüge und das WE voll Panik werden sollte, es sind nur ein paar Tage, und ich kann sie überstehen. Aber was ist, wenn es Folgen hat, wenn es mir danach wieder schlechter geht, ich wieder mehr Probleme habe als vorher? Ich komme grade recht gut mit der Platzangst klar (habe mehr Probleme mit generalisierter Angst im Moment), und wenn ich zuviel wage, und einen Rückfall habe? Kommendes Semester wird auch superstressig bei mir, und wir fliegen mittendrin, kommen So Abend wieder und ab Montag muss ich wieder in der Uni alles geben können... Einen Rückfall kann ich mir gar nicht erlauben...

Viele Grüße, Ana
Gespeichert
Dilein  
Gast
« Antworten #9 am: 28. März 2004, 17:14:32 »

Liebe Ana,

ich kann Deine Ängste gut nachvollziehen und das Traurige ist, dass Dir die Entscheidung niemand von uns abnehmen kann. Du musst alleine in Dich ganz genau hineinhören und abwägen, was für Dich jetzt im Moment Priorität Nr. 1 ist. Wenn Du glaubst, dass dieser Flug Dich nach hinten wirft und Du deshalb das Semester schlecht angehst und auch sonst große Bedenken hast, dann setze Dich nicht unter Druck so nach dem Motto: Ich MUSS fliegen. Du MUSST überhaupt nichts, außer, Du selbst bist davon wirklich überzeugt bzw. gehst das Risiko ein oder lässt alles vertrauensvoll auf Dich zukommen.

Wie die ganze Geschichte tatsächlich abläuft, weiss niemand. Fest steht nur, dass Dir nichts Lebensbedrohliches passieren kann, fest steht aber auch, dass es wenig Sinn und Freude macht, wenn Du schon vorher dermaßen große Erwartungsängste hegst und an Dir zweifelst.

Denn letztendlich ist es Dein mangelndes Selbstvertrauen. Wie wird der Körper reagieren, wie wirst Du damit fertig, lohnt sich das alles und so fort. Es hat wenig Sinn, alle Punkte gegenüberzustellen, denn jeder einzelne kann sich verselbständigen.

Es geht jetzt darum, ob Du willst oder ob Du nicht willst. Denn nur Dein Willen bringt Dich über diese Hürde. Und das kann durchaus auch der Wille sein, es NICHT zu wagen. Aber eine Entscheidung solltest Du treffen, damit Du ruhiger wirst.

Ein Therapeut sagte mir einmal, dass ich den Fehler machte, wenn es mir schlecht ginge, von Stunde zu Stunde darauf zu hoffen, dass ich eventuell es noch schaffen könnte, im Wald spazieren zu gehen oder in die Stadt zu fahren. Er gab mir den Rat, morgens aus dem Fenster zu sehen, zu spüren, wie ich mich fühle und dann zu entscheiden: ich bleibe heute zu Hause und mache etwas, was mir Freude macht, egal, ob das Arbeit oder was anderes ist oder ich entscheide, rauszugehen. Aber es hätte wenig Sinn, sich den ganzen Tag damit zu verderben und noch Schuldgefühle zu entwickeln, weil ich zu keiner Entscheidung fähig bin. Der gute Mann hatte Recht.

Ich halte mir die Option zwar auch heute immer noch frei, aber nicht so verbiestert. Wenn es nicht geht, dann geht es eben nicht, basta. Eine Reise ist schon schwieriger, weil sie geplant sein will. Trotzdem weisst Du - wie ich oben lese - wie Du Dich fühlst bei dem Gedanken, sie anzutreten oder nicht. Und das würde ich mit mir ganz alleine abklären. So aber setzt Du Dich einem unnötigen Stress aus. Wenn Du nun nicht fliegst, hast Du Dir viele Tage allein mit dem Darübernachdenken verdorben. Fliegst Du, weil Du es wirklich willst, dann sind es Tage der Vorfreude und des Vertrauens darauf, dass Du es schaffst.

Es tut mir leid, dass ich Dir nicht mehr Positives sagen kann, hoffentlich klingt es nicht zu hart für Dich.

Alles Liebe wünsche ich Dir!
Herzlichst Dilein
Gespeichert
TomStern  
Gast
« Antworten #10 am: 28. März 2004, 23:48:29 »

Hallo Ana,
ich kann Deine Situation gut nachvollziehen, denn ich stecke im Augenblick in so was ähnlichem drin:
Vor drei Wochen habe ich Post vom Bundestag bekommen, dass ich eine Reise nach Berlin mit vollem Programm gewonnen habe. Tja jeder normal Mensche hätte sich wohl erst mal tierisch gefreut wäre an die Decke gesprungen und hätte sofort hundert Leute angerufen. Nja mir ist da zuerst einmal das Herz in die Hose gerutscht und die nächsten zwei Tage war ich ziemlich durch den Wind. Dann bin ich mit mir in Klausur gegangen und habe etwas darüber nachgedacht. Zuerst einmal habe ich meine Angst ausgeklammert und mich gefragt ob ich da überhaupt hin will nun und das Ergebnis war ziemlich eindeutig: Zum einen bietet sich mir da als politisch interessierter Mensch die unglaubliche Chance einen Blick in das Zentrum unserer Demokratie zu werfen. Zum anderen geht es aber auch in eine Stadt, auf die ich schon lange ein Auge gworfen habe-kurzum ich habe Berlin gedacht und wusste da muss ich hin. Dann bin ich das Programm Schritt für Schritt durchgegangen und habe mir überlegt wie ich da am besten durchkomme. Am Anfang war das ziemlich eklig, denn bei jedem Gedanken an die Reise kam so ein Horrorfilm auf, was da nicht so alles schiefgehen könnte. Also habe ich es weiter durchgespielt habe die Angstgedanken so gut es ging ausgeschaltet [zum einen mittels Realitätsüberprüfung zum anderen dann mit Hillfe des Gedankenstopps] und irgendwann kam so ein ganz seltsames Gefühl von Vorfreude auf. Allerdings war mir auch klar, dass ich mir nicht alles zumuten muss und so habe ich bereits im Vorfeld Bescheid gesagt, dass die Stadtrundfahrt ohne mich stattfinden wird. [Drei Stunden in nem Bus, nä das muss dann doch nicht sein-da habe ich dann doch mehr Angst davor als Lust drauf ;-)]
Nun übermorgen gehts los und natürlich bin ich heftig aufgeregt, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich in den Zug steige. Außerdem habe ich versucht die Tage vorher oft rauszugehen um einfach auch meine Angst auszutesten. So habe ich mich gestern seit ewigen Zeiten wieder mal in ein Fußballstadion hineingetraut und auch dabei nur gewonnen - und mit mir der auch der ganze SC Freiburg :-). Außerdem habe ich sportmäßig den Hintern hochbekommen, was mir eigendlich schon wieder unheimlich ist *g*.
Was ich mit dieser Geschichte vor allem sagen möchte ist, dass es nicht allzuviel bringt einen so großen Schritt nur zu wagen um 'etwas gegen die Angst zu tun'. Es geht eher darum so viel Lust auf eine Aktion zu entwickeln, dass man gerne dazu bereit ist, sie trotz oder besser mit der Angst zu unternehmen.
Von daher wäre es vielleicht sinnvoll wenn Du Dich zuerst einmal fragst, ob Du wirklich nach England willst und zwar nicht wegen der Angstbekämpfung, oder weil es Dein Umfeld erwartet, sondern weil Du England und Deine Freundin sehen möchtest. Natürlich kommt da schon mal Angst hoch, aber lege sie zuerst einmal auf die Seite und frage Dich ob England für Dich einen ähnlichen Beigeschmack bekommen könnte wie für mich im Augenblick Berlin. Wenn das der Fall ist, dann musst Du nur noch herausfinden, ob Du es Dir auch zutraust. Gibt es da irgendwo einen Funken der Dir sagt: Mensch das könnte ich doch packen. Wenn Du den findest dann kannst Du versuchen Dir auszumalen, wie gut Du die ganzen Situtationen vor denen Du Angst hast meisterst. Für den Flug kannst Du Dir übrigends vom Arzt Tavor verschreiben lassen. Man sollte das Zeug zwar nicht mit Smarties verwechseln, aber für akute Notfallsituationen ist es auf jeden Fall geeignet.
Sollte Dir das ganze jedoch noch ne Nummer zu groß erscheinen, dann überlege Dir doch, ob Du nicht mit etwas kleinerem anfängst - irgendwo wird es doch auch ein kleineres Ziel geben das Du schon immer mal in Angriff nehmen wolltest. Bei mir war das vor ein paar Jahren mal Südfrankreich und auch da war irgendwann die Sehnsucht einfach größer als die Angst. Sollte Dir das mit England also noch zu heiß sein [also wer fliegt schon gerne auf ne Insel *g*}, dann such Dir doch etwas anderes ebenso Schönes, schnapp Deinen Freund und fahr dort hin. Wegfahren würde ich auf jeden Fall, denn das ist doch wohl der eigendliche Sinn der vorlesungsfreien Zeit :-).
So viel also mal von meiner Seite zu diesem Thema. Ich denke egal wie Du dich entscheidest, Du kannst nur gewinnen: Fliegst Du ist das ein toller Erfolg, suchst Du Dir ein anderes Ziel ist das eine ebenso große Sache. Vor allem hast Du aber schon mal darüber nachgedacht, in einen Flieger zu steigen und das ist ein wichtiger Anfang
LG
Tom*
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deleteuser
Gast
« Antworten #11 am: 29. März 2004, 00:58:15 »

Hi Tom*,

Kompliment, wie Du an dieses Thema rangegangen bist! Ich habe den Reichstag erst gestern von der Nähe gesehen, aber ich war trotz vieler vieler Jahre in Berlin noch nicht in der Kuppel. Geschweige im Bundestag...

Wünsche Dir eine gute Reise und viel Spaß

Grüße Stefan

Gespeichert
TomStern  
Gast
« Antworten #12 am: 30. März 2004, 17:33:43 »

Hallo Zusammen,
@ Stefan danke für das Kompliment :-) hoffe meine Strategie funktioniert auch noch die nächsten Tag -sitzte jetzt auf meinen gepackten Koffern und bin mal gespannt wies wird. Bericht folgt wenn ich wieder zu Hause bin :-)

@Ana - wie läufts bei Dir denn mit Deinem Englang-Trip? - haste Dich schon entschieden-würde mich freuen wenn Du uns auf dem laufenden hälst :-)

LG
Tom*
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Boernie
Beginner
*
Beiträge: 1


« Antworten #13 am: 02. April 2004, 20:21:56 »

@ Ana
Auch ich wünsche dir alles Gute und wünsche dir die richtige Entscheidung.
Andersherum gesagt was verleirst du wenn du dich falsch entscheidest, was könnte schlimmstenfals passieren.
Un dwas gewinnst du wenn du dich für das richtige entscheidest - was ist der maximale Gewinn.


@ Tom
Ich finde du hast die Sache sehr sehr gut beschrieben.
Auch aus meiner Erfahrung heraus ist es  das Wichtigste  ob man eine Sache will, vielleicht getreu dem einfachen Sprichwort
"Wo ein Wille ist ist auch ein Weg".
Natürlich mit all den Grenezen die man für sich selbst bestimmen muß oder besser den   Freiheiten die man sich zutraut, die man  HABEN will.

Börnie

[Editiert am 2/4/2004 von Boernie]

[Editiert am 2/4/2004 von Boernie]
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Ana  
Gast
« Antworten #14 am: 06. April 2004, 21:42:11 »

Hallo ihr Lieben!

Also, ich bin inzwischen zu 90 % so weit,   nicht zu fliegen.

Es ist so, dass das nächste Semester für mich sehr stressig und fordernd wird, und das Risiko mittendrinn einen Rückfall zu kriegen, ist mir einfach zu hoch.
Für einen England-Flug müsste ich mich außerdem ja auch intensiv darauf vorbereiten à la VT.
Ich konnte schon letztes Semester nicht viel für die Uni tun, und daher möchte ich mich darauf konzentrieren, dieses Semester gut hinzukriegen, wie ich es mir vorgenommen hab (letzte Zwischenprüfung, Hauptseminare, Referate,...).

Aber ich werde dies oder ähnliches auf jeden Fall nachholen, in den nächsten Semesterferien, wenn ich Zeit und Ruhe habe, mich darauf vorzubereiten, und mich gegebenenfalls wieder davon zu erholen...

Viele Grüße, Ana
Gespeichert
Dilein  
Gast
« Antworten #15 am: 07. April 2004, 09:45:57 »

Hallo Ana,

weisst Du noch, wie ich darüber schrieb, dass eine Entscheidung auch ruhig mal negativ ausfallen kann, Hauptsache es ist eine Entscheidung. Und nun hast Du abgewogen, das Für und Wider gegenübergestellt und bleibst hier.

Dann wünsche ich Dir, dass die Reise nun aus Deinem Kopf fliegt und  Du Dich über Ostern mit schönen Dingen beschäftigen kannst, die Dich weder belasten noch einengen. Nur Du alleine spürst, was Du Dir zutrauen kannst und das ist halt manchmal dann so, dass der Wille eben nicht ausreicht. Hat jeder von uns erlebt.

Ich glaube, wenn Du erst einmal Erfolge an der Uni siehst, wird das Dein Selbstbewusstsein so stärken, dass Du die Reise ohne Ballast beim nächsten Anlauf antreten wirst. Und darauf freust Du Dich jetzt einfach und ich mich mit Dir.

Eine beschwerdefreie und vor allem unbeschwerte Zeit wünsche ich Dir!

Herzlichst
das Dilein
Gespeichert
Dancer In The Dark
Gast
« Antworten #16 am: 07. April 2004, 15:00:37 »

Hallo Ana,

ich finde es schade, dass Du Dich dagegen entschieden hast... kann Dich aber gut verstehen. Meinst Du, dass die "Rechtfertigung" mit dem Studium vielleicht unbewusst von Deiner Angst gesteuert wurde??
Ich sehe es aber sonst auch wie Dilein: Entscheidung ist Entscheidung und ist demnach das Beste für Dich.

Auch ich wünsche Dir ruhige Ostern und die Power, die Du für Dein Studium brauchst und Dir wünschst!
Gespeichert
TomStern  
Gast
« Antworten #17 am: 07. April 2004, 22:01:41 »

Hallo Ana,
bin gerade vorn ner Stunde nach Hause gekommen und meine Stategie die ich hier so vollmundig angekündigt habe ist tasächlich aufgegangen :-)
Aber was man nicht vergessen darf ist, dass da eine langjährige Arbeit hintendran steckt, deren Früchte ich jetzt einheimsen konnte.
Im Bezug auf Deinen Englandtrip denke ich, dass da vielleicht die Zeit wirklich noch nicht reif dafür ist. Aus diesem Grund finde ich Deine Entscheidung völlig richtig. Unsere Angst setzt uns Grenzen und wir müssen immer wieder verschen diese zu überschreiten, aber wir müssen auch erkennen  wann ein Schritt für uns zu groß ist.
Deswege bleib dran und Du wirst sehen, eines Tages merkste die Zeit ist reif dafür und dann steigste in den Flieger
LG
Tom*
Gespeichert
Ana  
Gast
« Antworten #18 am: 08. April 2004, 16:21:53 »

Hola!

@ Dilein: Ja, es ist auf jeden Fall eine Erleichterung, endlich eine Entscheidung getroffen zu haben. Und ich habe auch garnicht ständig darüber nachgedacht, mit der Zeit bin ich einfach irgendwie immer weiter von dem Plan abgekommen.
Danke für deine Wünsche!

@ Dancerin: Ich denke nicht, dass diese Entscheidung aus der Angst heraus gekommen ist. Ich habe eigentlich sehr - mir fällt das richtige Wort grade nicht ein - rational? - darüber nachgedacht ohne mich von Gefühlen leiten zu lassen. Ich habe ja gesagt, dass selbst wenn das WE voller Angst und Panik werden sollte, es sind nur ein paar Tage, die ich überstehen würde. Es geht mir mehr um die Konsequenzen. Auf der einen Seite hätte es sehr positive Folgen haben können, dass ich unheimlich gestärkt aus der Sache herausgehe. Auf der andren Seite aber hätte es eben schief gehen können, und das möchte ich nicht mitten im Semester riskieren. Und wie gesagt, meine Energie möchte ich zur Abwechslung malwieder auf die Uni konzentrieren. Nein, ich denke wirklich nicht, dass es nur eine unbewusste Ausrede ist. Schließlich hohle ich das ja auch im Sommer nach, dass habe ich mir fest vorgenommen - und falls ich da doch wieder zögere, erinnert mich an meine Worte!


@ Tom: Ich freu mich für dich, dass dein Berlin-Trip gut war, echt super! :)
Ich denke auch, es war einfach die falsche Zeit für den England-trip, und der richtige Zeitpunkt wird bestimmt noch kommen...

Liebe Grüße, Ana
Gespeichert
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