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Autor Thema: Meine Freundin will nicht in die Klinik, was kann man tun??  (Gelesen 2016 mal)
hatice
Gast
« am: 30. Oktober 2004, 23:43:35 »

Hallo allerseits,

ich habe mich schon kreuz und quer in eurem Forum umgeschaut und auch schon mal was geschrieben, aber irgendwie finde ich das nicht mehr.

Ich habe so viele Fragen, und hoffe dass sich hier jemand durchringt mir zu antworten, bzw. auf die entsprechenden Seiten zu verweisen.

Meine Freundin war vor ca. 2 Jahren wegen Schizophrenie in eine Klinik eingwiesen worden. (Damals habe ich sie noch gar nicht gekannt) Man hatte Angst, dass sie ihrer 4-jährigen Tochter was antuen könnte. Nach ca. 3 Wochen durfte sie wieder raus. Musste starke Tabletten nehmen (Seroquel) morgens eine und abends eine.

Dann vor ca. 1,5 Jahren als ich sie kennengelernt habe, hat sie mit mir viel gesprochen und viel geklagt über Dinge, über die sie sonst in ihrer 12-jährigen Ehe immer geschwiegen hat. (häusliche Gewalt)

Ich weiß nicht mehr wie oft sie mir ihre Geschichte erzählt hat, immer wieder und immer wieder das Gleiche. Sie wollte an der Situation was ändern und ich habe sie dabei unterstützt.
Nun hat sie eine Mutter-Kind-Kur hinter sich, hat sich dann von ihrem Mann getrent, hat dann bei einer Bekannten für über ein halbes Jahr gewohnt und sich wohlgefühlt.
Sie und ihre 6-jährige Tochter sind richtig aufgeblüht, der regelmäßige Vater-Kind Kontakt hat auch einwandfrei funktioniert und es schien alles perfekt zu sein, da sie vor 4 Wochen auch noch ihre eigene Wohnung gefunden hat.
Mit den Tabletten hat sich bereits vor 8-10 Wochen ganz aufgehört. (Zum Schluß war es nur noch eine halbe Abends die sie dann ohne Rücksprache mit dem Nervenarzt abgesetzt hat.)

Das Gespräch mit dem Nervenarzt war eh nur alle 8 Wochen, und dann ging es ungefähr 10 Minuten. Ich war selbst ein mal mit dabei und fand es ziemlich oberflächlich.

Nun ist es aber so, dass sie plötzlich von einem Tag auf den anderen in eine Art Trance Zustand gefallen ist. (Es ist Ramadan und sie fastet auch noch)

Und so habe ich sie noch nie erlebt. Man kann nicht vernünftig mit ihr reden,  sie ruft ihrem getrennt lebenden Mann an und erzählt lauter Quatsch, z.B. sie wolle jetzt sofort ein Ticket in die Türkei, und sie habe den Beamten in der Türkei geschrieben, dass sie sie abholen. Und wird dabei richtig agressiv.
Sie schläft nachts nicht, sie kapselt sich ab, sie weiß nicht was sie will.

Dann bin ich mit ihr zum Nervenarzt, jetzt bekommt sie wieder Seroquel, aber ihr Zustand hat sich noch nicht gebessert. Am Mittwoch soll sie in die Klinik, aber sie sagt sie wolle nicht wieder in die Klinik.

Sie meint da sitzt und liegt sie blos rum und sie will da nicht immer wieder hin. Das bringt nichts.

Aber alleine mit Tochter in der eigenen Wohnung  bringt im Moment auch nichts.

Jetzt ist sie wieder bei ihren Eltern, weil es im Moment niemand anderen gibt bei dem sie bleiben kann. Obwohl sie die letzten 2 Jahre keinen Kontakt zu den Eltern haben wollte. (Wegen Zwangsheirat, die Mutter besteitet aber heftig)

Nun meine Fragen:

Kann man sie dazu zwingen in die Klinik zu gehen?

Gibt es Betreuer die regelmäßig in die Haushalte von psychisch Kranken mit Kindern kommen?

Gibt es denn nicht die Möglichkeit, dass sie regelmäßig an Gruppengesprächen, oder sonstigen Therapiegesprächen teilnehmen kann. (Nicht nur oberflächliche 10 Minuten Gespräche)

Gibt es im PLZ Bereich 72 eine richtig gute Spezialklinik?

Sie ist ja nicht verrückt, sie kapselt sich im Moment nur ab. Was ist wenn sie in der Klinik mit anderen schlimmeren Fällen konfrontiert wird??
Färbt so was nicht ab?

Ich möchte doch einfach nur helfen weil ich die beiden sehr mag. Ich werde heute nacht wohl noch ein ganzes Weilchen rumsurfen und würde mich riesig über eine antwort freuen.

Danke schon im Vorraus
Gespeichert
wolfgang  
Gast
« Antworten #1 am: 31. Oktober 2004, 06:23:12 »

Hallo Hatice,
bei uns in Rheinland-Pfalz gibt es an jedem Gesundheitsamt einen Dienst, der kranke Menschen aufsucht. Dort sitzt auch ein Psychiater. Die kann man einschalten.

Du kannst nur jemanden in eine Klinik bringen, wenn Gefahr für den Betroffenen oder sein Umfeld besteht. Das läuft dann über eine Zwangseinweisung. Ich kenne das von mir selbst und ich finde dies traumatisch.
Besser ist es den Betroffenen von der notwendigen Unterbringung zu überzeugen.
Natürlich gibt es Therapien. Frag am besten mal bei Deiner Krankenkasse nach.
Seroquel ist ein relativ neues Medikament, dass ich auch nehme. Es soll wesentlich weniger Nebenwirkungen haben. Ich habe überhaupt keine Nebenwirkungen. Es kann sehr kritisch sein Medikamente eigenmächtig abzusetzen.

Für jemanden, der nicht gut abgrenzen kann, kann es schon belastent sein mit anderen Kranken zusammen zu sein.

Herzliche Grüße
Wolfgang Kluck
Gespeichert
hatice
Gast
« Antworten #2 am: 31. Oktober 2004, 12:03:57 »

Hallo Wolfgang,

Danke für den Tipp, dass es bei dir traumatisch war, dich zwangseinzuweisen. Denn ich habe noch mal mit ihr gesprochen und sie will einfach nicht in die Klinik. Auf die Frage was sie dann wolle sagt sie immer "weiß ich nicht".
Dass sie nicht alleine mit Tochter in ihre Wohnung kann leuchtet ihr aber ein. Das will sie auch nicht.

Ich habe jetzt einfach mal die Hoffnung, dass es mit Seroquel wieder besser wird und bin im Internet noch auch noch auf eine Adresse vom "Sozialpsychiatrischen Dienst" gestossen.

Werde dort gleich am Dienstag anrufen, und  dann eventuell noch bei Gesundheitsamt, bzw. Krankenkasse nachfragen.

Ich verstehe nur nicht, warum der Nervenarzt mir das nicht gesagt hat. Ich hatte nachdem ich den Trance Zustand bei ihr bemerkt habe, sie und ihre Tochter mit zu mir nach Hause genommen.

Sie hat die ganze Nacht kein Auge zugemacht, hatte riesengroße Pupillen, hatte eine innere Unruhe und ist die ganze Zeit hin und her gelaufen und hat immer wieder angefangen zu weinen.

Ihr Nervenarzt den wir dann am nächsten Tag aufgesucht haben, meinte nur Tabletten nehmen und wieder in die Klinik. Obwohl sie gesagt hat dass sie da nicht hin will, hat er das ignoriert und auch keine Erstatzlösung vorgetragen.

Auf meine Fragen meinte er er dass seine Zeit um wäre, er müsse weiter, weil wir ja ohne Termin gekommen sind und er nächste Woche Urlaub hat.

Ich habe mich voll aufgeregt, dass er einen voll im Regen stehen lässt und nicht mal weitere Anlaufstellen nennen kann.

Die Familie von ihr will sie am Mittwoch unter einem Vorwand in die Klinik bringen. Auch gegen ihren Willen. Mal sehen was ich noch vermitteln kann. Denn es besteht absolut keine Gefahr gegen irgend jemanden.

Vielen Dank für die Infos
Der Bericht Schiziphrenie - Tür zu einer anderen Realität hat mir sehr viel gebracht und ich weiß jetzt dass ich die Krankheit nicht wegreden darf, ich muss es einfach aktzeptieren.

Dass das Serquel bei ihnen keine Nebenwirkungen hat, finde ich Klasse. Bei ihr war es immer so, dass sie durch die Tabletten immer so müde und träge war. Sie sagte selber, sie meint dass sie neben sich stehen würde.

Viele Grüße
Gespeichert
wolfgang  
Gast
« Antworten #3 am: 31. Oktober 2004, 12:11:49 »

Hallo Hatice,
wir duzen uns hier alle, du musst mich nicht siezen.

Seroquel macht müde, das stimmt, deshalb nehme ich es nur kurz vor dem schlafen gehen.

Ich kann das natürlich nicht richtig einschätzen, aber Deine Freundin scheint in der Psychose drin zu sein. Da helfen wirklich erst mal nur Medis und Klinik. Ich kann mir kaum vorstellen das die Verwandten es schaffen werden Deine Freundin aufnehmen zu lassen, wenn sie das nicht möchte. Sie muss nämlich unterschreiben, dass sie freiwillig da ist.

Euch bleibt nichts anderes übrig, als sie von der Notwendigkeit zu überzeugen, nicht zu überreden.

Herzliche Grüße
Wolfgang
Gespeichert
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