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Autor Thema: Psychotiker, ein gesellschaftliches Problem!  (Gelesen 1657 mal)
JGB
Gast
« am: 31. Oktober 2004, 08:55:16 »

Psychotiker sind Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben. Ich spreche nun mal aus Erfahrung, eben als Psychotiker. Man kann mir ein bisschen Mut zurechnen, da ich einen gerichtlichen BESCHLUSS veröffentlicht habe. Psychotiker sind Menschen, die in unserer Gesellschaft keine Stimme haben. Menschen, mit denen niemand etwas zu tun haben möchte. Die Menschen, die gesunden, haben Angst, jeder kann diese Krankheit bekommen. Keiner ist wirklich geschützt. Aus der Angst heraus sperrt man uns weg. Welcher Psychotiker hat bis jetzt gewagt an die Öffentlichkeit zu gehen und sei es nur im Internet. Die Situation, unsere Situation kann doch nur besser werden, wenn drüber geredet wird und zwar Öffentlich.

Grüße, Jens

JensGB

27.10.04 09:26-
 

Ich finde es ist nicht so schlimm wie du es beschreibst. Meistens schließen sich diese Menschen selbst aus. Aber es gibt auch Menschen die sie ausschließen, weil sie mit ihnen nichts "anfangen" können. Angst, sich anzustecken haben sie wohl nicht. Eher Angst, selbst über ihre Probleme nachzudenken und vielleicht festzustellen, dass sie die selben Problem haben...

Eine Freundin von mir arbeitet in einen Verein mit und hat schon einiges erreicht. Es ist wichtig, dass es so etwas überhaupt gibt. Natürlich ist es schwer sich durchzusetzen und Aufmerksamkeit von der Gesellschaft zu bekommen. Das wichtigste ist aber dafür zu arbeiten und unsere Mitmenschen darauf Aufmerksam zu machen.

Agata

27.10.04 10:44-
 

Ich habe eine Schwester die (wie in einem anderen Beitrag geschrieben) eine Psychose hat.
So schlimm wie Du es beschreibst finde ich es nicht.
Mein Schwester z.B. schliesst sich selbst aus, und ganz ehrlich wir haben Angst vor Ihr. Deshalb auch die Zwangseinweisung, da Sie aggressiv geworden ist.
Meistens wollen Psychotiker mit einem selbst nichts mehr zu tun haben. Ich empfinde das so. Ich will diesem Menschen so gerne helfen, nur leider geht das nicht, da sich der Mensch in sich selbst zurückzieht.
Ich denke so wie Du es beschreibst, war es mal früher, aber jetzt schon lange nicht mehr.

graue welt

28.10.04 23:07Psychose: Jens Große-Brauckmann
 

Zu meiner Person!

Ich habe in Anführungszeichen nur einen Hauptschulabschluß, eine abgeschlossene Berufsausbildung als Werkzeugmacher, eine Ausbildung, allerdings nicht offiziell, als Packer und Komissionierer sowie als Bauteilevorbereiter für Elektronik. Alle Ausbildungen habe ich in einem weltweit bekannten Großunternehmen in Blomberg-Lippe absolviert. Ich lerne ständig, das heißt ich bin sehr wissbegierig. Was man von einem Psychotiker nicht erwartet, ich bin eigentlich bei meinen Sachen hochkonzentriert und lerne selbhstständig. Durch die Unterstützung von Medikamenten funktioniert mein Gehirn erstklassig. Eine Psychose beruht auf einer Hirnstoffwechselstörung, genauer gesagt, es fehlt ein Stoff im Gehirn, der durch Medikamente erstetzt werden kann. Die passende Medikamentenkombination ist bei mir erst nach neunzehn Jahren experimentieren gefunden worden. Es ist eine Kombination aus den Psychopharmaka Lyogen und Orfiril. Diese Kombination ist für mich optimal. Ich kann leider mein Wissen und meine Fähigkeiten nicht einsetzen, da es für mich hier keinen Arbeitsplatz gibt.

Grüße, Jens

Mittwoch 27.10.04 - 06:57

Jens Große-Brauckmann

Eintrag 107

Öffentliche Diskussion über Psychotiker!

Ich versuche die Probleme von uns Psychotikern in die Öffentlichkeit zu tragen und allgemeine Diskussionen auf breiter Ebene anzuwerfen, im In und Ausland. Ich meine, daß, das nicht nur die Kranken was angeht, sondern auch die gesamte Psychiatrie sowie die Allgemeinheit. Ich bin Psychotiker, aber ich sehe keinen Sinn mehr darin mit meiner Krankheit hinterm Berg zu halten. Ich bin jetzt 21 Jahre krank, ich bin deutscher Staatsbürger und sehe nicht ein mich wegen meinem Ruf zu verstecken. Ich habe genug Erfahrung was die Kliniken angeht und habe genug von dem allgemeinen Gerede darüber. Ich kann mich sehr gut ausdrücken und meist sehr präzise, mit anderen Worten, ich freue mich über jede Unterstützung.

Mit freundlichen Grüßen
Jens Große-Brauckmann

Mittwoch 27.10.04 - 05:58

Jens Große-Brauckmann

Eintrag 106

Psychotiker, ein gesellschaftliches Problem!

Psychotiker sind Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben. Ich spreche nun mal aus Erfahrung, eben als Psychotiker. Man kann mir ein bisschen Mut zurechnen, da ich einen gerichtlichen BESCHLUSS veröffentlicht habe. Psychotiker sind Menschen, die in unserer Gesellschaft keine Stimme haben. Menschen, mit denen niemand etwas zu tun haben möchte. Die Menschen, die gesunden, haben Angst, jeder kann diese Krankheit bekommen. Keiner ist wirklich geschützt. Aus der Angst heraus sperrt man uns weg. Welcher Psychotiker hat bis jetzt gewagt an die Öffentlichkeit zu gehen und sei es nur im Internet. Die Situation, unsere Situation kann doch nur besser werden, wenn drüber geredet wird und zwar Öffentlich.

Grüße, Jens

Mittwoch 27.10.04 - 03:47

Jens Große-Brauckmann

Eintrag 105

Freundschaften

Ein Kosovoalbaner ist ein Mensch wie jeder andere!

Nassa habe ich im Krankenhaus in Bad Driburg kennengelernt! Ich habe mit ihm Freundschaft geschlossen. Er war im Kosovokrieg ein albanischer Einzelkämpfer und hat schwere psychische Schäden davongetragen. Er war in Kriegsgefangenschaft bei der Serben. Er kam nach Deutschland und arbeitete als Betonwerker in Berlin, auf den großen Baustellen. Ins Krankenhaus nach Bad Driburg kam er, weil er durchgedreht hatte und mehrere Polizisten umgehauen. Nassa hat naturgewachsene Muskeln, er ist kein Boddybuilder. Er hat eine unwahrscheinliche Kraft. Ich habe ihn im Krankhaus immer unterstützt. Dann hörte ich plötzlich, das etwas schlimmes passiert war. Nassa kam morgens mit einem vernarbten Gesicht ins Tageszentrum der Klinik. Ein Rechtsradikaler war eingeliefert worden und hatte ihn Nachts in seinem Zimmer überfallen. Der Typ hat eine Glasflasche am Bett von Nassa zerschellt und ihm den scharfen Glaskranz ins Gesicht gedrückt. Nassa hat im Reflex so zugeschlagen, das der Glaskranz dem Typen die Handsehne durchtrent hat. Beide wurden dann in der Chirurgie zusammengeflickt. Ich versuchte Nassa zu beruhigen. Als es dann in den folgenden Tagen immer schwieriger wurde, riefen mich die Ärzte und Pfleger auf ihn einzuwirken. Bei der Kraft wußte keiner, was man machen kann, also ich. Speziell als er an die Scheiben vom Schwesternzimmer schlug, wurde ich gerufen. Irgendwie habe ich es geschaft auf ihn einfluß zu nehmen, danach verliefen die Tage ruhig und er ließ sich alles gefallen.

Grüße, Jens

JensGB

29.10.04 09:08-
 

Die passende Medikamentenkombination ist bei mir erst nach neunzehn Jahren experimentieren gefunden worden. Es ist eine Kombination aus den Psychopharmaka Lyogen und Orfiril. Diese Kombination ist für mich optimal.

-->
weiss zwar nicht was das jetzt alles ist.. aber wenn es dir wirklich hilft.. könntest du doch wieder anfangen zu arbeiten  ..

peacefull

29.10.04 16:41@Jens
 

Es zählt immer das, was man selbner draus macht... Klar haben viele Menschen Vorurteile, aber so sind wir Menschen halt. Andere werden aus anderen Gründen in eine Schublade gesteckt... So ist das Leben, ob es Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, Ausländer,... sind!!!
Ich als angehende Ergotherapeutin könnte ja mal Ergotherapie, bzw. Arbeitstherapie vorschlagen!!!  Was hältst Du davon  Wäre ne gute Mischung...

moonlight79

29.10.04 22:50Arbeitstherapie - ich sag jetzt wie es aussieht!
 

Wenn ich ehrlich bin, ich hab das mit den Medikamenten bis jetzt nicht so richtig eingehalten! Mit der Einnahme bin ich ziemlich schluderig umgegangen, mit wenig Hoffnung auf Besserung. Mag sein, das ich tolle Texte schreibe, aber bringt doch alles nichts. Ich bin Kettenraucher ohne Ende und rauche weiter. Um es genau zu sagen, ich habe einfach aufgegeben. Ich finde alles ätzend.

Grüße, Jens

JensGB

29.10.04 23:25Wenn ich ganz ehrlich bin, Manien sind mir sogar recht!
 

Ärzte würden sagen: Manie - Die Flucht aus der Realität. Dieser Zustand richtig hey zu sein, gefällt mir! Dazu brauche ich nicht mal Drogen, ich brauche nur die Medikamente runtersetzen und bin nach einer Zeit dann fast im Delirium. Ich nehm keine Überdosen Medikamente oder Alkohol, allein das Absetzen der Medikamente, die Entzugserscheinungen reichen aus um voll abzugehen. Ich lebe doch lieber im siebten Himmel, als in diesem Elend. Ich vergesse dann zumindest eine Zeit lang, den gresslichen Alltag. Alkoholiker denken genauso.

Grüße, Jens

JensGB

29.10.04 23:53Die einzigste Freude am Leben ist für mich:
 

Der Blödsinn und die kleinen und großen Abenteuer, die ich ständig und mein ganzes Leben lang verzapfe! Ich mache mich über alles und jeden lustig. Meine Lebenserfahrung ist, überhauptnichts ernst zu nehmen, nicht mal den Tod.

Jens Große-Brauckmann

JensGB

30.10.04 19:32@Jens
 


Zitat:

Medikamente oder Alkohol, allein das Absetzen der Medikamente, die Entzugserscheinungen reichen aus um voll abzugehen. Ich lebe doch lieber im siebten Himmel, als in diesem Elend. Ich vergesse dann zumindest eine Zeit lang, den gresslichen Alltag. Alkoholiker denken genauso.


Merkst Du das  Du flüchtest aus der Realität... Im siebten Himmel... da leben wir nun mal nicht. Versuche stark zu sein, auch wenns manchmal schwer ist. Wir alle müssen mit Niederlagen umgehen, aber gerade das stärkt uns doch!!! Gerade das macht uns zu dem was wir sind... Nach Regen kmmt Sonne undman lernt damit umzugehen... Du bist doch nicht dumm oderso. Mach was aus deinem Leben. Gestaaaaaate Deinen Alltag so, dass Du Abends stolz bist, darauf was Du geleistet hast und setzt Du Dir ein ZIEL... Jeden Tag ein kleines!!!

Klar sind Mediamente nicht immer toll, denn das was Du siehst, wenn Du quasi im siebten Himmel bist ist ja nicht die Realität und wenn die Medikamente nachlassen, fällst Du wieder in en Loch... Deshalb it es wichtig, dass Du sie regelmäßig nimmst, so wie der Arzt es verordnet und irgendwann werden es weniger oder niedriger dosierte. Was ist denn jetzt mit Arbeitstherapie  

moonlight79


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hope  
Gast
« Antworten #1 am: 02. Januar 2005, 20:55:16 »

hallo,

ich kann jetzt nur speziell von mir reden. Da ist es so eine Sache, ausgegrenzt fühle ich mich nicht. Ich gehe eigentlich ziemlich offen mit meiner Krankheit um und abgewand hat sich bis jetzt noch keiner desswegen. Es wird oft verlegen geschwiegen oder das Thema gewechselt... Allerdings habe ich den Eindruck das mir aufgrund meiner psychischen Probleme oftmals nicht zugetraut wird das ich für mich selber denken kann, also das ich nicht ernst genommen werde. Ablehnung erfahre ich eigentlich nicht, eben nur dieses "als kind behandelt werden" und das verabscheue ich zutiefst!

Ich habe wenig Kontackte zu anderen Menschen, aber das liegt wohl daran das ich mich selbst ausgrenze, Dies liegt aber vielmehr an mir, meinen Problemen, als an den Menschen denen ich begegne.

Ich denke auch das viel zu wenig Aufklährungsarbeit geleistet wird. Wann findet man in den Medien schonmal etwas über Psychosen, Depressionen, Borderline oder ähnliches? Und wenn dann meist auch nur auf den kleinen Sendern. Meistens ist es doch so, das -wenn es mal Thema ist- in irgendwelchen Krimis oder so der Mörder, Psychopath oder was weiß ich ein "Psycho" ist. Oder es Wird in den Medien hochgepuscht das der Mörder eines Heimleiters ein Borderliner war. Wieviel hundert Morde gibt es? warum ist es da so überaus wichtig das einer davon von einem Borderliner begangen wurde??? Ist doch irgendwie verständlich wie über uns gedacht wird... oder?  


liebe Grüße
hope
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wolfgang  
Gast
« Antworten #2 am: 31. Oktober 2004, 10:35:52 »

Hallo Jens,
wenn du es für Dich so siehst ist es so. Menschen mit Psychosen werden nicht mehr oder weniger stigmatisiert, wie Menschen mit anderen seelischen Störungen.
Ich selbst habe mehrfach öffentliche Referate gehalten und erwähnt, dass ich unter Psychosen leide.

Psychosen gibt es in jeder Kultur und die Veranlagung psychotisch zu werden hat jeder Mensch.

Herzliche Grüße
Wolfgang
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Caro
Gast
« Antworten #3 am: 31. Oktober 2004, 21:28:33 »

"und die Veranlagung psychotisch zu werden hat jeder Mensch."

... das stimmt, das sagte mir sogar letztens meine Psychiaterin, dass sie für sich das auch nicht ausschließen kann, dass sie mal eine Psychose bekommt... das hat mich ganz schön erschreckt, aber ich fand es auch ehrlich von ihr.

Gruß
Caro
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