|
Celladoor
Gast
|
 |
« Antworten #6 am: 07. Januar 2005, 19:06:37 » |
|
Hallo Louise,
was du geschrieben hast, kann ich sehr gut nachvollziehen. Mir geht es ähnlich. Ich bin mittlerweile 23 und empfinde auch, dass ich mein Leben nicht nutze. Ich leide unter einer sozialen Phobie seit frühester Kindheit, so hat es jedenfalls meine Psychologin mal ausgedrückt. Es ist mir zwar im Laufe der Zeit gelungen, einige wenige Freundschaften aufzubauen, aber selbst da habe ich solche Angst, dass dies keine richtigen Freunde sind und ich sie bald eh wieder verlieren werde, weil ich es nicht schaffe, auf sie zuzugehen, sie mal zu fragen, ob sie was mit mir unternehmen wollen, weil ich erstens Angst habe zurückgewiesen zu werden und zweitens die generelle Angst da ist, rauszugehen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, liebenswert zu sein, da ich schüchtern bin und Schüchternheit für mich schon seit der Schule immer im negativen Zusammenhang galt, als schüchtern bezeichnet zu werden, ist für mich die schlimmste Abwertung. Zu Hause ist es irgendwie sicher, aber man wird traurig, weil man es nicht schafft und das ist ein Teufelskreis. Sicher fehlt der Mut, aber was macht man in den Situationen, in denen man einfach nur die Angst spürt und sich nichts sehnlicher wünscht als sicher zu Hause zu sein? Wenn ich es dann mal wieder nicht geschafft habe und allein zu Hause sitze, wünsche ich mir nichts mehr als dass es irgendwann anders wird, aber wie soll das gehn? Ich bin 23 und hatte noch niemals eine Beziehung und kann mir gar nicht vorstellen, jemals jemanden so nahe an mich ranzulassen, obwohl ich mich so danach sehne. Außerdem kann ich das auch keinem erzählen, denn wer ist 23 und hatte noch niemals eine Beziehung? Die Wertung der anderen ist mir einfach so extrem wichtig und ich würde mich immer wieder verbiegen, nur um den anderen zu gefallen. So erzählt man was der andere hören will, tut fröhlich, um dann später allein zu Hause zu sitzen und zu weinen. Ich habe mittlerweile zwei Verhaltenstherapien hinter mir und es geht mir schlechter als zuvor. Ich habe keinen Spaß am Leben und beneide die anderen darum, locker ohne Probleme rausgehen zu können, ohne Angst vor der negativen Beurteilung mit anderen Menschen umgehen zu können. Ich glaube, ich habe resigniert, weil ich immer wieder gescheitert bin.
|