semper
Juniormember
 
Beiträge: 19
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« am: 19. Januar 2005, 01:04:49 » |
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Hallo, ich war im Frühjahr zwei Monate in Bad Grönenbach, was mir supergut getan hat. Allerdings gibt es dabei keine Nachsorge, so dass ich nach der Entlassung in ein tiefes Loch gefallen bin oder besser gesagt mich immer noch darin befinde. Ich habe das Gefühl, mal kurz im Sandkasten mit den anderen Kindern gespielt haben zu dürfen und jetzt wieder alleine draussen zu stehen und nur noch zuzusehen.
Wem geht es ähnlich? Wem geht es anders? Was macht ihr dagegen oder dafür?
Ich war zwar schon in einer Ex-Gröni Gruppe, doch die hat mir nicht das gegeben, was ich gesucht habe.
Grüße vom Ende des Regenbogens semper
[Editiert am 19/1/2005 von semper]
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Depri
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« Antworten #1 am: 19. Januar 2005, 14:47:23 » |
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Mir geht es ähnlich. Ich stehe mitten im Raum und weiss nicht was ich soll. Da war alles so schön geordnet. Jetzt bin ich wieder die meiste Zeit des Tages alleine. Ich habe auch Kinder und bin alleinerziehend. Was mich am meisten bedrückt ist die finanzielle Angst. Ich habe mir jetzt eine SHG gesucht, nächsten Freitag gehe ich da hin. Ich muss mit Menschen reden, die ähnliche Sorgen haben. Ich komme mir vor wie ein Ausserirdischer auf unserem Planeten.
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Rua
Gast
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« Antworten #2 am: 19. Januar 2005, 16:48:25 » |
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Servus ! War letzten Sommer auch 9 Wochen in einer psychosomat. Klinik und es hat mir wirklich sehr geholfen - bin wieder in meinem Beruf, habe mich sehr zu mir selbst hin entwickelt und wohl auch dadurch endlich einen fantastischen Partner gefunden. Nun kommen aber meine Ängste zurück, und das belastet mich und wie ich fürchte, über kurz oder lang auch die Partnerschaft. Ich habe so viel geschafft und gewonnen und jetzt Angst, es wieder zu verlieren, womöglich durch meine eigene Schuld. Das macht mich ziemlich fertig, weil ich mich akzeptiert hatte,wie ich bin - und jetzt schlecht sich wieder das "warum kann ich nicht einfach 'normal' sein ?!" ein. Daß der postive Effekt der Reha / Kur zurück geht, sagte mir auch die Psychologin, die mich weiter betreut, aber manchmal fühle ich mich schon sehr alleine und fürchte, den "Normalen" wieder auf den keks zu gehen oder sie zu überfordern... Und dabei will ich diese ganzen Zweifel und Ängste gar nicht mehr !!
*seufz*
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Depri
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« Antworten #3 am: 19. Januar 2005, 19:12:53 » |
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So ganz ist der Erfolg aber nicht weg. Ich bin wesentlicher ruhiger geworden und stelle mich den Aufgaben des Lebens mutiger. Vor allem habe ich das Gefühl ich muss raus aus meinem Nest. Vorher war ich meistens nur zuhause. Was mir in der Kur so gefiel, waren die vielen lieben Mitpatienten. Aber auch dort war ich manchmal entsetzlich alleine in mir drin. Ich muss also noch viel lernen... und vor allen Dingen Menschen finden, mit denen ich reden kann. Ich denke die SHG wird mir dabei weiter helfen. Das schöne in der Klinik war ja, das alle irgendwie aus dem gleichen Boot kam. War mir schwindlig, hat keiner doof gefragt, war ich traurig hat man mich getröstet. Und das brauche ich auch hier im realen Leben. Also nicht verstecken, sondern Menschen suchen hier in der Realität.
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Alue
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« Antworten #4 am: 19. Januar 2005, 19:16:31 » |
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Hallo Semper,
nach einem 18-Wochen-Aufenthalt auf einer Depressions-Station hatte ich auch das Gefühl, dass mal eben alle Probleme angekratzt und aufgewühlt wurden und man mich mit diesem Stand der Dinge ins kalte Wasser geworfen hat. Man hat mir aber nahegelegt, unbedingt mit ambulanter Therapie weiterzumachen. Das habe ich zu dem Zeitpunkt allerdings vor mir hergeschoben. Ein gutes halbes Jahr später ging es mir wieder so schlecht, dass ich nochmal für zehn Wochen in die Tagesklinik gegangen bin. Ich wurde sehr viel stabiler entlassen. Bis Sommer letzten Jahren ging es mir dann relativ gut (ca. ein dreiviertel Jahr waren nach der Klinik vergangen). Seit Oktober mache ich nun endlich eine ambulante Therapie - das hatte man mir auch in der Tagesklinik dringend empfohlen. Eine Therapie braucht ihre Zeit. In einigen Wochen Klinikzeit kann man wohl stabilisiert werden, aber dauerhaft sämtliche Probleme klären... sehr schwierig. Bei mir waren diese Zeiten zwischen den Therapien aber trotzdem auch jedesmal nötig. Hätte ich mit der Tagesklinik direkt nach dem stationären Aufenthalt weitergemacht, hätte das nix Neues gebracht. Anscheinend muss ich auch jedesmal erst wieder in ein Loch fallen, damit ich kapiere, dass Zeit ist für die nächsten Schritte in der Weiterentwicklung...
Gruß Alue
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Frodo: "Ich wünschte, all das wäre nie passiert." Gandalf: "Das tun alle, die solche Zeiten erleben, aber es liegt nicht in ihrer Macht, das zu entscheiden. _Wir_ müssen nur entscheiden, was wir mit der Zeit anfangen wollen, die uns gegeben ist."
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Per Somnium
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« Antworten #5 am: 12. Februar 2005, 12:09:00 » |
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Hallo Semper Nun ich meine, vielleicht wäre es richtig gewesen (wozu es aber nie zu spät ist) das Du dich selbst um eine Nachsorge kümmerst. Und es gibt oft auch die Möglichkeit eine Nachfolgekur (nach ein bis zwei, aber eher ein Jahr/en) zu beantragen. Was mich etwas stutzen lässt ist das Du schreibst das Du das Gefühl hattest mal kurz mit den "Kindern" gespielt zu haben und das Du nun wieder draußen stehst. Ich hatte 1999 eine Kur in Bad Gottleuba und ich hatte nie das Gefühl nur gespielt zu haben, nein es war für mich verdammt harte Arbeit, in der ich aber in den 8 Wochen jede Sekunde und jede Minute für mich intensiv genutzt habe und im Anschluss auf eine Weiterbehandlung drängte und ich bin ........... noch heute in Behandlung. Vielleicht eine Anregung für Dich? Per Somnium
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Querdenker passen oft nicht durch genormte Türen Per Somnium
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semper
Juniormember
 
Beiträge: 19
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« Antworten #6 am: 12. Februar 2005, 13:46:18 » |
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Hallo persomnium, das mit dem "spielen" meinte ich so, dass ich dort das Gefühl hatte, eine Zeitlang am "richtigen Leben" teilgenommen zu haben. Zu spüren wie ein reichhaltiges Leben mit Beziehungen, Freundschaften, Aktivitäten, gegenseitiger Unterstützung und viel positiver Energie aussehen KANN. Am Tisch des Lebens zu speisen, anstatt am Boden die Krümel und die Reste aufzulesen. Ich habe meine acht Wochen auch sehr ernst genommen und viel gearbeitet, ansonsten wäre es mir ja zum Ende meiner Therapie nicht so gut gegangen. Krass war eben dann der Eintritt in die Realität, auf den ich nicht vorbereitet war. Hier ist alles viel komplizierter. Hier kann ich nicht einfach an die Zimmertür von jemanden klopfen und fragen ob er mit mir spazierengeht. Hier sitze ich am Frühstückstisch eben nur alleine mit mir. Hier ist auch keiner mit dem ich mich nach den Regel der "Emotionalen Kompetenz" auseinandersetzen kann. Und so weiter.... Ich mache zwar auch eine therapeutische Nachsorger, in Form einer ambulanten Therapie, aber das ist eben bei weitem nicht das Gleiche.
Tja und damit schlage ich mich nun Tag für Tag herum.
Viele Grüße semper
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Per Somnium
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« Antworten #7 am: 12. Februar 2005, 15:33:16 » |
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Ja Semper, das hört sich schon etwas anders an und kommt mir auch sehr bekannt vor. Ich sprach dort in der Reha und heute nochmanchmal in meiner Therapie von drinnen und draußen, von hier (wenn ich drinnen war/bin) und von der Realität draußen. Meine Therapeutin hat mit oft vermittelt das es das Drinnen und Draußen so nicht gibt und das die Realität ja überall ist wo wir uns befinden. Gut, ich weiß es ja auch das so ist, aber zwischen Wissen und dem annehmen können liegen UNIVERSEN, anders kann ich es nicht ausdrücken und ich glaube Dir geht es ähnlich. Ja und das am Tisch des Lebens zu sitzen, nun ich glaube das hat damit zu tun das wir dort mehr unter Gleichdenkenden und Fühlenden waren/sind. Wenn ich heute mit Betroffenen rede, ja wir verstehen uns, wir können reden vielleicht so wie wir uns jetzt schreiben. Aber schon im Familien oder Freundeskreis hörst du oft, "du musst unter Leute, du musst lachen, denke positiv, hab dich nicht so du hast doch keinen Grund ..........." , aber wer kennt das von uns nicht? Nur bei mir war dies vieleicht in der Kur noch krasser wie bei Dir, ich war dort wirklich Eigenbrödler, bin Stunden und Tage für mich allein gewandert, habe Nächte lang gedacht und geschrieben. Bin einmal durch überreden mit mehren anderen weggegangen, erst haben wir gelacht und dann dachte ich plötzlich, die lachen ja über dich und merken nicht einmal das du am Tisch sitzt, danach hatte ich drei Tage nur noch geheult, als jemand sagte mensch du warst doch so lustig, konnte ich nur sagen, das war nicht wirklich ich und............. das stimmte auch, weil ..... weil dieses lachen eine Maske war um Denen gerecht zu werden. Tja wie Du siehst schlage auch ich mich damit Tag für Tag und manchmal noch Nacht für Nacht herum, leider in diesem Sinne mfG Per Somnium
PS: Entschuldige mir evl Schreibfehler, aber ich habe seid Wochen arge Konzentrationsprobleme, kann deshalb kaum Korrektur lesen.
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Querdenker passen oft nicht durch genormte Türen Per Somnium
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