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Autor Thema: Tagebuch  (Gelesen 2213 mal)
grisu
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Beiträge: 22



« am: 17. Februar 2005, 18:52:00 »

Hallo Ihr lieben!

Vor zwei Wochen habe ich damit begonnen, mich selbst zu verletzen (ritz**, bzw. sch***d**). Angefangen hat alles damit, dass ich im September 04 einen Su***dversuch unternommen habe und danach ersteinmal für 4 Monate in einer Klinik verschwunden bin.
Vor drei Tagen habe ich dann die Diagnose Borderlinestörung bekommen.
Ich möchte hier ein Tagebuch meines SVV´s beginnen, zum einen für mich selbst, da ich beim Schreiben meine Gedanken besser ordnen kann, und für andere, weil ich mich doch irgendwie noch voller Hoffnung fühle, das zu meistern, eventuell hilft es ein paar anderen hier ja auch???

Nachdem ich ehrlich und offen schreiben möchte, tue ich dies mit dem Hinweis "Trigger", einige Erlebnisse und Gedanken könnten nicht ganz ohne sein.

Ich freue mich darauf zu schreiben und evtl. ein Feedback von Euch zu bekommen.

So long Euer Grisu
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Man muss oft etwas tolles unternehmen, um wieder eine Zeit lang weiterleben zu können. (J.W. v. Goethe)
sternschnuppe
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« Antworten #1 am: 17. Februar 2005, 22:10:43 »

Lieber Grisu,

he, das hört sich aber nicht gut an.
Ich hatte gehofft das es Dir wieder besser ginge.

Aber bitte halte die Ohren steif, ich finde es gut wen du deine Gedanken niederschreiben willst.

Sei fest umarmt
Sternschnuppe
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grisu
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« Antworten #2 am: 17. Februar 2005, 22:48:52 »

Wie fängt man ein solches Tagebuch an?
Hallo Tagebuch? --Nein!
Ich denke, ich werde die Geschichte vom Beginn an erzählen.

Warscheinlich hat der ganze Mist schon irgendwo in meiner Kindheit begonnen.
Schon früh habe ich mich einfach "anders"gefühlt, als die anderen.
An bestimmten Punkten festmachen konnte ich es jedoch nicht, es war eher wie ein vages
Gefühl. Mit 17 hatte ich wohl meine erste depressive Episode,ich saß in meiner Schulbank
und fühlte mich alleine und ziemlich mies, ich hatte keinen Spaß mehr an vielen Dingen,
alles schien zuviel, nur mein kleiner Narzist in mir nörgelte und so waren die Schulnoten
nicht davon betroffen. Ich tat es eher als postpubertären Weltschmerzzustand ab, genau das
richtige Alter für solche Spinnereien.

Auch für die die nächsten "Schübe" war mir immer eine Erklärung eingefallen, warum es mir denn
gerade nicht so gut gehen könnte- Stress mit den Eltern, schlechte Schulnoten, gescheiterte
Beziehungen. Es ließ sich alles wunderbar begründen und ich hegte keinerlei Verdacht, bis-

Ja, bis Juli letzten Jahres. Wieder einmal ging es mir nicht besonders, ich hätte nur noch
schlafen können, war zu nichts mehr zu gebrauchen, gerade, dass ich meine Arbeit, in der es mir
immer gut geht, geschafft habe. Selbst das Spazierengehen mit meinem Hund war nicht mehr das, was
es mal war - anstatt mit ihm zu spielen trottete ich meine eineinhalb Stunden vor mich hin,
nur damit die Zeit eben vorbei war.

Dann kam die große Wende...
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grisu
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« Antworten #3 am: 17. Februar 2005, 23:08:51 »

Eines Tages fragte mich eine Freundin, ob Paroxetin die Wirkung der
Pille beeinträchtigen würde. Nachdem ich beruflich ein wenig mit diesem Thema zu tun habe,
machte ich mich schlau. Dabei fiel mir auf, dass Paroxetin ein Psychopharmaka ist. Oh Gott,
ein Medikament für die Bekloppten. Eine gefährliche, die Persönlichkeit verändernde Pille,
die die Leute dazu bringt, so rumzulaufen wie in "Einer flog über das Kuckucksnest".
Meine Neugier war jedoch größer und ich durchsuchte das Internet nach Informationen über
Depressionen und Angststörungen.

Zu meiner eigenen Beunruhigung stellte ich fest, dass viele der Symptome, die in den
Artikeln beschrieben waren auf mich zutrafen. Schnell noch ein paar dieser Selbsttests
durchgeführt und in mir wuchs die Angst und die Befürchtung von einer Krankheit befallen
worden zu sein, über die ich letzendlich nichts wusste und nur Vorstellungen von
geschlossenen Anstalten durch meinen Kopf schossen.

Zum Glück hatte ich einen guten Freund (mittlerweile mag er, glaube ich nichts mehr mit
mir zu tun haben, was ich sehr schade finde), der an einer Universitätsklinik als
Psychologe arbeitet, im Kopetenznetz Depression. Unter dem Vorwand ich bräuchte die
Informationen für eine Freundin bat ich ihn um Infomaterial und Adressen.

Das, was ich da zu Lesen bekam bestätigte mit fast jeder Zeile meine ungute Vorahnung.
Depressionen sind gut behandelbar stand da, viele Leute haben Depressionen und die
Gesellschaft sieht diese Erkrankung mittlerweile mit anderen Augen. So stand es da,
aber die Zahlen, die ich im Internet fand, das was ich in vielen Betroffenenforen
zu lesen bekam sprach doch eine andere Sprache. Gut, die Statistik ist die Hure der
Wissenschaft, und man sollte grundsätzlich keiner Statistik vertrauen, die man nicht
selbst gefälscht hat, aber das was ich da las machte mir Angst und eventuell war es ja
das, was dieses schreckliche Geschehniss eines Wochenendes im letzten September verursachte.
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grisu
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« Antworten #4 am: 18. Februar 2005, 22:16:55 »

Ich war mittlerweile schon hier im Forum Mitglied geworden und hatte mich mit verschiedenen
Leuten per Beitrag und auch im Chat unterhalten. Alle haben mir Mut gemacht, aber mir auch nichts
von den schlimmen Seiten verheimlicht, die eine solche Erkrankung mit sich bringt.
Mittlerweile hatte ich bereits einen Termin bei einem sehr guten Psychiater vereinbart,
jedoch waren bis zu diesem Termin noch drei Wochen zu warten - eine ungute Situation.

Ein Freitag, wie jeder andere. 14 Uhr, meine Schicht war zu Ende, das Wochenende konnte beginnen
und es begann, wie fast immer in der letzten Zeit. Ich hatte mich gerade umgezogen und gerade
die Tür meines Autos in´s Schloss fallen lassen, da kam ES wieder - dieses Gefühl von Leere
das sich in letzter Zeit immer mehr und mehr in mir und um mich herum breit gemacht hatte.
Ich versuchte es mit lauter Musik zu übertönen, aber es half nichts. Zumindest konnte ich mich
auf den Abend freuen, denn da hatte ich mich mit Freunden zum Klettern verabredet - das
einzige, was mir in dieser Zeit geholfen hat.

Also ab nach Hause und mit dem Hund raus. Wieder 2 Stunden vor mich hin laufen, aber es lief anders.
Ein Anruf unterrichtete mich darüber, das meinen Kletterkumpels etwas dazwischengekommen war-
Klettern fiel somit flach.
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Winnie
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« Antworten #5 am: 21. Februar 2005, 13:21:10 »

Lieber Grisu,

habe gerade gelesen ... bin ganz traurig ... ich hatte so für DICH gehofft, dass es Dir jetzt besser geht!!!! Wenn Du reden magst ... gern! Du weißt ja, dass auch ich mit vielen Diagnosen kämpfe ... ein Gutachter der BfA hat mir Anfang Februar erklärt, dass ich an einer schweren Angststörung leide ... manchmal kommt es mir so vor, als wenn ständig neue Diagnosen hinzu kämen ... daher kann ich Dein Gefühl gut verstehen!

Paß auf Dich auf!!!!
Liebe Grüße
Winnie
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grisu
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« Antworten #6 am: 22. Februar 2005, 22:58:45 »

Also lief ich vor mich hin, mein Hund sprang um mich herum und forderte mich zum Spielen auf,
aber ich konnte mich nicht dazu aufraffen, ich fühlte mich einfach nur müde und so verdammt
leer. Die Gedanken fingen an zu kreisen und nahmen mich wieder einmal in dieses Gefühl mit,
dem ich später den Namen "Fernsehergefühl" gegeben habe:

Wenn man einen alten Fernseher ausschaltet wird das Bild langsam immer kleiner und kleiner,
bis es sich auf einen weißen Punkt auf der Bildschirmmitte zurückgezogen hat,
der nach und nach immer dunkler wird und dann verschwindet.

Meine Wahrnehmung war das Bild und der Bildschirm die Realität. Jemand hatte bei mir den
"Aus"-Knopf gedrückt und ich begann wieder einmal damit, die Welt um mich herum langsam
auszublenden, ungewollt und machtlos dagegen. Alles lief wie in einem Film ab, in dem
ich zwar mitspielen durfte, ohne jedoch die Handlung zu verstehen, geschweige denn verändern
konnte. Ich war quasi nur als Requisite vorhanden, statisch und (fast) bedeutungslos.

Dazu begleiteten mich Gedanken, die ich nicht aufzuhalten in der Lage war. Ich könnte jetzt
jemanden anrufen und etwas ausmachen, aber wer will schon mit mir etwas unternehmen, ich
bin langweilig. Irgendwo rumsitzen mit dieser Stimmung macht auch keinen Sinn, so will ich
nicht mit Anderen zusammensein, ich würde mich eh nur noch beschissener fühlen, den Anderen
den Tag mit meiner Laune verderben und mich noch unbeliebter machen, aber was tu ich dann?
Daheimsitzen und mich zulaufen lassen, damit ich diesen Schmerz in mir wenigstens nicht
mehr fühlen muss, wie so oft in letzter Zeit? - Auch das ist keine Lösung. So werde ich über
kurz oder lang eh zum Alkoholiker und lande unter der Brücke, wie so viele vor mir auch,
davor habe ich Angst!

Gedankenverloren stand ich nach dreieinhalb Stunden wieder vor der Haustür, wenigstens das
hatte ich geschafft, mein Hund hatte viel Auslauf, wenn auch ohne Spiel mit mir. Völlig
lustlos und eigentlich nur aus pflichtbewußtsein meinem Körper gegenüber schob ich eine
Pizza in den Ofen und setzte mich vor den PC. Als Gast verfolgte ich eine Weile die
Gespräche in meinem Stammchat, um mich aktiv zu beteiligen fehlte mir jedoch auch die
Motivation. Zur Pizza gnehmigte ich mir dann doch eine Flasche Bier und legte mich nach
einem heißen Vollbad in mein Bett, wo ich in einen unruhigen, aber langen Schlaf fiel.
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grisu
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« Antworten #7 am: 23. Februar 2005, 17:22:53 »

Hallo erstmal an alle, die hier mitlesen und einen speziellen Dank
an alle die, die auch etwas dazu schreiben. Ich freue mich sehr über Euer Feedback, es hilft mir weiter zu schreiben und am Ball zu bleiben. Und es macht Mut. Nochmal Dankeschön, den nächsten Teil gibt´s heute Abend.

Liebe Grüße
Euer Grisu
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grisu
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« Antworten #8 am: 23. Februar 2005, 21:08:37 »

Samstag morgen,meine Mitbewohnerin hatte meinen Hund schon mit raus genommen. Ich stand auf
und kochte erst einmal einen Kaffee. Es war schon elf Uhr und ich überlegte, was ich
mit diesem Tag anfangen könnte. Freunde treffen wäre sicher eine gute Möglichkeit mich
abzulenken, doch alle hatten schon etwas anderes geplant. Es ging mir nicht besonders schlecht,
ich fühlte mich nur von einer ungeheuren Unruhe getrieben, etwas sinnvolles zu tun.
Letzten Endes telefonierte ich mit unserem Chef und bat ihn mich als dritten Mann mit in
die Nachtschicht einzutragen. Es war Oktoberfest und so war sichergestellt, dass wir die
ganze Nacht über beschäftigt sein würden.

Meine Mitbewohnerin kam wieder und schimpfte über das Regenwetter. Ich erzählte ihr, ich müsse
die Nacht über arbeiten, zog mich warm und regenfest an und ging gleich wieder mit den Hunden
los. Ich empfand das Wetter als gar nicht so schlimm: Zumindest war es in der Parkanlage ruhig,
nicht so wie sonst an einem schönen Samstag, an dem man dauernd anderen Leuten über den Weg
läuft. Der Regen und der Wind taten gut, die Luft war frisch und roch sauber. Der Regen
tropfte von den Blättern, die der Herbst bunt bemalt hatte. ich setzte mich auf einen großen
Stein, zog die Kapuze meines Regenumhangs tief in´s Gesicht und beobachtete das Treiben der
Wasservögel, die auf den Wellen der Isar hin und herschaukelten. Meine Gedanken sprangen
fast augenblicklich zu den Themen zurück, um die sie schon gestern gekreist waren. Meine
Augen betrachteten die Natur, doch mein Kopf war meilenweit von mir entfernt. Obwohl
ich sehr lange geschlafen hatte, fühlte ich mich sehr müde, leer und verbraucht. Der Regen
wurde vom Wind in Böen in mein Gesicht geweht, durch meine Brille sah ich nur noch sehr
verschwommen, aber das machte mir nichts aus.

Die Hunde hatten ihren Spaß, ihnen war es genauso egal, ob es regnete oder nicht, wie mir. Es
waren sicher zwei Stunden, die ich dort auf dem Stein sitzend, gedankenversunken verbracht
hatte. Wieder aufzustehen fiel so schwer; ich hätte dort noch lange sitzen bleiben können.

Wieder daheim schälte ich mich aus den nassen Klamotten und stieg in eine heiße Badewanne,
die ich mir eingelassen hatte. Anschließend legte ich mich in mein Bett und schlief für die
kommende Nacht vor.

Halb neun, der Wecker klingelt mich aus dem Schlaf. Ich freue mich auf den Dienst und gehe
in´s Bad um mich frisch zu machen. Noch schnell einen Kaffee und etwas zu Essen eingepackt
und ab in die Arbeit.

Der Nachtdienst gestaltete sich sehr lustig. Mit den beiden Kollegen zu arbeiten hatte schon
immer großen Spaß gemacht. In dieser Nacht versorgten wir acht Patienten, die alle in
irgendeiner Art und Weise oktoberfestgeschädigt waren. Einer zum Beispiel behauptete von sich
der weltbeste Memminger zu sein, bevor er total betrunken und wild gestikulierend auf einen
Polizisten losgehen wollte, dabei aber über seine eigenen Beine stolperte und der Länge nach
auf die Nase fiel. Es war eine tolle Schicht und dieses Gefühl hatte ich auch noch um 6 Uhr
am nächsten Morgen, als wir unser Fahrzeug zur Übergabe in der Waschhalle reinigten.
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Man muss oft etwas tolles unternehmen, um wieder eine Zeit lang weiterleben zu können. (J.W. v. Goethe)
Melody
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« Antworten #9 am: 26. Februar 2005, 06:14:07 »

Hallo Grisu,

warum schreibst du nicht weiter, hat dich der Mut verlassen?

Liebe Grüße
von Melody
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Wir sind alle Engel mit einem Flügel, wenn wir fliegen wollen dann müssen wir uns umarmen.
Bazille
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« Antworten #10 am: 26. Februar 2005, 09:53:04 »

Hallo grisu,

was du beschreibst kenn ich so gut!!!!
Ich hoffe das der Psychiater Dir helfen kann.
Ich bin noch auf der Suche nach einem geeigneten Therapeuten für mich!
Es ist halt alles nicht so leicht. Mein SV-Verhalten lagert sich ständig um! Von daher ist es für mich schwer zu greifen. Zwinge ich mich mit dem Stechen auf zu hören wird der Dro***konsum wieder mehr, oder ich fang an zu Fressen bis ich ko***.
Wie auch immer ich möchte Dich nicht erschlagen oder irgendjemanden zu Nahe treten!
See you!
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sternschnuppe
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« Antworten #11 am: 01. März 2005, 22:30:55 »

Hallo, Grisu,

hat dich die Lust zu schreiben verlassen?
Wie geht es dir mit dem Tagebuch?

So, nun keine weiteren Fragen an dich, ich dneke du wirst weiter schreiben wen dir danach ist.

Sei fest Umarmt
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grisu
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« Antworten #12 am: 02. März 2005, 08:57:13 »

In der Umkleide dann noch die üblichen Scherze und mit meiner Dienstkleidung lege ich meine
Rolle ab, meine Rolle, in der ich genau weiß, wie ich mich zu verhalten habe, was von mir
erwartet wird. In meinen Rollen fühle ich mich wohl und geborgen, ich habe es perfektioniert
in Rollen zu leben. Nachdem das schon so läuft, seit ich mich bewußt an Dinge, wie Verhalten
erinnern kann, weiß ich bis heute nicht wer oder was ich eigentlich bin. Ich bin bis jetzt
immer (unbewusst) die Rolle gelebt, die gerade von mir erwartet wurde.
Aber zu diesem Zeitpunkt war mir das noch nicht bewusst.

Noch eine Zigarette mit den Kollegen vor der Wache und dann in´s Auto. Mit einem Rumms fällt
die Autotür in´s Schloss und zu der Müdigkeit, die ich jetzt deutlich spüren kann- der Nacht-
dienst hat wohl doch mehr angestrengt, als erwartet- überfällt mich wieder dieses Gefühl der
Leere, der Sinnlosigkeit und des Alleineseins.

Eigentlich wollte ich mir das Gefühl der Nachtschicht ja bewahren. Ich schiebe so gut es geht
die Gedanken beiseite, versuche sie als Müdigkeitserscheinung zu betrachten und bereite mich
seelisch schon mal auf den Morgenspaziergang mit den Hunden vor.

Es ist windig und es regnet leicht. Die Wege sind matschig und keine Menschenseele weit und
breit. Ich laufe vor mich hin, müde und versuche mich immer noch gegen meine Gedanken zu
wehren. Sie sind so stark und ich bin so müde...

Zuhause angekommen lege ich mich in mein Bett, Schlaf wird mir jetzt gut tun. Das Fenster ist
gekippt und ich höre das Plätschern des Regens auf meinem Fensterbrett. Ich versuche die
Gedanken zu verscheuchen, sie mit Logik zu wiederlegen und so finde ich mich in einer
Gedankenspirale wieder, ich wälze mich in meinem Bett hin und her, mein Kopf schmerzt schon,
aber Ruhe finde ich keine.

Zwei Stunden später liege ich immer noch wach da, müde, frustriert und mit immer noch vollem
Kopf. Ich halte es nicht mehr aus, ich muss hier raus, weg von meinen Gedanken, ich will
doch nur meine Ruhe haben!! Schnell ziehe ich mich an, schnappe mir die Hunde und mache mich
auf den Weg. Die frische, vom Regen gesäuberte Luft tut gut. Ich laufe vor mich hin, mein
Kopfweh verschwindet langsam, nicht aber die Gedankenkreise. Ich setze einen Fuß vor den
anderen, versuche mich auf´s Laufen zu konzentrieren und kann nicht mehr, ich will mich
nicht mehr dauernd gegen mich selbst wehren müssen, ich will nur noch laufen, egal wie...
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Man muss oft etwas tolles unternehmen, um wieder eine Zeit lang weiterleben zu können. (J.W. v. Goethe)
seni
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Beiträge: 23


« Antworten #13 am: 05. März 2005, 20:57:19 »

So gehts mir auch grad......dieses Gedanken-Chaos......zu meinen,man stehe kurz davor,verrückt zu werden.......
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Diejenigen sind krank,die auf einer so schlechten Welt glücklich,unbeschwert und problemlos leben können
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